Es geht weiter: Begegnungszentrum Mer Ketne startet neues Projekt Henning Wandel Minden. Die Zukunft des Mer Ketne ist gesichert: Bis Ende 2024 kann der Verein Deutscher Sinti das Bildungs- und Begegnungszentrum weiter betreiben – so lange läuft die Förderung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“. Mit dem Geld aus Berlin endet eine Phase der Ungewissheit für das Zentrum an der Königsstraße, das vor fast genau fünf Jahren Eröffnung gefeiert hatte. An diesem Freitag folgt jetzt der Neustart. Dafür hat der Initiator Oswald Marschall prominente Gäste eingeladen, allen voran den Vorsitzenden des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose. Weiterhin reden werden der Wuppertaler Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD) und der Geschäftsführer des Bündnisses für Demokratie und Toleranz, Dr. Gregor Rosenthal. Im Anschluss ist auch der Dialog mit dem Publikum eingeplant. Wie schon in den ersten Jahren wird das Projekt auch in Zukunft stark – aber nicht ausschließlich – auf Jugendliche zugeschnitten sein. Dafür werden auch weiter Schulklassen durch die Ausstellung zum Völkermord an Sinti und Roma in der Nazizeit geführt. Darüber hinaus gibt es Workshops, in denen sich Schüler mit der Geschichte der Minderheit auseinandersetzen können. Für Oswald Marschall liegt hier einer der Schlüssel, Vorurteile abzubauen, die sich nach wie vor in der Mehrheitsgesellschaft halten. Doch das Mer Ketne – was „Wir zusammen“ bedeutet – soll auch in die Gemeinschaft der Sinti und Roma hineinwirken. Eines der Stichworte in dem Modellprojekt des Bundesfamilienministeriums ist daher auch „Empowerment“, zu deutsch Ermächtigung – das Ministerium will damit die Selbstbestimmung von Minderheiten fördern. Es soll also auf der einen Seite dem noch immer bestehenden Antiziganismus entgegengewirkt werden, gleichzeitig sollen Sinti und Roma aber auch darin bestärkt werden, ihre Rechte aktiv einzufordern und sie in der Mehrheitsgesellschaft selbstbestimmt zu vertreten. Schon seit Jahren setzen sich Carmen und Oswald Marschall in Minden dafür ein, Mehrheit und Minderheit näher zusammenzubringen. Bis zur Eröffnung des Mer Ketne mussten sie lange kämpfen. Unterstützung kam schließlich von der Stiftung EVZ und der Evangelischen Akademie Villigst, doch die finanzielle Förderung lief nach zwei Jahren aus. Zwar gab es noch eine kurzfristige Verlängerung, trotzdem stand das Zentrum schon vor Corona vor dem Aus – bis ein Antrag bei „Demokratie Leben“ doch noch bewilligt wurde. Von April bis Mai hatten die Marschalls Zeit für ein neues Konzept, in dem sie das Zentrum ein Stück weit neu erfinden mussten. Neben der Arbeit mit Schulklassen rückt damit jetzt auch die Netzwerkarbeit stärker in den Fokus, der Austausch in Bürgerdialogen, Workshops mit heimischen Schulen, Stadtführungen zu den Stolpersteinen. Die Kernziele sind Antiziganismusprävention, Empowerment von Sinti und Roma sowie historisch-politische Bildung. Besonders der Blick zurück ist aus Oswald Marschalls Sicht notwendig, um die Gegenwart zu verstehen. Die Arbeit der vergangenen Jahre sei in Minden deutlich spürbar, sagt Oswald Marschall: „Es hat viele Nachfragen gegeben, wann wir denn wieder aufmachen“, sagt er. Der direkte Austausch zwischen Mehrheitsgellschaft und Minderheit ist ihm besonders wichtig. Auch deswegen sollen im nächsten Jahr die Öffnungszeiten ausgeweitet werden. Jeden Tag soll das Mer Ketne zwischen 9 und 16.30 Uhr mit einem Mitarbeiter besetzt sein. So kann das Zentrum auch abseits von Veranstaltungen oder Workshops ein Anlaufpunkt sein: „Und auf Anfrage führen wir Gruppen auch am Wochenende durch die Ausstellung.“ Für den Verein Deutscher Sinti Minden eröffnen sich mit der neuen Förderung ganz neue Möglichkeiten. Aktuell beschäftigt das Mer Ketne drei Mitarbeiter, eine weitere Stelle soll möglichst schnell dazukommen. Die Eröffnung beginnt am Freitag, 15. Oktober, um 18 Uhr im Mer Ketne, Königstraße 3. Anmeldungen sind nicht erforderlich, es gilt die 3G-Regel und Maskenpflicht.

Es geht weiter: Begegnungszentrum Mer Ketne startet neues Projekt

Vor fünf Jahren waren Romani Rose und die damalige NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann zur Eröffnung des Mer Ketne in Minden. Rose wird auch zum Neustart am Freitag wieder dabei sein. MT-Archivfoto: Henning Wandel © Henning Wandel

Minden. Die Zukunft des Mer Ketne ist gesichert: Bis Ende 2024 kann der Verein Deutscher Sinti das Bildungs- und Begegnungszentrum weiter betreiben – so lange läuft die Förderung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“. Mit dem Geld aus Berlin endet eine Phase der Ungewissheit für das Zentrum an der Königsstraße, das vor fast genau fünf Jahren Eröffnung gefeiert hatte. An diesem Freitag folgt jetzt der Neustart. Dafür hat der Initiator Oswald Marschall prominente Gäste eingeladen, allen voran den Vorsitzenden des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose. Weiterhin reden werden der Wuppertaler Bundestagsabgeordnete Helge Lindh (SPD) und der Geschäftsführer des Bündnisses für Demokratie und Toleranz, Dr. Gregor Rosenthal. Im Anschluss ist auch der Dialog mit dem Publikum eingeplant.

Wie schon in den ersten Jahren wird das Projekt auch in Zukunft stark – aber nicht ausschließlich – auf Jugendliche zugeschnitten sein. Dafür werden auch weiter Schulklassen durch die Ausstellung zum Völkermord an Sinti und Roma in der Nazizeit geführt. Darüber hinaus gibt es Workshops, in denen sich Schüler mit der Geschichte der Minderheit auseinandersetzen können. Für Oswald Marschall liegt hier einer der Schlüssel, Vorurteile abzubauen, die sich nach wie vor in der Mehrheitsgesellschaft halten. Doch das Mer Ketne – was „Wir zusammen“ bedeutet – soll auch in die Gemeinschaft der Sinti und Roma hineinwirken. Eines der Stichworte in dem Modellprojekt des Bundesfamilienministeriums ist daher auch „Empowerment“, zu deutsch Ermächtigung – das Ministerium will damit die Selbstbestimmung von Minderheiten fördern. Es soll also auf der einen Seite dem noch immer bestehenden Antiziganismus entgegengewirkt werden, gleichzeitig sollen Sinti und Roma aber auch darin bestärkt werden, ihre Rechte aktiv einzufordern und sie in der Mehrheitsgesellschaft selbstbestimmt zu vertreten.

Schon seit Jahren setzen sich Carmen und Oswald Marschall in Minden dafür ein, Mehrheit und Minderheit näher zusammenzubringen. Bis zur Eröffnung des Mer Ketne mussten sie lange kämpfen. Unterstützung kam schließlich von der Stiftung EVZ und der Evangelischen Akademie Villigst, doch die finanzielle Förderung lief nach zwei Jahren aus. Zwar gab es noch eine kurzfristige Verlängerung, trotzdem stand das Zentrum schon vor Corona vor dem Aus – bis ein Antrag bei „Demokratie Leben“ doch noch bewilligt wurde. Von April bis Mai hatten die Marschalls Zeit für ein neues Konzept, in dem sie das Zentrum ein Stück weit neu erfinden mussten. Neben der Arbeit mit Schulklassen rückt damit jetzt auch die Netzwerkarbeit stärker in den Fokus, der Austausch in Bürgerdialogen, Workshops mit heimischen Schulen, Stadtführungen zu den Stolpersteinen. Die Kernziele sind Antiziganismusprävention, Empowerment von Sinti und Roma sowie historisch-politische Bildung. Besonders der Blick zurück ist aus Oswald Marschalls Sicht notwendig, um die Gegenwart zu verstehen.


Die Arbeit der vergangenen Jahre sei in Minden deutlich spürbar, sagt Oswald Marschall: „Es hat viele Nachfragen gegeben, wann wir denn wieder aufmachen“, sagt er. Der direkte Austausch zwischen Mehrheitsgellschaft und Minderheit ist ihm besonders wichtig. Auch deswegen sollen im nächsten Jahr die Öffnungszeiten ausgeweitet werden. Jeden Tag soll das Mer Ketne zwischen 9 und 16.30 Uhr mit einem Mitarbeiter besetzt sein. So kann das Zentrum auch abseits von Veranstaltungen oder Workshops ein Anlaufpunkt sein: „Und auf Anfrage führen wir Gruppen auch am Wochenende durch die Ausstellung.“ Für den Verein Deutscher Sinti Minden eröffnen sich mit der neuen Förderung ganz neue Möglichkeiten. Aktuell beschäftigt das Mer Ketne drei Mitarbeiter, eine weitere Stelle soll möglichst schnell dazukommen.

Die Eröffnung beginnt am Freitag, 15. Oktober, um 18 Uhr im Mer Ketne, Königstraße 3. Anmeldungen sind nicht erforderlich, es gilt die 3G-Regel und Maskenpflicht.

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