Erstmals ein Gütesiegel für Zeitreisende Authentizität und Qualität als Erfolgsmaßstab: Minden Marketing GmbH vergibt Preis für historische Darsteller Von Anja Peper Minden (mt). Sie ziehen in historische Schlachten und lassen Geschichte lebendig werden: Darsteller, die vergangene Epochen nachstellen, heißen Reenactor. Die Minden Marketing GmbH wird im Oktober herausragende Akteure auszeichnen. Der Mindener Reenactorpreis ist Deutschlands erste Auszeichnung dieser Art. Vergeben wird der Preis während der Reenactor-Messe vom 6. bis 7. Oktober. Egal ob Frühgeschichte, Mittelalter oder 19. Jahrhundert: Die Kandidaten konnten sich selbst bewerben oder wurden von Dritten vorgeschlagen. Drei Kategorien sind vorgesehen: bester weiblicher oder männlicher Einzeldarsteller, beste Gruppe sowie ein Preis für eine Nachwuchsgruppe. "Als Kriterien stehen Authentizität und Qualität der Darstellung sowie Publikumsnähe im Vordergrund", sagt MMG-Geschäftsführer Dr. Jörg-Friedrich Sander. Gefragt ist außerdem eine wissenschaftliche Fundierung. Eine ungeschriebene Regel im Reenactment besagt, dass zum Beispiel die Ausrüstung so originalgetreu wie möglich sein soll. Dies gilt für ein einfaches Paar Schuhe genauso wie für die großen Schlachten. Um Kleidung und die übrige Ausrüstung herzustellen, ist gründliche Recherche erforderlich.Ein neuer Preis wird bisweilen misstrauisch beäugt. Die Diskussion "Gütesiegel für historische Darsteller - ja oder nein?" wird schon länger geführt. Es gibt durchaus Bedenken bei manchen Vertretern aus der Szene, was den Sinn oder die Qualität eines solchen Preises angeht. Wie lässt sich ein faires Auswahlverfahren gestalten? Marketingchef Sander setzt auf enge Zusammenarbeit mit Fachleuten. Die Mitglieder der Jury haben ausnahmslos viel mit Geschichte zu tun. Gerry Embleton zum Beispiel ist Mitbegründer der Company Of Saynt George. Diese Gruppe stellt das militärische und zivile Alltagsleben einer burgundischen Artillerie-Einheit des 15. Jahrhunderts nach. Dabei ermöglicht der hohe Qualitätsanspruch der Gruppe seit mehr als 20 Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Museen und Institutionen in ganz Europa. Folglich dürfte den Jurymitgliedern eine seriöse Geschichtsdarstellung wichtiger sein als ein buntes Spektakel, wie es zum Beispiel auf einigen Mittelaltermärkten geboten wird.In dem dreiseitigen Bewerbungsformular wurde unter anderem nach Authentizität, wissenschaftlichem Hintergrund, Interaktion und Vermittlungsanspruch gefragt. Außerdem mussten die Bewerber mindestens drei Referenzen angeben. Mit dem Preis möchte Sander auch dem Nachwuchs in der schnell wachsenden Szene durch positive Beispiele Impulse geben. Die Minden Marketing hat den Bildhauer Thorsten Held aus Hüllhorst beauftragt, die Trophäe zu gestalten. Die Namen der Gewinner bleiben bis zur zweiten Reenactor-Messe unter Verschluss. Verliehen wird der Preis im Rahmen des Projektes "Geschichte neu erleben in NRW - Minden 2011 bis 2014".Die Wurzeln des Hobbys findet man übrigens in England. Daher tauchen häufig Anglizismen auf wie Reenactment oder Living History (lebendige Geschichte). Minden entwickelt sich gerade zu einer Art Hochburg in Sachen Living History. Zum 250. Jahrestag der Schlacht bei Minden mit groß angelegtem Reenactment kamen zum Beispiel rund 400 Akteure und gut 35000 Zuschauer.2. Reenactor-Messe in Minden, 6. bis 7. Oktober.

Erstmals ein Gütesiegel für Zeitreisende

Minden (mt). Sie ziehen in historische Schlachten und lassen Geschichte lebendig werden: Darsteller, die vergangene Epochen nachstellen, heißen Reenactor. Die Minden Marketing GmbH wird im Oktober herausragende Akteure auszeichnen. Der Mindener Reenactorpreis ist Deutschlands erste Auszeichnung dieser Art.

Preis für 

historische Darsteller - © MINDEN
Preis für
historische Darsteller - © MINDEN

Vergeben wird der Preis während der Reenactor-Messe vom 6. bis 7. Oktober. Egal ob Frühgeschichte, Mittelalter oder 19. Jahrhundert: Die Kandidaten konnten sich selbst bewerben oder wurden von Dritten vorgeschlagen. Drei Kategorien sind vorgesehen: bester weiblicher oder männlicher Einzeldarsteller, beste Gruppe sowie ein Preis für eine Nachwuchsgruppe. "Als Kriterien stehen Authentizität und Qualität der Darstellung sowie Publikumsnähe im Vordergrund", sagt MMG-Geschäftsführer Dr. Jörg-Friedrich Sander. Gefragt ist außerdem eine wissenschaftliche Fundierung. Eine ungeschriebene Regel im Reenactment besagt, dass zum Beispiel die Ausrüstung so originalgetreu wie möglich sein soll. Dies gilt für ein einfaches Paar Schuhe genauso wie für die großen Schlachten. Um Kleidung und die übrige Ausrüstung herzustellen, ist gründliche Recherche erforderlich.

Authentizität und Qualität der Darstellung sowie Publikumsnähe sind Kriterien für den ersten Mindener Reenactorpreis, der im Oktober vergeben wird. Hier zeigen die Darsteller bei "Minden erleben 1762" in der Oberen Altstadt Szenen aus dem 18. Jahrhundert. - © Foto: MT-Archiv (Carsten Korfesmeyer)
Authentizität und Qualität der Darstellung sowie Publikumsnähe sind Kriterien für den ersten Mindener Reenactorpreis, der im Oktober vergeben wird. Hier zeigen die Darsteller bei "Minden erleben 1762" in der Oberen Altstadt Szenen aus dem 18. Jahrhundert. - © Foto: MT-Archiv (Carsten Korfesmeyer)

Ein neuer Preis wird bisweilen misstrauisch beäugt. Die Diskussion "Gütesiegel für historische Darsteller - ja oder nein?" wird schon länger geführt. Es gibt durchaus Bedenken bei manchen Vertretern aus der Szene, was den Sinn oder die Qualität eines solchen Preises angeht. Wie lässt sich ein faires Auswahlverfahren gestalten? Marketingchef Sander setzt auf enge Zusammenarbeit mit Fachleuten. Die Mitglieder der Jury haben ausnahmslos viel mit Geschichte zu tun. Gerry Embleton zum Beispiel ist Mitbegründer der Company Of Saynt George. Diese Gruppe stellt das militärische und zivile Alltagsleben einer burgundischen Artillerie-Einheit des 15. Jahrhunderts nach. Dabei ermöglicht der hohe Qualitätsanspruch der Gruppe seit mehr als 20 Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Museen und Institutionen in ganz Europa. Folglich dürfte den Jurymitgliedern eine seriöse Geschichtsdarstellung wichtiger sein als ein buntes Spektakel, wie es zum Beispiel auf einigen Mittelaltermärkten geboten wird.

Die Mitglieder der Jury (v. l.): Prof. Wolfgang Hochbruck (Uni Freiburg), Dr. Martin Klöffler (Naturwissenschaftler), Dr. Jörg-Friedrich Sander (MMG), Dr. Marcus Junkelmann (Historiker), Mark Wallis (Geschichtsagentur Past Pleasures Ltd.) und Dr. Werner Best (Landschaftsverband). - © MT-Foto: Manfred Otto
Die Mitglieder der Jury (v. l.): Prof. Wolfgang Hochbruck (Uni Freiburg), Dr. Martin Klöffler (Naturwissenschaftler), Dr. Jörg-Friedrich Sander (MMG), Dr. Marcus Junkelmann (Historiker), Mark Wallis (Geschichtsagentur Past Pleasures Ltd.) und Dr. Werner Best (Landschaftsverband). - © MT-Foto: Manfred Otto

In dem dreiseitigen Bewerbungsformular wurde unter anderem nach Authentizität, wissenschaftlichem Hintergrund, Interaktion und Vermittlungsanspruch gefragt. Außerdem mussten die Bewerber mindestens drei Referenzen angeben. Mit dem Preis möchte Sander auch dem Nachwuchs in der schnell wachsenden Szene durch positive Beispiele Impulse geben. Die Minden Marketing hat den Bildhauer Thorsten Held aus Hüllhorst beauftragt, die Trophäe zu gestalten. Die Namen der Gewinner bleiben bis zur zweiten Reenactor-Messe unter Verschluss. Verliehen wird der Preis im Rahmen des Projektes "Geschichte neu erleben in NRW - Minden 2011 bis 2014".

Die Wurzeln des Hobbys findet man übrigens in England. Daher tauchen häufig Anglizismen auf wie Reenactment oder Living History (lebendige Geschichte). Minden entwickelt sich gerade zu einer Art Hochburg in Sachen Living History. Zum 250. Jahrestag der Schlacht bei Minden mit groß angelegtem Reenactment kamen zum Beispiel rund 400 Akteure und gut 35000 Zuschauer.

2. Reenactor-Messe in Minden, 6. bis 7. Oktober.

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