Engpass mit Ansage: Hausarztpraxen mit Ende der Impfpriorisierung überfordert Christine Riechmann,Anja Peper Minden. Manche Ärzte appellieren schon auf der Homepage: „Bitte sehen Sie von telefonischen Anfragen zu Corona-Impfterminen ab.“ Bei anderen Praxen war gestern dauernd besetzt. Erwartungsgemäß gab es mit dem angekündigten Ende der Impfpriorisierung Enttäuschung und Frust bei vielen Patienten. Allerdings war es ein Engpass mit Ansage: Gesundheitsministerium und auch Ärztevertreter hatten schon Wochen vorher vor falschen Erwartungen gewarnt. Es stehe nicht sofort ausreichend Impfstoff zur Verfügung. Ann Christin Kauls ist Leitende Medizinische Fachangestellte in der Mindener Praxis von Dr. Karen Badde und Dr. Stephanie Heer. Jungen und gesunden Patienten gibt sie derzeit die Auskunft am Telefon: „Bitte melden Sie sich in acht Wochen wieder.“ In anderen Praxen gab es nach Minuten in der Warteschleife die Auskunft vom Band: „Aufgrund eines erhöhten Anrufaufkommens bitten wir Sie, zu einem späteren Zeitpunkt erneut anzurufen.“ Seit 7. Juni können auch Betriebsärzte die Corona-Schutzimpfung verabreichen. Bei Melitta zum Beispiel wird dezentral geimpft. „Die kurzfristig schwankende, schwer planbare Impfstoff-Verfügbarkeit sowie die unterschiedlichen Betriebsgrößen machen die individuelle Organisation vor Ort sinnvoll“, so Pressesprecherin Tanja Wucherpfennig. Generell gewinnt man den Eindruck: Es mangelt nicht an Impfstellen, sondern an Impfstoff. Auch die Bundesregierung hatte stets darauf verwiesen, dass es erst im Sommer ein Impfangebot für alle geben wird. „Im Augenblick können wir die Patienten nur um Verständnis und Geduld bitten“, sagt auch Dr. Susanne Nottmeier. Auch deren Praxis musste gestern deutlich mehr Anrufe und E-Mails bearbeiten als üblich. Die Warteliste für eine Corona-Schutzimpfung ist auch dort schon ziemlich lang. „Wir haben nach wie vor viele Patienten aus den Priorisierungsgruppen zwei und drei, die ihre Impfung noch vor sich haben.“ Sie rechnet damit, dass andere Gruppen erst im August ihren Piks bekommen können. Verhältnismäßig ruhig ist es gestern unter der Nummer der Impfhotline 116 117 zugegangen. Auch dort konnte vielen Patienten wegen des Impfstoffmangels kein Angebot für eine Erstimpfung gemacht werden. „Die Patienten waren zwar enttäuscht, aber trotzdem nicht aggressiv oder ausfallend“, sagt Vanessa Pudlo, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) auf MT-Anfrage. Schon im Vorfeld der Aufhebung der Priorisierung hatte der Vorstand der KVWL vor zu hohen Erwartungen an eine sofortige Impfung gewarnt. „Der Impfstoff bleibt weiterhin knapp, sodass die Praxen unserer Mitglieder im Moment nur den Mangel verwalten können“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Aus unserer Sicht ist es fahrlässig, den Menschen zu suggerieren, jeder könne sich nun impfen lassen, ohne zu erwähnen, dass der Impfstoff weiterhin stark rationiert wird. Das weckt Erwartungen, die die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nicht ansatzweise erfüllen können – so gerne sie dies auch tun würden.“ Der KVWL-Vorstand weise erneut darauf hin, dass in den Praxen weiterhin individuelle medizinische Kriterien im Vordergrund stehen müssten und bittet darum, diese Entscheidungen zu respektieren. Auch in den Impfzentren werde die Aufhebung der Priorisierung nicht zu unmittelbaren Veränderungen führen, da aufgrund der begrenzten Impfstoffmenge bis weit in den Juni hinein keine Erstimpfungen möglich seien. Dementsprechend könnten neue Impftermine erst freigeschaltet werden, wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe. Wann dies konkret sein wird, sei derzeit noch unklar.

Engpass mit Ansage: Hausarztpraxen mit Ende der Impfpriorisierung überfordert

Symbolfoto: © Pixabay

Minden. Manche Ärzte appellieren schon auf der Homepage: „Bitte sehen Sie von telefonischen Anfragen zu Corona-Impfterminen ab.“ Bei anderen Praxen war gestern dauernd besetzt. Erwartungsgemäß gab es mit dem angekündigten Ende der Impfpriorisierung Enttäuschung und Frust bei vielen Patienten. Allerdings war es ein Engpass mit Ansage: Gesundheitsministerium und auch Ärztevertreter hatten schon Wochen vorher vor falschen Erwartungen gewarnt. Es stehe nicht sofort ausreichend Impfstoff zur Verfügung. Ann Christin Kauls ist Leitende Medizinische Fachangestellte in der Mindener Praxis von Dr. Karen Badde und Dr. Stephanie Heer. Jungen und gesunden Patienten gibt sie derzeit die Auskunft am Telefon: „Bitte melden Sie sich in acht Wochen wieder.“ In anderen Praxen gab es nach Minuten in der Warteschleife die Auskunft vom Band: „Aufgrund eines erhöhten Anrufaufkommens bitten wir Sie, zu einem späteren Zeitpunkt erneut anzurufen.“

Seit 7. Juni können auch Betriebsärzte die Corona-Schutzimpfung verabreichen. Bei Melitta zum Beispiel wird dezentral geimpft. „Die kurzfristig schwankende, schwer planbare Impfstoff-Verfügbarkeit sowie die unterschiedlichen Betriebsgrößen machen die individuelle Organisation vor Ort sinnvoll“, so Pressesprecherin Tanja Wucherpfennig. Generell gewinnt man den Eindruck: Es mangelt nicht an Impfstellen, sondern an Impfstoff. Auch die Bundesregierung hatte stets darauf verwiesen, dass es erst im Sommer ein Impfangebot für alle geben wird. „Im Augenblick können wir die Patienten nur um Verständnis und Geduld bitten“, sagt auch Dr. Susanne Nottmeier. Auch deren Praxis musste gestern deutlich mehr Anrufe und E-Mails bearbeiten als üblich. Die Warteliste für eine Corona-Schutzimpfung ist auch dort schon ziemlich lang. „Wir haben nach wie vor viele Patienten aus den Priorisierungsgruppen zwei und drei, die ihre Impfung noch vor sich haben.“ Sie rechnet damit, dass andere Gruppen erst im August ihren Piks bekommen können.

Verhältnismäßig ruhig ist es gestern unter der Nummer der Impfhotline 116 117 zugegangen. Auch dort konnte vielen Patienten wegen des Impfstoffmangels kein Angebot für eine Erstimpfung gemacht werden. „Die Patienten waren zwar enttäuscht, aber trotzdem nicht aggressiv oder ausfallend“, sagt Vanessa Pudlo, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) auf MT-Anfrage.


Schon im Vorfeld der Aufhebung der Priorisierung hatte der Vorstand der KVWL vor zu hohen Erwartungen an eine sofortige Impfung gewarnt. „Der Impfstoff bleibt weiterhin knapp, sodass die Praxen unserer Mitglieder im Moment nur den Mangel verwalten können“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Aus unserer Sicht ist es fahrlässig, den Menschen zu suggerieren, jeder könne sich nun impfen lassen, ohne zu erwähnen, dass der Impfstoff weiterhin stark rationiert wird. Das weckt Erwartungen, die die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nicht ansatzweise erfüllen können – so gerne sie dies auch tun würden.“ Der KVWL-Vorstand weise erneut darauf hin, dass in den Praxen weiterhin individuelle medizinische Kriterien im Vordergrund stehen müssten und bittet darum, diese Entscheidungen zu respektieren.

Auch in den Impfzentren werde die Aufhebung der Priorisierung nicht zu unmittelbaren Veränderungen führen, da aufgrund der begrenzten Impfstoffmenge bis weit in den Juni hinein keine Erstimpfungen möglich seien. Dementsprechend könnten neue Impftermine erst freigeschaltet werden, wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe. Wann dies konkret sein wird, sei derzeit noch unklar.

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