Engagement für Inklusion auf bestem Niveau Beirat für Menschen mit Behinderungen befasst sich mit Bildungslandschaft / Tagung mit Workshops im Mai Von Monika Jäger Minden (mt). Mindener Kinder mit und ohne Behinderungen sollten künftig auf höchstmöglichem Niveau gemeinsam unterrichtet werden. Dafür sprach sich jetzt der Beirat für Menschen mit Behinderungen aus. Anlass: Ein Bericht des Schulleiters der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule (KTG) über Erreichtes, Erwünschtes und Geplantes. Gemeinsamer Unterricht für alle Kinder - das ist noch lange nicht Alltag an den heimischen Schulen. Zwar muss auch Deutschland der EU-Richtline folgen, nach der baldmöglichst "Inklusion" in der Gesellschaft erreicht werden soll - mit dem Ziel einer Gesellschaft, in der selbstverständlich ist, dass alle Menschen an allen Dingen teilhaben können. Aber der konkrete Weg dahin ist undefiniert und möglicherweise steinig.Das wird besonders in der Bildungslandschaft deutlich. Bisher ist die Regel, dass Kinder, die dem durchschnittlichen Lerntempo nicht folgen und mit den üblichen Lehrmethoden nichts anfangen können, aus der Regelschule aussortiert werden. Daher gibt es beispielsweise Sonderschulen für Jungen und Mädchen mit körperlichen und geistigen Handicaps, für Kinder mit Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten.Künftig jedoch nicht mehr. In Zukunft, so beschrieb es KTG-Schulleiter Dieter Stuke, ist die Regelschule die selbstverständliche Schule für alle Kinder. Nur für eine kleine Minderheit wird es noch besondere Förderschulen geben. "Alle Kinder sollen die Schule wählen können, die sie wollen."Aus Modellversuch wird SelbstverständlichkeitDoch darauf ist das Schulsystem noch nicht vorbereitet. Nur eine einzige Schule in Minden bietet bisher gemeinsamen Unterricht (GU) für Kinder mit und ohne Behinderungen an: die KTG. Was vor etwa 15 Jahren als Modellversuch mit einer Klasse - zusammengesetzt aus 18 "Regel"kindern und sechs Kindern mit besonderem Förderungsbedarf begann, ist heute zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Inzwischen starten in jedem Jahr drei GU-Klassen an der KTG.Doch die Schule kämpft mit Schwierigkeiten. Es ist nicht immer einfach, Förderlehrer zu bekommen; die zur Verfügung stehende Stundenzahl für geförderten Unterricht könnte höher sein, und offenbar zeichnet sich gegenwärtig ab, dass unter dem Oberbegriff "Inklusion" eine Ausstattung die Regel werden könnte, die hinter dem zurückfällt, was bisher für "Integration" erreicht wurde.Stuke kritisierte zudem deutlich den kreisweit eingeschlagenen Weg, Förderlehrer über "Kompetenzzentren" an Schulen zu entsenden. Lehrer in Form von "reisenden Handelsvertretern" von Schule zu Schule zu schicken - eine Formulierung, die aus Reihen des Beirats fiel - sei nicht das Ziel an der KTG. Dort sollten die Förderlehrer mit den Regellehrern gemeinsam ein Kollegium bilden und den Schulalltag gestalten.Beiratsvorsitzender Ekkehard Rüter kritisierte, dass sich die Stadt Minden nicht am Modellversuch zu den kreisweit eingerichteten "Kompetenzzentren" beteiligt habe. "Wir haben in Minden ganz besondere Kompetenz für gemeinsamen Unterricht aufgebaut. Diese nach unserem Modell weiter zu entwickeln, daran ist uns sehr gelegen - und wir hätten gern unser Know-how eingebracht.""Thema Inklusion ist nur ein Teilaspekt"Stuke ist zuversichtlich, dass es gelingen wird, in Minden unter dem Aspekt der Inklusion einen Modellversuch zum gemeinsamen Unterricht an einer - seiner - Schule zu starten - ein Modell, das dann auf andere Schulen übertragen werden kann. Sicher sei: Gemeinsamer Unterricht sei die Zukunft aller Schulen - unabhängig von ihrer jeweiligen Schulform.Intensiv mit dem Thema befassen werden sich Fachleute und Interessierte bei einer Veranstaltung am 7. Mai in der KTG. Bei dieser Tagung sollen in Workshops Ideen zur Umsetzung des großen Ziels Inklusion in der Bildungslandschaft entwickelt werden.Damit allerdings ist es dann nicht getan. "Letztlich ist Inklusion in der Schule nur ein Teilaspekt dessen, was die EU-Konvention sagt", so Rüter. Daran müsse weiter gearbeitet werden. Auf allen Ebenen.

Engagement für Inklusion auf bestem Niveau

Minden (mt). Mindener Kinder mit und ohne Behinderungen sollten künftig auf höchstmöglichem Niveau gemeinsam unterrichtet werden. Dafür sprach sich jetzt der Beirat für Menschen mit Behinderungen aus. Anlass: Ein Bericht des Schulleiters der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule (KTG) über Erreichtes, Erwünschtes und Geplantes.

Der Dom nicht nur zum Sehen, sondern auch zum Anfassen (auch wenn der Schnee in diesen Tagen das Fühlen erschwert): Hie und da ist Minden schon eine Stadt für Menschen mit und ohne Behinderungen. In der Bildungslandschaft muss sich aber noch viel bewegen. - © MT-Foto: Otto
Der Dom nicht nur zum Sehen, sondern auch zum Anfassen (auch wenn der Schnee in diesen Tagen das Fühlen erschwert): Hie und da ist Minden schon eine Stadt für Menschen mit und ohne Behinderungen. In der Bildungslandschaft muss sich aber noch viel bewegen. - © MT-Foto: Otto

Gemeinsamer Unterricht für alle Kinder - das ist noch lange nicht Alltag an den heimischen Schulen. Zwar muss auch Deutschland der EU-Richtline folgen, nach der baldmöglichst "Inklusion" in der Gesellschaft erreicht werden soll - mit dem Ziel einer Gesellschaft, in der selbstverständlich ist, dass alle Menschen an allen Dingen teilhaben können. Aber der konkrete Weg dahin ist undefiniert und möglicherweise steinig.

Das wird besonders in der Bildungslandschaft deutlich. Bisher ist die Regel, dass Kinder, die dem durchschnittlichen Lerntempo nicht folgen und mit den üblichen Lehrmethoden nichts anfangen können, aus der Regelschule aussortiert werden. Daher gibt es beispielsweise Sonderschulen für Jungen und Mädchen mit körperlichen und geistigen Handicaps, für Kinder mit Lernschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten.

Künftig jedoch nicht mehr. In Zukunft, so beschrieb es KTG-Schulleiter Dieter Stuke, ist die Regelschule die selbstverständliche Schule für alle Kinder. Nur für eine kleine Minderheit wird es noch besondere Förderschulen geben. "Alle Kinder sollen die Schule wählen können, die sie wollen."

Aus Modellversuch wird Selbstverständlichkeit

Doch darauf ist das Schulsystem noch nicht vorbereitet. Nur eine einzige Schule in Minden bietet bisher gemeinsamen Unterricht (GU) für Kinder mit und ohne Behinderungen an: die KTG. Was vor etwa 15 Jahren als Modellversuch mit einer Klasse - zusammengesetzt aus 18 "Regel"kindern und sechs Kindern mit besonderem Förderungsbedarf begann, ist heute zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Inzwischen starten in jedem Jahr drei GU-Klassen an der KTG.

Doch die Schule kämpft mit Schwierigkeiten. Es ist nicht immer einfach, Förderlehrer zu bekommen; die zur Verfügung stehende Stundenzahl für geförderten Unterricht könnte höher sein, und offenbar zeichnet sich gegenwärtig ab, dass unter dem Oberbegriff "Inklusion" eine Ausstattung die Regel werden könnte, die hinter dem zurückfällt, was bisher für "Integration" erreicht wurde.

Stuke kritisierte zudem deutlich den kreisweit eingeschlagenen Weg, Förderlehrer über "Kompetenzzentren" an Schulen zu entsenden. Lehrer in Form von "reisenden Handelsvertretern" von Schule zu Schule zu schicken - eine Formulierung, die aus Reihen des Beirats fiel - sei nicht das Ziel an der KTG. Dort sollten die Förderlehrer mit den Regellehrern gemeinsam ein Kollegium bilden und den Schulalltag gestalten.

Beiratsvorsitzender Ekkehard Rüter kritisierte, dass sich die Stadt Minden nicht am Modellversuch zu den kreisweit eingerichteten "Kompetenzzentren" beteiligt habe. "Wir haben in Minden ganz besondere Kompetenz für gemeinsamen Unterricht aufgebaut. Diese nach unserem Modell weiter zu entwickeln, daran ist uns sehr gelegen - und wir hätten gern unser Know-how eingebracht."

"Thema Inklusion ist nur ein Teilaspekt"

Stuke ist zuversichtlich, dass es gelingen wird, in Minden unter dem Aspekt der Inklusion einen Modellversuch zum gemeinsamen Unterricht an einer - seiner - Schule zu starten - ein Modell, das dann auf andere Schulen übertragen werden kann. Sicher sei: Gemeinsamer Unterricht sei die Zukunft aller Schulen - unabhängig von ihrer jeweiligen Schulform.

Intensiv mit dem Thema befassen werden sich Fachleute und Interessierte bei einer Veranstaltung am 7. Mai in der KTG. Bei dieser Tagung sollen in Workshops Ideen zur Umsetzung des großen Ziels Inklusion in der Bildungslandschaft entwickelt werden.

Damit allerdings ist es dann nicht getan. "Letztlich ist Inklusion in der Schule nur ein Teilaspekt dessen, was die EU-Konvention sagt", so Rüter. Daran müsse weiter gearbeitet werden. Auf allen Ebenen.

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