Ein friedliebender „Killer“ - Sewan Latchinian spielt die Hautprolle in der Komödie "Die Nervensäge", die Samstag im Stadttheater gespielt wird Ursula Koch Minden. Ein Killer wird durch einen Selbstmörder im Nachbarzimmer des Hotels daran gehindert, seinen Job auszuführen. Davon erzählt die Komödie „Die Nervensäge“, mit der die Hamburger Kammerspiele am Samstag, 15. Januar, um 20 Uhr im Stadttheater Minden gastieren. Die Inszenierung feierte bereits 2019 Premiere. Bedingt durch Corona startet die Tournee aber erst jetzt in Minden. Die Rolle des Killers spielt Sewan Latchinian, der seit 2019 auch künstlerischer Leiter der Kammerspiele ist. „Eine so lange Liegezeit einer Inszenierung habe ich noch nicht erlebt“, sagt der gebürtige Leipziger, der seine Karriere in den 80er Jahren am Deutschen Theater Berlin begonnen hatte. Es sei für Regisseur und Darsteller ein hartes Stück Arbeit gewesen, sich wieder an die Details zu erinnern. Andererseits: „Ein guter Wein reift, auch wenn die Fässer nicht angerührt werden. Wir haben durch die Pause einen guten Abstand zu unserer eigenen Arbeit gewonnen. Das hat dem Stück gut getan.“ „Die Nervensäge“ sei eine der gar nicht so zahlreichen guten Komödien, was Text und Geschichte betreffe. Sie wurde bereits zwei Mal sehr erfolgreich verfilmt, mit Lino Ventura und Jacques Brel sowie mit Walter Matthau und Jack Lemmon. „Die Rolle des Killers ist echtes Futter für einen Schauspieler“, weil sich beide Charaktere im Laufe des Stücks verändern. „Ich bin privat ein ganz friedfertiger Mensch. Ich stelle mich Konflikten nur, wenn es gar nicht anders geht“, sagt der 60-Jährige über sich selbst. Dass er sich in Hamburg erst als Schauspieler präsentierte und dann die künstlerische Leitung der Kammerspiele übernahm, das war von Latchinian nicht strategisch geplant. „Intendant Axel Schneider hat diesen Weg gewählt und mir danach die Regie für „Nein zum Geld“ angeboten. Die Arbeit daran startete gleich am Montag nach der Schauspiel-Premiere mit der Nervensäge.“ Erst danach folgte die feste Bindung an die Hamburger Bühne.„Das Angebot der Rolle des Killers in „Die Nervensäge“ war für mich eine willkommene Einladung zurück ins Berufsleben“, sagt der Schauspieler, Regisseur und Autor, der 2016 bundesweit in die Schlagzeilen geriet, weil die Stadt dem damaligen Intendanten der Volksbühne Rostock fristlos gekündigt hatte. Auslöser war Latchinians Protest gegen „die törichte Idee“ an einem Theater, das 120 Jahre lang ein Vier-Sparten-Haus (Schauspiel, Oper, Ballett und Orchester) war, zwei Sparten schließen zu müssen. Er habe einfach versuchen müssen, das zu verhindern. Nur zwei Jahre später habe Ministerpräsidentin Manuela Schwesig allen Theatern in Mecklenburg-Vorpommern eine Bühnengarantie gegeben und auch mehr Geld zugesagt. „Manchmal sind – auch in einer Demokratie – immer noch Menschenopfer nötig. Ich bin froh, Schlimmstes verhindert haben zu können, auch wenn es ein hoher Preis war, den ich persönlich dafür zahlen musste“, sagt er rückblickend und fügt hinzu, dass für ihn als Lebensmaxime gelte: „Es gibt nichts Schlimmeres, als da nicht Widerstand zu leisten, wo man Widerstand leisten muss.“ Inzwischen ist Latchinian an den Kammerspielen angekommen, die Zusammenarbeit mit Intendant Axel Schneider und Dramaturgin Anja Del Caro bezeichnet er als „fruchtbar und harmonisch“. Latchinian hat bereits in sechs Produktionen Regie geführt, dazu im vergangenen Jahr eine zwölfteilige Reihe mit musikalisch-literarischen Stolperstein zum Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ organisiert. Künftig will er dem klassischen Kammerspiel – Goethe, Ibsen, Strindberg – wieder mehr Raum im Spielplan der Kammerspiele einräumen. Zur Eröffnung der nächsten Spielzeit im Herbst inszeniert er das britische Schauspiel „Die Laborantin“, das von einer Gesellschaft erzählt, in der eine Blutprobe über die Zukunft entscheidet.

Ein friedliebender „Killer“ - Sewan Latchinian spielt die Hautprolle in der Komödie "Die Nervensäge", die Samstag im Stadttheater gespielt wird

In „Die Nervensäge“ spielen Jacques Ullrich, Sewan Latchinian und Natalie O’Hara (von links). Foto: Bo Lahola/pr

Minden. Ein Killer wird durch einen Selbstmörder im Nachbarzimmer des Hotels daran gehindert, seinen Job auszuführen. Davon erzählt die Komödie „Die Nervensäge“, mit der die Hamburger Kammerspiele am Samstag, 15. Januar, um 20 Uhr im Stadttheater Minden gastieren. Die Inszenierung feierte bereits 2019 Premiere. Bedingt durch Corona startet die Tournee aber erst jetzt in Minden.

Die Rolle des Killers spielt Sewan Latchinian, der seit 2019 auch künstlerischer Leiter der Kammerspiele ist. „Eine so lange Liegezeit einer Inszenierung habe ich noch nicht erlebt“, sagt der gebürtige Leipziger, der seine Karriere in den 80er Jahren am Deutschen Theater Berlin begonnen hatte. Es sei für Regisseur und Darsteller ein hartes Stück Arbeit gewesen, sich wieder an die Details zu erinnern. Andererseits: „Ein guter Wein reift, auch wenn die Fässer nicht angerührt werden. Wir haben durch die Pause einen guten Abstand zu unserer eigenen Arbeit gewonnen. Das hat dem Stück gut getan.“

„Die Nervensäge“ sei eine der gar nicht so zahlreichen guten Komödien, was Text und Geschichte betreffe. Sie wurde bereits zwei Mal sehr erfolgreich verfilmt, mit Lino Ventura und Jacques Brel sowie mit Walter Matthau und Jack Lemmon. „Die Rolle des Killers ist echtes Futter für einen Schauspieler“, weil sich beide Charaktere im Laufe des Stücks verändern. „Ich bin privat ein ganz friedfertiger Mensch. Ich stelle mich Konflikten nur, wenn es gar nicht anders geht“, sagt der 60-Jährige über sich selbst.

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Patrick Schwemmling

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Dass er sich in Hamburg erst als Schauspieler präsentierte und dann die künstlerische Leitung der Kammerspiele übernahm, das war von Latchinian nicht strategisch geplant. „Intendant Axel Schneider hat diesen Weg gewählt und mir danach die Regie für „Nein zum Geld“ angeboten. Die Arbeit daran startete gleich am Montag nach der Schauspiel-Premiere mit der Nervensäge.“ Erst danach folgte die feste Bindung an die Hamburger Bühne.

„Das Angebot der Rolle des Killers in „Die Nervensäge“ war für mich eine willkommene Einladung zurück ins Berufsleben“, sagt der Schauspieler, Regisseur und Autor, der 2016 bundesweit in die Schlagzeilen geriet, weil die Stadt dem damaligen Intendanten der Volksbühne Rostock fristlos gekündigt hatte. Auslöser war Latchinians Protest gegen „die törichte Idee“ an einem Theater, das 120 Jahre lang ein Vier-Sparten-Haus (Schauspiel, Oper, Ballett und Orchester) war, zwei Sparten schließen zu müssen. Er habe einfach versuchen müssen, das zu verhindern. Nur zwei Jahre später habe Ministerpräsidentin Manuela Schwesig allen Theatern in Mecklenburg-Vorpommern eine Bühnengarantie gegeben und auch mehr Geld zugesagt. „Manchmal sind – auch in einer Demokratie – immer noch Menschenopfer nötig. Ich bin froh, Schlimmstes verhindert haben zu können, auch wenn es ein hoher Preis war, den ich persönlich dafür zahlen musste“, sagt er rückblickend und fügt hinzu, dass für ihn als Lebensmaxime gelte: „Es gibt nichts Schlimmeres, als da nicht Widerstand zu leisten, wo man Widerstand leisten muss.“

Inzwischen ist Latchinian an den Kammerspielen angekommen, die Zusammenarbeit mit Intendant Axel Schneider und Dramaturgin Anja Del Caro bezeichnet er als „fruchtbar und harmonisch“. Latchinian hat bereits in sechs Produktionen Regie geführt, dazu im vergangenen Jahr eine zwölfteilige Reihe mit musikalisch-literarischen Stolperstein zum Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ organisiert. Künftig will er dem klassischen Kammerspiel – Goethe, Ibsen, Strindberg – wieder mehr Raum im Spielplan der Kammerspiele einräumen. Zur Eröffnung der nächsten Spielzeit im Herbst inszeniert er das britische Schauspiel „Die Laborantin“, das von einer Gesellschaft erzählt, in der eine Blutprobe über die Zukunft entscheidet.

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