Ein Stadthuhn namens Wischmopp Nadine Schwan Minden (mt). Irgendwie war es so eine Vorahnung. Wer seine Küken „Wisch und Weg“ nennt, hat nicht lange etwas davon - jedenfalls von einem der beiden. „Weg“ ist - wie der Name schon sagt - leider weg. Wisch ist zum Glück geblieben und mittlerweile zu einer stattlichen Henne herangewachsen. Einen neuen Namen hat sie allerdings auch - Wisch heißt jetzt Wischmopp.Aber von Anfang an, denn die Geschichte von Wisch und Weg ist komplizierter. Es ist die Geschichte von Freiheit, einer ungewöhnlichen Partnerschaft- zwei Frauen und ihr Baby - und von künstlicher Befruchtung. Oder, genauer gesagt: Von fremder Ausbrütung.Die Hühner, um die es hier geht, sind die Stadthühner Wilma und Lucy, die sich seit knapp zwei Jahren zwischen Museumszeile und Bürgerschule herumtreiben. Meistens sind sie auf dem Spielplatz an der Ritterstraße zu finden. Dort scharren sie im Rindenmulch, springen auf die Wippe oder machen ein Nickerchen auf der Bank.Natürlich leben die Tiere nicht auf dem Spielplatz, sondern ein paar Meter weiter in der Alten Kirchstraße bei Familie Munton/Fischer, Hinter dem bunten Tor liegt ihr Stall, in den die Tiere ihre Eier legen und abends nach ihren Ausflügen zurückkehren. Irgendwann war das den beiden Damen aber nicht mehr genug.„Sie wollten mehr sehen als nur ihren Stall“, sagt die zehnjährige Zoe Munton. Mit ihrer Freundin packte sie die Tiere in den Puppenwagen und ging spazieren. Anscheinend fing das Federvieh daran gefallen. Denn kurze Zeit später gingen die Tiere selbst auf Erkundungstour.Für ihre Freiheit nehmen die beiden einiges in Kauf. Denn auf dem Weg zum Spielplatz müssen sich die Hühner unter einem engen Tor durchquetschen. Das weiße Huhn Wilma, etwas kräftiger gebaut und immer an Ort und Stelle, wenn es Futter gibt, tut sich dabei besonders schwer. Das schlanke schwarze Huhn Lucy hingegen hat es leichter.Sie hat auch das Kind in die ungewöhnliche Ehe gebracht. Im Sommer ging Lucy plötzlich nicht mehr vor die Tür. „Sie wurde gluckig und zog sich tagelang in den Stall zurück“, sagt Zoes Mutter Karina Fischer. Dort wollte das Huhn brüten. Doch ohne Hahn, kein Küken.Zoe und ihre Mutter hatten Mitleid mit der Henne und kamen auf eine Idee. Vom Biobauern auf dem Wochenmarkt besorgten sie sich vier befruchtete Eier. „Die haben wir Lucy einfach untergelegt, ein Kuckucksei“, sagt Zoe. Ganze 21 Tage lang saß die Henne auf den fremden Eiern, wendete sie behutsam mit ihrem Schnabel und wärmte sie kräftig durch.Jeden Morgen schaute Zoe in den Stall. „Durch die Schale hört man die Küken schon piepsen“, sagt die Zehnjährige. „Dann hatte das erste Ei auf einmal einen Riss.“ Unter dem Muttertier schlüpfte ein gelbes Küken hervor. Nur einen Tag später kam ein zweites braunes dazu. Wisch und Weg waren geboren.„Wir fanden die Namen lustig, aber ich hatte gleich ein ungutes Gefühl“, sagt Besitzerin Karina Fischer. Es sollte sich bestätigen. Wisch immerhin überlebte und zog schon bald mit den beiden Zieheltern durch die Stadt.„Wischmopp ist einfach losmarschiert“, sagt die Schülerin. „Wir hatten große Angst, dass Wischmopp in einen Gulli fällt“, sagt Karina Fischer. Auch um die Weihnachtszeit machten sich die beiden Sorgen um ihre freilaufenden Haustiere. „Nicht, dass noch jemand auf die Idee kommt, sich den Weihnachtsbraten in der Stadt zu fangen.“ Doch die Angst hat sich schnell gelegt. „Die Leute, die hier wohnen, haben immer ein Auge auf die Hühner“, sagt Karina Fischer. Und wenn die Tiere einen Tag mal im Stall bleiben, schlagen die Nachbarn sofort Alarm.Und was, wenn Lucy im Frühjahr wieder Muttergefühle bekommt? „Wir könnten uns vorstellen, dass mit dem Ausbrüten noch einmal zu probieren“, sagt Karina Fischer. Und wer weiß - vielleicht bekommt Wischmopp diesen Sommer ja noch ein Geschwisterchen? Weg soll das Küken dann aber auf keinen Fall heißen.

Ein Stadthuhn namens Wischmopp

Lucy (l.) und Wilma bevölkern den Spielplatz an der Ritterstraße. Oft kriegen sie Brot von Passanten, aber auch das eigene Ei schmeckt ihnen.

Minden (mt). Irgendwie war es so eine Vorahnung. Wer seine Küken „Wisch und Weg“ nennt, hat nicht lange etwas davon - jedenfalls von einem der beiden. „Weg“ ist - wie der Name schon sagt - leider weg. Wisch ist zum Glück geblieben und mittlerweile zu einer stattlichen Henne herangewachsen. Einen neuen Namen hat sie allerdings auch - Wisch heißt jetzt Wischmopp.

Aber von Anfang an, denn die Geschichte von Wisch und Weg ist komplizierter. Es ist die Geschichte von Freiheit, einer ungewöhnlichen Partnerschaft- zwei Frauen und ihr Baby - und von künstlicher Befruchtung. Oder, genauer gesagt: Von fremder Ausbrütung.

Fotostrecke 11 Bilder

Die Hühner, um die es hier geht, sind die Stadthühner Wilma und Lucy, die sich seit knapp zwei Jahren zwischen Museumszeile und Bürgerschule herumtreiben. Meistens sind sie auf dem Spielplatz an der Ritterstraße zu finden. Dort scharren sie im Rindenmulch, springen auf die Wippe oder machen ein Nickerchen auf der Bank.

Natürlich leben die Tiere nicht auf dem Spielplatz, sondern ein paar Meter weiter in der Alten Kirchstraße bei Familie Munton/Fischer, Hinter dem bunten Tor liegt ihr Stall, in den die Tiere ihre Eier legen und abends nach ihren Ausflügen zurückkehren. Irgendwann war das den beiden Damen aber nicht mehr genug.

„Sie wollten mehr sehen als nur ihren Stall“, sagt die zehnjährige Zoe Munton. Mit ihrer Freundin packte sie die Tiere in den Puppenwagen und ging spazieren. Anscheinend fing das Federvieh daran gefallen. Denn kurze Zeit später gingen die Tiere selbst auf Erkundungstour.

Für ihre Freiheit nehmen die beiden einiges in Kauf. Denn auf dem Weg zum Spielplatz müssen sich die Hühner unter einem engen Tor durchquetschen. Das weiße Huhn Wilma, etwas kräftiger gebaut und immer an Ort und Stelle, wenn es Futter gibt, tut sich dabei besonders schwer. Das schlanke schwarze Huhn Lucy hingegen hat es leichter.

Sie hat auch das Kind in die ungewöhnliche Ehe gebracht. Im Sommer ging Lucy plötzlich nicht mehr vor die Tür. „Sie wurde gluckig und zog sich tagelang in den Stall zurück“, sagt Zoes Mutter Karina Fischer. Dort wollte das Huhn brüten. Doch ohne Hahn, kein Küken.

Zoe und ihre Mutter hatten Mitleid mit der Henne und kamen auf eine Idee. Vom Biobauern auf dem Wochenmarkt besorgten sie sich vier befruchtete Eier. „Die haben wir Lucy einfach untergelegt, ein Kuckucksei“, sagt Zoe. Ganze 21 Tage lang saß die Henne auf den fremden Eiern, wendete sie behutsam mit ihrem Schnabel und wärmte sie kräftig durch.

Jeden Morgen schaute Zoe in den Stall. „Durch die Schale hört man die Küken schon piepsen“, sagt die Zehnjährige. „Dann hatte das erste Ei auf einmal einen Riss.“ Unter dem Muttertier schlüpfte ein gelbes Küken hervor. Nur einen Tag später kam ein zweites braunes dazu. Wisch und Weg waren geboren.

„Wir fanden die Namen lustig, aber ich hatte gleich ein ungutes Gefühl“, sagt Besitzerin Karina Fischer. Es sollte sich bestätigen. Wisch immerhin überlebte und zog schon bald mit den beiden Zieheltern durch die Stadt.

„Wischmopp ist einfach losmarschiert“, sagt die Schülerin. „Wir hatten große Angst, dass Wischmopp in einen Gulli fällt“, sagt Karina Fischer. Auch um die Weihnachtszeit machten sich die beiden Sorgen um ihre freilaufenden Haustiere. „Nicht, dass noch jemand auf die Idee kommt, sich den Weihnachtsbraten in der Stadt zu fangen.“ Doch die Angst hat sich schnell gelegt. „Die Leute, die hier wohnen, haben immer ein Auge auf die Hühner“, sagt Karina Fischer. Und wenn die Tiere einen Tag mal im Stall bleiben, schlagen die Nachbarn sofort Alarm.

Und was, wenn Lucy im Frühjahr wieder Muttergefühle bekommt? „Wir könnten uns vorstellen, dass mit dem Ausbrüten noch einmal zu probieren“, sagt Karina Fischer. Und wer weiß - vielleicht bekommt Wischmopp diesen Sommer ja noch ein Geschwisterchen? Weg soll das Küken dann aber auf keinen Fall heißen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden