Ein Blick in den Kirmespark: Gemütlich schlendern statt Messe-Gedränge Kirsten Elschner Minden. Gute-Laune-Musik, euphorisches Kreischen aus Karussells, der Duft von Schmalzkuchen und jede Menge bunte Lichter: Noch schnell das Kontaktformular ausfüllen, Maske aufsetzen, Schlange stehen und dann kann es endlich losgehen mit dem lang ersehnten Rummel-Spaß. Nicht nur für die Besucher ist der Kirmespark Weser auf Kanzlers Weide eine willkommene Abwechslung nach einer langen Durststrecke ohne Großveranstaltungen. Für viele der 30 Schausteller – davon zahlreiche aus dem Mindener Raum – ist es das erste Mal in diesem Jahr, dass sie ihre Fahrgeschäfte und Snackbuden aufbauen dürfen. Marvin Radecke kann dank des Kirmes-Konzepts endlich mal wieder zum Dosenschießen einladen. „Es ist einfach toll, die anderen Schausteller wieder zu sehen“, sagt er. „Das gibt mir ein wenig Hoffnung, dass es bald weitergeht“ – auch mit Blick auf die Weihnachtsmärkte. Schon als kleiner Junge sei er mit seiner Familie von Kirmes zu Kirmes gezogen. „Ich kenne ja gar nichts anderes.“ Weil er als Schausteller das letzte Geld im Dezember verdient hat, musste er sich vorübergehend einen Job als Angestellter suchen. Das geregelte Arbeitsleben nun für ein paar Tage wieder gegen den Rummel einzutauschen, macht er allerdings nicht wegen des Geldes – „vielmehr für das gute Gefühl“. Absolute Hochstimmung herrscht auf dem Rummel-Gelände vor allem bei den jüngsten Besuchern. Die dreijährige Melina strahlt und winkt ihren Eltern aus dem roten Rennwagen zu, während sie Runde um Runde im „Karussell mit den sprechenden Autos“ dreht. „Heute ist sie zum ersten Mal Autoscooter gefahren“, erzählt ihr Vater. Und sie sei „total darauf abgefahren“. Auch Milan (2) ist Feuer und Flamme für die Kirmes und hochkonzentriert dabei, Gummienten aus einem Wasserbecken zu angeln. Nach erfolgreicher Entenjagd trifft er im Biergarten im Zentrum der Kirmes mit seiner Mutter auf Familie und Freunde, die gemeinsam einen entspannten Tag auf dem Jahrmarkt verbringen. „Knapp, aber es ist alles da“, lobt Milans Mutter das Konzept und bekommt Unterstützung aus der Runde: „Das könnte immer so sein, es ist glatt noch besser als die Messe“, sagt ein Besucher. „Die Erwachsenen können sich entspannt im Biergarten aufhalten und haben drumherum die Kinder im Blick.“ Das abgespeckte und gemütliche Konzept überzeugt auch Rudi Sandvoß aus Barkhausen – und er muss es als „alter Kirmes-Hase“ wissen. Denn obwohl der Senior den Kirmespark mit seiner Frau Ellen als Besucher genießt, kennt er auch die andere Seite. „Wir waren früher selbst Schausteller“, sagt er. Über 40 Jahre lang lebten sie ein Kirmes-Leben, waren auf zahlreichen Mindener Messen mit Autoscooter und Losbude am Start. Trotz vieler guter Erinnerungen sind die beiden in den aktuell schwierigen Zeiten aber froh, nicht mehr vom Schausteller-Einkommen abhängig zu sein. Entspannt genießen sie ein Softeis. „Es ist gut, dass es hier nicht so voll ist. So hat man mehr Ruhe, sich alles anzuschauen.“ Am Abend, wenn die bunten Lichter der Karussells und Buden für besonderen Kirmes-Flair sorgen, füllt sich der Rummelplatz etwas und im großen Biergarten sitzt man bei kalten Getränken, Glühwein und Snacks zusammen. Eine Gruppe Teenager kommt aufgeregt aus dem „Rocket“, dem Fahrgeschäft mit dem wohl größten Adrenalinpegel der Kirmes, in dem die Fahrgäste ordentlich durch die Luft gewirbelt werden. „Das ist, als würde man rausfliegen, aber auf eine richtig gute Art“, schwärmt eine junge Frau, die gar nicht mehr aufhören kann zu lachen. Gegenüber im grell-grün leuchtenden „Ghost“-Haus, wagen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene den Eintritt. Zum Gruseln ist man eben nie zu alt. Nur die schaurige Durchsage „Bleibt lieber ganz eng zusammen ...“ dürfen die Besucher leider nicht so ernst nehmen. Denn auch, wenn der Rummel die Einschränkungen der letzten Monate etwas vergessen lässt, gelten auch im Kirmespark strenge Corona-Auflagen. Schilder fordern zum Abstandhalten auf, Pfeile geben die Laufrichtung vor und rund 70 Desinfektionsspender sind auf dem Gelände platziert. Das Hygienekonzept umzusetzen, sei eine Herausforderung gewesen, schildert Wolfgang Michael, Vorsitzender des Vereins reisender Schausteller Minden-Lübecke. Doch die Mühe habe sich gelohnt. „Die Resonanz ist den Umständen entsprechend gut.“ Insgesamt 19.500 Besucher zählte die Messe nach Angaben von Minden Marketing in den ersten acht Tagen, maximal 2.000 Besucher gleichzeitig dürfen auf das Gelände. 99 Prozent der Besucher hielten sich an die Hygieneregeln, sagt Michael. Und auch, wenn er zugibt, dass das Konzept nicht viel mit einer „normalen“ Messe zu tun habe, komme der Kirmespark doch nah dran an das, „was wir Schausteller wollen: Freude und Vergnügen bereiten und das auch in diesen schweren Zeiten“. Tickets und Öffnungszeiten Der Kirmespark Weser ist noch bis zum 25. Oktober geöffnet: Donnerstag und Freitag 15 bis 22 Uhr, Samstag 14 bis 22 Uhr sowie Sonntag 14 bis 20 Uhr. Der Eintritt zum Gelände kostet 1 Euro. Tickets gibt es im Vorverkauf beim express-Ticketservice an der Obermarktstraße 26-30 in Minden, direkt am Eingang der Kirmes sowie online auf www.express-minden.de. Vor dem Hintergrund steigender Corona-Infektionszahlen weist die Minden Marketing darauf hin: Um Minden herum sind neue Risikogebiete hinzugekommen. Gästen aus diesen Gebieten wird kein Zutritt zum Kirmespark gewährt. Tickets und Öffnungszeiten:

Ein Blick in den Kirmespark: Gemütlich schlendern statt Messe-Gedränge

Schilder fordern zum Abstandhalten auf, Pfeile geben die Laufrichtung vor, rund 70 Desinfektionsspender stehen bereit. © Fotos: Kirsten Elschner

Minden. Gute-Laune-Musik, euphorisches Kreischen aus Karussells, der Duft von Schmalzkuchen und jede Menge bunte Lichter: Noch schnell das Kontaktformular ausfüllen, Maske aufsetzen, Schlange stehen und dann kann es endlich losgehen mit dem lang ersehnten Rummel-Spaß. Nicht nur für die Besucher ist der Kirmespark Weser auf Kanzlers Weide eine willkommene Abwechslung nach einer langen Durststrecke ohne Großveranstaltungen. Für viele der 30 Schausteller – davon zahlreiche aus dem Mindener Raum – ist es das erste Mal in diesem Jahr, dass sie ihre Fahrgeschäfte und Snackbuden aufbauen dürfen.

Marvin Radecke kann dank des Kirmes-Konzepts endlich mal wieder zum Dosenschießen einladen. „Es ist einfach toll, die anderen Schausteller wieder zu sehen“, sagt er. „Das gibt mir ein wenig Hoffnung, dass es bald weitergeht“ – auch mit Blick auf die Weihnachtsmärkte. Schon als kleiner Junge sei er mit seiner Familie von Kirmes zu Kirmes gezogen. „Ich kenne ja gar nichts anderes.“ Weil er als Schausteller das letzte Geld im Dezember verdient hat, musste er sich vorübergehend einen Job als Angestellter suchen. Das geregelte Arbeitsleben nun für ein paar Tage wieder gegen den Rummel einzutauschen, macht er allerdings nicht wegen des Geldes – „vielmehr für das gute Gefühl“.

Hoch hinaus: Auch in den Fahrgeschäften sind die Schutzmasken Pflicht.
Hoch hinaus: Auch in den Fahrgeschäften sind die Schutzmasken Pflicht.

Absolute Hochstimmung herrscht auf dem Rummel-Gelände vor allem bei den jüngsten Besuchern. Die dreijährige Melina strahlt und winkt ihren Eltern aus dem roten Rennwagen zu, während sie Runde um Runde im „Karussell mit den sprechenden Autos“ dreht. „Heute ist sie zum ersten Mal Autoscooter gefahren“, erzählt ihr Vater. Und sie sei „total darauf abgefahren“. Auch Milan (2) ist Feuer und Flamme für die Kirmes und hochkonzentriert dabei, Gummienten aus einem Wasserbecken zu angeln. Nach erfolgreicher Entenjagd trifft er im Biergarten im Zentrum der Kirmes mit seiner Mutter auf Familie und Freunde, die gemeinsam einen entspannten Tag auf dem Jahrmarkt verbringen. „Knapp, aber es ist alles da“, lobt Milans Mutter das Konzept und bekommt Unterstützung aus der Runde: „Das könnte immer so sein, es ist glatt noch besser als die Messe“, sagt ein Besucher. „Die Erwachsenen können sich entspannt im Biergarten aufhalten und haben drumherum die Kinder im Blick.“

Das abgespeckte und gemütliche Konzept überzeugt auch Rudi Sandvoß aus Barkhausen – und er muss es als „alter Kirmes-Hase“ wissen. Denn obwohl der Senior den Kirmespark mit seiner Frau Ellen als Besucher genießt, kennt er auch die andere Seite. „Wir waren früher selbst Schausteller“, sagt er. Über 40 Jahre lang lebten sie ein Kirmes-Leben, waren auf zahlreichen Mindener Messen mit Autoscooter und Losbude am Start. Trotz vieler guter Erinnerungen sind die beiden in den aktuell schwierigen Zeiten aber froh, nicht mehr vom Schausteller-Einkommen abhängig zu sein. Entspannt genießen sie ein Softeis. „Es ist gut, dass es hier nicht so voll ist. So hat man mehr Ruhe, sich alles anzuschauen.“

Am Abend, wenn die bunten Lichter der Karussells und Buden für besonderen Kirmes-Flair sorgen, füllt sich der Rummelplatz etwas und im großen Biergarten sitzt man bei kalten Getränken, Glühwein und Snacks zusammen. Eine Gruppe Teenager kommt aufgeregt aus dem „Rocket“, dem Fahrgeschäft mit dem wohl größten Adrenalinpegel der Kirmes, in dem die Fahrgäste ordentlich durch die Luft gewirbelt werden. „Das ist, als würde man rausfliegen, aber auf eine richtig gute Art“, schwärmt eine junge Frau, die gar nicht mehr aufhören kann zu lachen. Gegenüber im grell-grün leuchtenden „Ghost“-Haus, wagen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene den Eintritt. Zum Gruseln ist man eben nie zu alt. Nur die schaurige Durchsage „Bleibt lieber ganz eng zusammen ...“ dürfen die Besucher leider nicht so ernst nehmen. Denn auch, wenn der Rummel die Einschränkungen der letzten Monate etwas vergessen lässt, gelten auch im Kirmespark strenge Corona-Auflagen. Schilder fordern zum Abstandhalten auf, Pfeile geben die Laufrichtung vor und rund 70 Desinfektionsspender sind auf dem Gelände platziert.

Das Hygienekonzept umzusetzen, sei eine Herausforderung gewesen, schildert Wolfgang Michael, Vorsitzender des Vereins reisender Schausteller Minden-Lübecke. Doch die Mühe habe sich gelohnt. „Die Resonanz ist den Umständen entsprechend gut.“

Insgesamt 19.500 Besucher zählte die Messe nach Angaben von Minden Marketing in den ersten acht Tagen, maximal 2.000 Besucher gleichzeitig dürfen auf das Gelände. 99 Prozent der Besucher hielten sich an die Hygieneregeln, sagt Michael. Und auch, wenn er zugibt, dass das Konzept nicht viel mit einer „normalen“ Messe zu tun habe, komme der Kirmespark doch nah dran an das, „was wir Schausteller wollen: Freude und Vergnügen bereiten und das auch in diesen schweren Zeiten“.

Tickets und Öffnungszeiten

Der Kirmespark Weser ist noch bis zum 25. Oktober geöffnet: Donnerstag und Freitag 15 bis 22 Uhr, Samstag 14 bis 22 Uhr sowie Sonntag 14 bis 20 Uhr. Der Eintritt zum Gelände kostet 1 Euro. Tickets gibt es im Vorverkauf beim express-Ticketservice an der Obermarktstraße 26-30 in Minden, direkt am Eingang der Kirmes sowie online auf www.express-minden.de.

Vor dem Hintergrund steigender Corona-Infektionszahlen weist die Minden Marketing darauf hin: Um Minden herum sind neue Risikogebiete hinzugekommen. Gästen aus diesen Gebieten wird kein Zutritt zum Kirmespark gewährt.

Tickets und Öffnungszeiten:

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