Ein 700.000 Euro teurer Schwertransport: Mindener Radiologie-Zentrum hat offenes MRT bekommen Patrick Schwemling Minden. Es ist noch nicht 7 Uhr als nach und nach alle Menschen eintreffen, die an diesem Freitag Hand in Hand für eine logistische Meisterleistung sorgen sollen. Drei Mitarbeiter von der Spedition DB Schenker kommen extra aus Dresden, zwei Personen von Hersteller Hitachi sind aus Hamburg angereist, während die zwei Spezialtransport-Experten aus Schloß Holte die kürzeste Anreise haben. Zu diesem Zeitpunkt ist die Temperatur bereits auf fast 25 Grad Celsius geklettert. Allen Beteiligten ist da schon klar: das wird ein schweißtreibender Tag. „Es ist eine riesige Teamleistung", sagt Cord Fried von der Herstellerfirma Hitachi, der sich um die gesamte Abwicklung gekümmert hat und von Anfang an Ansprechpartner für RVZ-Geschäftsführer Dr. Thomas Janssens und den ärztlichen Leiter Dr. Thomas Geibel war. Auch für die beiden ist der Tag der Anlieferung speziell, denn seit mehr als einem Jahr umtreibt sie das Projekt. Ab August sollen dann die ersten Untersuchungen in Minden starten. Dass Cord Fried an diesem Freitag in Minden mit anpackt, ist eine Ausnahme. „Der Projektleiter ist im Urlaub", sagt der Hamburger, für den das aber kein Problem zu sein scheint. Der Diplom-Ingenieur fühlt sich in seiner Arbeitshose sichtlich wohl, packt kräftig mit an und freut sich darüber auch vor Ort ein wichtiger Baustein zu sein. „Im Jahr liefern wir ungefähr zehn dieser Geräte aus", erklärt Frieg – und macht damit klar, dass dieses offene MRT-Gerät eine Besonderheit ist. „In Deutschland gibt es 2.800 MRT-Geräte, davon sind maximal fünf Prozent offen." In den meisten Praxen und auch Krankenhäusern sind vor allem die klassischen Röhren-Kernspins zu finden, die für viele Patienten beengend sind. Pro Jahr brechen aktuell mehr als 100 Patienten eine Behandlung ab - oder treten sie erst gar nicht an  „Damit wir dennoch vernünftige Bilder bekommen, müssen Patienten aktuell oftmals sediert werden. Und trotzdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass pro Jahr mehr als 100 Patienten eine Untersuchung abgebrochen oder gar nicht erst angetreten haben", erklärt RVZ-Geschäftsführer Dr. Thomas Janssens. Deswegen ist bei ihm und seinen Kollegen nach und nach die Entscheidung gereift für die Praxis in Minden das offene MRT-Gerät anzuschaffen. „Wir haben an unseren Standorten in Minden, Löhne und Lübbecke bisher sechs Geräte, davon drei in Minden. Das ist nun das Vierte", so Janssen. Dass es nicht schon früher ein MRT-Gerät mit der offenen Bauweise gegeben habe, liegt auch daran, dass diese Art von Untersuchung grundsätzlich keine Leistung von gesetzlichen Krankenkassen darstellt. „Das bedauere ich sehr", sagt Dr. Geibel. Daher werde sich das Angebot in Minden ausschließlich an privat versicherte Patienten und an gesetzlich krankenversicherte Personen als Selbstzahler richten. „Zwischen 400 und 600 Euro", beziffern Janssens und Geibel die Kosten für eine Behandlung in dem neuen Gerät. Der genaue Preis würde von der Art der Untersuchung abhängen, und ob beispielsweise Kontrastmittel verabreicht werden müssten. „Generell sind wir da an Preise gebunden. Was bei uns gezahlt werden muss, wird auch in Hameln zu zahlen sein", erklärt Geibel. Dort steht übrigens das nächste Gerät dieser Art, in Ostwestfalen-Lippe soll es laut Cord Fried in Paderborn eines geben. „Damit ist die Region jetzt eigentlich abgedeckt", erklärt der Hamburger und stellt damit die Exklusivität heraus. Auf der Baustelle greifen unterdessen alle Räder ineinander. Das neue Gerät wird in alte Verwaltungsräume im Erdgeschoss einziehen, was den Transport leichter macht als bei anderen Standorten. „Da braucht es bis zu 400-Tonnen-Kräne, die den Magneten in obere Stockwerke hieven", sagt Frieg. In Minden bedarf es aber auch komplexe Vorbereitung für das Verladen der drei Komponenten Magnet, Klimaanlage und Faradayscher Käfig. Für den Transport der Geräte in das Gebäude wird der Boden sogar extra mit Metallplatten verstärkt. „Weil der Magnet so schwer ist, würden wir dem Kran sonst den Gehweg aufreißen", erklärt ein Mitarbeiter. 16 Tonnen müssen verladen werden - und die Arbeiter schwitzen bei 31 Grad Celsius  Nachdem im Laufe des Vormittags nach und nach die Geräte ausgeladen und in das RVZ gebracht worden sind, folgt am Ende das MRT-Herzstück, das zunächst per Kran aus dem Lkw geladen wird. Nach der Mittagspause, inzwischen liegt die Temperatur bei fast 31 Grad Celsius im Schatten, folgt dann der letzte Schritt. Das 16 Tonnen schwere Gerät muss in das Gebäude. Dafür wird es zunächst vor den Hintereingang gefahren, ehe es per Luftkissentransport in die Praxis geschoben wird. „So kann man tonnenschwere Objekte mit Leichtigkeit und millimetergenau bewegen", erklärt Cord Fried vor der letzten Hürde, die auch mit Leichtigkeit übersprungen wird. Die Uhr schlägt gerade 15.30 Uhr, der Zeitplan ist unterschritten – und alle sind zufrieden. In den nächsten Tagen wird das MRT nun angeschlossen und in Betrieb genommen.

Ein 700.000 Euro teurer Schwertransport: Mindener Radiologie-Zentrum hat offenes MRT bekommen

Das 16 Tonnen schwere MRT wurde von sieben Mitarbeitern von drei verschiedenen Firmen am Freitag an der Mindener Ringstraße verladen. MT-Foto: © Patrick Schwemling

Minden. Es ist noch nicht 7 Uhr als nach und nach alle Menschen eintreffen, die an diesem Freitag Hand in Hand für eine logistische Meisterleistung sorgen sollen. Drei Mitarbeiter von der Spedition DB Schenker kommen extra aus Dresden, zwei Personen von Hersteller Hitachi sind aus Hamburg angereist, während die zwei Spezialtransport-Experten aus Schloß Holte die kürzeste Anreise haben. Zu diesem Zeitpunkt ist die Temperatur bereits auf fast 25 Grad Celsius geklettert. Allen Beteiligten ist da schon klar: das wird ein schweißtreibender Tag.

„Es ist eine riesige Teamleistung", sagt Cord Fried von der Herstellerfirma Hitachi, der sich um die gesamte Abwicklung gekümmert hat und von Anfang an Ansprechpartner für RVZ-Geschäftsführer Dr. Thomas Janssens und den ärztlichen Leiter Dr. Thomas Geibel war. Auch für die beiden ist der Tag der Anlieferung speziell, denn seit mehr als einem Jahr umtreibt sie das Projekt. Ab August sollen dann die ersten Untersuchungen in Minden starten.

Dass Cord Fried an diesem Freitag in Minden mit anpackt, ist eine Ausnahme. „Der Projektleiter ist im Urlaub", sagt der Hamburger, für den das aber kein Problem zu sein scheint. Der Diplom-Ingenieur fühlt sich in seiner Arbeitshose sichtlich wohl, packt kräftig mit an und freut sich darüber auch vor Ort ein wichtiger Baustein zu sein.

Am RVZ Minden an der Ringstraße wurde gestern ein neues MRT-Gerät angeliefert – das inzwischen vierte an diesem Standort. MT-Foto: Patrick Schwemling - © Patrick Schwemling
Am RVZ Minden an der Ringstraße wurde gestern ein neues MRT-Gerät angeliefert – das inzwischen vierte an diesem Standort. MT-Foto: Patrick Schwemling - © Patrick Schwemling

„Im Jahr liefern wir ungefähr zehn dieser Geräte aus", erklärt Frieg – und macht damit klar, dass dieses offene MRT-Gerät eine Besonderheit ist. „In Deutschland gibt es 2.800 MRT-Geräte, davon sind maximal fünf Prozent offen." In den meisten Praxen und auch Krankenhäusern sind vor allem die klassischen Röhren-Kernspins zu finden, die für viele Patienten beengend sind.

Pro Jahr brechen aktuell mehr als 100 Patienten eine Behandlung ab - oder treten sie erst gar nicht an 

„Damit wir dennoch vernünftige Bilder bekommen, müssen Patienten aktuell oftmals sediert werden. Und trotzdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass pro Jahr mehr als 100 Patienten eine Untersuchung abgebrochen oder gar nicht erst angetreten haben", erklärt RVZ-Geschäftsführer Dr. Thomas Janssens.

So wird das Gerät aussehen, sobald es in Minden angeschlossen ist. Foto: - © Hitachi
So wird das Gerät aussehen, sobald es in Minden angeschlossen ist. Foto: - © Hitachi

Deswegen ist bei ihm und seinen Kollegen nach und nach die Entscheidung gereift für die Praxis in Minden das offene MRT-Gerät anzuschaffen. „Wir haben an unseren Standorten in Minden, Löhne und Lübbecke bisher sechs Geräte, davon drei in Minden. Das ist nun das Vierte", so Janssen. Dass es nicht schon früher ein MRT-Gerät mit der offenen Bauweise gegeben habe, liegt auch daran, dass diese Art von Untersuchung grundsätzlich keine Leistung von gesetzlichen Krankenkassen darstellt. „Das bedauere ich sehr", sagt Dr. Geibel. Daher werde sich das Angebot in Minden ausschließlich an privat versicherte Patienten und an gesetzlich krankenversicherte Personen als Selbstzahler richten.

„Zwischen 400 und 600 Euro", beziffern Janssens und Geibel die Kosten für eine Behandlung in dem neuen Gerät. Der genaue Preis würde von der Art der Untersuchung abhängen, und ob beispielsweise Kontrastmittel verabreicht werden müssten. „Generell sind wir da an Preise gebunden. Was bei uns gezahlt werden muss, wird auch in Hameln zu zahlen sein", erklärt Geibel. Dort steht übrigens das nächste Gerät dieser Art, in Ostwestfalen-Lippe soll es laut Cord Fried in Paderborn eines geben. „Damit ist die Region jetzt eigentlich abgedeckt", erklärt der Hamburger und stellt damit die Exklusivität heraus.

Auf der Baustelle greifen unterdessen alle Räder ineinander. Das neue Gerät wird in alte Verwaltungsräume im Erdgeschoss einziehen, was den Transport leichter macht als bei anderen Standorten. „Da braucht es bis zu 400-Tonnen-Kräne, die den Magneten in obere Stockwerke hieven", sagt Frieg. In Minden bedarf es aber auch komplexe Vorbereitung für das Verladen der drei Komponenten Magnet, Klimaanlage und Faradayscher Käfig. Für den Transport der Geräte in das Gebäude wird der Boden sogar extra mit Metallplatten verstärkt. „Weil der Magnet so schwer ist, würden wir dem Kran sonst den Gehweg aufreißen", erklärt ein Mitarbeiter.

16 Tonnen müssen verladen werden - und die Arbeiter schwitzen bei 31 Grad Celsius 

Nachdem im Laufe des Vormittags nach und nach die Geräte ausgeladen und in das RVZ gebracht worden sind, folgt am Ende das MRT-Herzstück, das zunächst per Kran aus dem Lkw geladen wird. Nach der Mittagspause, inzwischen liegt die Temperatur bei fast 31 Grad Celsius im Schatten, folgt dann der letzte Schritt. Das 16 Tonnen schwere Gerät muss in das Gebäude.

Nach schweißtreibenden acht Stunden war der Magnet endlich in der Praxis. Foto: - © Stefanie Peter/RVZ
Nach schweißtreibenden acht Stunden war der Magnet endlich in der Praxis. Foto: - © Stefanie Peter/RVZ

Dafür wird es zunächst vor den Hintereingang gefahren, ehe es per Luftkissentransport in die Praxis geschoben wird. „So kann man tonnenschwere Objekte mit Leichtigkeit und millimetergenau bewegen", erklärt Cord Fried vor der letzten Hürde, die auch mit Leichtigkeit übersprungen wird. Die Uhr schlägt gerade 15.30 Uhr, der Zeitplan ist unterschritten – und alle sind zufrieden. In den nächsten Tagen wird das MRT nun angeschlossen und in Betrieb genommen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden