Edgar Wilkening gewinnt beim "Born Digital Wine Contest" Kerstin Rickert Minden. Wein zum Grünkohl? „Auf keinen Fall!“ – davon war Edgar Wilkening, wie die meisten Liebhaber des deftigen Gemüses, bis vor ein paar Jahren fest überzeugt. Und das, obwohl er ein ausgesprochener Weinliebhaber ist. Doch dann wollte Wilkening es genau wissen und startete ein Experiment. Er lud Gäste, allesamt Weinliebhaber und - experten, zu einem Grünkohlessen zu sich nach Hause in Hamburg-St. Pauli ein. Gemeinsam probierten sie sich auf der Suche nach dem perfekten Begleiter für das deftige Kult-Gericht durch die Welt des Weins. Damit nahm eine Geschichte ihren Anfang, die der inzwischen in Minden lebende Autor aufschrieb. Eine Geschichte, die eine international besetzte Weinexperten-Jury derart überzeugte, dass sie Edgar Wilkening zum diesjährigen Gewinner des „Born Digital Wine Contest“ in der Kategorie „Best Food and Wine Content“ kürte. Mit dem MT hat der 60-Jährige über seine „tollkühne Foodpairing-Mutprobe“ und die Auszeichnung gesprochen. Edgar Wilkening kommt gebürtig aus Quetzen, einem Ortsteil von Petershagen. Aus Westfalen also, wo im Winter regelmäßig Grünkohl auf den Tisch kommt. Auch in Hamburg, Wilkenings Wahlheimat in den vergangenen 30 Jahren, ist er eine Spezialität, und so führte der Autor und Weinkenner dort eine lieb gewonnene kulinarische Tradition fort. „Mindestens einmal im Jahr gibt es bei mir Grünkohl. In Hamburg wird er übrigens mit karamellisierten Kartoffeln gegessen“, erzählt Edgar Wilkening im Gespräch mit dem MT. Die Frage nach dem begleitenden Getränk stellte sich für ihn lange Zeit nicht. Und so hatte er auch für seine Einladung zum Grünkohlessen „selbstverständlich einen Kasten Bier besorgt“. Doch da hatte er die Rechnung ohne seine weinliebenden Gäste gemacht. Auch die wollten wissen, was eigentlich dran ist an der Behauptung, Wein passe nicht zu Grünkohl. „Nicht eine Flasche Bier wurde an dem Abend angerührt“, erinnert sich der Gastgeber. Stattdessen probierte sich die Runde durch ihre mitgebrachten Schätzchen edler Tropfen. Reben- statt Gerstensaft zum Grünkohl: Wie gut das funktioniert, hätte Wilkening, der sich seit seiner Jugend für Wein interessiert und sich längst zum Experten entwickelt hat, kaum für möglich gehalten. Die größte Überraschung aber sei für ihn gewesen, welcher Wein das Rennen machte. „Ein Pinotage, eine ursprünglich südafrikanische Rebsorte“, erzählt Wilkening begeistert. Das Ergebnis inspirierte ihn zu einer Wiederholung und den Autoren in ihm zu einer Geschichte. „Ich hatte von vornherein Lust, darüber zu schreiben. Über eine abenteuerliche Reise in vielen Etappen“, sagt der Mann mit besonderem Faible für komödiantische Geschichten. Die Weinverkostung zum Grünkohl in Hamburg war schon ein paar Jahre her, als er „der Liebe wegen“ nach Minden zog. Zurück in seine ostwestfälische Heimat, wo – nicht anders als in Hamburg – zum Grünkohlessen gemeinhin Bier serviert wird. Ob die Ostwestfalen sich davon abbringen lassen würden? Wilkening witterte seine Chance, es auszuprobieren, als er kurzfristig eine Einladung zum Grünkohlessen erhielt. Viel Zeit blieb ihm nicht, ein paar Flaschen von dem südafrikanischen Gewächs aufzutreiben, das ihn und seine Hamburger Weinfreunde so sehr überzeugt hatte. „Pinotage ist selbst im Fachhandel eine eher seltene Sorte und entsprechend schwierig zu beschaffen“, weiß der Experte. Doch im Internet stieß Wilkening auf eine Adresse, die ihn nach Vlotho führte. Und dort wurde er tatsächlich fündig. Nun galt es „nur“ noch, ein paar Westfalen davon zu überzeugen, auf Bier zum Grünkohl zu verzichten und sich mutig durch vier Flaschen Pinotage zu probieren. Und dabei erlebte Wilkening die nächste Überraschung, wie er erzählt. „Statt der Sturheit, die den Ostwestfalen ja immer zugeschrieben wird, erlebte ich eine große Offenheit.“ Die ganze Geschichte, wie er zusammenbrachte, was nicht zusammengehört, schrieb der Autor auf und bewarb sich damit für den „Born Digital Wine Contest“. „Der international ausgeschriebene Wettbewerb, übrigens ein extrem anglo-amerikanischer Wettbewerb, wurde 2011 ins Leben gerufen, um digitale Inhalte zu pushen. Die Besonderheit ist, dass man im Prinzip in jeder Sprache Beiträge einreichen kann, über die dann eine international besetzte Jury aus namhaften Weinexperten und -autoren entscheidet“, erklärt Wilkening. Inhaltlich gehe es um Weinverkostung und Foodparing, also die ungewöhnliche Kombination von Lebensmitteln. Themen, die laut Wilkening, in der Regel sehr ernst besprochen werden. „Ich aber hatte Lust, meine Geschichte lustig zu erzählen.“ Und damit traf er offenbar den Nerv der Jury, die seinen Beitrag mit dem ersten Preis prämierte. Für den 60-Jährigen ist die Auszeichnung eine ganz besondere Ehre. „Zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte des Wettbewerbs geht ein Preis nach Deutschland und dann auch noch nach Minden – ein schönes Willkommensgeschenk an meine neue Heimat“, sagt der Preisträger. Insgesamt waren für den diesjährigen Wettbewerb 313 Beiträge aus aller Welt eingereicht worden. In der Kategorie „Best Food and Wine Contest“ hatte Edgar Wilkening als einer von neun Nominierten eine Einladung zur Online-Preisverleihung erhalten. Weitere Preise gingen nach Schweden, Chile, in die Schweiz und die USA. Auf www.wineroom.de betreibt Edgar Wilkening ein digitales Wein-Magazin. Dort ist auch sein Wettbewerbs-Beitrag mit dem Titel „Grünkohl und Wein - geht das? Eine tollkühne Foodpairing-Mutprobe“ nachzulesen.

Edgar Wilkening gewinnt beim "Born Digital Wine Contest"

Edgar Wilkening kennt sich mit Wein aus. Dieses Wissen und eine gute Idee brachten ihm den Preis ein. Foto: Kerstin Rickert © Kerstin Rickert

Minden. Wein zum Grünkohl? „Auf keinen Fall!“ – davon war Edgar Wilkening, wie die meisten Liebhaber des deftigen Gemüses, bis vor ein paar Jahren fest überzeugt. Und das, obwohl er ein ausgesprochener Weinliebhaber ist. Doch dann wollte Wilkening es genau wissen und startete ein Experiment. Er lud Gäste, allesamt Weinliebhaber und - experten, zu einem Grünkohlessen zu sich nach Hause in Hamburg-St. Pauli ein. Gemeinsam probierten sie sich auf der Suche nach dem perfekten Begleiter für das deftige Kult-Gericht durch die Welt des Weins. Damit nahm eine Geschichte ihren Anfang, die der inzwischen in Minden lebende Autor aufschrieb. Eine Geschichte, die eine international besetzte Weinexperten-Jury derart überzeugte, dass sie Edgar Wilkening zum diesjährigen Gewinner des „Born Digital Wine Contest“ in der Kategorie „Best Food and Wine Content“ kürte. Mit dem MT hat der 60-Jährige über seine „tollkühne Foodpairing-Mutprobe“ und die Auszeichnung gesprochen.

Edgar Wilkening kommt gebürtig aus Quetzen, einem Ortsteil von Petershagen. Aus Westfalen also, wo im Winter regelmäßig Grünkohl auf den Tisch kommt. Auch in Hamburg, Wilkenings Wahlheimat in den vergangenen 30 Jahren, ist er eine Spezialität, und so führte der Autor und Weinkenner dort eine lieb gewonnene kulinarische Tradition fort. „Mindestens einmal im Jahr gibt es bei mir Grünkohl. In Hamburg wird er übrigens mit karamellisierten Kartoffeln gegessen“, erzählt Edgar Wilkening im Gespräch mit dem MT. Die Frage nach dem begleitenden Getränk stellte sich für ihn lange Zeit nicht. Und so hatte er auch für seine Einladung zum Grünkohlessen „selbstverständlich einen Kasten Bier besorgt“.

Doch da hatte er die Rechnung ohne seine weinliebenden Gäste gemacht. Auch die wollten wissen, was eigentlich dran ist an der Behauptung, Wein passe nicht zu Grünkohl. „Nicht eine Flasche Bier wurde an dem Abend angerührt“, erinnert sich der Gastgeber. Stattdessen probierte sich die Runde durch ihre mitgebrachten Schätzchen edler Tropfen. Reben- statt Gerstensaft zum Grünkohl: Wie gut das funktioniert, hätte Wilkening, der sich seit seiner Jugend für Wein interessiert und sich längst zum Experten entwickelt hat, kaum für möglich gehalten. Die größte Überraschung aber sei für ihn gewesen, welcher Wein das Rennen machte. „Ein Pinotage, eine ursprünglich südafrikanische Rebsorte“, erzählt Wilkening begeistert.

Das Ergebnis inspirierte ihn zu einer Wiederholung und den Autoren in ihm zu einer Geschichte. „Ich hatte von vornherein Lust, darüber zu schreiben. Über eine abenteuerliche Reise in vielen Etappen“, sagt der Mann mit besonderem Faible für komödiantische Geschichten. Die Weinverkostung zum Grünkohl in Hamburg war schon ein paar Jahre her, als er „der Liebe wegen“ nach Minden zog. Zurück in seine ostwestfälische Heimat, wo – nicht anders als in Hamburg – zum Grünkohlessen gemeinhin Bier serviert wird. Ob die Ostwestfalen sich davon abbringen lassen würden? Wilkening witterte seine Chance, es auszuprobieren, als er kurzfristig eine Einladung zum Grünkohlessen erhielt. Viel Zeit blieb ihm nicht, ein paar Flaschen von dem südafrikanischen Gewächs aufzutreiben, das ihn und seine Hamburger Weinfreunde so sehr überzeugt hatte.

„Pinotage ist selbst im Fachhandel eine eher seltene Sorte und entsprechend schwierig zu beschaffen“, weiß der Experte. Doch im Internet stieß Wilkening auf eine Adresse, die ihn nach Vlotho führte. Und dort wurde er tatsächlich fündig. Nun galt es „nur“ noch, ein paar Westfalen davon zu überzeugen, auf Bier zum Grünkohl zu verzichten und sich mutig durch vier Flaschen Pinotage zu probieren. Und dabei erlebte Wilkening die nächste Überraschung, wie er erzählt. „Statt der Sturheit, die den Ostwestfalen ja immer zugeschrieben wird, erlebte ich eine große Offenheit.“

Die ganze Geschichte, wie er zusammenbrachte, was nicht zusammengehört, schrieb der Autor auf und bewarb sich damit für den „Born Digital Wine Contest“. „Der international ausgeschriebene Wettbewerb, übrigens ein extrem anglo-amerikanischer Wettbewerb, wurde 2011 ins Leben gerufen, um digitale Inhalte zu pushen. Die Besonderheit ist, dass man im Prinzip in jeder Sprache Beiträge einreichen kann, über die dann eine international besetzte Jury aus namhaften Weinexperten und -autoren entscheidet“, erklärt Wilkening. Inhaltlich gehe es um Weinverkostung und Foodparing, also die ungewöhnliche Kombination von Lebensmitteln. Themen, die laut Wilkening, in der Regel sehr ernst besprochen werden. „Ich aber hatte Lust, meine Geschichte lustig zu erzählen.“ Und damit traf er offenbar den Nerv der Jury, die seinen Beitrag mit dem ersten Preis prämierte.

Für den 60-Jährigen ist die Auszeichnung eine ganz besondere Ehre. „Zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte des Wettbewerbs geht ein Preis nach Deutschland und dann auch noch nach Minden – ein schönes Willkommensgeschenk an meine neue Heimat“, sagt der Preisträger. Insgesamt waren für den diesjährigen Wettbewerb 313 Beiträge aus aller Welt eingereicht worden. In der Kategorie „Best Food and Wine Contest“ hatte Edgar Wilkening als einer von neun Nominierten eine Einladung zur Online-Preisverleihung erhalten. Weitere Preise gingen nach Schweden, Chile, in die Schweiz und die USA.

Auf www.wineroom.de betreibt Edgar Wilkening ein digitales Wein-Magazin. Dort ist auch sein Wettbewerbs-Beitrag mit dem Titel „Grünkohl und Wein - geht das? Eine tollkühne Foodpairing-Mutprobe“ nachzulesen.

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