Durchgängige Benutzungspflicht für Radwege höchstrichterlich aufgehoben Radfahrer dürfen immer öfter auf die Fahrbahn / Fortschreitender Abbau der blau-weißen Gebotsschilder Von Jürgen Langenkämper Minden (mt). Auf immer mehr Straßen im Stadtgebiet dürfen Radfahrer die normale Fahrbahn benutzen, obwohl ein Radweg daneben verläuft. Doch vielen Zweiradfahrern und vierrädrig motorisierten Mitbürgern sind die Neuregelungen noch gar nicht ins Bewusstsein gedrungen. Fahrradkarte für Minden auf einer größeren Karte anzeigenDabei sind die Neuregelungen so neu gar nicht. "Die Radwegebenutzungspflicht darf nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 18. November 2010 nur bei qualifizierter Gefahrenlage angeordnet werden", teilt die Pressestelle der Stadt Minden mit, die seit zwei Jahren dabei ist, ihre Radwege und Straßen der neuen Rechtsprechung anzupassen und damit den eigenen guten Ruf als "fahrradfreundliche Stadt" zu wahren. Straßenzug um Straßenzug werden seither die blau-weißen Gebotsschilder abgeschraubt. Dass eine Nutzungspflicht besteht, wird für Verkehrsteilnehmer durch die blau-weißen Verkehrsschilder 237 (weißes Fahrrad auf blauem Grund), 240 (Fahrrad und Fußgänger durch Querbalken getrennt - gemeinsamer Geh- und Radweg) oder 241 (Fahrrad und Fußgänger senkrecht getrennt - Geh- und Radweg nebeneinander) angezeigt. Doch wer achtet schon am Anfang einer Teilstrecke darauf? Oder darauf, dass die Schilder eines Tages abmontiert sind? Oft genug orientieren sich Autofahrer daran, dass ein Radweg neben ihrer Route verläuft, und hupen Radfahrer auf der Fahrbahn auch schon mal an. Verbale Zurechtweisungen, Beschimpfungen oder Pöbeleien, weil sie nicht sofort überholen konnten und langsamer fahren mussten, scheinen in Minden die Ausnahme zu sein. Horst Idelberger, Mitbegründer der Aktiven Radler Minden (ARM), brachte ein Disput mit einem zunächst uneinsichtigen Autofahrer eine Flasche Sekt ein. "Er wollte mir nicht glauben, dass ich auf der Marienstraße fahren durfte", sagt der Ratsherr der Grünen. Daraufhin schlossen die beiden Kontrahenten eine Wette ab - Idelberger gewann. Im Idealfall weisen an einigen Stellen - farblich abgesetzte - Markierungen auf den Übergang vom Radweg auf die Fahrbahnen hin. Denn im Bereich großer Kreuzungen mit mehreren Fahrspuren wie in der Oberstadt mit Stifts- und Ringstraße schreibt die Verkehrsbehörde nach wie vor die Benutzung von Radwegen vor. Aus Sicht der Polizei ist gegen die Neuorientierung sicherheitstechnisch erst einmal nichts einzuwenden. "Wir haben nicht beobachtet, dass es dadurch in den Streckenabschnitten signifikant mehr oder weniger Unfälle gibt", sagt Polizeihauptkommissar Ulrich Möller von der Führungsstelle des Verkehrskommissariats der Polizei. Er gibt dabei zugleich das erhöhte Gefährdungspotenzial von Radfahrern zu bedenken. "Ein Drittel aller Verunglückten im Kreisgebiet sind Radfahrer." Schwerpunkte liegen dabei in den größeren Städten, vor allem in Minden und Bad Oeynhausen. Eine Hauptunfallursache - das Fahren auf dem Radweg auf der falschen Straßenseite - entfällt beim Radeln auf der Fahrbahn. Kinder bis elf Jahre dürfen laut Möller sowieso weiter auf dem Gehweg fahren. Aber die Benutzung auch eines kombinierten Geh- und Radweges ist selbst bei einem Zusatzschild "Radfahrer frei" - ergänzend zum Verkehrsschild 239 (weiße Fußgänger auf blauem Grund) für Zweiräder nicht unproblematisch, wie Polizeipressesprecher Burghard Lübker erklärt. Denn dann gelten für den Radfahrer erhöhte Vorsichtsmaßregeln - und im Zweifelsfall Schritttempo, damit es nicht zum Zusammenstoß mit Fußgängern kommt. Im Stadtgebiet schreitet die Freigabe von Fahrbahnen fröhlich voran. Weitere Strecken werden auf ihre Eignung geprüft.

Durchgängige Benutzungspflicht für Radwege höchstrichterlich aufgehoben

Minden (mt). Auf immer mehr Straßen im Stadtgebiet dürfen Radfahrer die normale Fahrbahn benutzen, obwohl ein Radweg daneben verläuft. Doch vielen Zweiradfahrern und vierrädrig motorisierten Mitbürgern sind die Neuregelungen noch gar nicht ins Bewusstsein gedrungen.


Fahrradkarte für Minden auf einer größeren Karte anzeigen

Auf diesen Straßen dürfen Radler die Fahrbahn nutzen - © MINDEN
Auf diesen Straßen dürfen Radler die Fahrbahn nutzen - © MINDEN

Dabei sind die Neuregelungen so neu gar nicht. "Die Radwegebenutzungspflicht darf nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 18. November 2010 nur bei qualifizierter Gefahrenlage angeordnet werden", teilt die Pressestelle der Stadt Minden mit, die seit zwei Jahren dabei ist, ihre Radwege und Straßen der neuen Rechtsprechung anzupassen und damit den eigenen guten Ruf als "fahrradfreundliche Stadt" zu wahren.

Straßenzug um Straßenzug werden seither die blau-weißen Gebotsschilder abgeschraubt. Dass eine Nutzungspflicht besteht, wird für Verkehrsteilnehmer durch die blau-weißen Verkehrsschilder 237 (weißes Fahrrad auf blauem Grund), 240 (Fahrrad und Fußgänger durch Querbalken getrennt - gemeinsamer Geh- und Radweg) oder 241 (Fahrrad und Fußgänger senkrecht getrennt - Geh- und Radweg nebeneinander) angezeigt.

Doch wer achtet schon am Anfang einer Teilstrecke darauf? Oder darauf, dass die Schilder eines Tages abmontiert sind? Oft genug orientieren sich Autofahrer daran, dass ein Radweg neben ihrer Route verläuft, und hupen Radfahrer auf der Fahrbahn auch schon mal an. Verbale Zurechtweisungen, Beschimpfungen oder Pöbeleien, weil sie nicht sofort überholen konnten und langsamer fahren mussten, scheinen in Minden die Ausnahme zu sein.

Horst Idelberger, Mitbegründer der Aktiven Radler Minden (ARM), brachte ein Disput mit einem zunächst uneinsichtigen Autofahrer eine Flasche Sekt ein. "Er wollte mir nicht glauben, dass ich auf der Marienstraße fahren durfte", sagt der Ratsherr der Grünen.

Aufhebung des Benutzungsgebotes: Auf vielen Radwegen im Stadtgebiet (magenta) müssen Radfahrer nicht mehr fahren, sondern dürfen auf der Fahrbahn radeln. Für weitere Straßen (blau) ist dies in Planung. MT-Grafik: Jörg Barner
Aufhebung des Benutzungsgebotes: Auf vielen Radwegen im Stadtgebiet (magenta) müssen Radfahrer nicht mehr fahren, sondern dürfen auf der Fahrbahn radeln. Für weitere Straßen (blau) ist dies in Planung. MT-Grafik: Jörg Barner

Daraufhin schlossen die beiden Kontrahenten eine Wette ab - Idelberger gewann.

Im Idealfall weisen an einigen Stellen - farblich abgesetzte - Markierungen auf den Übergang vom Radweg auf die Fahrbahnen hin. Denn im Bereich großer Kreuzungen mit mehreren Fahrspuren wie in der Oberstadt mit Stifts- und Ringstraße schreibt die Verkehrsbehörde nach wie vor die Benutzung von Radwegen vor. Aus Sicht der Polizei ist gegen die Neuorientierung sicherheitstechnisch erst einmal nichts einzuwenden. "Wir haben nicht beobachtet, dass es dadurch in den Streckenabschnitten signifikant mehr oder weniger Unfälle gibt", sagt Polizeihauptkommissar Ulrich Möller von der Führungsstelle des Verkehrskommissariats der Polizei.

Er gibt dabei zugleich das erhöhte Gefährdungspotenzial von Radfahrern zu bedenken. "Ein Drittel aller Verunglückten im Kreisgebiet sind Radfahrer." Schwerpunkte liegen dabei in den größeren Städten, vor allem in Minden und Bad Oeynhausen. Eine Hauptunfallursache - das Fahren auf dem Radweg auf der falschen Straßenseite - entfällt beim Radeln auf der Fahrbahn. Kinder bis elf Jahre dürfen laut Möller sowieso weiter auf dem Gehweg fahren.

Aber die Benutzung auch eines kombinierten Geh- und Radweges ist selbst bei einem Zusatzschild "Radfahrer frei" - ergänzend zum Verkehrsschild 239 (weiße Fußgänger auf blauem Grund) für Zweiräder nicht unproblematisch, wie Polizeipressesprecher Burghard Lübker erklärt. Denn dann gelten für den Radfahrer erhöhte Vorsichtsmaßregeln - und im Zweifelsfall Schritttempo, damit es nicht zum Zusammenstoß mit Fußgängern kommt. Im Stadtgebiet schreitet die Freigabe von Fahrbahnen fröhlich voran. Weitere Strecken werden auf ihre Eignung geprüft.

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