Drei Wochen bis zur Wahl, so viele Bewerber wie noch nie: So lief das MT-Wahlforum Carsten Korfesmeyer Minden. Im Mühlenkreis steckt viel Berlin. Recht oft zeigt sich beim MT-Wahlforum am späten Sonntagnachmittag, wie eng die politischen Themen der Hauptstadt mit der kommunalen Ebene verknüpft sind. Beispielsweise bei der heiß diskutierten neuen Bahntrasse zwischen Bielefeld und Hannover, die in Teilen durch Porta verlaufen soll. Die Bahn will damit die Fahrzeit zwischen Bielefeld und Hannover von 48 auf 31 Minuten reduzieren. Dafür müsste einiges an Natur weichen – ein Dilemma beispielsweise für Grünen-Kandidatin Schahina Gambir, die dabei irgendwie zwischen den Stühlen sitzt. Doch ihre Position ist deutlich. „Grundsätzlich bin ich für die Verkehrswende“, sagt die 30-Jährige auf der Bühne im Fort A. Ein Ziel ihrer Partei sei, möglichst viele Menschen für den öffentlichen Personennahverkehr zu begeistern. Allerdings dürfe das nicht zum Schaden der Umwelt führen. Sie fordert, die Bestandsstrecke auszubauen. Dann wäre die Fahrzeit zwar nicht bei 31, sondern „vielleicht bei 36 Minuten“. Für sie ein vertretbarer Wert. Die Bahnpläne bewegen auch CDU-Kandidat Dr. Oliver Vogt. Er sieht ebenfalls Alternativen zu einer Neubaustrecke. Durch moderne technische Möglichkeiten ließe sich auf der bestehenden Strecke einiges machen – beispielsweise hinsichtlich der Neigetechnik. Das Ziel einer kürzeren Fahrzeit teilt er – allerdings: „Es kann nicht sein, dass am Ende die gesamte Rendite an uns vorbei geht“, sagt der 44-Jährige. Auch Achim Post (SPD) spricht sich gegen eine neue Trasse aus und Frank Schäffler (FDP) nennt das brennende Thema ein Projekt der Bundesregierung. Es sei nicht transparent verlaufen und deshalb müsse man den Planungsprozess sofort stoppen. „Und es muss alles zurück auf Null gestellt werden“, sagt der Bundestagsabgeordnete. Auch für Jule Kegel (Die Linke), Sebastian Landwehr (AfD) und Michael Müller (Freie Wähler) kommt die von der Bahn favorisierte Trasse durch Porta nicht in Frage. Die von MT-Chefredakteur Benjamin Piel und MT-Lokalchef Henning Wandel moderierte Veranstaltung ist zu diesem Zeitpunkt schon weit fortgeschritten. Die 100 Zuhörer vor Ort und die vielen Zuschauer im Internet erleben eine Podiumsdiskussion, in der die Politiker ihre jeweiligen Positionen engagiert vorstellen. Es geht sachlich kontrovers zu, es zeigen sich häufig unterschiedliche Ansichten, aber immer wieder auch ein paar Gemeinsamkeiten. Das zeigt sich unter anderem beim Thema Corona, das bewusst nicht den absoluten Schwerpunkt des Wahlforums einnehmen soll. Was das Handeln der Verantwortlichen betrifft, erkennt Achim Post im Rückblick „Licht und Schatten“. Einige der getroffenen Entscheidungen zur Pandemiebekämpfung seien nicht vernünftig gewesen. Auch Frank Schäffler hält in dieser Hinsicht manches für unverhältnismäßig – beispielsweise die Ausgangssperre. Oliver Vogt sieht die Notwendigkeit, dass der Staat seinen Bürgerinnen und Bürgern erklären muss, was er tut. In dieser Hinsicht hätte mehr passieren können. Der Föderalismus in Deutschland dürfe deshalb aber nicht infrage gestellt werden. Das Thema Impfen drängt sich auf und nicht nur an dieser Stelle zeigt sich, dass AfD-Kandidat Sebastian Landwehr mit seinen Ansichten am weitesten aus dem Kandidatenfeld abweicht. Prinzipiell sei er ein Gegner des Impfens. Er selbst habe sich auch nur impfen lassen, weil er seine Freiheit wieder haben wollte. Das für Oktober geplante Ende der kostenfreien Coronatests ist wenig später Teil einer Leserfrage, die online in der Veranstaltung gestellt wird. Hier zeigt sich Frank Schäffler von der Idee wenig angetan. Er würde an den kostenfreien Tests festhalten, um dadurch möglichst rasch zur Normalität zurückzukehren – ein Ziel, das selbstverständlich alle anderen auf dem Podium ebenfalls erreichen möchten. Einigkeit herrscht auch auf manchem anderen Gebiet. Die Situation in Afghanistan bewegt. Schahina Gambir spricht von einer „kranken Strategie in Deutschland“. Man könne dort nicht einfach so reingehen und dann wieder das Land verlassen, sagt sie. Durchblicken lassen auf der Bühne auch einige der Kandidaten, dass es ein falscher Weg ist, das westliche Staatsmodell unbedingt auf andere Länder übertragen zu wollen. Das MT-Wahlforum ist auch der Ort, in der sich die Politiker ein Stück weit selber präsentieren. Jule Kegel ist mit 20 Jahren die mit Abstand jüngste Bundestagskandidaten im Mühlenkreis. In kurzen, dafür aber pointierten Aussagen stellt sie ihre Ziele dar. Auf die DDR-Vergangenheit ihrer Partei angesprochen sagt die Mindenerin deutlich, dass sie nicht alles von Marx unkritisch findet. Und nicht nur beim heiklen Thema der Digitalisierung bezieht sie eine deutliche Position. Der Ausbau des schnellen Netzes müsse besser werden. „Digitalisierung dient dem Gemeinwohl“, sagt sie. Michael Müller ist mit 72 Jahren der älteste Kandidat auf der Bühne. Er, der als Kaufmann in vielen Führungsrollen weit in der Welt herumgekommen ist, sieht sich im Falle seiner Wahl nicht als Hinterbänkler. „Es wird dann erstmal einen Kassensturz geben.“ Dann werde man sehen, was geht. In die Politik sei er gegangen, um etwas zu verändern und die Menschen mitzunehmen. Der Portaner möchte vor allem die Verbudgetierung in der Politik aufheben und dort etwas ändern, wo wirklich der Schuh drückt. Sekt oder Selters? Zugespitzte Fragen, die mit Ja oder Nein und einem Satz zur Begründung zu beantworten sind, gibt es auch noch. Scholz oder Laschet? Michael Müller drückt sich um die Antwort herum. „Man sollte die Wahl abwarten und dann den fähigsten Kopf nehmen“, sagt er. Schahina Gambir wird mit dem Thema Gendern konfrontiert und nennt es einen unnötigen Nebenschauplatz. Jule Kegel spricht sich für den Mindestlohn und gegen ein Grundeinkommen aus. Bessel-Lehrer Oliver Vogt zieht den Physik-Leistungskurs einer Nachtsitzung im Bundestag vor. „Macht mehr Spaß“, sagt er. Linke oder Opposition? „Nix von beiden“, sagt Achim Post. Und Frank Schäffler favorisiert die Nachrichten auf NTV gegenüber Phönix – obwohl er die Übertragungen der Bundestagsdebatten dort gut findet.

Drei Wochen bis zur Wahl, so viele Bewerber wie noch nie: So lief das MT-Wahlforum

MT-Chefredakteur Benjamin Piel (l.) und MT-Lokalchef Henning Wandel moderierten das Wahlforum. © lehn

Minden. Im Mühlenkreis steckt viel Berlin. Recht oft zeigt sich beim MT-Wahlforum am späten Sonntagnachmittag, wie eng die politischen Themen der Hauptstadt mit der kommunalen Ebene verknüpft sind. Beispielsweise bei der heiß diskutierten neuen Bahntrasse zwischen Bielefeld und Hannover, die in Teilen durch Porta verlaufen soll. Die Bahn will damit die Fahrzeit zwischen Bielefeld und Hannover von 48 auf 31 Minuten reduzieren. Dafür müsste einiges an Natur weichen – ein Dilemma beispielsweise für Grünen-Kandidatin Schahina Gambir, die dabei irgendwie zwischen den Stühlen sitzt. Doch ihre Position ist deutlich. „Grundsätzlich bin ich für die Verkehrswende“, sagt die 30-Jährige auf der Bühne im Fort A. Ein Ziel ihrer Partei sei, möglichst viele Menschen für den öffentlichen Personennahverkehr zu begeistern. Allerdings dürfe das nicht zum Schaden der Umwelt führen. Sie fordert, die Bestandsstrecke auszubauen. Dann wäre die Fahrzeit zwar nicht bei 31, sondern „vielleicht bei 36 Minuten“. Für sie ein vertretbarer Wert.

Die Bahnpläne bewegen auch CDU-Kandidat Dr. Oliver Vogt. Er sieht ebenfalls Alternativen zu einer Neubaustrecke. Durch moderne technische Möglichkeiten ließe sich auf der bestehenden Strecke einiges machen – beispielsweise hinsichtlich der Neigetechnik. Das Ziel einer kürzeren Fahrzeit teilt er – allerdings: „Es kann nicht sein, dass am Ende die gesamte Rendite an uns vorbei geht“, sagt der 44-Jährige. Auch Achim Post (SPD) spricht sich gegen eine neue Trasse aus und Frank Schäffler (FDP) nennt das brennende Thema ein Projekt der Bundesregierung. Es sei nicht transparent verlaufen und deshalb müsse man den Planungsprozess sofort stoppen. „Und es muss alles zurück auf Null gestellt werden“, sagt der Bundestagsabgeordnete.

Auch für Jule Kegel (Die Linke), Sebastian Landwehr (AfD) und Michael Müller (Freie Wähler) kommt die von der Bahn favorisierte Trasse durch Porta nicht in Frage. Die von MT-Chefredakteur Benjamin Piel und MT-Lokalchef Henning Wandel moderierte Veranstaltung ist zu diesem Zeitpunkt schon weit fortgeschritten. Die 100 Zuhörer vor Ort und die vielen Zuschauer im Internet erleben eine Podiumsdiskussion, in der die Politiker ihre jeweiligen Positionen engagiert vorstellen. Es geht sachlich kontrovers zu, es zeigen sich häufig unterschiedliche Ansichten, aber immer wieder auch ein paar Gemeinsamkeiten.


Das zeigt sich unter anderem beim Thema Corona, das bewusst nicht den absoluten Schwerpunkt des Wahlforums einnehmen soll. Was das Handeln der Verantwortlichen betrifft, erkennt Achim Post im Rückblick „Licht und Schatten“. Einige der getroffenen Entscheidungen zur Pandemiebekämpfung seien nicht vernünftig gewesen. Auch Frank Schäffler hält in dieser Hinsicht manches für unverhältnismäßig – beispielsweise die Ausgangssperre. Oliver Vogt sieht die Notwendigkeit, dass der Staat seinen Bürgerinnen und Bürgern erklären muss, was er tut. In dieser Hinsicht hätte mehr passieren können. Der Föderalismus in Deutschland dürfe deshalb aber nicht infrage gestellt werden. Das Thema Impfen drängt sich auf und nicht nur an dieser Stelle zeigt sich, dass AfD-Kandidat Sebastian Landwehr mit seinen Ansichten am weitesten aus dem Kandidatenfeld abweicht. Prinzipiell sei er ein Gegner des Impfens. Er selbst habe sich auch nur impfen lassen, weil er seine Freiheit wieder haben wollte.

Oliver Vogt (CDU) möchte den Bürgerinnen und Bürgern die Politik verständlicher gestalten. - © lehn
Oliver Vogt (CDU) möchte den Bürgerinnen und Bürgern die Politik verständlicher gestalten. - © lehn

Das für Oktober geplante Ende der kostenfreien Coronatests ist wenig später Teil einer Leserfrage, die online in der Veranstaltung gestellt wird. Hier zeigt sich Frank Schäffler von der Idee wenig angetan. Er würde an den kostenfreien Tests festhalten, um dadurch möglichst rasch zur Normalität zurückzukehren – ein Ziel, das selbstverständlich alle anderen auf dem Podium ebenfalls erreichen möchten. Einigkeit herrscht auch auf manchem anderen Gebiet. Die Situation in Afghanistan bewegt. Schahina Gambir spricht von einer „kranken Strategie in Deutschland“. Man könne dort nicht einfach so reingehen und dann wieder das Land verlassen, sagt sie. Durchblicken lassen auf der Bühne auch einige der Kandidaten, dass es ein falscher Weg ist, das westliche Staatsmodell unbedingt auf andere Länder übertragen zu wollen.

Jule Kegel (Die Linke) brauchte bei den meisten Themen nicht viele Worte, um sich zu positionieren. - © lehn
Jule Kegel (Die Linke) brauchte bei den meisten Themen nicht viele Worte, um sich zu positionieren. - © lehn

Das MT-Wahlforum ist auch der Ort, in der sich die Politiker ein Stück weit selber präsentieren. Jule Kegel ist mit 20 Jahren die mit Abstand jüngste Bundestagskandidaten im Mühlenkreis. In kurzen, dafür aber pointierten Aussagen stellt sie ihre Ziele dar. Auf die DDR-Vergangenheit ihrer Partei angesprochen sagt die Mindenerin deutlich, dass sie nicht alles von Marx unkritisch findet. Und nicht nur beim heiklen Thema der Digitalisierung bezieht sie eine deutliche Position. Der Ausbau des schnellen Netzes müsse besser werden. „Digitalisierung dient dem Gemeinwohl“, sagt sie.

Michael Müller (Freie Wähler) verspricht, als Hinterbänkler im Bundestag aufräumen zu wollen. - © lehn
Michael Müller (Freie Wähler) verspricht, als Hinterbänkler im Bundestag aufräumen zu wollen. - © lehn

Michael Müller ist mit 72 Jahren der älteste Kandidat auf der Bühne. Er, der als Kaufmann in vielen Führungsrollen weit in der Welt herumgekommen ist, sieht sich im Falle seiner Wahl nicht als Hinterbänkler. „Es wird dann erstmal einen Kassensturz geben.“ Dann werde man sehen, was geht. In die Politik sei er gegangen, um etwas zu verändern und die Menschen mitzunehmen. Der Portaner möchte vor allem die Verbudgetierung in der Politik aufheben und dort etwas ändern, wo wirklich der Schuh drückt.

„Viele Corona-Maßnahmen waren nicht richtig, eher unverhältnismäßig“, sagt Frank Schäffler (FDP). - © lehn
„Viele Corona-Maßnahmen waren nicht richtig, eher unverhältnismäßig“, sagt Frank Schäffler (FDP). - © lehn

Sekt oder Selters? Zugespitzte Fragen, die mit Ja oder Nein und einem Satz zur Begründung zu beantworten sind, gibt es auch noch. Scholz oder Laschet? Michael Müller drückt sich um die Antwort herum. „Man sollte die Wahl abwarten und dann den fähigsten Kopf nehmen“, sagt er. Schahina Gambir wird mit dem Thema Gendern konfrontiert und nennt es einen unnötigen Nebenschauplatz. Jule Kegel spricht sich für den Mindestlohn und gegen ein Grundeinkommen aus. Bessel-Lehrer Oliver Vogt zieht den Physik-Leistungskurs einer Nachtsitzung im Bundestag vor. „Macht mehr Spaß“, sagt er. Linke oder Opposition? „Nix von beiden“, sagt Achim Post. Und Frank Schäffler favorisiert die Nachrichten auf NTV gegenüber Phönix – obwohl er die Übertragungen der Bundestagsdebatten dort gut findet.

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