Drei Ideen für ein besonderes Quartier: So könnte das Rampenloch aussehen Monika Jäger Minden. Obere Altstadt: Kleine Häuser und krumme Gassen im Schatten des ehemaligen Gefängnisses und seiner wuchtigen Backsteinmauer. Ein Quartier, das dringend entwickelt werden soll. Die Stadt möchte hier eine Keimzelle für das gesamte Viertel anlegen und hat dafür Grundstücke und Häuser am Rampenloch gekauft. Drei Architekturbüros arbeiten zurzeit an eigenen Entwürfen – drei Visionen für dieses Stück Stadt, die sich deutlich unterscheiden. Ende Oktober soll entschieden werden, welches Konzept den Zuschlag bekommt. In der ersten Bewertung erhielten Büro Parallel acht Punkte, Bautec 6,8 Punkte und die Quartierplaner 3,5 Punkte. "Urbanes Wohnen", Büro Parallel Wenn Thomas Engel an das Quartier denkt, sieht er eine begrünte Zone, lebenswerte urbane Qualität, barrierefreie Gebäude, Menschen, die hier gemeinsam und doch jeder in seinem Bereich wohnen können. Er stellt sich eine Mischung aller Generationen vor, die hier in Wohnungen ab 55 Quadratmetern Größe leben; vielleicht auch mehrere Generationen einer Familie, die in Nähe zueinander und doch in verschiedenen Wohnungen leben oder jedenfalls leben könnten. Erfahrungen mit sozialem Wohnungsbau haben er und sein Team schon in anderen Projekten gesammelt, unter anderem in Porta-Eisbergen. Ist denn sozialer Wohnungsbau auch hier am Rampenloch finanzierbar? Das, sagt Engel, sei letztlich Sache der Stadt. Denn wie teuer die Mieten sein werden, hänge direkt davon ab, wie teuer die Stadt die Grundstücke verkauft. Mehrere Investoren habe Engel bereits von seinen Planungen überzeugt. „Wir geben die Möglichkeiten.Die Bedürfnisse der Menschen werden zeigen, ob das gefragt ist." Thomas Engel, Parallel Er habe sich bemüht, seine Professionalität („Welches sind die Vorgaben der Stadt? Wie sind die einzuhalten?") und sein Herz als Mindener Junge („Ich bin immer durch die Altstadt zur Königschule gegangen und kenne die Kleinteiligkeit der Altstadt gut") in Einklang zu bringen. Das, was er vorschlägt, sei ein Mittelweg. Die Straße mit ihrem Pflaster, das unter Denkmalschutz steht, sei prägend. Diesen Straßenzug will er – abgesehen von den beiden Häusern, die unter Denkmalschutz stehen – mit neuen Gebäuden unterstützen. Auf der schmalen Straße könnten die Bewohner sitzen und verweilen, Autos werden hier nur zur Anlieferung fahren. Car-Sharing sei allerdings wohl kein Thema, weil dazu zu wenige Menschen hier wohnen werden. Ein größeres mehrgeschossiges Gebäude soll gegenüber der kleinen Häuserzeile entstehen, und – anders als von der Stadt vorgegeben – würde Engel gerne auch den Platz vorne zur Königstraße hin bebauen und damit architektonisch sinnvoll schließen. Pattwege in die Nachbarschaft gehören ebenso dazu wie die Öffnung der Gefängnismauer an mehreren Stellen. Das sei nach Auskunft der Stadt auch möglich. Denn das alte Gefängnis und vor allem der Platz drum herum seien wichtige Bausteine zur Gesamtentwicklung des Quartiers, so Engel. Das neue Rampenloch soll ausstrahlen. Engels Überzeugung: „Man muss die Städte attraktiv machen." "Substanz bewahren", Bautec „Ich finde Wohnen an dieser Stelle genau richtig." Bettina Lauer ist Architektin bei Bautec und wohnt selbst in der Mindener Altstadt. „Eine ganze Straße kleinteilig erhalten und den Geist dieser Gasse wieder erfrischen", das stellt sie sich vor. Zur Teilnahme habe sie vor allem der Gedanke gebracht: „Was passiert, wenn keiner die Substanz erhält?" Mindens kulturelles Erbe einfach zu überplanen komme für sie nicht in Frage: „Wenn wir Architekten das nicht erhalten, wer dann?" Ihr Konzept sieht etwa zehn Wohneinheiten zwischen 50 und 130 bis 140 Quadratmetern und viel Grün vor – sowohl Singles als auch Familien sollen hier leben. Die Häuser im Süden bekommen eine kleine Grünfläche Richtung Greisenbruchstraße – damit wird auch den Abstandsflächen entsprochen. Viele Gedanken hat sich Lauer auch über die Wege hinein und hinaus gemacht und stellt sich Öffnungen nach Süden, Norden und irgendwann auch in das Areal rund um das alte Gefängnis vor. „Ich finde Wohnen an dieser Stelle genau richtig." Bettina Lauer, Bautec Wer hier wohnt, will anders leben. Im Rampenloch sollen keine Autos fahren. Carports wird es nicht geben, stattdessen könnten Wagen für privates Car-Sharing allen zur Verfügung stehen. Auch ein Gemeinschaftshaus könnte in der Mitte der Gasse sein, eines, in dem die Menschen auch mal Gästezimmer für Besuche oder größere Räume für Treffen mit Freunden und Familie nutzen können. Vielleicht könnte hier sogar ein kleines Café hinein, überlegt Lauer. Was genau möglich ist, das wird nun weiter zu entwickeln sein. „Der Rahmenplan und das Handlungskonzept Wohnen sind sehr gute Vorlagen der Stadt Minden", sagt Bautec-Geschäftsführer Uwe Steinmann. Allerdings: „Günstiger Wohnraum wird das nicht. Wenn man die Substanz erhalten will, geht sozialer Wohnungsbau nicht auch noch obendrauf." In diesen Tagen prüft Lauer die Substanz, die stehen bleiben soll. Neu gebaut würden Häuser im Mittelteil – diese sollen sich dem Stil der Gasse anpassen –, und am Eingang der Straße zum Königswall hin. Dort sollte die Reihe der Häuser zu dieser Straße ergänzt werden. Was das alles kostet, wird nun im nächsten Schritt ermittelt. Lauer ist aber sicher: „Das Projekt wird auch in Kleinteiligkeit wirtschaftlich." Sie bedauert, dass die Stadt in ihren Bewertungskriterien nicht den Erhalt der Baukultur wichtiger nimmt. „So würde eher doch ein Neubau gefördert. Und das ist schade." "Vision in Rot", Quartierplaner Astrid Engel ist Mindenerin. Die Bordellstraße sei ihr als Kind nur durch Abwesenheit aufgefallen: Darüber wurde einfach nirgends geredet. Als Planerin habe sie sich später mit der Geschichte beschäftigt und war fasziniert. Hier gab es nach ihren Recherchen das erste staatliche Gesundheitskonzept für Prostituierte, um die Soldaten in der preußischen Festungsstadt zu schützen. Und darum, findet sie, sollte auch diese Geschichte vor Ort erhalten bleiben, und zwar mit einem kleinen Museum. Und auch, wenn sie die Kleinteiligkeit optisch bewahren will, indem sie die Giebel und Häuserfronten zeigt, will sie hier kein Wohnen entwickeln. „Dafür gibt es in Minden ganz andere Stellen,die sich besser eignen." „Dieser Ort ist etwas Einmaliges,für den es sich zu kämpfen lohnt." Astrid Engel, Quartierplaner Stattdessen haben sie und ihr Team das „Red Light Lab" (RLL) entwickelt: Wie eine Rotlichtlampe das Wachstum von Keimzellen fördert, könnte hier eine bunte Mischung von Menschen tätig sein, die sich mit ganz verschiedenen Ideen und Projekten befassen. Einen „geschützten Ort, an dem etwas entstehen kann", stellt sie sich vor, mit kleinen Büros, deren Nutzer sich mal eng, mal locker austauschen könnten. Schüler könnten von ringsum hierher kommen und zusehen oder mitmachen – wie besser als so könnte Bildung in MINT-Fächern funktionieren? „Und vielleicht ist da auch ein Café, in dem es mittags einen Kakao umsonst gibt." Aber Minden hat doch schon ein Gründerzentrum? Das RLL, sagt Engel, wäre stets offen, zugänglich, voller Leben, weil auch Fremde kämen, Touristen vielleicht, Menschen aus der Stadt, die hier mittags essen, und andere, die auf der Rampe des Hauptgebäudes entlang spazieren, das sich auf der einen Straßenseite entlang ziehen wird. Und dennoch werde die Gasse weiter als „klein und kuschelig" erscheinen, weil ja das Auge nur immer einen Teil des Ganzen wahrnehmen könne. An der Königstraße sieht Astrid Engel ebenfalls eine Bebauung bis zur Straße hin, um die Lücke dort zu füllen. Die Öffnung der Mauer am Ende der Gasse Richtung Altes Gefängnis und eine Weiterentwicklung auf dem Areal könnte durch das „Red Light Lab" ebenfalls angestoßen werden, wie durch einen Inkubator. Gegenüber der Häuserzeile sieht ihr Konzept ein Nebengebäude mit öffentlichen Tagungsräumen und „Urban Work Lounges" vor, damit sich die jungen Entwickler hier auch in größerem Rahmen treffen können. Ist das realistisch umsetzbar, gibt es Geldgeber dafür? „Ich habe mit zwei Investoren gesprochen, die die Gelegenheit großartig fänden", sagt Engel. „Dies ist eine große, geniale Chance, hier einen öffentlichen, besonderen Ort zu schaffen." Im Anhang des Textes finden Sie die Konzepte der Architekturbüros sowie die Dokumente und Bewertungen der Stadt Minden zum herunterladen.

Drei Ideen für ein besonderes Quartier: So könnte das Rampenloch aussehen

So sieht es derzeit am Rampenloch aus - doch das soll bald Vergangenheit sein. Drei Architekturbüros arbeiten derzeit an eigenen Entwürfen. MT- © Foto: Monika Jäger

Minden. Obere Altstadt: Kleine Häuser und krumme Gassen im Schatten des ehemaligen Gefängnisses und seiner wuchtigen Backsteinmauer. Ein Quartier, das dringend entwickelt werden soll. Die Stadt möchte hier eine Keimzelle für das gesamte Viertel anlegen und hat dafür Grundstücke und Häuser am Rampenloch gekauft. Drei Architekturbüros arbeiten zurzeit an eigenen Entwürfen – drei Visionen für dieses Stück Stadt, die sich deutlich unterscheiden. Ende Oktober soll entschieden werden, welches Konzept den Zuschlag bekommt. In der ersten Bewertung erhielten Büro Parallel acht Punkte, Bautec 6,8 Punkte und die Quartierplaner 3,5 Punkte.

"Urbanes Wohnen", Büro Parallel

Parallel: Die dunkelgrauen Häuser werden erhalten. Rot markiert sind Wege ins Areal.
Parallel: Die dunkelgrauen Häuser werden erhalten. Rot markiert sind Wege ins Areal.

Wenn Thomas Engel an das Quartier denkt, sieht er eine begrünte Zone, lebenswerte urbane Qualität, barrierefreie Gebäude, Menschen, die hier gemeinsam und doch jeder in seinem Bereich wohnen können. Er stellt sich eine Mischung aller Generationen vor, die hier in Wohnungen ab 55 Quadratmetern Größe leben; vielleicht auch mehrere Generationen einer Familie, die in Nähe zueinander und doch in verschiedenen Wohnungen leben oder jedenfalls leben könnten.

So sieht ein in Eisbergen realisiertes Projekt mit sozialem Wohnungsbau von Parallel aus und dient als Beispiel für das Rampenloch. - © Foto 2017 von www.ChristianSchwier.de
So sieht ein in Eisbergen realisiertes Projekt mit sozialem Wohnungsbau von Parallel aus und dient als Beispiel für das Rampenloch. - © Foto 2017 von www.ChristianSchwier.de

Erfahrungen mit sozialem Wohnungsbau haben er und sein Team schon in anderen Projekten gesammelt, unter anderem in Porta-Eisbergen. Ist denn sozialer Wohnungsbau auch hier am Rampenloch finanzierbar? Das, sagt Engel, sei letztlich Sache der Stadt. Denn wie teuer die Mieten sein werden, hänge direkt davon ab, wie teuer die Stadt die Grundstücke verkauft. Mehrere Investoren habe Engel bereits von seinen Planungen überzeugt.

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„Wir geben die Möglichkeiten.Die Bedürfnisse der Menschen werden zeigen, ob das gefragt ist."

Thomas Engel, Parallel

Er habe sich bemüht, seine Professionalität („Welches sind die Vorgaben der Stadt? Wie sind die einzuhalten?") und sein Herz als Mindener Junge („Ich bin immer durch die Altstadt zur Königschule gegangen und kenne die Kleinteiligkeit der Altstadt gut") in Einklang zu bringen. Das, was er vorschlägt, sei ein Mittelweg. Die Straße mit ihrem Pflaster, das unter Denkmalschutz steht, sei prägend. Diesen Straßenzug will er – abgesehen von den beiden Häusern, die unter Denkmalschutz stehen – mit neuen Gebäuden unterstützen. Auf der schmalen Straße könnten die Bewohner sitzen und verweilen, Autos werden hier nur zur Anlieferung fahren. Car-Sharing sei allerdings wohl kein Thema, weil dazu zu wenige Menschen hier wohnen werden.

So oder so ähnlich könnte es am Rampenloch aussehen - wenn es nach dem Büro Parallel geht.
So oder so ähnlich könnte es am Rampenloch aussehen - wenn es nach dem Büro Parallel geht.

Ein größeres mehrgeschossiges Gebäude soll gegenüber der kleinen Häuserzeile entstehen, und – anders als von der Stadt vorgegeben – würde Engel gerne auch den Platz vorne zur Königstraße hin bebauen und damit architektonisch sinnvoll schließen.

Pattwege in die Nachbarschaft gehören ebenso dazu wie die Öffnung der Gefängnismauer an mehreren Stellen. Das sei nach Auskunft der Stadt auch möglich. Denn das alte Gefängnis und vor allem der Platz drum herum seien wichtige Bausteine zur Gesamtentwicklung des Quartiers, so Engel. Das neue Rampenloch soll ausstrahlen. Engels Überzeugung: „Man muss die Städte attraktiv machen."

"Substanz bewahren", Bautec

Bautec: Begegnung, Generationenwohnen. Häuser, die erhalten werden, sind Rot.
Bautec: Begegnung, Generationenwohnen. Häuser, die erhalten werden, sind Rot.

„Ich finde Wohnen an dieser Stelle genau richtig." Bettina Lauer ist Architektin bei Bautec und wohnt selbst in der Mindener Altstadt. „Eine ganze Straße kleinteilig erhalten und den Geist dieser Gasse wieder erfrischen", das stellt sie sich vor. Zur Teilnahme habe sie vor allem der Gedanke gebracht: „Was passiert, wenn keiner die Substanz erhält?" Mindens kulturelles Erbe einfach zu überplanen komme für sie nicht in Frage: „Wenn wir Architekten das nicht erhalten, wer dann?"

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Ihr Konzept sieht etwa zehn Wohneinheiten zwischen 50 und 130 bis 140 Quadratmetern und viel Grün vor – sowohl Singles als auch Familien sollen hier leben. Die Häuser im Süden bekommen eine kleine Grünfläche Richtung Greisenbruchstraße – damit wird auch den Abstandsflächen entsprochen. Viele Gedanken hat sich Lauer auch über die Wege hinein und hinaus gemacht und stellt sich Öffnungen nach Süden, Norden und irgendwann auch in das Areal rund um das alte Gefängnis vor.

„Ich finde Wohnen an dieser Stelle genau richtig."

Bettina Lauer, Bautec

Wer hier wohnt, will anders leben. Im Rampenloch sollen keine Autos fahren. Carports wird es nicht geben, stattdessen könnten Wagen für privates Car-Sharing allen zur Verfügung stehen. Auch ein Gemeinschaftshaus könnte in der Mitte der Gasse sein, eines, in dem die Menschen auch mal Gästezimmer für Besuche oder größere Räume für Treffen mit Freunden und Familie nutzen können. Vielleicht könnte hier sogar ein kleines Café hinein, überlegt Lauer.

Bettina Lauer von der Firma Bautec inmitten des Areals am Rampenloch. MT- - © Foto: Monika Jäger
Bettina Lauer von der Firma Bautec inmitten des Areals am Rampenloch. MT- - © Foto: Monika Jäger

Was genau möglich ist, das wird nun weiter zu entwickeln sein. „Der Rahmenplan und das Handlungskonzept Wohnen sind sehr gute Vorlagen der Stadt Minden", sagt Bautec-Geschäftsführer Uwe Steinmann. Allerdings: „Günstiger Wohnraum wird das nicht. Wenn man die Substanz erhalten will, geht sozialer Wohnungsbau nicht auch noch obendrauf."

In diesen Tagen prüft Lauer die Substanz, die stehen bleiben soll. Neu gebaut würden Häuser im Mittelteil – diese sollen sich dem Stil der Gasse anpassen –, und am Eingang der Straße zum Königswall hin. Dort sollte die Reihe der Häuser zu dieser Straße ergänzt werden. Was das alles kostet, wird nun im nächsten Schritt ermittelt. Lauer ist aber sicher: „Das Projekt wird auch in Kleinteiligkeit wirtschaftlich." Sie bedauert, dass die Stadt in ihren Bewertungskriterien nicht den Erhalt der Baukultur wichtiger nimmt. „So würde eher doch ein Neubau gefördert. Und das ist schade."

"Vision in Rot", Quartierplaner

Quartierplaner: „Red Light Lab“: eine lebendige Keimzelle für viele neue Ideen.
Quartierplaner: „Red Light Lab“: eine lebendige Keimzelle für viele neue Ideen.

Astrid Engel ist Mindenerin. Die Bordellstraße sei ihr als Kind nur durch Abwesenheit aufgefallen: Darüber wurde einfach nirgends geredet. Als Planerin habe sie sich später mit der Geschichte beschäftigt und war fasziniert. Hier gab es nach ihren Recherchen das erste staatliche Gesundheitskonzept für Prostituierte, um die Soldaten in der preußischen Festungsstadt zu schützen. Und darum, findet sie, sollte auch diese Geschichte vor Ort erhalten bleiben, und zwar mit einem kleinen Museum.

Und auch, wenn sie die Kleinteiligkeit optisch bewahren will, indem sie die Giebel und Häuserfronten zeigt, will sie hier kein Wohnen entwickeln. „Dafür gibt es in Minden ganz andere Stellen,die sich besser eignen."

„Dieser Ort ist etwas Einmaliges,für den es sich zu kämpfen lohnt."

Astrid Engel, Quartierplaner

Stattdessen haben sie und ihr Team das „Red Light Lab" (RLL) entwickelt: Wie eine Rotlichtlampe das Wachstum von Keimzellen fördert, könnte hier eine bunte Mischung von Menschen tätig sein, die sich mit ganz verschiedenen Ideen und Projekten befassen. Einen „geschützten Ort, an dem etwas entstehen kann", stellt sie sich vor, mit kleinen Büros, deren Nutzer sich mal eng, mal locker austauschen könnten. Schüler könnten von ringsum hierher kommen und zusehen oder mitmachen – wie besser als so könnte Bildung in MINT-Fächern funktionieren? „Und vielleicht ist da auch ein Café, in dem es mittags einen Kakao umsonst gibt."

Quartierplaner: „Red Light Lab“: eine lebendige Keimzelle für viele neue Ideen.
Quartierplaner: „Red Light Lab“: eine lebendige Keimzelle für viele neue Ideen.

Aber Minden hat doch schon ein Gründerzentrum? Das RLL, sagt Engel, wäre stets offen, zugänglich, voller Leben, weil auch Fremde kämen, Touristen vielleicht, Menschen aus der Stadt, die hier mittags essen, und andere, die auf der Rampe des Hauptgebäudes entlang spazieren, das sich auf der einen Straßenseite entlang ziehen wird.

Und dennoch werde die Gasse weiter als „klein und kuschelig" erscheinen, weil ja das Auge nur immer einen Teil des Ganzen wahrnehmen könne. An der Königstraße sieht Astrid Engel ebenfalls eine Bebauung bis zur Straße hin, um die Lücke dort zu füllen. Die Öffnung der Mauer am Ende der Gasse Richtung Altes Gefängnis und eine Weiterentwicklung auf dem Areal könnte durch das „Red Light Lab" ebenfalls angestoßen werden, wie durch einen Inkubator.

Gegenüber der Häuserzeile sieht ihr Konzept ein Nebengebäude mit öffentlichen Tagungsräumen und „Urban Work Lounges" vor, damit sich die jungen Entwickler hier auch in größerem Rahmen treffen können.

Ist das realistisch umsetzbar, gibt es Geldgeber dafür? „Ich habe mit zwei Investoren gesprochen, die die Gelegenheit großartig fänden", sagt Engel. „Dies ist eine große, geniale Chance, hier einen öffentlichen, besonderen Ort zu schaffen."

Im Anhang des Textes finden Sie die Konzepte der Architekturbüros sowie die Dokumente und Bewertungen der Stadt Minden zum herunterladen.

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