Domgemeinde plant Neuausrichtung der Domschatzkammer Schatz aus Schattendasein holen/Eigene Gebäudestruktur Von Hans-Jürgen Amtage Minden (mt). Die Mindener Domgemeinde plant in den kommenden ein bis zwei Jahren die Neuausrichtung des Domschatzes. Gesamtkosten: rund 2,5 Millionen Euro. Der Besuch der Mitglieder des Bau- und des Kulturausschusses am Mittwochnachmittag spiegelte die reale Situation wider. Die meisten der Kommunalpolitiker waren das erste Mal in der Domschatzkammer, die versteckt im ersten Obergeschoss des Hauses am Dom liegt. Und sie waren genauso erstaunt wie jeder, der die Schatzkammer betritt, in der wahre Schätze aus rund 1200 Jahren heimischer Kirchengeschichte verborgen sind.Darunter das Original des Mindener Kreuzes. Jenes 1,19 Meter hohe Kruzifix, das 1071 nach Minden kam und als eines der ersten Großkreuze der Geschichte gilt, wie Propst im Ruhestand Paul Jakobi in einer Fachbetrachtung schreibt. Ein kirchliches Kunstobjekt, das weltweit bekannt ist, in Minden aber, hinge nicht eine Kopie im Dom, in der jetzigen Domschatzkammer in Vergessenheit geraten würde.Diese Situation möchte die Domgemeinde schon seit Jahren ändern, den Domschatz auch baulich in die Öffentlichkeit rücken. 2006 schien die Verwirklichung gar nicht so weit weg, als der Investor der geplanten Domhof-Galerie signalisiert hatte, er könne sich die Mitfinanzierung der neuen Schatzkammer vorstellen - schon aus verkehrslogistischen Überlegungen, die für das vorgesehene Einkaufszentrum notwendig waren. Doch mit dem Bürgerentscheid von 2007 erledigte sich diese Angelegenheit. Nicht aber die Planungen der Kirchengemeinde.Seit eben dieser Zeit steht wohl gehütet auch ein Modell im Haus am Dom, das eine sehr gute Möglichkeit zeigt, wie die Schätze der Domgemeinde der Enge entrücken und unter modernen Ausstellungsaspekten präsentiert werden könnten. Der niedrigen Schatzkammer würde der benachbarte luftige Raum des Vortragssaales im Kirchenanbau am Kleinen Domhof zugeschlagen. Von 60 auf mehr als 200 Quadratmeter würde die Ausstellungsfläche anwachsen. Mit der Neugestaltung könnten auch konservatorische Probleme mit den Exponaten aus Holz und Edelmetallen gelöst werden, erläutert der Dom- und Domschatzwächter Dr.Frank Pauli. Der versäumt es zudem nicht, auf die ehemalige Macht des Bistums Minden hinzuweisen, für die dieser einmalige Schatz steht.Der Mindener Architekt Hans-Peter Korth hat den Entwurf für die Umgestaltung des Domschatzes gestaltet. Dazu gehört eine neue Fassade, die den Gebäudeteil, in dem die Schatzkammer liegt, nach außen hin betont. Verputzt und in gedämpftem Weiß gehalten, soll die bislang versteckte Mindener Besonderheit von ihrem Schattendasein erlöst werden, wie Frank Pauli betont.In der Politik wird der Entwurf nicht unkritisch gesehen, da er sich weitgehend fensterlos darstellt. "Ein Klotz", befürchtet Bauausschuss-Mitglied Hans-Jürgen Wolff.Rund 2,5 Millionen Euro werde die Neugestaltung der Domschatzkammer kosten, erläutert Propst am Dom Roland Falkenhahn. Davon entfallen etwa 900000 Euro auf die Veränderungen in der Ausstellung. 2,2 Millionen Euro stehen bereits zur Verfügung.Die kommen vom Dombauverein, vom Erzbistum Paderborn, aus Fördergeldern und aus Eigenmitteln der Domgemeinde. Zuschüsse vom Land Nordrhein-Westfalen, welches das Patronat am Dom hält, gebe es nicht, macht Falkenhahn deutlich.

Domgemeinde plant Neuausrichtung der Domschatzkammer

Minden (mt). Die Mindener Domgemeinde plant in den kommenden ein bis zwei Jahren die Neuausrichtung des Domschatzes. Gesamtkosten: rund 2,5 Millionen Euro.

Die bislang in einem engen Raum schlummernde Domschatzkammer könnte durch Hinzunahme des Vortragssaales im Haus am Dom deutlich erweitert werden. - © MT-Foto: Hans-Jürgen Amtage
Die bislang in einem engen Raum schlummernde Domschatzkammer könnte durch Hinzunahme des Vortragssaales im Haus am Dom deutlich erweitert werden. - © MT-Foto: Hans-Jürgen Amtage

Der Besuch der Mitglieder des Bau- und des Kulturausschusses am Mittwochnachmittag spiegelte die reale Situation wider. Die meisten der Kommunalpolitiker waren das erste Mal in der Domschatzkammer, die versteckt im ersten Obergeschoss des Hauses am Dom liegt. Und sie waren genauso erstaunt wie jeder, der die Schatzkammer betritt, in der wahre Schätze aus rund 1200 Jahren heimischer Kirchengeschichte verborgen sind.

Darunter das Original des Mindener Kreuzes. Jenes 1,19 Meter hohe Kruzifix, das 1071 nach Minden kam und als eines der ersten Großkreuze der Geschichte gilt, wie Propst im Ruhestand Paul Jakobi in einer Fachbetrachtung schreibt. Ein kirchliches Kunstobjekt, das weltweit bekannt ist, in Minden aber, hinge nicht eine Kopie im Dom, in der jetzigen Domschatzkammer in Vergessenheit geraten würde.

Diese Situation möchte die Domgemeinde schon seit Jahren ändern, den Domschatz auch baulich in die Öffentlichkeit rücken. 2006 schien die Verwirklichung gar nicht so weit weg, als der Investor der geplanten Domhof-Galerie signalisiert hatte, er könne sich die Mitfinanzierung der neuen Schatzkammer vorstellen - schon aus verkehrslogistischen Überlegungen, die für das vorgesehene Einkaufszentrum notwendig waren. Doch mit dem Bürgerentscheid von 2007 erledigte sich diese Angelegenheit. Nicht aber die Planungen der Kirchengemeinde.

Seit eben dieser Zeit steht wohl gehütet auch ein Modell im Haus am Dom, das eine sehr gute Möglichkeit zeigt, wie die Schätze der Domgemeinde der Enge entrücken und unter modernen Ausstellungsaspekten präsentiert werden könnten. Der niedrigen Schatzkammer würde der benachbarte luftige Raum des Vortragssaales im Kirchenanbau am Kleinen Domhof zugeschlagen. Von 60 auf mehr als 200 Quadratmeter würde die Ausstellungsfläche anwachsen. Mit der Neugestaltung könnten auch konservatorische Probleme mit den Exponaten aus Holz und Edelmetallen gelöst werden, erläutert der Dom- und Domschatzwächter Dr.Frank Pauli. Der versäumt es zudem nicht, auf die ehemalige Macht des Bistums Minden hinzuweisen, für die dieser einmalige Schatz steht.

Der Mindener Architekt Hans-Peter Korth hat den Entwurf für die Umgestaltung des Domschatzes gestaltet. Dazu gehört eine neue Fassade, die den Gebäudeteil, in dem die Schatzkammer liegt, nach außen hin betont. Verputzt und in gedämpftem Weiß gehalten, soll die bislang versteckte Mindener Besonderheit von ihrem Schattendasein erlöst werden, wie Frank Pauli betont.

In der Politik wird der Entwurf nicht unkritisch gesehen, da er sich weitgehend fensterlos darstellt. "Ein Klotz", befürchtet Bauausschuss-Mitglied Hans-Jürgen Wolff.

Rund 2,5 Millionen Euro werde die Neugestaltung der Domschatzkammer kosten, erläutert Propst am Dom Roland Falkenhahn. Davon entfallen etwa 900000 Euro auf die Veränderungen in der Ausstellung. 2,2 Millionen Euro stehen bereits zur Verfügung.

Die kommen vom Dombauverein, vom Erzbistum Paderborn, aus Fördergeldern und aus Eigenmitteln der Domgemeinde. Zuschüsse vom Land Nordrhein-Westfalen, welches das Patronat am Dom hält, gebe es nicht, macht Falkenhahn deutlich.

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