Digitales Debakel: Homeschooling macht Druck beim Breitbandausbau Anja Peper Minden. Wie läuft’s denn mit dem schnellen Internet? Die Antwort lautet derzeit: Kommt darauf an, wen man fragt. Zufrieden zeigt sich die Kreisverwaltung als Auftraggeber. Die Mindener Schulen hingegen müssen noch monatelang auf den Ausbau warten. Dabei sollten sie eigentlich Priorität bekommen. Weil das Unternehmen Greenfiber sich von Westen nach Osten vorarbeitet, sind Pr. Oldendorf oder Rahden schon versorgt, Minden hängt noch in der Warteschleife. Für Schulen im Lockdown ist das ein echtes digitales Debakel. Effektives Homeschooling funktioniert nicht ohne schnelles und stabiles Internet. Eltern, Schülern und Lehrern geht langsam die Geduld aus. Entscheidend für die Schulen sind weder ein erster Spatenstich noch verlegte Leerrohre. Ihnen geht es um den ersehnten Zeitpunkt, an dem endlich Licht auf den Leitungen ist. Und das ist flächendeckend wohl erst Ende 2023 der Fall. Im Bildungsausschuss waren Greenfiber-Geschäftsführer Uwe Krabbe und sein Kollege Bernd Klaus zu Gast. Sie hatten den aktuellen Ausbauplan an die Wand projiziert. Ihre Nachrichten wirkten auf die anwesenden Lehrer wie eine kalte Dusche: Von den 117 Kilometern Trasse sind vier Kilometer fertiggestellt. 1.270 potenzielle Anschlüsse sind geplant, darunter 23 Schulen. Warum die dort präsentierte Liste der Mindener Schulen unvollständig ist, blieb während der Sitzung unerforscht. Auf MT-Anfrage teilt die Stadt Minden mit: „Die Förderfähigkeit ist erst dann gegeben, wenn die Schule die Bedingungen der Aufgreifschwelle erfüllen. Hier gilt die Formel 30 Mbit/s/je Klassenzimmer", so Katharina Heß (Pressestelle). Einige Schulen gelten nach der Prüfung als nicht förderfähig, weil sie laut Richtlinie gut versorgt sind: die Mosaikschule, die Grundschule Dankersen-Leteln, die Förderschule Kuhlenkamp sowie die Freie Evangelische Grundschule Minderheide. Die notwendigen Dienstleistungsverträge für alle förderfähigen Schulen liegen seit Oktober 2020 bei Greenfiber, sagt Heß. Ebenso wurden Lagepläne für die gewünschten Gebäudeanschlüsse an den Schulen an das Unternehmen übermittelt. Woran es nun offenbar hakt: Bisher habe Greenfiber noch keine Trassenplanung vorgelegt, auf deren Basis eine Grundstückseigentümererklärung gezeichnet werden kann. Erst wenn das passiert ist, dürfen die Arbeiter das Gelände der Schulen betreten. Katharina Heß schreibt: „Mehrfach angebotene Begehungstermine wurden nicht in Anspruch genommen." Das alles lässt darauf schließen, dass es in den nächsten Monaten noch Luft nach oben gibt in der Zusammenarbeit. Die Kernbotschaft also: Schnelles Internet für die Mindener Schulen erst 2023. Die Temperatur im Ständersaal des Preußenmuseums, wo in Corona-Zeiten der Ausschuss tagt, schien angesichts dieser Aussichten ein paar Grad zu sinken. Denn lahmes Internet kostet Lehrern und Schülern beim Homeschooling den letzten Nerv. Jetzt verstreicht Zeit, die schon lange niemand mehr hat. Ihre Erfahrung aus dem Corona-Schulalltag schilderte Ria Urban (Freiherr-von-Vincke-Realschule) vor dem Bildungsausschuss. „Eine Videokonferenz mit maximal sechs Schülern pro Stunde" – mehr sei bisher nicht drin. Bei knapp 600 Schülern lässt sich nicht viel ausrichten in Sachen Homeschooling. „Bei einem Dreiviertel Jahr Verzögerung geht mein Puls schon mächtig in die Höhe." Auch Cordula Küppers (Ratsgymnasium, rund 850 Schüler) machte mit Blick auf den aktuellen Ausbauplan der Firma Greenfiber deutlich: „Wir sind abhängig von einer stabilen Datenleitung. Und das sind für uns sehr lange Zeiträume." Jetzt möchten die Schulleiter eine detailliertere Planung. Dass es in Minden verschiedene „Verzögerungen" und „Diskussionen" gegeben hat, räumen alle Beteiligten ein. Mehrere Hürden soll es in der Zusammenarbeit auch hinter den Kulissen gegeben haben. Dazu zählte die Forderung der Stadt, eine Firma aus Dänemark, die Greenfiber für Tiefbauarbeiten engagiert hatte, in die Handwerksrolle Bielefeld einzutragen. Das wiederum setzte die Anerkennung von ausländischen Qualifikationen durch die Handwerkskammer voraus. Das Problem wurde im März 2020 bekannt, inzwischen scheint es vom Tisch zu sein. Laut Uwe Krabbe ist diese Eintragung inzwischen geschehen. Arbeiten wie ein Breitbandausbau bedeuten einen massiven Eingriff in die Straßensubstanz. Gehwege werden aufgenommen, Straßendecken eingeschnitten, Verkehrszeichen und Ampelanlagen demontiert. „Und natürlich muss alles am Ende wieder ordnungsgemäß hergestellt werden", schreibt Katharina Heß. „Dabei legt die Stadt Minden großen Wert auf die Verkehrssicherheit und den Werterhalt der Straßen." In Minden gibt es mehr als 1.000 kleinere und größere Baustellen pro Jahr. Springe hier! Ein Kommentar von Anja Peper Der Asterix-Fan weiß: Schön ist es, für alle Fälle ein lateinisches Zitat in petto zu haben. Die Sache beim Breitbandausbau ist: Wir wollen kein West-Ost-Gefälle im Kreisgebiet. Wir wollen uns vor allem nicht länger anhören, warum in Minden nicht funktioniert, was in Rahden oder Pr. Oldendorf tadellos klappt. Jetzt ist der Zeitpunkt, hier (!) zu zeigen, was geht. So eine Situation gab es schon in einer alten Fabel. Es geht um einen Fünfkämpfer, der wiederholt mit seinen herausragenden Leistungen beim Weitsprung in Rhodos prahlte. Dafür wollte er Zeugen herbeiholen. Aber ein Anwesender sagte: „Wenn das wahr ist, brauchst du keine Zeugen, denn hier ist Rhodos, springe hier!" Auf Latein heißt das: „Hic Rhodus, hic salta!" Und grundsätzlich gilt: Die Digitalisierung von Schulen muss jetzt Chefsache sein – oder werden.

Digitales Debakel: Homeschooling macht Druck beim Breitbandausbau

Minden. Wie läuft’s denn mit dem schnellen Internet? Die Antwort lautet derzeit: Kommt darauf an, wen man fragt. Zufrieden zeigt sich die Kreisverwaltung als Auftraggeber. Die Mindener Schulen hingegen müssen noch monatelang auf den Ausbau warten. Dabei sollten sie eigentlich Priorität bekommen. Weil das Unternehmen Greenfiber sich von Westen nach Osten vorarbeitet, sind Pr. Oldendorf oder Rahden schon versorgt, Minden hängt noch in der Warteschleife. Für Schulen im Lockdown ist das ein echtes digitales Debakel. Effektives Homeschooling funktioniert nicht ohne schnelles und stabiles Internet. Eltern, Schülern und Lehrern geht langsam die Geduld aus.

Gutes Homeschooling braucht gutes Internet - das klappt aber nicht überall. - © imago images/MedienServiceMüller
Gutes Homeschooling braucht gutes Internet - das klappt aber nicht überall. - © imago images/MedienServiceMüller

Entscheidend für die Schulen sind weder ein erster Spatenstich noch verlegte Leerrohre. Ihnen geht es um den ersehnten Zeitpunkt, an dem endlich Licht auf den Leitungen ist. Und das ist flächendeckend wohl erst Ende 2023 der Fall. Im Bildungsausschuss waren Greenfiber-Geschäftsführer Uwe Krabbe und sein Kollege Bernd Klaus zu Gast. Sie hatten den aktuellen Ausbauplan an die Wand projiziert. Ihre Nachrichten wirkten auf die anwesenden Lehrer wie eine kalte Dusche: Von den 117 Kilometern Trasse sind vier Kilometer fertiggestellt. 1.270 potenzielle Anschlüsse sind geplant, darunter 23 Schulen. Warum die dort präsentierte Liste der Mindener Schulen unvollständig ist, blieb während der Sitzung unerforscht. Auf MT-Anfrage teilt die Stadt Minden mit: „Die Förderfähigkeit ist erst dann gegeben, wenn die Schule die Bedingungen der Aufgreifschwelle erfüllen. Hier gilt die Formel 30 Mbit/s/je Klassenzimmer", so Katharina Heß (Pressestelle). Einige Schulen gelten nach der Prüfung als nicht förderfähig, weil sie laut Richtlinie gut versorgt sind: die Mosaikschule, die Grundschule Dankersen-Leteln, die Förderschule Kuhlenkamp sowie die Freie Evangelische Grundschule Minderheide.

Die notwendigen Dienstleistungsverträge für alle förderfähigen Schulen liegen seit Oktober 2020 bei Greenfiber, sagt Heß. Ebenso wurden Lagepläne für die gewünschten Gebäudeanschlüsse an den Schulen an das Unternehmen übermittelt. Woran es nun offenbar hakt: Bisher habe Greenfiber noch keine Trassenplanung vorgelegt, auf deren Basis eine Grundstückseigentümererklärung gezeichnet werden kann. Erst wenn das passiert ist, dürfen die Arbeiter das Gelände der Schulen betreten. Katharina Heß schreibt: „Mehrfach angebotene Begehungstermine wurden nicht in Anspruch genommen." Das alles lässt darauf schließen, dass es in den nächsten Monaten noch Luft nach oben gibt in der Zusammenarbeit.

Die Kernbotschaft also: Schnelles Internet für die Mindener Schulen erst 2023. Die Temperatur im Ständersaal des Preußenmuseums, wo in Corona-Zeiten der Ausschuss tagt, schien angesichts dieser Aussichten ein paar Grad zu sinken. Denn lahmes Internet kostet Lehrern und Schülern beim Homeschooling den letzten Nerv. Jetzt verstreicht Zeit, die schon lange niemand mehr hat. Ihre Erfahrung aus dem Corona-Schulalltag schilderte Ria Urban (Freiherr-von-Vincke-Realschule) vor dem Bildungsausschuss. „Eine Videokonferenz mit maximal sechs Schülern pro Stunde" – mehr sei bisher nicht drin. Bei knapp 600 Schülern lässt sich nicht viel ausrichten in Sachen Homeschooling. „Bei einem Dreiviertel Jahr Verzögerung geht mein Puls schon mächtig in die Höhe." Auch Cordula Küppers (Ratsgymnasium, rund 850 Schüler) machte mit Blick auf den aktuellen Ausbauplan der Firma Greenfiber deutlich: „Wir sind abhängig von einer stabilen Datenleitung. Und das sind für uns sehr lange Zeiträume." Jetzt möchten die Schulleiter eine detailliertere Planung.

Dass es in Minden verschiedene „Verzögerungen" und „Diskussionen" gegeben hat, räumen alle Beteiligten ein. Mehrere Hürden soll es in der Zusammenarbeit auch hinter den Kulissen gegeben haben. Dazu zählte die Forderung der Stadt, eine Firma aus Dänemark, die Greenfiber für Tiefbauarbeiten engagiert hatte, in die Handwerksrolle Bielefeld einzutragen. Das wiederum setzte die Anerkennung von ausländischen Qualifikationen durch die Handwerkskammer voraus. Das Problem wurde im März 2020 bekannt, inzwischen scheint es vom Tisch zu sein. Laut Uwe Krabbe ist diese Eintragung inzwischen geschehen.

Arbeiten wie ein Breitbandausbau bedeuten einen massiven Eingriff in die Straßensubstanz. Gehwege werden aufgenommen, Straßendecken eingeschnitten, Verkehrszeichen und Ampelanlagen demontiert. „Und natürlich muss alles am Ende wieder ordnungsgemäß hergestellt werden", schreibt Katharina Heß. „Dabei legt die Stadt Minden großen Wert auf die Verkehrssicherheit und den Werterhalt der Straßen." In Minden gibt es mehr als 1.000 kleinere und größere Baustellen pro Jahr.

Springe hier!

Ein Kommentar von Anja Peper

Der Asterix-Fan weiß: Schön ist es, für alle Fälle ein lateinisches Zitat in petto zu haben. Die Sache beim Breitbandausbau ist: Wir wollen kein West-Ost-Gefälle im Kreisgebiet. Wir wollen uns vor allem nicht länger anhören, warum in Minden nicht funktioniert, was in Rahden oder Pr. Oldendorf tadellos klappt. Jetzt ist der Zeitpunkt, hier (!) zu zeigen, was geht. So eine Situation gab es schon in einer alten Fabel. Es geht um einen Fünfkämpfer, der wiederholt mit seinen herausragenden Leistungen beim Weitsprung in Rhodos prahlte. Dafür wollte er Zeugen herbeiholen. Aber ein Anwesender sagte: „Wenn das wahr ist, brauchst du keine Zeugen, denn hier ist Rhodos, springe hier!" Auf Latein heißt das: „Hic Rhodus, hic salta!" Und grundsätzlich gilt: Die Digitalisierung von Schulen muss jetzt Chefsache sein – oder werden.

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