„Dieser Planet braucht uns nicht, wir aber ihn“ - Meteorologe ruft in der Petrikirche zum Handeln auf Kerstin Rickert Minden. Hitzeperioden, Dürre und Waldsterben, Stürme, Hagel und Starkregen: Extremwetterlagen haben zugenommen und werden es weiter tun. „Zieht euch warm an, es wird heiß!“ heißt das im vergangenen Jahr erschienene Buch des Meteorologen Sven Plöger. Darin setzt sich der bekannte Wetterexperte und TV-.Moderator mit dem Klimawandel als Ursache und dessen Auswirkungen auseinander. Auf Einladung der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreisverband Minden, Herford, Lübbecke und Vlotho und des Evangelischen Kirchenkreises Minden sprach der 54-Jährige nun in der Petrikirche Minden darüber, wie das System von Klima und Wetter funktioniert und was zu tun ist, um weitere Veränderungen zumindest aufzuhalten. Wie sehr das Thema Klimawandel bewegt, zeigt allein die Publikumsresonanz zu einer eher ungewohnten Veranstaltungszeit. Rund 120 Besucher haben sich eingefunden, weitere 20 Zuschauer verfolgen Sven Plögers Ausführen per Live-Stream – an einem frühen Nachmittag mitten in der Woche. „Klima ist die Statistik des Wetters. Das Wetter ist das, was Sie sehen und fühlen können, jetzt in diesem Moment. Beides hängt zusammen“, sagt Plöger. Wetter sei das Bemühen, Unterschiede in der Atmosphäre auszugleichen. Welche Rolle die Erderwärmung spielt und wie diese sich auf das Wetter auswirkt, erklärt der Meteorologe anschaulich und für den Laien verständlich. Anhand von Grafiken und Bildern verdeutlicht er Zusammenhänge wie etwa die zwischen arktischem Eis und Wetter. Durch die globale Erwärmung ziehe sich das Eis in der Arktis immer mehr zurück. Das Eis aber wirke wie ein Spiegel, aus dem der die Wetterentwicklung maßgeblich bestimmende Jetstream Energie beziehe. Je kleiner die Eisfläche, desto mehr verlangsame sich der Jetstream, mit der Folge, dass Hochs und Tiefs lange auf einer Stelle verharren können. Hitzeperioden wie in 2018 und 2019, die jüngste Flutkatastrophe im Westen Deutschlands und auch die Elbeflut im August 2002 nennt Sven Plöger als Beispiele solcher „Standwetter, wenn Hochs und Tiefs nicht weiter kommen“. „Wir“, sagt er deutlich, aber ohne erhobenen Zeigefinger, „sind Opfer und Täter in einer Doppelrolle.“ Die Bilder, die Plöger vom Status quo des Klimawandels vermittelt, sind alles andere als rosig. Von den 40 Monaten zwischen Januar 2018 und April 2021 waren 29 trockener als das Mittel und elf Monate zu nass. „Der Klimawandel ist haptisch geworden.“ Doch obwohl der Klimawandel offensichtlich und das bei einem Großteil der Menschen inzwischen auch angekommen sei, werde viel zu wenig unternommen, um ihn aufzuhalten. „Ich komme mir vor, als wäre ich Zuschauer eines beginnenden Blockbusters. Es bewegt sich was. Aber es stellt sich die Frage, wann setzt sich das Thema wirklich durch?“, schildert Plöger die aktuelle Lage aus seiner Sicht. Dabei sei Handeln dringend geboten. Schon jetzt ist das 1,5-Grad-Ziel kaum noch zu erreichen, wie er anhand wissenschaftlicher Berechnungen deutlich macht. Einen Anstieg der Erderwärmung um vier Grad prognostiziert er für den Fall, „wenn wir nichts tun“. Was das bedeuten würde, zeigt sein Vergleich mit der letzten Eiszeit vor 11.000 Jahren, als die Erde um vier Grad kälter war und Berlin etwa unter einer 500 Meter dicken Eisdecke gelegen habe. „Die Welt war eine ganz andere als heute.“ Ergo werde eine um vier Grad wärmere es auch sein. Warum sich der Mensch schwer tut, sein Verhalten zu ändern, damit ein solches Szenario nicht eintritt, erklärt Sven Plöger mit dem Begriff „Kognitive Dissonanz“. Demnach bestehe ein Konflikt zwischen dem Wissen, dass Veränderungen nötig seien und dem Gefühl von Wohlstandsverlust durch entsprechendes Verhalten. Ein Phänomen, das diese Vermutung stütze, habe er 2019 beobachtet. „In dem Jahr, als sich Fridays for Future gegründet hat, haben wir so viel über Klimaschutz geredet wie noch nie. Gleichzeitig gab es so viele Flüge, Kreuzfahrten und Autozulassungen wie noch nie.“ „Wir müssen anfangen, unser Verhalten zu ändern“, appelliert Sven Plöger und ruft dazu auf, die „Gedanken im Kopf aufzuspalten“. „Nicht zu fragen, was der Klimaschutz kostet, sondern was er uns erspart. Nicht zu fragen, was wir verlieren, sondern was wir erhalten.“ Ähnlich wie beim Mauerfall, als Tausende auf die Straße gegangen seien und zu einer starken Bewegung wurden, komme es auch jetzt auf jeden Einzelnen an. Klar sei doch schließlich, so Plöger: „Dieser Planet braucht uns nicht, wir aber ihn!“

„Dieser Planet braucht uns nicht, wir aber ihn“ - Meteorologe ruft in der Petrikirche zum Handeln auf

Sven Plöger zeigte in der Petrikirche in deutlichen Worten die Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels auf. Foto: Kerstin Rickert © kr

Minden. Hitzeperioden, Dürre und Waldsterben, Stürme, Hagel und Starkregen: Extremwetterlagen haben zugenommen und werden es weiter tun. „Zieht euch warm an, es wird heiß!“ heißt das im vergangenen Jahr erschienene Buch des Meteorologen Sven Plöger. Darin setzt sich der bekannte Wetterexperte und TV-.Moderator mit dem Klimawandel als Ursache und dessen Auswirkungen auseinander. Auf Einladung der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreisverband Minden, Herford, Lübbecke und Vlotho und des Evangelischen Kirchenkreises Minden sprach der 54-Jährige nun in der Petrikirche Minden darüber, wie das System von Klima und Wetter funktioniert und was zu tun ist, um weitere Veränderungen zumindest aufzuhalten.

Wie sehr das Thema Klimawandel bewegt, zeigt allein die Publikumsresonanz zu einer eher ungewohnten Veranstaltungszeit. Rund 120 Besucher haben sich eingefunden, weitere 20 Zuschauer verfolgen Sven Plögers Ausführen per Live-Stream – an einem frühen Nachmittag mitten in der Woche.

„Klima ist die Statistik des Wetters. Das Wetter ist das, was Sie sehen und fühlen können, jetzt in diesem Moment. Beides hängt zusammen“, sagt Plöger. Wetter sei das Bemühen, Unterschiede in der Atmosphäre auszugleichen. Welche Rolle die Erderwärmung spielt und wie diese sich auf das Wetter auswirkt, erklärt der Meteorologe anschaulich und für den Laien verständlich. Anhand von Grafiken und Bildern verdeutlicht er Zusammenhänge wie etwa die zwischen arktischem Eis und Wetter. Durch die globale Erwärmung ziehe sich das Eis in der Arktis immer mehr zurück. Das Eis aber wirke wie ein Spiegel, aus dem der die Wetterentwicklung maßgeblich bestimmende Jetstream Energie beziehe. Je kleiner die Eisfläche, desto mehr verlangsame sich der Jetstream, mit der Folge, dass Hochs und Tiefs lange auf einer Stelle verharren können. Hitzeperioden wie in 2018 und 2019, die jüngste Flutkatastrophe im Westen Deutschlands und auch die Elbeflut im August 2002 nennt Sven Plöger als Beispiele solcher „Standwetter, wenn Hochs und Tiefs nicht weiter kommen“. „Wir“, sagt er deutlich, aber ohne erhobenen Zeigefinger, „sind Opfer und Täter in einer Doppelrolle.“


Die Bilder, die Plöger vom Status quo des Klimawandels vermittelt, sind alles andere als rosig. Von den 40 Monaten zwischen Januar 2018 und April 2021 waren 29 trockener als das Mittel und elf Monate zu nass. „Der Klimawandel ist haptisch geworden.“ Doch obwohl der Klimawandel offensichtlich und das bei einem Großteil der Menschen inzwischen auch angekommen sei, werde viel zu wenig unternommen, um ihn aufzuhalten. „Ich komme mir vor, als wäre ich Zuschauer eines beginnenden Blockbusters. Es bewegt sich was. Aber es stellt sich die Frage, wann setzt sich das Thema wirklich durch?“, schildert Plöger die aktuelle Lage aus seiner Sicht. Dabei sei Handeln dringend geboten. Schon jetzt ist das 1,5-Grad-Ziel kaum noch zu erreichen, wie er anhand wissenschaftlicher Berechnungen deutlich macht. Einen Anstieg der Erderwärmung um vier Grad prognostiziert er für den Fall, „wenn wir nichts tun“. Was das bedeuten würde, zeigt sein Vergleich mit der letzten Eiszeit vor 11.000 Jahren, als die Erde um vier Grad kälter war und Berlin etwa unter einer 500 Meter dicken Eisdecke gelegen habe. „Die Welt war eine ganz andere als heute.“ Ergo werde eine um vier Grad wärmere es auch sein.

Warum sich der Mensch schwer tut, sein Verhalten zu ändern, damit ein solches Szenario nicht eintritt, erklärt Sven Plöger mit dem Begriff „Kognitive Dissonanz“. Demnach bestehe ein Konflikt zwischen dem Wissen, dass Veränderungen nötig seien und dem Gefühl von Wohlstandsverlust durch entsprechendes Verhalten. Ein Phänomen, das diese Vermutung stütze, habe er 2019 beobachtet. „In dem Jahr, als sich Fridays for Future gegründet hat, haben wir so viel über Klimaschutz geredet wie noch nie. Gleichzeitig gab es so viele Flüge, Kreuzfahrten und Autozulassungen wie noch nie.“

„Wir müssen anfangen, unser Verhalten zu ändern“, appelliert Sven Plöger und ruft dazu auf, die „Gedanken im Kopf aufzuspalten“. „Nicht zu fragen, was der Klimaschutz kostet, sondern was er uns erspart. Nicht zu fragen, was wir verlieren, sondern was wir erhalten.“ Ähnlich wie beim Mauerfall, als Tausende auf die Straße gegangen seien und zu einer starken Bewegung wurden, komme es auch jetzt auf jeden Einzelnen an. Klar sei doch schließlich, so Plöger: „Dieser Planet braucht uns nicht, wir aber ihn!“

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden