Die nackte Wahrheit: Flitzer „Ernie“ im MT-Interview Nadine Schwan Minden (mt). Ausgezogen erkennen ihn viele: Ernie, den Flitzer, der seit Jahrzehnten besonders gern nackt durch OWL radelt. Mit inzwischen 70 Jahren ist es ruhiger um ihn geworden, aktiv ist er aber immer noch. Zuletzt zeigte er sich in Minden auf dem Weinfest - und immer häufiger auch in der Wärmestube. Wann ist der Zeitpunkt, an dem ein Flitzer in Rente geht? Ich fühle mich wie ein Schauspieler, der steht bis zum letzten Atemzug auf der Bühne. Ich habe nichts anderes gelernt, es ist das Beste, was ich kann, und dann mache ich das eben weiter. Warum sind Sie überhaupt Flitzer? Weil das eine Sensation ist, wenn einer nackend über den Markt geht. Das macht ja nicht jeder. Außerdem bringen mir die Bürger inzwischen eine gewisse Erwartungshaltung entgegen, wenn ich die nicht erfülle, sind sie enttäuscht. Das bilde ich mir jedenfalls ein. Es gibt natürlich in allen Bereichen Pro und Kontra, aber mir hat eine Richterin in Bielefeld mal schriftlich bescheinigt, dass ich eine Ausnahmeerscheinung bin. Das war natürlich ein Persilschein. Am nächsten Tag war ein anderer Richter da und Bumms, kriegte ich wieder die rote Kelle. Hat das Flitzen für Sie etwas mit sexueller Erregung zu tun? Nein, das hat es um Gottes Willen nicht. Eigentlich wollte ich immer Bodybuilding-Weltmeister werde, Mr. Olympia oder Mr. Universum - und davon träume ich immer noch. Aber das hat nicht geklappt. Da muss man Geld haben, dass man mal in die Apotheke gehen und sich ein bisschen Nachhilfe verschaffen kann. Das habe ich nie gehabt und dann bin ich natürlich fürchterlich traurig gewesen. Das Ausziehen war dann eher eine Trotzreaktion oder ein Protest, dass im Kraftsport nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Wann haben Sie angefangen, sich in der Öffentlichkeit nackt zu zeigen? Weihnachten 1987. Die Vorläufer waren zwei Jahre früher in der Fachhochschule für Modedesign in Bielefeld, da hab ich Aktmodell gestanden. Für die Studenten in der Architekturschule in Minden habe ich das auch gemacht. Damals habe ich 15 Mark pro Stunde gekriegt. Da habe ich die ersten Male gesehen, dass Nacktheit nichts Unanständiges ist, sondern dass man das ganz wissenschaftlich anpacken kann. Und dann kam eine Wette: Fährst du mit dem Fahrrad im Winter nackt durch Bielefeld? Nein, da erkälte ich mich, hab ich gesagt, das mache ich nicht. Dann habe ich es aber doch gemacht. Und dann kamen die Zeitungen, das Radio und das Fernsehen und ich habe mir gedacht: So unanständig kann das ja gar nicht sein, das ist nichts Schlimmes, wenn man seinen nackten Körper zeigt und dann habe ich das eben durchgezogen, bis zum bitteren Ende. Bitteres Ende? Ich will damit nicht angeben, traurig genug ist es ja, aber ich habe im Gefängnis gesessen. Wegen so einem Quatsch. Ich habe mich dann weiter im Knast ausgezogen. Das erwarten ja auch alle. Und als ich entlassen wurde, sagten die Beamten: Und für uns machst du noch einmal hier vor der Tür deine Show. Was soll ich denn davon halten? Wie oft wurden Sie schon verhaftet? Ein Mal. 1999 wurde ich verhaftet, sonst habe ich mich immer freiwillig gestellt. In Düsseldorf war das, da bin ich nackend durch die Altstadt gegangen und dann kurz vorm Bahnhof auf so einer Verkehrsinsel an der Karlstraße kam ein Bulli an. „Hören Sie mal, ziehen Sie mal eine Hose an, was soll das denn? Papiere!" Der rief dann die Kollegen an und ich bin mit auf die Wache gegangen. Da war ein Haftbefehl draußen. In Minden haben sie mich auch schon mal mit zur Wache genommen. Und einmal im Sommer bin ich nackt spazieren gegangen und die Polizisten haben mir eine grüne Polizeihose mit auf den Weg gegeben. Ich glaube die Hose hab ich heute noch. Aber die meisten Sachen kamen aus Bielefeld, die Bielefelder haben immer richtig Druck gemacht. Und wollten Sie trotzdem nie aus Bielefeld wegziehen? Ich will ja wegziehen, aber es ist sehr schwer. Eine Ordensschwester einer karitativen Einrichtung hatte mir in Hamburg mal eine Wohnung angeboten, dabei kannte ich die gar nicht. Und dann bin ich natürlich gleich von den Socken gewesen. Ich war überrascht, richtig ratlos. Und dann habe ich die Zeit verstreichen lassen. Vielleicht habe ich den Fehler meines Lebens gemacht, die hätte ich sonst ja als Zweitwohnung nehmen können. Ich hätte ja hier wohnen bleiben und dann mal vier Wochen Urlaub in Hamburg machen können. In Minden waren Sie zuletzt nackt auf dem Weinfest. Ja, davor war ich auf dem Campusfest und habe mich ausgezogen. Da hat mich der Sicherheitsdienst vor die Tür gesetzt. Ich war fix und fertig. Ein Bekannter sagte mir dann, dass Weinfest ist. Und als ich da ankam, sah ich gleich freundliche Mienen und die gereckten Köpfe. Oh, jetzt ist er da. Macht er’s oder macht er’s nicht? Wie es immer so ist und dann lass ich mich natürlich auch nicht zweimal bitten, wollte ich meine Seele wieder laben und dann habe ich mich da ausgezogen. Warum sind Sie heute in Minden? Weil es hier Essen gibt und weil ich hier viele angenehme Erlebnisse hatte. Man hat mir mehr oder weniger Kunstfreiheit gegeben. Ich fühl mich hier wohl in Minden. Wo gehen Sie dann essen? In der Wärmestube, da ist die Schwester Anette, sie soll sogar schon für den Papst gekocht haben. Da gibt es sehr schönes Essen mit Vorspeise, Nachspeise, da kriegt man noch Butterbrote mit. Sehr sympathisch, ich fühle mich da richtig wohl. Wissen die, dass Sie „Ernie" sind oder verschweigen Sie das? Ich muss da meinen Namen sagen, bevor ich das Essen kriege und dann zahle ich meine 80 Cent, da fragt mich aber keiner, ob ich arm bin oder ob ich einen festen Wohnsitz habe und ich glaube, das ist auch nicht Bedingung. Da kann jeder essen. Ob die wissen, wer ich bin, weiß ich nicht. Wovon leben Sie jetzt? Ich lebe von 370 Euro Rente. Normalerweise kann da kein Mensch von leben, aber ich ziehe das durch und deshalb suche ich diese gemeinnützigen Stätten auf, wo man umsonst oder billig essen kann. Die letzten 30 Jahre habe ich ja keine Rente bezahlt und jetzt habe ich die Quittung. Aber Sie scheinen fröhlich zu sein. Eigentlich bin ich rundum glücklich. Ich bin gesund, kann trainieren und meine Form ist mit 70 Jahren auch nicht zu verbergen, da brauch ich mich nicht zu schämen. Wie trainieren Sie denn? Ich schwimme viel und bin in einer Bodybuilding-Kette angemeldet. Da brauche ich nur 15 Euro im Monat zu zahlen und kann jeden Tag in ganz Deutschland trainieren, das nutze ich natürlich. Werden Sie oft angesprochen? Ganz selten, vielleicht einmal im Monat. Wenn die Leute mich sehen, erkennen sie mich, aber mich spricht keiner an. In einigen Städten gucken mich die Leute entsetzt an, in anderen freundlich. Ich bin eine Reizfigur. Was war ihr schönstes Nackt-Erlebnis? Mit Abstand das Spiel zwischen Borussia Dortmund und Armina Bielefeld 2005 im Westfalenstadion vor rund 80 000 Zuschauern. Das war natürlich gewaltig, das wollte ich immer schon mal machen. Und neulich war ich auf dem Christopher-Street-Day in Hamburg, da waren Millionen auf der Straße, die pfiffen und machten Radau, das war natürlich top. Sind Sie da überhaupt aufgefallen? Da sind ja viele leicht bekleidetet. Da war ich der einzige Nackte, die waren alle in Badehose und mit Glitzer gepunktet oder trugen tolle Kostüme. Als ich dann nackend ankam, ging natürlich richtig die Post ab. Dass ich da mal so zwei Kilometer mitgehen durfte, war ein riesen Erlebnis. Fahren Sie auch noch nackt Rad? Das ist mir zu gefährlich geworden. Das kann man auch gar nicht mehr abschätzen, wenn ich jetzt von A nach B fahre und da ist ein Polizist oder irgendwer zeigt mich an, dann bin ich schon wieder 1000 Euro los. Das wird mir alles zu teuer. Das muss man alles einkalkulieren. Wenn ich hier mal gerade über den Markt gehe, kommt so schnell kein Polizist. Sie haben auch ein schönes Fahrrad. Ja, das ist von Powerslide, das muss ich eigentlich noch abbezahlen. Mir haben sie ja mein Fahrrad geklaut, das gute KTM-Rad. Dann bin ich nach Minden gefahren zu Jockel. Er hat gesagt: Wenn du Geld hast, bezahlst du. Und jetzt habe ich noch kein Geld gehabt, das tut mir leid, ich schäme mich so richtig. Aber ich habe natürlich geschworen, ihm das Geld zurück zuzahlen, sobald ich mal liquide bin. Wie fühlen Sie Sich wohler: nackt oder angezogen? Angezogen ist normal, da mache ich Urlaub. Nackt ist Arbeit, angenehme Arbeit, da werde ich erkannt. Da kann die ganze Welt, die ganze Gesellschaft sehen, dass ich mich auch mit 370 Euro Rente, ein bisschen Sport und vernünftigem Essen gesund und vital halte. Sind die Frauen von Ihnen abgeschreckt? Ja, das ist denen zu krass, da habe ich mich natürlich wieder ganz ins Abseits gesetzt mit meiner Nacktheit. Und dann habe ich natürlich auch kein Geld. Wenn man jetzt eine Frau kennenlernt, will man die auch mal zum Essen einladen. Ich müsste auf Kosten der Dame leben, das will ja keiner. Sie merken: Da kommt eins zum anderen, warum ich jetzt alleine hier auf der Parkbank in Minden sitze.

Die nackte Wahrheit: Flitzer „Ernie“ im MT-Interview

Minden (mt). Ausgezogen erkennen ihn viele: Ernie, den Flitzer, der seit Jahrzehnten besonders gern nackt durch OWL radelt. Mit inzwischen 70 Jahren ist es ruhiger um ihn geworden, aktiv ist er aber immer noch. Zuletzt zeigte er sich in Minden auf dem Weinfest - und immer häufiger auch in der Wärmestube.

Angezogen sieht man Flitzer „Ernie" eher selten. MT- - © Foto: Nadine Schwan
Angezogen sieht man Flitzer „Ernie" eher selten. MT- - © Foto: Nadine Schwan

Wann ist der Zeitpunkt, an dem ein Flitzer in Rente geht?

Ich fühle mich wie ein Schauspieler, der steht bis zum letzten Atemzug auf der Bühne. Ich habe nichts anderes gelernt, es ist das Beste, was ich kann, und dann mache ich das eben weiter.

Warum sind Sie überhaupt Flitzer?

Weil das eine Sensation ist, wenn einer nackend über den Markt geht. Das macht ja nicht jeder. Außerdem bringen mir die Bürger inzwischen eine gewisse Erwartungshaltung entgegen, wenn ich die nicht erfülle, sind sie enttäuscht. Das bilde ich mir jedenfalls ein. Es gibt natürlich in allen Bereichen Pro und Kontra, aber mir hat eine Richterin in Bielefeld mal schriftlich bescheinigt, dass ich eine Ausnahmeerscheinung bin. Das war natürlich ein Persilschein. Am nächsten Tag war ein anderer Richter da und Bumms, kriegte ich wieder die rote Kelle.

Hat das Flitzen für Sie etwas mit sexueller Erregung zu tun?

Nein, das hat es um Gottes Willen nicht. Eigentlich wollte ich immer Bodybuilding-Weltmeister werde, Mr. Olympia oder Mr. Universum - und davon träume ich immer noch. Aber das hat nicht geklappt. Da muss man Geld haben, dass man mal in die Apotheke gehen und sich ein bisschen Nachhilfe verschaffen kann. Das habe ich nie gehabt und dann bin ich natürlich fürchterlich traurig gewesen. Das Ausziehen war dann eher eine Trotzreaktion oder ein Protest, dass im Kraftsport nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

Wann haben Sie angefangen, sich in der Öffentlichkeit nackt zu zeigen?

Weihnachten 1987. Die Vorläufer waren zwei Jahre früher in der Fachhochschule für Modedesign in Bielefeld, da hab ich Aktmodell gestanden. Für die Studenten in der Architekturschule in Minden habe ich das auch gemacht. Damals habe ich 15 Mark pro Stunde gekriegt. Da habe ich die ersten Male gesehen, dass Nacktheit nichts Unanständiges ist, sondern dass man das ganz wissenschaftlich anpacken kann. Und dann kam eine Wette: Fährst du mit dem Fahrrad im Winter nackt durch Bielefeld? Nein, da erkälte ich mich, hab ich gesagt, das mache ich nicht. Dann habe ich es aber doch gemacht. Und dann kamen die Zeitungen, das Radio und das Fernsehen und ich habe mir gedacht: So unanständig kann das ja gar nicht sein, das ist nichts Schlimmes, wenn man seinen nackten Körper zeigt und dann habe ich das eben durchgezogen, bis zum bitteren Ende.

Bitteres Ende?

Ich will damit nicht angeben, traurig genug ist es ja, aber ich habe im Gefängnis gesessen. Wegen so einem Quatsch. Ich habe mich dann weiter im Knast ausgezogen. Das erwarten ja auch alle. Und als ich entlassen wurde, sagten die Beamten: Und für uns machst du noch einmal hier vor der Tür deine Show. Was soll ich denn davon halten?

Wie oft wurden Sie schon verhaftet?

Ein Mal. 1999 wurde ich verhaftet, sonst habe ich mich immer freiwillig gestellt. In Düsseldorf war das, da bin ich nackend durch die Altstadt gegangen und dann kurz vorm Bahnhof auf so einer Verkehrsinsel an der Karlstraße kam ein Bulli an. „Hören Sie mal, ziehen Sie mal eine Hose an, was soll das denn? Papiere!" Der rief dann die Kollegen an und ich bin mit auf die Wache gegangen. Da war ein Haftbefehl draußen. In Minden haben sie mich auch schon mal mit zur Wache genommen. Und einmal im Sommer bin ich nackt spazieren gegangen und die Polizisten haben mir eine grüne Polizeihose mit auf den Weg gegeben. Ich glaube die Hose hab ich heute noch. Aber die meisten Sachen kamen aus Bielefeld, die Bielefelder haben immer richtig Druck gemacht.

Und wollten Sie trotzdem nie aus Bielefeld wegziehen?

Ich will ja wegziehen, aber es ist sehr schwer. Eine Ordensschwester einer karitativen Einrichtung hatte mir in Hamburg mal eine Wohnung angeboten, dabei kannte ich die gar nicht. Und dann bin ich natürlich gleich von den Socken gewesen. Ich war überrascht, richtig ratlos. Und dann habe ich die Zeit verstreichen lassen. Vielleicht habe ich den Fehler meines Lebens gemacht, die hätte ich sonst ja als Zweitwohnung nehmen können. Ich hätte ja hier wohnen bleiben und dann mal vier Wochen Urlaub in Hamburg machen können.

In Minden waren Sie zuletzt nackt auf dem Weinfest.

Ja, davor war ich auf dem Campusfest und habe mich ausgezogen. Da hat mich der Sicherheitsdienst vor die Tür gesetzt. Ich war fix und fertig. Ein Bekannter sagte mir dann, dass Weinfest ist. Und als ich da ankam, sah ich gleich freundliche Mienen und die gereckten Köpfe. Oh, jetzt ist er da. Macht er’s oder macht er’s nicht? Wie es immer so ist und dann lass ich mich natürlich auch nicht zweimal bitten, wollte ich meine Seele wieder laben und dann habe ich mich da ausgezogen.

Warum sind Sie heute in Minden?

Weil es hier Essen gibt und weil ich hier viele angenehme Erlebnisse hatte. Man hat mir mehr oder weniger Kunstfreiheit gegeben. Ich fühl mich hier wohl in Minden.

Wo gehen Sie dann essen?

In der Wärmestube, da ist die Schwester Anette, sie soll sogar schon für den Papst gekocht haben. Da gibt es sehr schönes Essen mit Vorspeise, Nachspeise, da kriegt man noch Butterbrote mit. Sehr sympathisch, ich fühle mich da richtig wohl.

Wissen die, dass Sie „Ernie" sind oder verschweigen Sie das?

Ich muss da meinen Namen sagen, bevor ich das Essen kriege und dann zahle ich meine 80 Cent, da fragt mich aber keiner, ob ich arm bin oder ob ich einen festen Wohnsitz habe und ich glaube, das ist auch nicht Bedingung. Da kann jeder essen. Ob die wissen, wer ich bin, weiß ich nicht.

Wovon leben Sie jetzt?

Ich lebe von 370 Euro Rente. Normalerweise kann da kein Mensch von leben, aber ich ziehe das durch und deshalb suche ich diese gemeinnützigen Stätten auf, wo man umsonst oder billig essen kann. Die letzten 30 Jahre habe ich ja keine Rente bezahlt und jetzt habe ich die Quittung.

Aber Sie scheinen fröhlich zu sein.

Eigentlich bin ich rundum glücklich. Ich bin gesund, kann trainieren und meine Form ist mit 70 Jahren auch nicht zu verbergen, da brauch ich mich nicht zu schämen.

Wie trainieren Sie denn?

Ich schwimme viel und bin in einer Bodybuilding-Kette angemeldet. Da brauche ich nur 15 Euro im Monat zu zahlen und kann jeden Tag in ganz Deutschland trainieren, das nutze ich natürlich.

Werden Sie oft angesprochen?

Ganz selten, vielleicht einmal im Monat. Wenn die Leute mich sehen, erkennen sie mich, aber mich spricht keiner an. In einigen Städten gucken mich die Leute entsetzt an, in anderen freundlich. Ich bin eine Reizfigur.

Was war ihr schönstes Nackt-Erlebnis?

Mit Abstand das Spiel zwischen Borussia Dortmund und Armina Bielefeld 2005 im Westfalenstadion vor rund 80 000 Zuschauern. Das war natürlich gewaltig, das wollte ich immer schon mal machen. Und neulich war ich auf dem Christopher-Street-Day in Hamburg, da waren Millionen auf der Straße, die pfiffen und machten Radau, das war natürlich top.

Sind Sie da überhaupt aufgefallen? Da sind ja viele leicht bekleidetet.

Da war ich der einzige Nackte, die waren alle in Badehose und mit Glitzer gepunktet oder trugen tolle Kostüme. Als ich dann nackend ankam, ging natürlich richtig die Post ab. Dass ich da mal so zwei Kilometer mitgehen durfte, war ein riesen Erlebnis.

Fahren Sie auch noch nackt Rad?

Das ist mir zu gefährlich geworden. Das kann man auch gar nicht mehr abschätzen, wenn ich jetzt von A nach B fahre und da ist ein Polizist oder irgendwer zeigt mich an, dann bin ich schon wieder 1000 Euro los. Das wird mir alles zu teuer. Das muss man alles einkalkulieren. Wenn ich hier mal gerade über den Markt gehe, kommt so schnell kein Polizist.

Sie haben auch ein schönes Fahrrad.

Ja, das ist von Powerslide, das muss ich eigentlich noch abbezahlen. Mir haben sie ja mein Fahrrad geklaut, das gute KTM-Rad. Dann bin ich nach Minden gefahren zu Jockel. Er hat gesagt: Wenn du Geld hast, bezahlst du. Und jetzt habe ich noch kein Geld gehabt, das tut mir leid, ich schäme mich so richtig. Aber ich habe natürlich geschworen, ihm das Geld zurück zuzahlen, sobald ich mal liquide bin.

Wie fühlen Sie Sich wohler: nackt oder angezogen?

Angezogen ist normal, da mache ich Urlaub. Nackt ist Arbeit, angenehme Arbeit, da werde ich erkannt. Da kann die ganze Welt, die ganze Gesellschaft sehen, dass ich mich auch mit 370 Euro Rente, ein bisschen Sport und vernünftigem Essen gesund und vital halte.

Sind die Frauen von Ihnen abgeschreckt?

Ja, das ist denen zu krass, da habe ich mich natürlich wieder ganz ins Abseits gesetzt mit meiner Nacktheit. Und dann habe ich natürlich auch kein Geld. Wenn man jetzt eine Frau kennenlernt, will man die auch mal zum Essen einladen. Ich müsste auf Kosten der Dame leben, das will ja keiner. Sie merken: Da kommt eins zum anderen, warum ich jetzt alleine hier auf der Parkbank in Minden sitze.

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