Die letzte Fahrt mit der Modell-Eisenbahn in Mindens Innenstadt Kerstin Rickert Minden. Hunderte Eisenbahnfans dürften es wohl sein, die sich an der Schaufensterscheibe in der Obermarktstraße 27 schon die Nasen platt gedrückt haben. Dafür spricht allein die lange Zeit, in der es in dem Ladengeschäft hinter dem Fenster etwas Besonders zu bestaunen gab. Fünfeinhalb Jahre lang hatte Wilhelm Riecke dort seine Modelleisenbahn aufgebaut und ließ sie ihre Runden drehen – am vergangenen Samstag zum letzten Mal. Das Haus, in das der Modelleisenbahner mit seiner sogenannten Gartenbahn in Mai 2015 eingezogen war, ist verkauft. Für Wilhelm Riecke bedeutet dies das vorläufige Ende seiner temporären Ausstellung. Nun heißt es Kisten packen, die dann vorerst wieder in seinem Keller in Dankersen verschwinden. Dort fristete die Sammlung des 68-Jährigen schon einmal ein Schattendasein – bis ihm eine Idee kam. „Darauf gebracht hat mich damals die temporäre Gemäldegalerie in einem leerstehenden Ladenlokal in der Obermarktstraße“, erzählt Wilhelm Riecke. Als Kind der Oberen Altstadt, dessen „Herz an Minden und besonders an dieser Ecke hier hängt“, wollte auch er etwas gegen den Leerstand in der Obermarktstraße tun. Er fragte sich durch, knüpfte Kontakte und durfte seine Modelleisenbahn schließlich in dem leerstehenden Ladengeschäft des Hauses Nummer 27 aufbauen. Ende Mai 2015 präsentierte er sie erstmals der Öffentlichkeit – und dachte damals, dass er sie spätestens nach einem halben Jahr wieder abbauen würde. „Nie hätte ich geglaubt, dass daraus fünfeinhalb Jahre werden würden. Ich habe immer damit gerechnet, dass ein neuer Mieter einziehen wird“, blickt Wilhelm Riecke zurück. Interessenten habe es immer mal wieder gegeben, „maximal vier pro Jahr“, zu einem neuen Mietverhältnis mit dem bisherigen Eigentümer sei es aber nie gekommen. So durfte seine Modelleisenbahn bleiben, und das sogar mietfrei, wie Wilhelm Rieke erzählt. Samstags und an verkaufsoffenen Sonntagen nahm er sie in Betrieb und öffnete die Türen für große und kleine Fans der Modelleisenbahn. Über die Jahre baute er seine Sammlung weiter aus. „Im Januar bin ich jedes Jahr nach Bad Salzuflen zu den Modellbautagen gefahren.“ Von dort hat er auch in diesem Jahr wieder ein paar schöne Stücke mitgebracht, um seine Ausstellung zu ergänzen. Woher seine Leidenschaft für Eisenbahnen kommt, kann sich Wilhelm Riecke selbst auch nicht so genau erklären. „Die war irgendwie schon immer da.“ Vielleicht, überlegt er, habe das auch ein bisschen damit zu tun, dass er mal ganz in der Nähe des Bahnhofs gewohnt habe. Aufgewachsen sei er in der Ritterstraße und als das Haus, in dem seine Familie wohnte, abgerissen werden sollte, sei ihr eine Wohnung in der Friedrich-Wilhelm-Straße angeboten worden. Von dort habe er das Ein- und Ausfahren der Züge immer gut beobachten können. Irgendwann fing er mit einer Märklin-Eisenbahn an. „Mein Sohn bekam dann eine Playmobil-Eisenbahn und als die nicht mehr reichte, stellte sich die Frage, was dem Vater auch noch Spaß macht“, sagt Wilhelm Riecke und lacht. So zog vor etwa 30 Jahren eine LGB auf Spur-G-Gleisen mit einer Spurweite von 45 Millimetern bei ihm ein. „Das G steht für Garten oder groß. Die ersten Modelle kamen Anfang der 1960er Jahre als Gartenbahn auf den Markt“, erklärt Wilhelm Riecke. Gegenüber den wohl gängigsten Eisenbahn-Modellen mit der Bezeichnung H0 im Maßstab von 1:87, fällt die Gartenbahn durch ihre weitaus größeren Dimensionen auf: ihr Maßstab beträgt lediglich 1:22,5. Lokomotiven, Waggons, Gleise, Gebäude und jede Menge Zubehör – all das ist inzwischen zu einer eigenen Welt in Miniatur gewachsen. Es zu verpacken, dürfte eine Herausforderung werden. Abschied zu nehmen nach so langer Zeit, falle ihm schon schwer, gibt Wilhelm Rieke zu. Was ihm besonders fehlen wird, sind die Menschen, die er mit seinem Hobby und seiner Idee, die Obermarktstraße zu beleben, begeistern konnte: „Viele Kinder, auch große Kinder“, sagt er, der sich am Samstag noch einmal über zahlreiche Besucher freuen durfte. „Vielleicht baue ich die Gartenbahn ja auch bald woanders auf.“ Nach einem neuen Domizil hat der Eisenbahnfan sich schon umgehört. Bisher allerdings ohne Erfolg.

Die letzte Fahrt mit der Modell-Eisenbahn in Mindens Innenstadt

Fünfeinhalb Jahre lang drehte die Eisenbahn im kleinen Ladengeschäft an der Obermarktstraße ihre Runden. Jetzt muss Wilhelm Rieke ausziehen. Foto: Kerstin Rickert © Kerstin Rickert

Minden. Hunderte Eisenbahnfans dürften es wohl sein, die sich an der Schaufensterscheibe in der Obermarktstraße 27 schon die Nasen platt gedrückt haben. Dafür spricht allein die lange Zeit, in der es in dem Ladengeschäft hinter dem Fenster etwas Besonders zu bestaunen gab. Fünfeinhalb Jahre lang hatte Wilhelm Riecke dort seine Modelleisenbahn aufgebaut und ließ sie ihre Runden drehen – am vergangenen Samstag zum letzten Mal.

Das Haus, in das der Modelleisenbahner mit seiner sogenannten Gartenbahn in Mai 2015 eingezogen war, ist verkauft. Für Wilhelm Riecke bedeutet dies das vorläufige Ende seiner temporären Ausstellung. Nun heißt es Kisten packen, die dann vorerst wieder in seinem Keller in Dankersen verschwinden. Dort fristete die Sammlung des 68-Jährigen schon einmal ein Schattendasein – bis ihm eine Idee kam. „Darauf gebracht hat mich damals die temporäre Gemäldegalerie in einem leerstehenden Ladenlokal in der Obermarktstraße“, erzählt Wilhelm Riecke. Als Kind der Oberen Altstadt, dessen „Herz an Minden und besonders an dieser Ecke hier hängt“, wollte auch er etwas gegen den Leerstand in der Obermarktstraße tun. Er fragte sich durch, knüpfte Kontakte und durfte seine Modelleisenbahn schließlich in dem leerstehenden Ladengeschäft des Hauses Nummer 27 aufbauen.

Ende Mai 2015 präsentierte er sie erstmals der Öffentlichkeit – und dachte damals, dass er sie spätestens nach einem halben Jahr wieder abbauen würde. „Nie hätte ich geglaubt, dass daraus fünfeinhalb Jahre werden würden. Ich habe immer damit gerechnet, dass ein neuer Mieter einziehen wird“, blickt Wilhelm Riecke zurück.

Interessenten habe es immer mal wieder gegeben, „maximal vier pro Jahr“, zu einem neuen Mietverhältnis mit dem bisherigen Eigentümer sei es aber nie gekommen. So durfte seine Modelleisenbahn bleiben, und das sogar mietfrei, wie Wilhelm Rieke erzählt. Samstags und an verkaufsoffenen Sonntagen nahm er sie in Betrieb und öffnete die Türen für große und kleine Fans der Modelleisenbahn. Über die Jahre baute er seine Sammlung weiter aus. „Im Januar bin ich jedes Jahr nach Bad Salzuflen zu den Modellbautagen gefahren.“ Von dort hat er auch in diesem Jahr wieder ein paar schöne Stücke mitgebracht, um seine Ausstellung zu ergänzen.

Woher seine Leidenschaft für Eisenbahnen kommt, kann sich Wilhelm Riecke selbst auch nicht so genau erklären. „Die war irgendwie schon immer da.“ Vielleicht, überlegt er, habe das auch ein bisschen damit zu tun, dass er mal ganz in der Nähe des Bahnhofs gewohnt habe.

Aufgewachsen sei er in der Ritterstraße und als das Haus, in dem seine Familie wohnte, abgerissen werden sollte, sei ihr eine Wohnung in der Friedrich-Wilhelm-Straße angeboten worden. Von dort habe er das Ein- und Ausfahren der Züge immer gut beobachten können.

Irgendwann fing er mit einer Märklin-Eisenbahn an. „Mein Sohn bekam dann eine Playmobil-Eisenbahn und als die nicht mehr reichte, stellte sich die Frage, was dem Vater auch noch Spaß macht“, sagt Wilhelm Riecke und lacht. So zog vor etwa 30 Jahren eine LGB auf Spur-G-Gleisen mit einer Spurweite von 45 Millimetern bei ihm ein. „Das G steht für Garten oder groß. Die ersten Modelle kamen Anfang der 1960er Jahre als Gartenbahn auf den Markt“, erklärt Wilhelm Riecke. Gegenüber den wohl gängigsten Eisenbahn-Modellen mit der Bezeichnung H0 im Maßstab von 1:87, fällt die Gartenbahn durch ihre weitaus größeren Dimensionen auf: ihr Maßstab beträgt lediglich 1:22,5.

Lokomotiven, Waggons, Gleise, Gebäude und jede Menge Zubehör – all das ist inzwischen zu einer eigenen Welt in Miniatur gewachsen. Es zu verpacken, dürfte eine Herausforderung werden. Abschied zu nehmen nach so langer Zeit, falle ihm schon schwer, gibt Wilhelm Rieke zu.

Was ihm besonders fehlen wird, sind die Menschen, die er mit seinem Hobby und seiner Idee, die Obermarktstraße zu beleben, begeistern konnte: „Viele Kinder, auch große Kinder“, sagt er, der sich am Samstag noch einmal über zahlreiche Besucher freuen durfte.

„Vielleicht baue ich die Gartenbahn ja auch bald woanders auf.“ Nach einem neuen Domizil hat der Eisenbahnfan sich schon umgehört. Bisher allerdings ohne Erfolg.

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