Die Weserpromenade soll schöner werden - 15 Landschaftsarchitekten entwickeln dafür nun Pläne Monika Jäger Minden. Die Weserpromenade soll schöner werden – diese Idee ist in Minden nicht neu. Doch wofür soll dieses Stück der Stadt künftig eigentlich da sein? Jeder Nutzer hat sein eigenes Bild, und das sorgt auch schon mal für Konflikte. Manche sehen das Areal als Begegnungsort, Flanierpfad für Fußgänger und Spielstraße, andere möchten zumindest einen Teil davon als innenstadtnahen Parkplatz bewahren. Im Tourismus Aktive wünschen sich bessere Haltestellen für Schiffstouren und sehen in der Promenade eine kaum genutzte Chance, um Mindens Image zu fördern. Für die Stadt soll hier mehr „Urbanität" erreicht und eine bessere Verbindung zwischen den beiden Weserufern geschaffen werden. Mit Blick auf die Regionale 2022 könnte eine Umgestaltung der Promenade auch Startschuss für weitere Entwicklungen am rechten Weserufer werden. Doch alle Ideen müssen sich einem harten Realitätscheck unterwerfen: Hier ist Überschwemmungsgebiet, Teile stehen unter Denkmalschutz – und viel Geld zur Neugestaltung ist auch nicht da. Was Bürger wollen, haben sie schon bei den vier großen LForen zur Entwicklung und Pflege des Glacis eingebracht. In diesem Jahr soll das Thema Promenade angeschoben werden, und darum sind nun Fachleute gefragt. In einem Planungswettbewerb werden Landschaftsarchitekten ihre Konzepte entwickeln und vorstellen. Insgesamt 45.000 Euro Preisgeld sind ausgelobt, das Preisgericht soll am 12. November tagen. Die Stadt Minden hat bereits mehrere renommierte Büros angesprochen, die zugesagt haben, dass sie mitmachen. Insgesamt bis zu 15 Bewerber können ihre Entwürfe einreichen. Die Entwicklung wird nicht unbedingt einfach – was schon beim Auftakt deutlich wurde. Der fiel nämlich genau in den Beginn der Kontaktbeschränkungen. Und so gab es statt einer Versammlung von Anliegern und Experten nur eine schriftliche Abfrage. Die Planer müssen von Anfang an sparsam agieren. Denn die Summe, die zur Umgestaltung zur Verfügung steht, geht auf den Masterplan „Historische Innenstadt Minden" zurück – und der ist zehn Jahre alt. „In dem Zeitraum hat sich eine nicht unerhebliche allgemeine Preissteigerung ergeben", so urteilt die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage für den Bauausschuss. Damals waren für den südlichen Teil 1,6 Millionen Euro und für den nördlichen Teil 740.000 Euro vorgesehen. An dieser Vorgabe werden sich die Teilnehmer auch jetzt, zehn Jahre später, orientieren müssen. Der Wettbewerb selbst wird auch mit Fördermitteln in Höhe von knapp 105.000 Euro unterstützt und soll rund 131.000 Euro kosten. Das Büro Pesch und Partner betreut das Verfahren. Die Stadtplaner haben eine klare Wunschliste. Unter anderem wird es um eine Aufwertung der Unterführung als Verbindung zur Innenstadt gehen. Das rechte und das linke Weserufer sollen besser verbunden werden – durch eine Fußgängerbrücke. Und da hier unter anderem aus Sicherheitsgründen die ursprünglichen Überlegungen nicht greifen, die MKB-Eisenbahnbrücke auch für Fußgänger zu öffnen, könnte ein Neubau geplant werden. Damit Besucher Weser und Landschaft besser erleben, geraten auch die Anlegestellen in den Blick – für diese müssten zum Beispiel Aufenthaltsbereiche geschaffen werden. Selbstverständlich erwartet die Stadt barrierefreie und nachhaltige Planungen; so könnten zum Beispiel bestehende Materialien wieder verwendet werden. Der Mindener Bauausschuss sprach sich einstimmig dafür aus, den Wettbewerb nun auszuloben. In der Aussprache machte Hendrik Mucke (CDU) deutlich, dass das Projekt auch nach dem Wettbewerb weiter gehen müsse. Er regte an, speziell die Vorgaben für den Bereich Schlagde zu ändern und wünschte sich eine „Komplettüberplanung ohne die Restriktion Parken". Die Wettbewerbsteilnehmer sollten sich aus seiner Sicht Gedanken über eine Gesamt-Nutzung als Multifunktionsbereich machen. Bisher ging die Vorgabe davon aus, dass nur der vordere Teil der Schlagde umgestaltet wird. Horst Idelberger (Bündnis 90/Die Grünen) bedauerte die Begrenzung der Planungen bis zur MKB-Brücke. Bau-Beigeordneter Lars Bursian erklärte, dass eine Erweiterung den Kostenrahmen gesprengt hätte. Aber das, was nun entwickelt werde, könne ja in der Form dann weiter geführt werden. Zu Idelbergers Kritik am „miserablen Zustand" des Geh und Radweges im Norden sagte Bursian, hier seien bereits Planungen im Gange. Ungenutzte Möglichkeiten  Ein Kommentar von Monika Jäger Ist schon hart, wenn einem klar wird, dass der persönliche Mindener Herzensort eigentlich ein vernachlässigtes Stück der Stadt ist. Aber angesichts der vielen Interessen, die hier zusammenkommen, und der besonderen Lage als Hochwassergebiet ist schon klar, warum Veränderungen schwierig waren und sind. Hauptsache, der jetzige Vorstoß bleibt nicht wieder im Planungszustand stecken. Andererseits: Nicht alles, was Fachleute als Gedankenspiel einbringen, wird umgesetzt, und das ist manchmal auch gut so. Ich denke da zum Beispiel an das Konzept einer begehbaren 20-Meter-Kugel an der Schlagde, die 2013 Stadtgespräch war. . .

Die Weserpromenade soll schöner werden - 15 Landschaftsarchitekten entwickeln dafür nun Pläne

Die Weserpromenade an der Schlagde: Wenig Grün, viel Parkraum. Soll das auch künftig so bleiben? Das ist eine der Fragen, mit der sich die Wettbewerbsteilnehmer auseinandersetzen müssen. MT- © Foto: Alex Lehn

Minden. Die Weserpromenade soll schöner werden – diese Idee ist in Minden nicht neu. Doch wofür soll dieses Stück der Stadt künftig eigentlich da sein? Jeder Nutzer hat sein eigenes Bild, und das sorgt auch schon mal für Konflikte.

Manche sehen das Areal als Begegnungsort, Flanierpfad für Fußgänger und Spielstraße, andere möchten zumindest einen Teil davon als innenstadtnahen Parkplatz bewahren. Im Tourismus Aktive wünschen sich bessere Haltestellen für Schiffstouren und sehen in der Promenade eine kaum genutzte Chance, um Mindens Image zu fördern. Für die Stadt soll hier mehr „Urbanität" erreicht und eine bessere Verbindung zwischen den beiden Weserufern geschaffen werden. Mit Blick auf die Regionale 2022 könnte eine Umgestaltung der Promenade auch Startschuss für weitere Entwicklungen am rechten Weserufer werden.

Doch alle Ideen müssen sich einem harten Realitätscheck unterwerfen: Hier ist Überschwemmungsgebiet, Teile stehen unter Denkmalschutz – und viel Geld zur Neugestaltung ist auch nicht da.

Was Bürger wollen, haben sie schon bei den vier großen LForen zur Entwicklung und Pflege des Glacis eingebracht. In diesem Jahr soll das Thema Promenade angeschoben werden, und darum sind nun Fachleute gefragt. In einem Planungswettbewerb werden Landschaftsarchitekten ihre Konzepte entwickeln und vorstellen. Insgesamt 45.000 Euro Preisgeld sind ausgelobt, das Preisgericht soll am 12. November tagen.

Die Stadt Minden hat bereits mehrere renommierte Büros angesprochen, die zugesagt haben, dass sie mitmachen. Insgesamt bis zu 15 Bewerber können ihre Entwürfe einreichen.

Die Entwicklung wird nicht unbedingt einfach – was schon beim Auftakt deutlich wurde. Der fiel nämlich genau in den Beginn der Kontaktbeschränkungen. Und so gab es statt einer Versammlung von Anliegern und Experten nur eine schriftliche Abfrage.

Die Planer müssen von Anfang an sparsam agieren. Denn die Summe, die zur Umgestaltung zur Verfügung steht, geht auf den Masterplan „Historische Innenstadt Minden" zurück – und der ist zehn Jahre alt. „In dem Zeitraum hat sich eine nicht unerhebliche allgemeine Preissteigerung ergeben", so urteilt die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage für den Bauausschuss.

Damals waren für den südlichen Teil 1,6 Millionen Euro und für den nördlichen Teil 740.000 Euro vorgesehen. An dieser Vorgabe werden sich die Teilnehmer auch jetzt, zehn Jahre später, orientieren müssen. Der Wettbewerb selbst wird auch mit Fördermitteln in Höhe von knapp 105.000 Euro unterstützt und soll rund 131.000 Euro kosten. Das Büro Pesch und Partner betreut das Verfahren.

Die Stadtplaner haben eine klare Wunschliste. Unter anderem wird es um eine Aufwertung der Unterführung als Verbindung zur Innenstadt gehen. Das rechte und das linke Weserufer sollen besser verbunden werden – durch eine Fußgängerbrücke. Und da hier unter anderem aus Sicherheitsgründen die ursprünglichen Überlegungen nicht greifen, die MKB-Eisenbahnbrücke auch für Fußgänger zu öffnen, könnte ein Neubau geplant werden.

Damit Besucher Weser und Landschaft besser erleben, geraten auch die Anlegestellen in den Blick – für diese müssten zum Beispiel Aufenthaltsbereiche geschaffen werden. Selbstverständlich erwartet die Stadt barrierefreie und nachhaltige Planungen; so könnten zum Beispiel bestehende Materialien wieder verwendet werden.

Der Mindener Bauausschuss sprach sich einstimmig dafür aus, den Wettbewerb nun auszuloben. In der Aussprache machte Hendrik Mucke (CDU) deutlich, dass das Projekt auch nach dem Wettbewerb weiter gehen müsse. Er regte an, speziell die Vorgaben für den Bereich Schlagde zu ändern und wünschte sich eine „Komplettüberplanung ohne die Restriktion Parken". Die Wettbewerbsteilnehmer sollten sich aus seiner Sicht Gedanken über eine Gesamt-Nutzung als Multifunktionsbereich machen. Bisher ging die Vorgabe davon aus, dass nur der vordere Teil der Schlagde umgestaltet wird.

Horst Idelberger (Bündnis 90/Die Grünen) bedauerte die Begrenzung der Planungen bis zur MKB-Brücke. Bau-Beigeordneter Lars Bursian erklärte, dass eine Erweiterung den Kostenrahmen gesprengt hätte. Aber das, was nun entwickelt werde, könne ja in der Form dann weiter geführt werden. Zu Idelbergers Kritik am „miserablen Zustand" des Geh und Radweges im Norden sagte Bursian, hier seien bereits Planungen im Gange.

Ungenutzte Möglichkeiten 

Ein Kommentar von Monika Jäger

Ist schon hart, wenn einem klar wird, dass der persönliche Mindener Herzensort eigentlich ein vernachlässigtes Stück der Stadt ist. Aber angesichts der vielen Interessen, die hier zusammenkommen, und der besonderen Lage als Hochwassergebiet ist schon klar, warum Veränderungen schwierig waren und sind. Hauptsache, der jetzige Vorstoß bleibt nicht wieder im Planungszustand stecken. Andererseits: Nicht alles, was Fachleute als Gedankenspiel einbringen, wird umgesetzt, und das ist manchmal auch gut so. Ich denke da zum Beispiel an das Konzept einer begehbaren 20-Meter-Kugel an der Schlagde, die 2013 Stadtgespräch war. . .

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