Die Transporteure für die Mörder Ausstellung "Sonderzüge in den Tod" bis 25. März im Bahnhof Oberstadt zu sehen Von Jürgen Langenkämper Minden (mt). Ohne sie wäre der Massenmord an Millionen Menschen gar nicht zu bewältigen gewesen. Ohne die Reichsbahn und ihre Mitarbeiter hätten die Vernichtungslager im Osten weniger Nachschub erhalten. Daran erinnert die Ausstellung "Sonderzüge in den Tod". Seit Mittwoch gastiert die kleine, aber hochinformative Wanderausstellung der Deutschen Bahn im Bahnhof Oberstadt. "Etwa drei Millionen Juden, Sinti und Roma sind per Bahn deportiert worden", nennt Pfarrer Bernhard Speller, Geschäftsführer der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ), eine erschreckende Zahl.Schon 1985, auf einer Fahrt zum 150-jährigen Bestehen des Eisenbahnwesens in Deutschland, sei er mit der dunklen Seite in der Vergangenheit der Bahn konfrontiert worden, sagt der Bahn-Historiker Werner Schütte. "Junge Gewerkschafter verteilten Flugblätter, die darauf hinwiesen", erinnert sich der stellvertretende Vorsitzende der Mindener Museums-Eisenbahn (MEM). Ein Vierteljahrhundert später ist er froh, dass in der Konzernspitze ein Wandel eingetreten ist. "Die Bahn stellt sich ihrer Verantwortung."Das zeigt die Ausstellung, die bereits in mehreren großen deutschen Städten zu sehen war und dank der bevorstehenden Woche der Brüderlichkeit auch nach Minden gekommen ist. Die Historikerin Dr. Susanne Kill erinnert an das Zustandekommen. Den Anstoß gab das bekannte französische Paar Beate und Serge Klarsfeld, die auf die Verbrechen von Nazis wie Klaus Barbie aufmerksam gemacht haben. Sie wiesen auch auf das Schicksal von 11000 Kindern hin, die aus Frankreich deportiert worden waren - darunter 900 in Deutschland geborene Kinder, die nach der Flucht ihrer Familien im Exil durch den Vorstoß der deutschen Truppen wieder in den Machtbereich der Nazis gelangten und in die Vernichtungslager kamen. Ihr Schicksal ist Teil der Ausstellung."Aber wir wollten nicht nur die Opfer zeigen", berichtet Kill. "In Deutschland muss man auch die Akteure zeigen." Und das tut die mit Unterstützung des Centrums Judaicum und des Deutschen Technikmuseums in Berlin erarbeitete Dokumentation: Sie benennt und zeigt zumindest die Spitzen der Reichsbahn, die sich ihre Dienstleistungen für die Henker und Folterer bezahlen ließ und darüber Buch führte.In Minden weist die Ausstellung eine Besonderheit auf. Neben den Schautafeln im ehemaligen Güterbahnhof und einem Medienturm mit Film- und Tondokumenten von Zeitzeugen steht ein "Gedeckter Güterwagen" auf dem Gleis, jener Typ, in dem Soldaten an die Front gebracht, aber auch Juden deportiert wurden - wie menschenunwürdig, verdeutlicht Werner Schütte. "Draußen ist der Waggon mit MT48 beschriftet, das heißt, er war für Militärtransporte mit 48 Mann gedacht." Bei den Deportationen in die Ghettos und Vernichtungslager seien aber bis zu 74 Personen darin zusammengepfercht worden - "ohne jegliche Hygiene".Nicht nur wegen der Kälte an diesem Abend läuft den Besuchern ein Frösteln über den Rücken, als Bernhard Speller, Kristin Blank sowie Werner und Ingrid Schütte die Namen von 194 Bürgern jüdischer Herkunft aus Minden und Umgebung verlesen, die deportiert und ermordet wurden.Bis zum 25. März Mittwoch und Samstag von 10 bis 16 Uhr, Sonntag von 11 bis 16 Uhr. Führungen nach Absprache auch an anderen Wochentagen. Anmeldung unter Telefon (0571) 580337 oder per Mail an: schuette-minden@web.de

Die Transporteure für die Mörder

Minden (mt). Ohne sie wäre der Massenmord an Millionen Menschen gar nicht zu bewältigen gewesen. Ohne die Reichsbahn und ihre Mitarbeiter hätten die Vernichtungslager im Osten weniger Nachschub erhalten. Daran erinnert die Ausstellung "Sonderzüge in den Tod".

74 Bahnplätze in den Tod: Der stellvertretende MEM-Vorsitzende Werner Schütte (Mitte) gab Erläuterungen zum Typ des "Gedeckten Güterwagens", bevor die Namen der deportierten und ermordeten Mindener Juden verlesen wurden. - © MT-Foto: Langenkämper
74 Bahnplätze in den Tod: Der stellvertretende MEM-Vorsitzende Werner Schütte (Mitte) gab Erläuterungen zum Typ des "Gedeckten Güterwagens", bevor die Namen der deportierten und ermordeten Mindener Juden verlesen wurden. - © MT-Foto: Langenkämper

Seit Mittwoch gastiert die kleine, aber hochinformative Wanderausstellung der Deutschen Bahn im Bahnhof Oberstadt. "Etwa drei Millionen Juden, Sinti und Roma sind per Bahn deportiert worden", nennt Pfarrer Bernhard Speller, Geschäftsführer der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ), eine erschreckende Zahl.

Schon 1985, auf einer Fahrt zum 150-jährigen Bestehen des Eisenbahnwesens in Deutschland, sei er mit der dunklen Seite in der Vergangenheit der Bahn konfrontiert worden, sagt der Bahn-Historiker Werner Schütte. "Junge Gewerkschafter verteilten Flugblätter, die darauf hinwiesen", erinnert sich der stellvertretende Vorsitzende der Mindener Museums-Eisenbahn (MEM). Ein Vierteljahrhundert später ist er froh, dass in der Konzernspitze ein Wandel eingetreten ist. "Die Bahn stellt sich ihrer Verantwortung."

Das zeigt die Ausstellung, die bereits in mehreren großen deutschen Städten zu sehen war und dank der bevorstehenden Woche der Brüderlichkeit auch nach Minden gekommen ist. Die Historikerin Dr. Susanne Kill erinnert an das Zustandekommen. Den Anstoß gab das bekannte französische Paar Beate und Serge Klarsfeld, die auf die Verbrechen von Nazis wie Klaus Barbie aufmerksam gemacht haben. Sie wiesen auch auf das Schicksal von 11000 Kindern hin, die aus Frankreich deportiert worden waren - darunter 900 in Deutschland geborene Kinder, die nach der Flucht ihrer Familien im Exil durch den Vorstoß der deutschen Truppen wieder in den Machtbereich der Nazis gelangten und in die Vernichtungslager kamen. Ihr Schicksal ist Teil der Ausstellung.

"Aber wir wollten nicht nur die Opfer zeigen", berichtet Kill. "In Deutschland muss man auch die Akteure zeigen." Und das tut die mit Unterstützung des Centrums Judaicum und des Deutschen Technikmuseums in Berlin erarbeitete Dokumentation: Sie benennt und zeigt zumindest die Spitzen der Reichsbahn, die sich ihre Dienstleistungen für die Henker und Folterer bezahlen ließ und darüber Buch führte.

In Minden weist die Ausstellung eine Besonderheit auf. Neben den Schautafeln im ehemaligen Güterbahnhof und einem Medienturm mit Film- und Tondokumenten von Zeitzeugen steht ein "Gedeckter Güterwagen" auf dem Gleis, jener Typ, in dem Soldaten an die Front gebracht, aber auch Juden deportiert wurden - wie menschenunwürdig, verdeutlicht Werner Schütte. "Draußen ist der Waggon mit MT48 beschriftet, das heißt, er war für Militärtransporte mit 48 Mann gedacht." Bei den Deportationen in die Ghettos und Vernichtungslager seien aber bis zu 74 Personen darin zusammengepfercht worden - "ohne jegliche Hygiene".

Nicht nur wegen der Kälte an diesem Abend läuft den Besuchern ein Frösteln über den Rücken, als Bernhard Speller, Kristin Blank sowie Werner und Ingrid Schütte die Namen von 194 Bürgern jüdischer Herkunft aus Minden und Umgebung verlesen, die deportiert und ermordet wurden.

Bis zum 25. März Mittwoch und Samstag von 10 bis 16 Uhr, Sonntag von 11 bis 16 Uhr. Führungen nach Absprache auch an anderen Wochentagen. Anmeldung unter Telefon (0571) 580337 oder per Mail an: schuette-minden@web.de

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