Die „Box der Schande“ füllt sich: Plastikverzicht ist ziemlich anstrengend Vasco Stemmer Minden. Ich sag es vorweg: Nein, es geht nicht ohne. Diese Erkenntnis habe ich bereits in meinen ersten drei vermeintlich plastikfreien Wochen gewonnen. Wobei das mit der Plastikfreiheit so ja auch gar nicht so ganz stimmt. Ich verzichte in der Fastenzeit nicht gänzlich auf Kunststoff, sondern versuche einfach nur keinen neuen Müll zu verursachen. Fast alle Grundnahrungsmittel, Snacks, Süßigkeiten sowie vieles, was sich im Badezimmer befindet, sind tabu – sofern sie nicht unverpackt zu bekommen sind. Und dabei kommen Fragen auf: Ist Plastik böse? Ist ein kompletter Verzicht realistisch und auch sinnvoll? Was kostet das Ganze? Plastik hat einen extrem schlechten Ruf. Es ist der Stoff, aus dem die stinkenden Müllinseln im Pazifik gemacht sind. Ein Synonym für Egoismus. Ein Symptom der Wegwerfgesellschaft und der „Geiz ist geil“-Mentalität. Soweit das allgemeine Bild. Mikroplastik steht zudem im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein, und so mancher Weichmacher gilt als krebserregend. Eigentlich ist doch der schön blöd, der diese Stoffe nicht ganz von der Einkaufsliste streicht und aus der Wohnung verbannt. Blöd, oder eben arm. Denn eine Sache zeigt sich recht deutlich: Nur wer es sich leisten kann, ist in der Lage, auf Plastik zu verzichten. Achtsamkeit beim Einkauf ist das A und O, wenn es darum geht, weniger Plastikmüll zu produzieren, findet Pina Rennegarbe von der Mindener Verbraucherzentrale: „Der erste Tipp ist, möglichst unverpackt einzukaufen oder zumindest weniger verpackt. Das geht gut bei Direktvermarktern oder auf dem Wochenmarkt.“ Ich bringe für das Experiment also gute Voraussetzungen mit, denn meine Frau und ich gehören ohnehin schon zur Ökofraktion: Wir kaufen unser Gemüse am Biostand auf dem Wochenmarkt – meist sogar regional und saisonal. Fleisch essen wir nie, tierische Produkte sind insgesamt zu etwa 98 Prozent von unserem Speiseplan gestrichen und nach Möglichkeit wird frisch gekocht. Wir sind es also gewohnt, darauf zu achten, was wir kaufen, und sind auch bereit, mehr Geld für unsere Lebensmittel zu bezahlen. Super: Wer es also ohnehin gewohnt ist, mehr über zwei Euro für eine Packung Nudeln auszugeben, der kann sich auch die Preise in einem Unverpackt-Laden eventuell entspannt anschauen und sogar bezahlen. Doch ich glaube, wer Grundsicherung bezieht, wird nicht bereit sein, acht Euro für ein Glas schwarze Hipsterzahnpasta auf den Tresen legen. Das bestätigt auch die Verbraucherschützerin: „Das Ganze wird viel aufwendiger, wenn man auch noch auf den Geldbeutel achten muss.“ Wer weniger Geld zur Verfügung hat, müsse die Angebote genauer prüfen und wahrscheinlich mehrere Läden aufsuchen. Das kostet eine Menge Zeit. Den Grund für den in meinen Augen unverschämt hohen Preis für die Zahnpasta erklärt Rennegarbe mit der vermutlich geringen Produktionsmenge. Das sei bei umweltfreundlicheren Produkten häufiger der Fall. Denn Massenfertigung ist immer billiger. Trotzdem sei die Ökobilanz von wohlhabenden Menschen meist schlechter, erklärt Rennegarbe. Das ergebe sich zum Beispiel durch Reisen, Autokäufe und einen deutlich höheren Energieverbrauch beim Wohnen. Denn reiche Menschen leben meist in deutlich größeren Wohneinheiten. Eigentlich ist Plastikverzicht das falsche Wort für das, was ich momentan tue. Ich wache ja nicht morgens auf und denke, dass ich jetzt richtig Bock auf ein Stück Plastik habe. In erster Linie lasse ich viele Produkte weg, die mir gut schmecken und mir dabei helfen, mich wohl zu fühlen. Das ist einerseits positiv, denn Junkfood macht zwar kurzzeitig ein gutes Gefühl, aber wirklich gut oder gesund ist es nicht. Die andere Seite ist, dass ich jetzt für Produkte, die nicht so schmecken, wie ich es gern hätte, mehr Geld ausgeben muss, als ich es gewohnt bin – und das, obwohl ich sowieso schon nicht an den Lebensmitteln spare. Ein gutes Beispiel ist vegane Wurst. Die Industriell gefertigten und in Plastik verpackten Versionen schmecken mir besser als die Alternative aus dem Unverpackt-Laden. Trotzdem bin ich froh dass es den Laden gibt, denn so komme ich unkompliziert an Nudeln, Reis, Müsli und andere trockene Produkte. Der Spaß hält sich da trotzdem in Grenzen. Dabei sei der ein wichtiger Faktor für ein nachhaltigeres Leben, erklärt die Verbraucherschützerin. Es sei wichtig, das eigene Konsumverhalten zu überdenken und eben auch Spaß am achtsamen Einkaufen zu entwickeln. „Man sollte schauen, was sich in den Alltag integrieren lässt.“ Ein Komplettverzicht sei hingegen oft überfordernd und der Motivation nicht zuträglich. Und genau da liegt, trotz aller guten Voraussetzungen, mein Dilemma. Denn ich verzichte ja nicht nur auf Plastik. Momentan komme ich mir manchmal vor wie in einem Kreislauf der Selbstgeißelung. Auch nach über eineinhalb Jahren als Nichtraucher fällt mir der Verzicht auf Tabak weiterhin total schwer. Sich zwischendurch mal ein Bonbon als Ersatzbefriedigung in den Mund zu stecken, ist ohne Müllproduktion noch schwieriger zu bewerkstelligen, als es für Veganer ohnehin schon der Fall ist. Zum Jahresbeginn hatte ich außerdem bereits für vier Wochen den Alkohol weggelassen. Es war an der Zeit, denn die dunklen Lockdown-Wochen hatten zur Folge, dass ich plötzlich deutlich mehr Grünglas zu entsorgen hatte als üblich. Das mag alles für meinen Körper gut sein, für mein Wohlbefinden ist es nicht immer der Hit. Dass ich im Moment auch noch weitgehend ohne Zucker unterwegs bin, kommt noch erschwerend hinzu. Komplett- und Mehrfachverzicht bremsen mich zuweilen aus. Und trotzdem: Solange sonst alles läuft, lässt sich das alles bewältigen. Es fühlt sich sogar gut an. Schließlich geht es hier um einen begrenzten Zeitraum und es gibt ja gute Gründe für den Verzicht. Außerdem kann ich mir selbstzufrieden auf die Schulter klopfen und sagen: „Da haste aber mal wieder was geschafft.“ Durchhaltevermögen! Hurra! Doch wenn es mal nicht glatt läuft, wird auch das Fasten schwieriger – oder sogar ganz unmöglich. Als das Experiment vor gut drei Wochen begonnen hatte, wurde unser Hund Monty schwer krank. Jeden Tag brauchte er Tabletten und eine Spritze. Produkte, die völlig undenkbar wären, ohne Einwegplastik. Als der arme Kerl dann starb, hätten wir uns gern etwas für die Seele gegönnt. Doch nur das ungesunde verarbeitete Zeug hätte uns helfen können. Und das steckt ja immer in Plastik. Also ging ich vor die Tür und steckte mir ein Zigarillo an. Das Päckchen hatte ich schon vor Beginn der Fastenzeit aufgemacht. Den schlechten Ruf von Plastik hält Holger von der Emde, geschäftsführender Gesellschafter beim Mindener Kunststoffunternehmen Ornamin für nicht gerechtfertigt. Seiner Meinung nach ist besonders eine unausgewogene Berichterstattung schuld an dem Negativimage. „Kunststoff gehört bei sinnvoller Nutzung zu den nachhaltigsten Materialien überhaupt, was auch durch viele Ökobilanzen bestätigt wird“, berichtet von der Emde. So sei die Verarbeitung energiesparender als zum Beispiel bei Glas und Porzellan und die Produkte seien oft länger nutzbar. Das Gewicht von Glasverpackung sei zudem ein Energiefresser im Transportsektor. Ein Beispiel dafür sei Joghurt und Milch. Das bestätigt auch Pina Rennegarbe: „Milchprodukte im Glas machen nur Sinn, wenn sie aus der Region kommen.“ Bessere Pfandsysteme und mehr Recycling halten sowohl der Plastikproduzent als auch die Verbraucherschützerin für wichtig, um der Umweltbelastung durch falsch entsorgten Plastikmüll Herr zu werden. Dass die Belastung existiert, bestreitet auch von der Emde nicht: „In Deutschland werden die Potenziale meines Erachtens nach nicht ausgeschöpft. Das Duale System führt der Müllverbrennung enorme Anteile an Kunststoffabfall zu.“ Die gesetzlichen Grenzwerte für ungesunde Stoffe halten sie für ausreichend. Sofern die Produkte sachgemäß verwendet werden. Beide plädieren insgesamt für einen achtsamen Umgang mit Kunststoffen. Dafür hat Pina Rennegarbe noch einen weiteren Tipp, der sich von jedem kostengünstig und bequem umsetzen lässt: „Am besten Leitungswasser trinken.“ So lassen sich viele PET-Flaschen einsparen. Ich bin in den letzten Wochen übrigens ein paar Mal schwach geworden. Den entstandenen Müll sammel ich in meiner „Box der Schande“. Mal sehen, wie voll diese Kiste zu Ostern ist. Das Fasten-Experiment Verzicht in einer ohnehin entbehrungsreichen Zeit – ist das überhaupt denkbar? Ja, sagen sechs Redakteurinnen und Redakteure des Mindener Tageblatts. Sieben Wochen lang leben sie wahlweise ohne Kaffee, ohne Shoppen, ohne Fernsehen, ohne Plastik, ohne tierische Produkte und (fast) ohne Handy. Werden sie die Zeit durchstehen oder irgendwann aufgeben? Und was wird das Weglassen so mancher Gewohnheit mit ihnen und ihrem Leben machen? Begleitet wird die Serie von Gesprächen mit Experten, die Hintergründe dazu liefern, warum ein Weniger im Leben ein Mehr bedeuten kann.

Die „Box der Schande“ füllt sich: Plastikverzicht ist ziemlich anstrengend

Es geht auch anders: Kunststoffe sind fast allgegenwärtig. Besonders in der Küche ist es schwer auf Plastik zu verzichten. In Unverpackt-Läden können mitgebrachte Gläser gefüllt werden. MT-Foto: Vasco Stemmer © qwd

Minden. Ich sag es vorweg: Nein, es geht nicht ohne. Diese Erkenntnis habe ich bereits in meinen ersten drei vermeintlich plastikfreien Wochen gewonnen. Wobei das mit der Plastikfreiheit so ja auch gar nicht so ganz stimmt. Ich verzichte in der Fastenzeit nicht gänzlich auf Kunststoff, sondern versuche einfach nur keinen neuen Müll zu verursachen. Fast alle Grundnahrungsmittel, Snacks, Süßigkeiten sowie vieles, was sich im Badezimmer befindet, sind tabu – sofern sie nicht unverpackt zu bekommen sind. Und dabei kommen Fragen auf: Ist Plastik böse? Ist ein kompletter Verzicht realistisch und auch sinnvoll? Was kostet das Ganze?

Plastik hat einen extrem schlechten Ruf. Es ist der Stoff, aus dem die stinkenden Müllinseln im Pazifik gemacht sind. Ein Synonym für Egoismus. Ein Symptom der Wegwerfgesellschaft und der „Geiz ist geil“-Mentalität. Soweit das allgemeine Bild. Mikroplastik steht zudem im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein, und so mancher Weichmacher gilt als krebserregend. Eigentlich ist doch der schön blöd, der diese Stoffe nicht ganz von der Einkaufsliste streicht und aus der Wohnung verbannt. Blöd, oder eben arm. Denn eine Sache zeigt sich recht deutlich: Nur wer es sich leisten kann, ist in der Lage, auf Plastik zu verzichten.

Achtsamkeit beim Einkauf ist das A und O, wenn es darum geht, weniger Plastikmüll zu produzieren, findet Pina Rennegarbe von der Mindener Verbraucherzentrale: „Der erste Tipp ist, möglichst unverpackt einzukaufen oder zumindest weniger verpackt. Das geht gut bei Direktvermarktern oder auf dem Wochenmarkt.“


Ich bringe für das Experiment also gute Voraussetzungen mit, denn meine Frau und ich gehören ohnehin schon zur Ökofraktion: Wir kaufen unser Gemüse am Biostand auf dem Wochenmarkt – meist sogar regional und saisonal. Fleisch essen wir nie, tierische Produkte sind insgesamt zu etwa 98 Prozent von unserem Speiseplan gestrichen und nach Möglichkeit wird frisch gekocht. Wir sind es also gewohnt, darauf zu achten, was wir kaufen, und sind auch bereit, mehr Geld für unsere Lebensmittel zu bezahlen.

Super: Wer es also ohnehin gewohnt ist, mehr über zwei Euro für eine Packung Nudeln auszugeben, der kann sich auch die Preise in einem Unverpackt-Laden eventuell entspannt anschauen und sogar bezahlen. Doch ich glaube, wer Grundsicherung bezieht, wird nicht bereit sein, acht Euro für ein Glas schwarze Hipsterzahnpasta auf den Tresen legen.

Das bestätigt auch die Verbraucherschützerin: „Das Ganze wird viel aufwendiger, wenn man auch noch auf den Geldbeutel achten muss.“ Wer weniger Geld zur Verfügung hat, müsse die Angebote genauer prüfen und wahrscheinlich mehrere Läden aufsuchen. Das kostet eine Menge Zeit. Den Grund für den in meinen Augen unverschämt hohen Preis für die Zahnpasta erklärt Rennegarbe mit der vermutlich geringen Produktionsmenge. Das sei bei umweltfreundlicheren Produkten häufiger der Fall. Denn Massenfertigung ist immer billiger.

Trotzdem sei die Ökobilanz von wohlhabenden Menschen meist schlechter, erklärt Rennegarbe. Das ergebe sich zum Beispiel durch Reisen, Autokäufe und einen deutlich höheren Energieverbrauch beim Wohnen. Denn reiche Menschen leben meist in deutlich größeren Wohneinheiten.

Eigentlich ist Plastikverzicht das falsche Wort für das, was ich momentan tue. Ich wache ja nicht morgens auf und denke, dass ich jetzt richtig Bock auf ein Stück Plastik habe. In erster Linie lasse ich viele Produkte weg, die mir gut schmecken und mir dabei helfen, mich wohl zu fühlen. Das ist einerseits positiv, denn Junkfood macht zwar kurzzeitig ein gutes Gefühl, aber wirklich gut oder gesund ist es nicht.

Die andere Seite ist, dass ich jetzt für Produkte, die nicht so schmecken, wie ich es gern hätte, mehr Geld ausgeben muss, als ich es gewohnt bin – und das, obwohl ich sowieso schon nicht an den Lebensmitteln spare. Ein gutes Beispiel ist vegane Wurst. Die Industriell gefertigten und in Plastik verpackten Versionen schmecken mir besser als die Alternative aus dem Unverpackt-Laden. Trotzdem bin ich froh dass es den Laden gibt, denn so komme ich unkompliziert an Nudeln, Reis, Müsli und andere trockene Produkte. Der Spaß hält sich da trotzdem in Grenzen.

Dabei sei der ein wichtiger Faktor für ein nachhaltigeres Leben, erklärt die Verbraucherschützerin. Es sei wichtig, das eigene Konsumverhalten zu überdenken und eben auch Spaß am achtsamen Einkaufen zu entwickeln. „Man sollte schauen, was sich in den Alltag integrieren lässt.“ Ein Komplettverzicht sei hingegen oft überfordernd und der Motivation nicht zuträglich. Und genau da liegt, trotz aller guten Voraussetzungen, mein Dilemma. Denn ich verzichte ja nicht nur auf Plastik.

Momentan komme ich mir manchmal vor wie in einem Kreislauf der Selbstgeißelung. Auch nach über eineinhalb Jahren als Nichtraucher fällt mir der Verzicht auf Tabak weiterhin total schwer. Sich zwischendurch mal ein Bonbon als Ersatzbefriedigung in den Mund zu stecken, ist ohne Müllproduktion noch schwieriger zu bewerkstelligen, als es für Veganer ohnehin schon der Fall ist.

Zum Jahresbeginn hatte ich außerdem bereits für vier Wochen den Alkohol weggelassen. Es war an der Zeit, denn die dunklen Lockdown-Wochen hatten zur Folge, dass ich plötzlich deutlich mehr Grünglas zu entsorgen hatte als üblich. Das mag alles für meinen Körper gut sein, für mein Wohlbefinden ist es nicht immer der Hit. Dass ich im Moment auch noch weitgehend ohne Zucker unterwegs bin, kommt noch erschwerend hinzu. Komplett- und Mehrfachverzicht bremsen mich zuweilen aus.

Und trotzdem: Solange sonst alles läuft, lässt sich das alles bewältigen. Es fühlt sich sogar gut an. Schließlich geht es hier um einen begrenzten Zeitraum und es gibt ja gute Gründe für den Verzicht. Außerdem kann ich mir selbstzufrieden auf die Schulter klopfen und sagen: „Da haste aber mal wieder was geschafft.“ Durchhaltevermögen! Hurra!

Doch wenn es mal nicht glatt läuft, wird auch das Fasten schwieriger – oder sogar ganz unmöglich. Als das Experiment vor gut drei Wochen begonnen hatte, wurde unser Hund Monty schwer krank. Jeden Tag brauchte er Tabletten und eine Spritze. Produkte, die völlig undenkbar wären, ohne Einwegplastik. Als der arme Kerl dann starb, hätten wir uns gern etwas für die Seele gegönnt. Doch nur das ungesunde verarbeitete Zeug hätte uns helfen können. Und das steckt ja immer in Plastik. Also ging ich vor die Tür und steckte mir ein Zigarillo an. Das Päckchen hatte ich schon vor Beginn der Fastenzeit aufgemacht.

Den schlechten Ruf von Plastik hält Holger von der Emde, geschäftsführender Gesellschafter beim Mindener Kunststoffunternehmen Ornamin für nicht gerechtfertigt. Seiner Meinung nach ist besonders eine unausgewogene Berichterstattung schuld an dem Negativimage. „Kunststoff gehört bei sinnvoller Nutzung zu den nachhaltigsten Materialien überhaupt, was auch durch viele Ökobilanzen bestätigt wird“, berichtet von der Emde. So sei die Verarbeitung energiesparender als zum Beispiel bei Glas und Porzellan und die Produkte seien oft länger nutzbar.

Das Gewicht von Glasverpackung sei zudem ein Energiefresser im Transportsektor. Ein Beispiel dafür sei Joghurt und Milch. Das bestätigt auch Pina Rennegarbe: „Milchprodukte im Glas machen nur Sinn, wenn sie aus der Region kommen.“

Bessere Pfandsysteme und mehr Recycling halten sowohl der Plastikproduzent als auch die Verbraucherschützerin für wichtig, um der Umweltbelastung durch falsch entsorgten Plastikmüll Herr zu werden. Dass die Belastung existiert, bestreitet auch von der Emde nicht: „In Deutschland werden die Potenziale meines Erachtens nach nicht ausgeschöpft. Das Duale System führt der Müllverbrennung enorme Anteile an Kunststoffabfall zu.“ Die gesetzlichen Grenzwerte für ungesunde Stoffe halten sie für ausreichend. Sofern die Produkte sachgemäß verwendet werden. Beide plädieren insgesamt für einen achtsamen Umgang mit Kunststoffen.

Dafür hat Pina Rennegarbe noch einen weiteren Tipp, der sich von jedem kostengünstig und bequem umsetzen lässt: „Am besten Leitungswasser trinken.“ So lassen sich viele PET-Flaschen einsparen.

Ich bin in den letzten Wochen übrigens ein paar Mal schwach geworden. Den entstandenen Müll sammel ich in meiner „Box der Schande“. Mal sehen, wie voll diese Kiste zu Ostern ist.

Das Fasten-Experiment

Verzicht in einer ohnehin entbehrungsreichen Zeit – ist das überhaupt denkbar? Ja, sagen sechs Redakteurinnen und Redakteure des Mindener Tageblatts. Sieben Wochen lang leben sie wahlweise ohne Kaffee, ohne Shoppen, ohne Fernsehen, ohne Plastik, ohne tierische Produkte und (fast) ohne Handy. Werden sie die Zeit durchstehen oder irgendwann aufgeben? Und was wird das Weglassen so mancher Gewohnheit mit ihnen und ihrem Leben machen? Begleitet wird die Serie von Gesprächen mit Experten, die Hintergründe dazu liefern, warum ein Weniger im Leben ein Mehr bedeuten kann.

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