Die Angst begleitet sie: So fühlen sich die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Minden Jan Lücking Minden. Wer bist du? Was bedeutet Judentum für dich? Diese und weitere Fragen hat Regisseurin Yael Reuveny 53 Menschen jüdischen Glaubens für eine Videoinstallation im Jüdischen Museum Berlin gestellt. Auszüge daraus wurden am Dienstag im Kino „Die Birke“ präsentiert. Reuveny, per Video aus Israel zugeschaltet, und Videokünstler Clemens Walter stellten sich den Fragen von Mindener Schülern. Unter dem Motto: „Mesubin – Gemeinsam an einem Tisch. Jüdisch sein in Deutschland.“ war eine Veranstaltung von Lingua zum Themenjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ in Kooperation mit dem Geschichtsverein und der Volkshochschule. Mesubin heißt so viel wie „versammelt sein“ und bezieht sich auf das Lied ‚Ma Nischtana‘, was zu Pessach im Kreise der Familie gesungen wird. Die Protagonisten der Videoinstallation waren ein Polizist, zwei Rabbiner, Kinder, Rentner, Mütter, ein Karnevalist, mehrere Homosexuelle – viele unterschiedliche Persönlichkeiten mit einer Gemeinsamkeit: dem jüdischen Glauben. In ihren Zitaten kam auch zum Ausdruck, dass Juden in Deutschland Angst haben ihre Religionszugehörigkeit offen auf der Straße zu zeigen. Die Diskussion mit den Schülern vom Rats- und Herdergymnasium startete Julia Raphaela Müller mit der Frage nach ihren Eindrücken. – Die Jugendlichen stellten fest, dass es viele verschiedene Meinungen gab, dass alle Protagonisten sehr individuell wirkten, aber durch den gemeinsamen Glauben miteinander verbunden waren. Clemens Walter und Yael Reuveny erklärten, dass sie die Absicht hatten, möglichst viele Menschen jüdischen Glaubens mit unterschiedlichen Sprachen, Nationalitäten und Berufen zu Wort kommen zu lassen. Sie wollten zeigen, wie Facettenreich das Judentum ist und wie unterschiedlich die einzelnen Protagonisten sind. Julia Raphaela Müller brachte Harald Scheurenberg, den langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Minden, in die Diskussionsrunde mit ein, indem sie ihn fragte, wie er das jüdische Leben in Minden beschreiben würde. Er erzählte, wie er über die Jahre den Kontakt zu den wenigen Menschen suchte, die in der der Zeit des Dritten Reiches den Menschen jüdischen Glaubens geholfen haben. „Das bringt einen dazu in der Welt nicht nur das Schlechte zu sehen, sondern auch das wenige Gute, dass es gegeben hat, zu fördern und auch meinen Kindern weiterzugeben“, sagt er. Die Jüdische Kultusgemeinde hat mit aktuell 90 Mitgliedern nur noch ein Zehntel der Mitglieder im Vergleich zur Zeit vor dem Nationalsozialismus. „Wir machen keine Vorwürfe, insbesondere nicht an die vorherige und auch nicht an die heutige Generation“, sagt Scheurenberg. Aber der Holocaust gehöre zur Geschichte Deutschlands und man müsse auf der ganzen Welt dafür sorgen, dass Hass keine Chance habe. „Der Angriff auf die Synagoge in Halle ist nicht spurlos an uns und unseren Gemeindemitgliedern vorbeigegangen“, sagt Harald Scheurenberg und schilderte in bewegenden Worten, wie sie ihren Kindern und Enkelkindern immer wieder erklären müssten, warum es Menschen gibt, die das Judentum so hassen, dass sie bereit sind, Juden zu töten. Hier sieht er auch die Schulen in der Verantwortung, Aufklärungsarbeit zu leisten. „Wir hier in Minden kennen natürlich Antisemitismus. Das ist traurig, aber das muss man einordnen können. Man steckt viel ein“, sagt der ehemalige Gemeindevorsitzende. Die Synagoge der Gemeinde wird derzeit auch von der Polizei überwacht. Harald Scheurenberg zeigte sich sehr besorgt darüber, dass diese Sicherheitsmaßnahme in Minden überhaupt notwendig ist.

Die Angst begleitet sie: So fühlen sich die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Minden

Jüdisches Leben haben Regisseurin Yael Reuveny (per Video zugeschaltet) und Videokünstler Clemens Walter in der Installation „Mesubin“ für das Jüdische Museum Berlin dokumentiert. Mit Julia Raphaela Müller (Kulturbüro) und Schülern vom Rats- und Herdergymnasium diskutieren sie in der Birke. MT-Foto: Jan Lücking © Jan Lücking

Minden. Wer bist du? Was bedeutet Judentum für dich? Diese und weitere Fragen hat Regisseurin Yael Reuveny 53 Menschen jüdischen Glaubens für eine Videoinstallation im Jüdischen Museum Berlin gestellt. Auszüge daraus wurden am Dienstag im Kino „Die Birke“ präsentiert. Reuveny, per Video aus Israel zugeschaltet, und Videokünstler Clemens Walter stellten sich den Fragen von Mindener Schülern.

Unter dem Motto: „Mesubin – Gemeinsam an einem Tisch. Jüdisch sein in Deutschland.“ war eine Veranstaltung von Lingua zum Themenjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ in Kooperation mit dem Geschichtsverein und der Volkshochschule.

Mesubin heißt so viel wie „versammelt sein“ und bezieht sich auf das Lied ‚Ma Nischtana‘, was zu Pessach im Kreise der Familie gesungen wird.


Die Protagonisten der Videoinstallation waren ein Polizist, zwei Rabbiner, Kinder, Rentner, Mütter, ein Karnevalist, mehrere Homosexuelle – viele unterschiedliche Persönlichkeiten mit einer Gemeinsamkeit: dem jüdischen Glauben. In ihren Zitaten kam auch zum Ausdruck, dass Juden in Deutschland Angst haben ihre Religionszugehörigkeit offen auf der Straße zu zeigen.

Die Diskussion mit den Schülern vom Rats- und Herdergymnasium startete Julia Raphaela Müller mit der Frage nach ihren Eindrücken. – Die Jugendlichen stellten fest, dass es viele verschiedene Meinungen gab, dass alle Protagonisten sehr individuell wirkten, aber durch den gemeinsamen Glauben miteinander verbunden waren.

Clemens Walter und Yael Reuveny erklärten, dass sie die Absicht hatten, möglichst viele Menschen jüdischen Glaubens mit unterschiedlichen Sprachen, Nationalitäten und Berufen zu Wort kommen zu lassen. Sie wollten zeigen, wie Facettenreich das Judentum ist und wie unterschiedlich die einzelnen Protagonisten sind.

Julia Raphaela Müller brachte Harald Scheurenberg, den langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Minden, in die Diskussionsrunde mit ein, indem sie ihn fragte, wie er das jüdische Leben in Minden beschreiben würde. Er erzählte, wie er über die Jahre den Kontakt zu den wenigen Menschen suchte, die in der der Zeit des Dritten Reiches den Menschen jüdischen Glaubens geholfen haben. „Das bringt einen dazu in der Welt nicht nur das Schlechte zu sehen, sondern auch das wenige Gute, dass es gegeben hat, zu fördern und auch meinen Kindern weiterzugeben“, sagt er.

Die Jüdische Kultusgemeinde hat mit aktuell 90 Mitgliedern nur noch ein Zehntel der Mitglieder im Vergleich zur Zeit vor dem Nationalsozialismus. „Wir machen keine Vorwürfe, insbesondere nicht an die vorherige und auch nicht an die heutige Generation“, sagt Scheurenberg. Aber der Holocaust gehöre zur Geschichte Deutschlands und man müsse auf der ganzen Welt dafür sorgen, dass Hass keine Chance habe.

„Der Angriff auf die Synagoge in Halle ist nicht spurlos an uns und unseren Gemeindemitgliedern vorbeigegangen“, sagt Harald Scheurenberg und schilderte in bewegenden Worten, wie sie ihren Kindern und Enkelkindern immer wieder erklären müssten, warum es Menschen gibt, die das Judentum so hassen, dass sie bereit sind, Juden zu töten. Hier sieht er auch die Schulen in der Verantwortung, Aufklärungsarbeit zu leisten.

„Wir hier in Minden kennen natürlich Antisemitismus. Das ist traurig, aber das muss man einordnen können. Man steckt viel ein“, sagt der ehemalige Gemeindevorsitzende. Die Synagoge der Gemeinde wird derzeit auch von der Polizei überwacht. Harald Scheurenberg zeigte sich sehr besorgt darüber, dass diese Sicherheitsmaßnahme in Minden überhaupt notwendig ist.

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