Der zweite Anlauf: CDU-Kandidat Oliver Vogt möchte die „starke Stimme der Region“ in Berlin werden Kirsten Tirre Espelkamp/Minden. „Einer von hier – Einer von uns – Einer für Berlin“. So steht es auf dem Wahlplakat von Oliver Vogt. Dass er mit der Region verwurzelt ist, das ist etwas, womit der Kandidat der CDU im Wahlkreis Minden-Lübbecke I punkten möchte. Vor vier Jahren verpasste der 44-Jährige knapp den direkten Einzug in den Bundestag. Enttäuschung, Selbstzweifel, ja die gab es. Jetzt nimmt der Espelkamper einen zweiten Anlauf. Doch um die Menschen im Mühlenkreis als Abgeordneter in Berlin zu vertreten, braucht er ein Direktmandat, „denn mit Listenplatz 19 wäre für mich ein Einzug in den Bundestag jenseits aller Träumerei“, sagt Vogt. Es sei gut, wenn Minden-Lübbecke mit möglichst vielen Abgeordneten in Berlin vertreten sei. Vogt erinnert an Zeiten, als mit Steffen Kampeter (CDU), Lothar Ibrügger (SPD) und Günter Nolting (FDP) ein Trio für den Mühlenkreis gearbeitet habe. Zu seinem Mitbewerber, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Achim Post, habe er einen freundschaftlichen Draht. Wie Vogt kommt auch Post aus Espelkamp, lebt aber in Berlin. Vogt spielt im Wahlkampf bewusst die „Lokalkarte“. Er verstehe sich als „starke Stimme für die Region“. Der 44-Jährige wohnt seit seiner Jugend in der „Industriestadt im Grünen“ und würde als Bundestagsabgeordneter in seinem Wahlkreis wohnen bleiben wollen. Gebürtig kommt Vogt aus Neuhaus am Rennweg in Thüringen. Nach der Wende fand die Familie eine neue Heimat in Espelkamp. Der Vater hatte zu DDR-Zeiten beruflich Kontakte in den Westen – auch zur Firma Aumann in Espelkamp. Später musste die Familie erfahren, dass sie von der Stasi bespitzelt wurde. „Wenn wir beim Nachbarn zum Grillen waren, lief im Schuppen ein Tonband mit.“ Dass Bundeskanzler Helmut Kohl 1989/90 die historische Chance beim Schopf packte und die richtungsweisende Entscheidung für die Deutsche Einheit getroffen habe, dafür habe er ihn bewundert. Wobei sein eigentliches politisches Vorbild Wolfgang Schäuble ist. Es sei beeindruckend, wie sich Schäuble für die Partei und das Land eingesetzt habe. Parteipolitischen Einsatz, den kennt auch Oliver Vogt gut. Seit 1999 ist er für die CDU im Espelkamper Rat, er ist Kreistagsmitglied und CDU-Kreisvorsitzender. Mit 21 Jahren stand für ihn fest, dass er in die Politik will. Er entschied sich für die Christdemokraten, weil er sich mit den werteorientierten Grundsätzen der Partei am meisten identifizieren konnte. Er sei ein konservativ denkender Mensch, dem Traditionen wichtig seien. Das habe aber nichts mit Beharren zu tun. Im Gegenteil. Vieles auf Bundesebene geht ihm zu langsam. Politik und Verwaltung seien in ihren Entscheidungsprozessen häufig zu bürokratisch und starr. Das habe auch die Corona-Krise gezeigt. Jetzt gelte es die Lehren zu ziehen und aufzuholen: in der Digitalisierung, der Bildungspolitik sowie im Pflege- und Gesundheitswesen. Aber auch in der Klimapolitik. Als Physiker wisse er um die Folgen des Klimawandels. „Wir müssen viel mehr in die Forschung und neue Technologien zum Klimaschutz investieren, auch damit wir künftig nicht in die Abhängigkeit anderer Länder geraten.“ Vieles könnte schneller und pragmatischer gehen. Beispiel Breitbandausbau: „Seit fünf Jahren reden wir über den Masterplan des Kreises. Der Bund hätte mehr Mittel zur Unterstützung der Kommunen in die Hand nehmen müssen und auch das grundgesetzliche Kooperationsverbot gehört abgeschafft.“ Der ländliche Raum komme immer erst an zweiter Stelle, kritisiert Vogt. Ihm ist wichtig, dass OWL als Wirtschaftsstandort und der Mühlenkreis nicht abgehängt werden. Planungssicherheit und Anerkennung für die Landwirtschaft liegen ihm am Herzen, denn diese leiste im Mühlenkreis einen großen Beitrag für Wirtschaft und Kulturpflege. Viele kleine und mittlere Betriebe seien zum Aufgeben gezwungen. Hier brauche es dringend Korrekturmaßnahmen durch die Politik, etwa eine Direktfinanzierung, die sich nicht über die Fläche bemesse, und eine Abkehr von der Monopolstellung der großen Handelsketten. Weiteres Problem: der Nahverkehr. „Es kann nicht sein, dass ich eine Übernachtung in Lübbecke buchen muss, wenn ich von Stemwede nach Minden möchte“, macht er überspitzt Mängel deutlich. Beim Thema Mobilität müsse viel mehr über „On-demand-Verkehr“ nachgedacht werden, stillgelegte Bahnstrecken müssten reaktiviert werden. Was den Ausbau des Schienennetzes betreffe, gebe es in der Region deutlich mehr Potenzial. Viel Freizeit bleibt Oliver Vogt zwischen seiner Lehrertätigkeit am Mindener Besselgymnasium und politischen Ämtern nicht. Die Schiedsrichterpfeife hat der Ehrenpräsident des FC Preußen Espelkamp aus Zeitgründen schon vor geraumer Zeit zur Seite gelegt. Das Miteinander auf den Sportplätzen vermisse er schon, sagt der 44-Jährige, dem auch die Förderung des Vereinswesens wichtig ist. Sieben Tage die Woche sei er im Wahlkampf im Kreis unterwegs gewesen, um mit den Menschen zu reden und zu hören, was sie bewegt. Auch die Leute, die wenig haben, kann er gut verstehen: Er verlor in der Wirtschaftskrise 2008/2009 seinen ersten Job nach dem Studium und war als arbeitsuchender Doktor der Physik auf Hartz IV angewiesen. An der Haustür führt Oliver Vogt häufig auch Diskussionen über Corona. Da vertritt er eine klare Meinung: Niemand müsse sich impfen lassen. Er wirbt aber aus absoluter Überzeugung für das Impfen: „Das ist unser wichtigstes Mittel im Kampf gegen die Pandemie.“ Und wenn es mit dem Ticket nach Berlin wieder nicht klappt? „Ich bin und bleibe ein politischer Mensch und würde weiter kommunalpolitisch aktiv bleiben.“

Der zweite Anlauf: CDU-Kandidat Oliver Vogt möchte die „starke Stimme der Region“ in Berlin werden

Oliver Vogt vor dem Espelkamper Rathaus. Das steht für seine Heimatstadt, aber auch für sein kommunalpolitisches Wirken. Bereits mit 22 Jahren zog der Christdemokrat 1999 in den Rat der Stadt ein. Foto: Heike von Schulz © Heike von Schulz

Espelkamp/Minden. „Einer von hier – Einer von uns – Einer für Berlin“. So steht es auf dem Wahlplakat von Oliver Vogt. Dass er mit der Region verwurzelt ist, das ist etwas, womit der Kandidat der CDU im Wahlkreis Minden-Lübbecke I punkten möchte. Vor vier Jahren verpasste der 44-Jährige knapp den direkten Einzug in den Bundestag. Enttäuschung, Selbstzweifel, ja die gab es. Jetzt nimmt der Espelkamper einen zweiten Anlauf. Doch um die Menschen im Mühlenkreis als Abgeordneter in Berlin zu vertreten, braucht er ein Direktmandat, „denn mit Listenplatz 19 wäre für mich ein Einzug in den Bundestag jenseits aller Träumerei“, sagt Vogt.

Es sei gut, wenn Minden-Lübbecke mit möglichst vielen Abgeordneten in Berlin vertreten sei. Vogt erinnert an Zeiten, als mit Steffen Kampeter (CDU), Lothar Ibrügger (SPD) und Günter Nolting (FDP) ein Trio für den Mühlenkreis gearbeitet habe. Zu seinem Mitbewerber, dem SPD-Bundestagsabgeordneten Achim Post, habe er einen freundschaftlichen Draht. Wie Vogt kommt auch Post aus Espelkamp, lebt aber in Berlin. Vogt spielt im Wahlkampf bewusst die „Lokalkarte“. Er verstehe sich als „starke Stimme für die Region“.

Der 44-Jährige wohnt seit seiner Jugend in der „Industriestadt im Grünen“ und würde als Bundestagsabgeordneter in seinem Wahlkreis wohnen bleiben wollen. Gebürtig kommt Vogt aus Neuhaus am Rennweg in Thüringen. Nach der Wende fand die Familie eine neue Heimat in Espelkamp. Der Vater hatte zu DDR-Zeiten beruflich Kontakte in den Westen – auch zur Firma Aumann in Espelkamp. Später musste die Familie erfahren, dass sie von der Stasi bespitzelt wurde. „Wenn wir beim Nachbarn zum Grillen waren, lief im Schuppen ein Tonband mit.“ Dass Bundeskanzler Helmut Kohl 1989/90 die historische Chance beim Schopf packte und die richtungsweisende Entscheidung für die Deutsche Einheit getroffen habe, dafür habe er ihn bewundert. Wobei sein eigentliches politisches Vorbild Wolfgang Schäuble ist. Es sei beeindruckend, wie sich Schäuble für die Partei und das Land eingesetzt habe.


Parteipolitischen Einsatz, den kennt auch Oliver Vogt gut. Seit 1999 ist er für die CDU im Espelkamper Rat, er ist Kreistagsmitglied und CDU-Kreisvorsitzender. Mit 21 Jahren stand für ihn fest, dass er in die Politik will. Er entschied sich für die Christdemokraten, weil er sich mit den werteorientierten Grundsätzen der Partei am meisten identifizieren konnte. Er sei ein konservativ denkender Mensch, dem Traditionen wichtig seien. Das habe aber nichts mit Beharren zu tun. Im Gegenteil. Vieles auf Bundesebene geht ihm zu langsam. Politik und Verwaltung seien in ihren Entscheidungsprozessen häufig zu bürokratisch und starr. Das habe auch die Corona-Krise gezeigt. Jetzt gelte es die Lehren zu ziehen und aufzuholen: in der Digitalisierung, der Bildungspolitik sowie im Pflege- und Gesundheitswesen. Aber auch in der Klimapolitik. Als Physiker wisse er um die Folgen des Klimawandels. „Wir müssen viel mehr in die Forschung und neue Technologien zum Klimaschutz investieren, auch damit wir künftig nicht in die Abhängigkeit anderer Länder geraten.“

Vieles könnte schneller und pragmatischer gehen. Beispiel Breitbandausbau: „Seit fünf Jahren reden wir über den Masterplan des Kreises. Der Bund hätte mehr Mittel zur Unterstützung der Kommunen in die Hand nehmen müssen und auch das grundgesetzliche Kooperationsverbot gehört abgeschafft.“ Der ländliche Raum komme immer erst an zweiter Stelle, kritisiert Vogt. Ihm ist wichtig, dass OWL als Wirtschaftsstandort und der Mühlenkreis nicht abgehängt werden. Planungssicherheit und Anerkennung für die Landwirtschaft liegen ihm am Herzen, denn diese leiste im Mühlenkreis einen großen Beitrag für Wirtschaft und Kulturpflege. Viele kleine und mittlere Betriebe seien zum Aufgeben gezwungen. Hier brauche es dringend Korrekturmaßnahmen durch die Politik, etwa eine Direktfinanzierung, die sich nicht über die Fläche bemesse, und eine Abkehr von der Monopolstellung der großen Handelsketten. Weiteres Problem: der Nahverkehr. „Es kann nicht sein, dass ich eine Übernachtung in Lübbecke buchen muss, wenn ich von Stemwede nach Minden möchte“, macht er überspitzt Mängel deutlich. Beim Thema Mobilität müsse viel mehr über „On-demand-Verkehr“ nachgedacht werden, stillgelegte Bahnstrecken müssten reaktiviert werden. Was den Ausbau des Schienennetzes betreffe, gebe es in der Region deutlich mehr Potenzial.

Viel Freizeit bleibt Oliver Vogt zwischen seiner Lehrertätigkeit am Mindener Besselgymnasium und politischen Ämtern nicht. Die Schiedsrichterpfeife hat der Ehrenpräsident des FC Preußen Espelkamp aus Zeitgründen schon vor geraumer Zeit zur Seite gelegt. Das Miteinander auf den Sportplätzen vermisse er schon, sagt der 44-Jährige, dem auch die Förderung des Vereinswesens wichtig ist.

Sieben Tage die Woche sei er im Wahlkampf im Kreis unterwegs gewesen, um mit den Menschen zu reden und zu hören, was sie bewegt. Auch die Leute, die wenig haben, kann er gut verstehen: Er verlor in der Wirtschaftskrise 2008/2009 seinen ersten Job nach dem Studium und war als arbeitsuchender Doktor der Physik auf Hartz IV angewiesen. An der Haustür führt Oliver Vogt häufig auch Diskussionen über Corona. Da vertritt er eine klare Meinung: Niemand müsse sich impfen lassen. Er wirbt aber aus absoluter Überzeugung für das Impfen: „Das ist unser wichtigstes Mittel im Kampf gegen die Pandemie.“

Und wenn es mit dem Ticket nach Berlin wieder nicht klappt? „Ich bin und bleibe ein politischer Mensch und würde weiter kommunalpolitisch aktiv bleiben.“

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