Der belgische Gitarrist Philip Catherine gibt im Jazz Club das erste Konzert seit langem Kerstin Rickert Minden. „Aufgeregt, es ist einfach schön“, beschreibt Matthias Niemann, was er fühlt, als er die Konzert-Saison im Jazz Club Minden eröffnet. Zum ersten Mal seit anderthalb Jahren steht der Club-Vorsitzende wieder vor Publikum auf der regulären Bühne in den Kellerräumen am Königswall. In den folgenden zweieinhalb Stunden bereiten der legendäre Jazz-Gitarrist Philip Catherine, Pianist Nicola Andrioli und Kontrabassist Sven Faller rund fünfzig Besuchern einen glänzenden Neustart. Es fühlt sich fast so an wie früher. Vor der Bühne sitzen Menschen an Tischen und erleben ein Live-Konzert. Ein paar Leute stehen im Gang und wippen mit den Köpfen. Die einzige Voraussetzung, die sie alle erfüllen mussten, ist, geimpft oder genesen zu sein. Das gilt auch für die Musiker. Die machen es den Besuchern leicht, sich entspannt zurückzulehnen – allen voran Philip Catherine. Der 78-jährige Belgier hat es sich auf einem Stuhl in der Bühnenmitte gemütlich gemacht. Sein rechter Oberschenkel stützt den Korpus seiner sechssaitigen Westerngitarre, Marke Gibson. Der Mann strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Eigenschaften, die auch seine Musik bei aller Komplexität immer unangestrengt herüberkommen lässt. Catherine ist ein hochvirtuoser Meister auf seinem Instrument, und es wirkt, als koste er jede einzelne Note in vollen Zügen aus. Und er versteht es obendrein, sein Publikum mit seiner humorvollen Art bestens zu unterhalten. Wie er dasitzt und seine Gitarre mit dem rechten Arm von oben liebevoll umgreift, um die Stahlsaiten zum Klingen zu bringen, hat etwas Magisches. Ton für Ton scheint seinen Körper zu durchfließen. Seine Füße wippen im Takt, und sein Oberkörper tanzt zu den Klängen, die seine Hände aus den Saiten hervorzaubern. Immer wieder schließt Philip Catherine genüsslich die Augen, beugt sich vor, als wolle er in seine Gitarre hineinkriechen, und lehnt sich mit einem Ausdruck völliger Entrücktheit wieder zurück. Philip Catherine lebt das, was er tut. Sven Faller am Kontrabass und Nicola Andrioli am Piano sind ihm ebenso verlässliche wie kongeniale Begleiter. Vor allem der Italiener an den Tasten ruft mit seiner ebenso meisterhaften wie einfühlsamen Spielweise immer wieder Begeisterung hervor – beim Publikum und auch bei Catherine, der ihn mit den Worten „Ich bin heute sehr beeindruckt vom Piano“ als „neuen Chopin“ bezeichnet. Die Stücke, die Catherine für diesen Abend ausgewählt hat, gewähren intime Einblicke in seine musikalischen Inspirationen. Neben Reminiszenzen an einige seiner Weggefährten wie den legendären US-Kontrabassisten Charles Mingus („Father Christmas“) und den Jazzpianisten George Shearing („Hello George“) kommt darin Catherines Familie eine bedeutende Rolle zu. Seiner Tochter Louisanne Ella widmet er den Song „Louisella“. Mit „Letter from my Mother“ dankt er seiner verstorbenen Mutter für den Einfluss, den sie auf seine Musik gehabt habe. „Es war zu spät, es ihr zu sagen“, sagt der 78-Jährige über den bewegenden Song. Zu jeder seiner Kompositionen gibt es eine Geschichte. Die ist manchmal ganz banal: Das temporeiche Stück „Piano Grooves“ etwa heißt so, weil Catherine es am Piano komponiert hat. Oft sind es aber auch besondere Erlebnisse, die ihn inspirieren. So wie jenes, als sein Arzt ihm vor drei Jahren gesagt habe, er trinke zu viel Kaffee. Nachdem seine Frau ihm dann zum 75. Geburtstag eine Box mit sieben Tee-Sorten geschenkt habe, sei „Seven Teas“ entstanden. Beruhigend, erfrischend und anregend zugleich wirkt die musikalische Umsetzung. Was Philip Catherine auch auszeichnet, sind seine Vielseitigkeit und die Klangfülle, die er erzeugt. Voller Wärme ist sein Ton, klar und in bestem Sinne schnörkellos sein Stil. In Kombination mit den herzerwärmenden Anekdoten, die er erzählt, ein echter Genuss.

Der belgische Gitarrist Philip Catherine gibt im Jazz Club das erste Konzert seit langem

Philip Caherine Jazz Club © Kerstin Rickert

Minden. „Aufgeregt, es ist einfach schön“, beschreibt Matthias Niemann, was er fühlt, als er die Konzert-Saison im Jazz Club Minden eröffnet. Zum ersten Mal seit anderthalb Jahren steht der Club-Vorsitzende wieder vor Publikum auf der regulären Bühne in den Kellerräumen am Königswall. In den folgenden zweieinhalb Stunden bereiten der legendäre Jazz-Gitarrist Philip Catherine, Pianist Nicola Andrioli und Kontrabassist Sven Faller rund fünfzig Besuchern einen glänzenden Neustart.

Es fühlt sich fast so an wie früher. Vor der Bühne sitzen Menschen an Tischen und erleben ein Live-Konzert. Ein paar Leute stehen im Gang und wippen mit den Köpfen. Die einzige Voraussetzung, die sie alle erfüllen mussten, ist, geimpft oder genesen zu sein. Das gilt auch für die Musiker. Die machen es den Besuchern leicht, sich entspannt zurückzulehnen – allen voran Philip Catherine. Der 78-jährige Belgier hat es sich auf einem Stuhl in der Bühnenmitte gemütlich gemacht. Sein rechter Oberschenkel stützt den Korpus seiner sechssaitigen Westerngitarre, Marke Gibson. Der Mann strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Eigenschaften, die auch seine Musik bei aller Komplexität immer unangestrengt herüberkommen lässt. Catherine ist ein hochvirtuoser Meister auf seinem Instrument, und es wirkt, als koste er jede einzelne Note in vollen Zügen aus. Und er versteht es obendrein, sein Publikum mit seiner humorvollen Art bestens zu unterhalten.

Wie er dasitzt und seine Gitarre mit dem rechten Arm von oben liebevoll umgreift, um die Stahlsaiten zum Klingen zu bringen, hat etwas Magisches. Ton für Ton scheint seinen Körper zu durchfließen. Seine Füße wippen im Takt, und sein Oberkörper tanzt zu den Klängen, die seine Hände aus den Saiten hervorzaubern. Immer wieder schließt Philip Catherine genüsslich die Augen, beugt sich vor, als wolle er in seine Gitarre hineinkriechen, und lehnt sich mit einem Ausdruck völliger Entrücktheit wieder zurück.


Philip Catherine lebt das, was er tut. Sven Faller am Kontrabass und Nicola Andrioli am Piano sind ihm ebenso verlässliche wie kongeniale Begleiter. Vor allem der Italiener an den Tasten ruft mit seiner ebenso meisterhaften wie einfühlsamen Spielweise immer wieder Begeisterung hervor – beim Publikum und auch bei Catherine, der ihn mit den Worten „Ich bin heute sehr beeindruckt vom Piano“ als „neuen Chopin“ bezeichnet.

Die Stücke, die Catherine für diesen Abend ausgewählt hat, gewähren intime Einblicke in seine musikalischen Inspirationen. Neben Reminiszenzen an einige seiner Weggefährten wie den legendären US-Kontrabassisten Charles Mingus („Father Christmas“) und den Jazzpianisten George Shearing („Hello George“) kommt darin Catherines Familie eine bedeutende Rolle zu. Seiner Tochter Louisanne Ella widmet er den Song „Louisella“. Mit „Letter from my Mother“ dankt er seiner verstorbenen Mutter für den Einfluss, den sie auf seine Musik gehabt habe. „Es war zu spät, es ihr zu sagen“, sagt der 78-Jährige über den bewegenden Song.

Zu jeder seiner Kompositionen gibt es eine Geschichte. Die ist manchmal ganz banal: Das temporeiche Stück „Piano Grooves“ etwa heißt so, weil Catherine es am Piano komponiert hat. Oft sind es aber auch besondere Erlebnisse, die ihn inspirieren. So wie jenes, als sein Arzt ihm vor drei Jahren gesagt habe, er trinke zu viel Kaffee. Nachdem seine Frau ihm dann zum 75. Geburtstag eine Box mit sieben Tee-Sorten geschenkt habe, sei „Seven Teas“ entstanden. Beruhigend, erfrischend und anregend zugleich wirkt die musikalische Umsetzung. Was Philip Catherine auch auszeichnet, sind seine Vielseitigkeit und die Klangfülle, die er erzeugt. Voller Wärme ist sein Ton, klar und in bestem Sinne schnörkellos sein Stil. In Kombination mit den herzerwärmenden Anekdoten, die er erzählt, ein echter Genuss.

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