Der Vater des Mittellandkanals: 100. Todestag des Wasserbauingenieurs Leo Sympher Jürgen Langenkämper Minden. Vor 100 Jahren starb der Mann, dessen Name mehr mit der Anbindung Mindens an die großen Verkehrsströme verbunden ist als der jeder anderen Person. Am 16. Januar 1922 erlag Leo Sympher den Folgen eines Schlaganfalls. Der Wasserbauingenieur des preußischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten hatte die Weserbegradigung, ein System von Talsperren und das Kernstück eines Wasserweges vom Industriegebiet an Rhein und Ruhr nach Berlin, den heutigen Mittellandkanal, geplant und deren Bau vorangetrieben. Dreh- und Angelpunkt: das Wasserstraßenkreuz in Minden mit Schleusen und Pumpwerk. Leopold Arthur Sympher wurde am 19. Oktober 1854 in Blume an der Werra, seit 1918 Stadtteil von Hann. Münden, als ältester Sohn des Offiziers Arthur Hermann Sympher und dessen Frau Bernhardine Marie geb. Dröge geboren. Sein Elternhaus stand nahe der 1329 erbauten steinernen Werrabrücke.Sympher setzte die Familientradition einer Offizierskarriere fort, als er 1871 die Laufbahn eines Marineoffiziers einschlug. Trotz guter Prüfungen verließ er jedoch schon im Folgejahr wegen erhöhter Anforderungen an das Sehvermögen, die er offenbar nicht erfüllen konnte, die Marine und studierte in Hannover Bauingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Wasserbau. Nach Anstellungen in Elsaß-Lothringen, Ostpreußen und Ungarn war Sympher ab 1883 in der Bauabteilung des preußischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten tätig und war bei seiner Pensionierung am 1. April 1921 als Ministerial- und Oberbaudirektor deren letzter technischer Leiter bei der Überleitung der Aufgaben an das Reich.Schon bei den Vorarbeiten zum Bau des Dortmund-Ems-Kanals, der das Ruhrgebiet mit dem Seehafen Emden verband, bezog Sympher volks- und wasserwirtschaftliche Aspekte mit ein und nahm eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse im Vergleich von Wasserstraße zur Eisenbahn vor. Ab 1886 arbeitete er am Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals, des heutigen Nord-Ostsee-Kanals, und vor allem der 1895 fertiggestellten kleinen Doppelschleuse zur Ostsee in Kiel-Holtenau mit.Nach Stationen in Münster und Lüneburg, wo er bereits mit Plänen für einen Rhein-Weser-Elbe-Kanal befasst war, wurde Leo Sympher 1899 endgültig ins Ministerium nach Berlin berufen und erstellte bis 1905 verschiedene Wasserstraßenvorlagen für den preußischen Landtag. Wegen des Widerstands ostelbischer Agrarier, die die Konkurrenz billigen amerikanischen Getreides fürchteten, musste dabei die Oststrecke von Hannover bis zur Elbe zunächst ausgeklammert werden.Eine der größten technischen Herausforderungen war die Überleitung des Kanals über das Wesertal bei Minden. Die auf Jahrzehnte weltweit größte Kanalüberführung über einen Fluss wurde im Februar 1915 freigegeben. Parallel bemühte sich Sympher für den Ausbau der Weser zwischen Hameln und Bremen. Dazu wurden bis 1914 die Edertalsperre als damals größte ihrer Art in Deutschland und die erst 1923 fertiggestellte Diemeltalsperre gebaut. Auch die von ihm bereits mitkonzipierte Fortsetzung des Rhein-Hannover-Kanals bis zur Elbe konnte erst nach Symphers Tod erfolgen.Leo Sympher erlag vor 100 Jahren den Folgen eines kurz zuvor erlittenen Schlaganfalls. Noch einen Monat zuvor hatte er am 15. Dezember 1921 in Minden den Weserbund als dessen erster Vorsitzender mitgegründet.Schon 1916 war die Straße zwischen Schachtschleuse und Wasserstraßen- und Schiffartsamt nach ihm benannt worden. 1928 wurde ihm zu Ehren ein Gedenkstein errichtet, der seit 1977 am Schleusenvorhafen steht. 1998 erhielt das gewerbliche Berufskolleg Leo Symphers Namen.

Der Vater des Mittellandkanals: 100. Todestag des Wasserbauingenieurs Leo Sympher

Minden. Vor 100 Jahren starb der Mann, dessen Name mehr mit der Anbindung Mindens an die großen Verkehrsströme verbunden ist als der jeder anderen Person. Am 16. Januar 1922 erlag Leo Sympher den Folgen eines Schlaganfalls. Der Wasserbauingenieur des preußischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten hatte die Weserbegradigung, ein System von Talsperren und das Kernstück eines Wasserweges vom Industriegebiet an Rhein und Ruhr nach Berlin, den heutigen Mittellandkanal, geplant und deren Bau vorangetrieben. Dreh- und Angelpunkt: das Wasserstraßenkreuz in Minden mit Schleusen und Pumpwerk.

Starb vor 100 Jahren: Der Erbauer des Mittellandkanals, Leopold Arthur Sympher (1854-1922). Foto: LWL-Preußenmuseum - © LWL-Freußenmuseum
Starb vor 100 Jahren: Der Erbauer des Mittellandkanals, Leopold Arthur Sympher (1854-1922). Foto: LWL-Preußenmuseum - © LWL-Freußenmuseum

Leopold Arthur Sympher wurde am 19. Oktober 1854 in Blume an der Werra, seit 1918 Stadtteil von Hann. Münden, als ältester Sohn des Offiziers Arthur Hermann Sympher und dessen Frau Bernhardine Marie geb. Dröge geboren. Sein Elternhaus stand nahe der 1329 erbauten steinernen Werrabrücke.

Sympher setzte die Familientradition einer Offizierskarriere fort, als er 1871 die Laufbahn eines Marineoffiziers einschlug. Trotz guter Prüfungen verließ er jedoch schon im Folgejahr wegen erhöhter Anforderungen an das Sehvermögen, die er offenbar nicht erfüllen konnte, die Marine und studierte in Hannover Bauingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Wasserbau. Nach Anstellungen in Elsaß-Lothringen, Ostpreußen und Ungarn war Sympher ab 1883 in der Bauabteilung des preußischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten tätig und war bei seiner Pensionierung am 1. April 1921 als Ministerial- und Oberbaudirektor deren letzter technischer Leiter bei der Überleitung der Aufgaben an das Reich.

Schon bei den Vorarbeiten zum Bau des Dortmund-Ems-Kanals, der das Ruhrgebiet mit dem Seehafen Emden verband, bezog Sympher volks- und wasserwirtschaftliche Aspekte mit ein und nahm eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse im Vergleich von Wasserstraße zur Eisenbahn vor. Ab 1886 arbeitete er am Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals, des heutigen Nord-Ostsee-Kanals, und vor allem der 1895 fertiggestellten kleinen Doppelschleuse zur Ostsee in Kiel-Holtenau mit.

Nach Stationen in Münster und Lüneburg, wo er bereits mit Plänen für einen Rhein-Weser-Elbe-Kanal befasst war, wurde Leo Sympher 1899 endgültig ins Ministerium nach Berlin berufen und erstellte bis 1905 verschiedene Wasserstraßenvorlagen für den preußischen Landtag. Wegen des Widerstands ostelbischer Agrarier, die die Konkurrenz billigen amerikanischen Getreides fürchteten, musste dabei die Oststrecke von Hannover bis zur Elbe zunächst ausgeklammert werden.

Eine der größten technischen Herausforderungen war die Überleitung des Kanals über das Wesertal bei Minden. Die auf Jahrzehnte weltweit größte Kanalüberführung über einen Fluss wurde im Februar 1915 freigegeben. Parallel bemühte sich Sympher für den Ausbau der Weser zwischen Hameln und Bremen. Dazu wurden bis 1914 die Edertalsperre als damals größte ihrer Art in Deutschland und die erst 1923 fertiggestellte Diemeltalsperre gebaut. Auch die von ihm bereits mitkonzipierte Fortsetzung des Rhein-Hannover-Kanals bis zur Elbe konnte erst nach Symphers Tod erfolgen.

Leo Sympher erlag vor 100 Jahren den Folgen eines kurz zuvor erlittenen Schlaganfalls. Noch einen Monat zuvor hatte er am 15. Dezember 1921 in Minden den Weserbund als dessen erster Vorsitzender mitgegründet.

Schon 1916 war die Straße zwischen Schachtschleuse und Wasserstraßen- und Schiffartsamt nach ihm benannt worden. 1928 wurde ihm zu Ehren ein Gedenkstein errichtet, der seit 1977 am Schleusenvorhafen steht. 1998 erhielt das gewerbliche Berufskolleg Leo Symphers Namen.

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Patrick Schwemmling

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