Der Normal-Definierer: Sebastian Landwehr will für die AfD in den Bundestag einziehen Christine Riechmann Minden. Sebastian Landwehr mag es „normal" – normales Auto, normale Kleidung und ein normales Einfamilienhaus. So stellt sich der 32 Jahre alte AfD-Politiker das Leben vor. „Ich bin bodenständig, engagiert und heimatverbunden", beschreibt sich der Mindener Bundestagskandidat. Mit seinem Wahlkampfslogan „Minden-Lübbecke. Aber normal", der an die bundesweite AfD-Kampagne angelehnt ist, verkauft sich Landwehr als Durchschnittstyp von nebenan. In seiner Außenwirkung ist der blonde Verwaltungsangestellte ein geradezu idealtypischer Kandidat der Normal-Kampagne einer Partei, deren Thesen vielfach eher radikal als normal sind. Längst nicht jeder Kandidat der AfD lässt sich so gut mit dem Stempel „normal" vermarkten. Und die Grenzen des sogenannten Normalen definieren ja ohnehin immer jene, die sich in ihnen heimisch fühlen. Landwehr wählt seine Worte bedacht, mit denen er sein Weltbild vermitteln will. Ein Weltbild, das für ihn klar, einfach und eben normal zu sein scheint. Er poltert nicht und lächelt freundlich bemüht, wenn er zum Beispiel mit wenig Nachdruck bejaht, dass jeder lieben dürfe, wen er wolle. Er toleriere das, würde die gleichgeschlechtliche Liebe aber nicht befürworten. Die Ehe solle Mann und Frau vorbehalten sein. Genauso, wie jeder jeden lieben dürfe, müsse auch jeder Mensch glauben dürfen, was er wolle – nur nicht an den Islam. „Das ist für mich keine Religion, sondern eine Ideologie", sagt Landwehr und wird ein bisschen lauter. Auch solch eine Aussage und ihre Dimension gehört zum Spektrum seiner Normalität. Er ängstige sich vor einer Islamisierung in Deutschland. „Gerade auf dem Weg hat mich diese Angst erwischt", erzählt er: „Es ist schlimm, dass unsere Synagoge vor Anschlägen beschützt werden muss." Angst ist eine starke Emotion – auch bei Wählern. Und Angst ist eines der großen Themen des Sebastian Landwehr. Er sagt: „Wir leben in einer Angst- und Panikgesellschaft." Er selbst fürchte sich davor, dass „dieser Corona- und Klima-Wahnsinn" nicht aufhöre. Er persönlich wünsche sich seine Freiheit zurück und möchte wieder das machen können, was er will: „Das vermisse ich unter diesem enormen Regulierungswahnsinn sehr." Und so würden ihn die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf die Bevölkerung sehr beschäftigen. „Die Kinder sind die Leidtragenden und haben große Probleme", findet er. Die größte Aufgabe sei jetzt, das Verpasste wieder aufzuholen. Geboren und aufgewachsen in Minden, hat Landwehr sein Abitur auf dem Herder-Gymnasium gemacht. Heute lebt der AfD-Kreisvorsitzende in Minderheide, arbeitet im Niedersächsischen als Verwaltungsbeamter. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Politik und begeistert sich für den heimischen Handball. Auch, nachdem er aufgrund seiner parteipolitischen Aktivitäten als Hallensprecher bei GWD Minden ausscheiden musste, verfolgt er die Spiele des Bundesligisten. Mit seiner Freundin verreist er gerne, besonders mag Landwehr Kreuzfahrten, am liebsten in warme Regionen. Ein Traum sei die Karibik. Im Urlaub interessiere er sich für Land und Leute, die Kultur und Geschichte der Länder. Zur Politik ist Landwehr durch seinen Vater gekommen, der gewerkschaftlich organisiert und lange SPD-Mitglied war: „Und weil alle da waren, bin ich auch eingetreten." Dort habe er aber nie Ämter bekleidet. Erst 2013, während der europäischen Wirtschaftskrise, habe Landwehr das Gefühl gehabt, dass sich etwas ändern müsse. Da davon in der SPD aber niemand so recht etwas habe hören wollen und ihm die Idee der AfD gefiel, die Deutsche Mark zurückzuholen, sei er beigetreten. Seine Familie habe das neugierig verfolgt und ihn unterstützt. „Wenn man drei Mandate bekleidet, braucht man eine Familie, die hinter einem steht", sagt Landwehr. Heute hätten auch seine Eltern der SPD den Rücken gekehrt und würde mit der AfD sympathisieren. Er sagt, die Flüchtlingskrise und die Silvester-Nacht in Köln seien unter anderem für den Meinungswandel verantwortlich gewesen. Politik hat inzwischen einen hohen Stellenwert in Landwehrs Leben. Der Großteil seiner Freizeit ist davon geprägt. Davon, für Minden der richtige Bundestagskandidat zu sein, nachdem er bei der letzten Wahl bereits Bürgermeister werden wollte, wirkt Landwehr überzeugt: „Minden ist meine Heimat und hier möchte ich mich zu 100 Prozent engagieren." An Minden schätze er die grüne Umgebung und die relativ geringe Arbeitslosenquote. „Mit dem Campus hat Minden eine gute Zukunft", meint er. Probleme sieht Landwehr „in der hohen Verschuldung, den vielen kaputten Straßen und den zerstörten Parkanlagen".

Der Normal-Definierer: Sebastian Landwehr will für die AfD in den Bundestag einziehen

Sebastian Landwehr tritt für die AfD bei der Bundestagswahl an. MT-Foto: Alex Lehn

Minden. Sebastian Landwehr mag es „normal" – normales Auto, normale Kleidung und ein normales Einfamilienhaus. So stellt sich der 32 Jahre alte AfD-Politiker das Leben vor. „Ich bin bodenständig, engagiert und heimatverbunden", beschreibt sich der Mindener Bundestagskandidat.

Mit seinem Wahlkampfslogan „Minden-Lübbecke. Aber normal", der an die bundesweite AfD-Kampagne angelehnt ist, verkauft sich Landwehr als Durchschnittstyp von nebenan. In seiner Außenwirkung ist der blonde Verwaltungsangestellte ein geradezu idealtypischer Kandidat der Normal-Kampagne einer Partei, deren Thesen vielfach eher radikal als normal sind. Längst nicht jeder Kandidat der AfD lässt sich so gut mit dem Stempel „normal" vermarkten. Und die Grenzen des sogenannten Normalen definieren ja ohnehin immer jene, die sich in ihnen heimisch fühlen.

Landwehr wählt seine Worte bedacht, mit denen er sein Weltbild vermitteln will. Ein Weltbild, das für ihn klar, einfach und eben normal zu sein scheint. Er poltert nicht und lächelt freundlich bemüht, wenn er zum Beispiel mit wenig Nachdruck bejaht, dass jeder lieben dürfe, wen er wolle. Er toleriere das, würde die gleichgeschlechtliche Liebe aber nicht befürworten. Die Ehe solle Mann und Frau vorbehalten sein.

Malina Reckordt

Gendern bei MT - überflüssig oder überfällig?

Nehmen Sie jetzt an der Umfrage zum Thema Gendern teil

Genauso, wie jeder jeden lieben dürfe, müsse auch jeder Mensch glauben dürfen, was er wolle – nur nicht an den Islam. „Das ist für mich keine Religion, sondern eine Ideologie", sagt Landwehr und wird ein bisschen lauter. Auch solch eine Aussage und ihre Dimension gehört zum Spektrum seiner Normalität. Er ängstige sich vor einer Islamisierung in Deutschland. „Gerade auf dem Weg hat mich diese Angst erwischt", erzählt er: „Es ist schlimm, dass unsere Synagoge vor Anschlägen beschützt werden muss."

Angst ist eine starke Emotion – auch bei Wählern. Und Angst ist eines der großen Themen des Sebastian Landwehr. Er sagt: „Wir leben in einer Angst- und Panikgesellschaft." Er selbst fürchte sich davor, dass „dieser Corona- und Klima-Wahnsinn" nicht aufhöre. Er persönlich wünsche sich seine Freiheit zurück und möchte wieder das machen können, was er will: „Das vermisse ich unter diesem enormen Regulierungswahnsinn sehr." Und so würden ihn die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf die Bevölkerung sehr beschäftigen. „Die Kinder sind die Leidtragenden und haben große Probleme", findet er. Die größte Aufgabe sei jetzt, das Verpasste wieder aufzuholen.

Geboren und aufgewachsen in Minden, hat Landwehr sein Abitur auf dem Herder-Gymnasium gemacht. Heute lebt der AfD-Kreisvorsitzende in Minderheide, arbeitet im Niedersächsischen als Verwaltungsbeamter. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Politik und begeistert sich für den heimischen Handball. Auch, nachdem er aufgrund seiner parteipolitischen Aktivitäten als Hallensprecher bei GWD Minden ausscheiden musste, verfolgt er die Spiele des Bundesligisten. Mit seiner Freundin verreist er gerne, besonders mag Landwehr Kreuzfahrten, am liebsten in warme Regionen. Ein Traum sei die Karibik. Im Urlaub interessiere er sich für Land und Leute, die Kultur und Geschichte der Länder.

Zur Politik ist Landwehr durch seinen Vater gekommen, der gewerkschaftlich organisiert und lange SPD-Mitglied war: „Und weil alle da waren, bin ich auch eingetreten." Dort habe er aber nie Ämter bekleidet. Erst 2013, während der europäischen Wirtschaftskrise, habe Landwehr das Gefühl gehabt, dass sich etwas ändern müsse. Da davon in der SPD aber niemand so recht etwas habe hören wollen und ihm die Idee der AfD gefiel, die Deutsche Mark zurückzuholen, sei er beigetreten. Seine Familie habe das neugierig verfolgt und ihn unterstützt. „Wenn man drei Mandate bekleidet, braucht man eine Familie, die hinter einem steht", sagt Landwehr. Heute hätten auch seine Eltern der SPD den Rücken gekehrt und würde mit der AfD sympathisieren. Er sagt, die Flüchtlingskrise und die Silvester-Nacht in Köln seien unter anderem für den Meinungswandel verantwortlich gewesen.

Politik hat inzwischen einen hohen Stellenwert in Landwehrs Leben. Der Großteil seiner Freizeit ist davon geprägt. Davon, für Minden der richtige Bundestagskandidat zu sein, nachdem er bei der letzten Wahl bereits Bürgermeister werden wollte, wirkt Landwehr überzeugt: „Minden ist meine Heimat und hier möchte ich mich zu 100 Prozent engagieren." An Minden schätze er die grüne Umgebung und die relativ geringe Arbeitslosenquote. „Mit dem Campus hat Minden eine gute Zukunft", meint er. Probleme sieht Landwehr „in der hohen Verschuldung, den vielen kaputten Straßen und den zerstörten Parkanlagen".

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden