Der Kreis hat eine neue Kulturkoordinatorin: Das ist ihre Aufgabe Ursula Koch Minden. Mit ländlicher Kultur kennt sich Anna Sievers aus. Die 33-Jährige hat zuletzt den Aufbau einer neuen Dauerausstellung für das Freilichtmuseum Molfsee in Schleswig-Holstein vorbereitet. Die war coronabedingt noch nicht einmal eröffnet, als sie Mitte Dezember ihre Stelle als Kulturkoordinatorin beim Kreis Minden-Lübbecke antrat. Mit Stefanie Keil gibt es seit Januar ein Pendant zu Sievers beim Kreis Herford. Gemeinsam sollen sie kleine, hauptsächlich ehrenamtlich getragene Museen und Kultureinrichtungen unterstützen und für die Zukunft sichern. Die beiden Stellen sind ein Ergebnis der gemeinsamen Kulturentwicklungsplanung, die beide Kreise 2018 angestoßen hatten. Befragungen der Vereine und Kulturschaffenden hatten ergeben, dass eine Unterstützung für ehrenamtliche Kräfte neben finanzieller Unterstützung am häufigsten gewünscht wurde. Während Sievers Schwerpunkt auf der Museumspädagogik liegt, hat Keil Erfahrungen in der Veranstaltungsbranche gesammelt. „Wir haben viele Schnittstellen und sind täglich im Austausch“, berichtet Sievers. Die persönlichen Schwerpunkte seien keineswegs als Arbeitsschwerpunkte zu sehen. Auch eine räumliche Zuordnung der Zuständigkeiten sei nicht erwünscht. Gemeinsam sollen sie sich um 16 Kultureinrichtungen und deren Zukunft kümmern. Darunter sind die Museumseisenbahn, das Besucherbergwerk Kleinenbremen, aber auch der Mühlenverein, die Ilser Webstube oder die Glashütte Gernheim. Dass Kultur und Handwerk viel miteinander zu tun haben können, das haben Sievers und Keil mit einer ersten Sendung „Handwerk trifft Kultur“ im „Kanal 21“ gezeigt. Das sei ein kleiner Anfang unter Corona-Bedingungen gewesen und eine Möglichkeit, die Netzwerkpartner überhaupt der Öffentlichkeit zur präsentieren. Langfristig möchte sie verstärkt regionale Künstler mit den Einrichtungen in Verbindung bringen. Sievers hat bereits die Erfahrung gemacht, dass viele Einrichtungen glauben, sie müssten total digital sein, um Leute anzusprechen. Dem widerspricht sie deutlich: „Digitalisierung ist schön, macht aber nicht immer Sinn.“ Viel wichtiger sei der authentische Ort oder Menschen, die aus ihrer eigenen Erfahrung erzählen können, wie zum Beispiel die ehemaligen Bergleute im Besucherbergwerk. Außerdem seien die ehrenamtlichen, häufig älteren Mitarbeiter der Museen, technisch viel versierter, als sie erwartet hat. „Video-Konferenzen sind überhaupt keine Hürde.“ Ihr Ziel ist es, ein Netzwerk zu bilden. „Wir wollen den Einrichtungen nichts überstülpen, sondern gemeinsam Dinge ausprobieren“. Professionalisierung sei ein Stichwort. Zu dem Thema sei sie auch mit der Referentin für bürgerschaftliches Engagement beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe im Austausch. Die Vereine betrieben viele Originalstandorte. „Das ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber größeren Museen.“ Darum wollen Sievers und ihre Kollegin die Mitarbeiter dazu anhalten, das vorhandene Wissen zu dokumentieren, sonst verschwänden in naher Zukunft die Kenntnisse über Handwerkstechniken oder Werkzeuge, befürchtet die Museumspädagogin. Ein wichtiges Thema werden in Zukunft die zahlreichen Bestimmungen zum Datenschutz sein. „Das wächst Ehrenamtlichen leicht über den Kopf“, meint Sievers. Als nächstes will sie die Internetseite für das Netzwerk in Gang bekommen. Außerdem möchte sie eine Fotoserie starten, um die Einrichtungen optisch auf besondere Art zu präsentieren. Weil Handwerk das zentrale Thema des Netzwerks ist, soll der Fokus auf Händen, den Werkzeugen und den von Hand gefertigten Produkten liegen. Dafür hat sie einen Profi-Fotografen beauftragt, mit dem sie gemeinsam die Einrichtungen besuchen will. In manchen Fällen wird das die erste analoge Begegnung. Der Museumshof Rahden interessiert sie besonders, „weil das eine schöne Kulisse ist“. Aber eine Brennerei „habe ich noch nie von innen gesehen und das Bergwerk finde ich auch spannend.“ Die Ausstellungseröffnung im Freilichtmuseum Molfsee sollte ursprünglich im November, also vor Sievers’ Wechsel nach Minden stattfinden. Das hat wegen Corona nicht ganz geklappt. Vergangene Woche gab es stattdessen eine digitale Veranstaltung. Trotzdem kam der Wechsel für die gebürtige Bad Segebergerin zur richtigen Zeit. Der Vertrag im Museum, in dem sie nach dem Studium der Kulturwissenschaft in Kiel ihr wissenschaftliches Volontariat absolviert hatte, war befristet. „Ich bin froh, dass ich direkt ein neues Arbeitsfeld gefunden habe“, sagt Anna Sievers. Ihre neue Heimat kennt sie allerdings bislang nur im Lockdown-Modus. Ihren Lieblingsplatz hat sie trotzdem schon gefunden: An der Weser. Dass es hier Möwen gibt, weckt in ihr Heimatgefühle.

Der Kreis hat eine neue Kulturkoordinatorin: Das ist ihre Aufgabe

Minden. Mit ländlicher Kultur kennt sich Anna Sievers aus. Die 33-Jährige hat zuletzt den Aufbau einer neuen Dauerausstellung für das Freilichtmuseum Molfsee in Schleswig-Holstein vorbereitet. Die war coronabedingt noch nicht einmal eröffnet, als sie Mitte Dezember ihre Stelle als Kulturkoordinatorin beim Kreis Minden-Lübbecke antrat.

Anna Sievers ist seit Dezember Kulturkoordinatorin beim Kreis Minden-Lübbecke. MT-Foto: Ursula Koch - © Ursula Koch
Anna Sievers ist seit Dezember Kulturkoordinatorin beim Kreis Minden-Lübbecke. MT-Foto: Ursula Koch - © Ursula Koch

Mit Stefanie Keil gibt es seit Januar ein Pendant zu Sievers beim Kreis Herford. Gemeinsam sollen sie kleine, hauptsächlich ehrenamtlich getragene Museen und Kultureinrichtungen unterstützen und für die Zukunft sichern. Die beiden Stellen sind ein Ergebnis der gemeinsamen Kulturentwicklungsplanung, die beide Kreise 2018 angestoßen hatten. Befragungen der Vereine und Kulturschaffenden hatten ergeben, dass eine Unterstützung für ehrenamtliche Kräfte neben finanzieller Unterstützung am häufigsten gewünscht wurde. Während Sievers Schwerpunkt auf der Museumspädagogik liegt, hat Keil Erfahrungen in der Veranstaltungsbranche gesammelt.

„Wir haben viele Schnittstellen und sind täglich im Austausch“, berichtet Sievers. Die persönlichen Schwerpunkte seien keineswegs als Arbeitsschwerpunkte zu sehen. Auch eine räumliche Zuordnung der Zuständigkeiten sei nicht erwünscht.

Gemeinsam sollen sie sich um 16 Kultureinrichtungen und deren Zukunft kümmern. Darunter sind die Museumseisenbahn, das Besucherbergwerk Kleinenbremen, aber auch der Mühlenverein, die Ilser Webstube oder die Glashütte Gernheim. Dass Kultur und Handwerk viel miteinander zu tun haben können, das haben Sievers und Keil mit einer ersten Sendung „Handwerk trifft Kultur“ im „Kanal 21“ gezeigt. Das sei ein kleiner Anfang unter Corona-Bedingungen gewesen und eine Möglichkeit, die Netzwerkpartner überhaupt der Öffentlichkeit zur präsentieren. Langfristig möchte sie verstärkt regionale Künstler mit den Einrichtungen in Verbindung bringen.

Sievers hat bereits die Erfahrung gemacht, dass viele Einrichtungen glauben, sie müssten total digital sein, um Leute anzusprechen. Dem widerspricht sie deutlich: „Digitalisierung ist schön, macht aber nicht immer Sinn.“ Viel wichtiger sei der authentische Ort oder Menschen, die aus ihrer eigenen Erfahrung erzählen können, wie zum Beispiel die ehemaligen Bergleute im Besucherbergwerk. Außerdem seien die ehrenamtlichen, häufig älteren Mitarbeiter der Museen, technisch viel versierter, als sie erwartet hat. „Video-Konferenzen sind überhaupt keine Hürde.“

Ihr Ziel ist es, ein Netzwerk zu bilden. „Wir wollen den Einrichtungen nichts überstülpen, sondern gemeinsam Dinge ausprobieren“. Professionalisierung sei ein Stichwort. Zu dem Thema sei sie auch mit der Referentin für bürgerschaftliches Engagement beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe im Austausch. Die Vereine betrieben viele Originalstandorte. „Das ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber größeren Museen.“ Darum wollen Sievers und ihre Kollegin die Mitarbeiter dazu anhalten, das vorhandene Wissen zu dokumentieren, sonst verschwänden in naher Zukunft die Kenntnisse über Handwerkstechniken oder Werkzeuge, befürchtet die Museumspädagogin.

Ein wichtiges Thema werden in Zukunft die zahlreichen Bestimmungen zum Datenschutz sein. „Das wächst Ehrenamtlichen leicht über den Kopf“, meint Sievers.

Als nächstes will sie die Internetseite für das Netzwerk in Gang bekommen. Außerdem möchte sie eine Fotoserie starten, um die Einrichtungen optisch auf besondere Art zu präsentieren. Weil Handwerk das zentrale Thema des Netzwerks ist, soll der Fokus auf Händen, den Werkzeugen und den von Hand gefertigten Produkten liegen. Dafür hat sie einen Profi-Fotografen beauftragt, mit dem sie gemeinsam die Einrichtungen besuchen will. In manchen Fällen wird das die erste analoge Begegnung. Der Museumshof Rahden interessiert sie besonders, „weil das eine schöne Kulisse ist“. Aber eine Brennerei „habe ich noch nie von innen gesehen und das Bergwerk finde ich auch spannend.“

Die Ausstellungseröffnung im Freilichtmuseum Molfsee sollte ursprünglich im November, also vor Sievers’ Wechsel nach Minden stattfinden. Das hat wegen Corona nicht ganz geklappt. Vergangene Woche gab es stattdessen eine digitale Veranstaltung. Trotzdem kam der Wechsel für die gebürtige Bad Segebergerin zur richtigen Zeit. Der Vertrag im Museum, in dem sie nach dem Studium der Kulturwissenschaft in Kiel ihr wissenschaftliches Volontariat absolviert hatte, war befristet. „Ich bin froh, dass ich direkt ein neues Arbeitsfeld gefunden habe“, sagt Anna Sievers. Ihre neue Heimat kennt sie allerdings bislang nur im Lockdown-Modus. Ihren Lieblingsplatz hat sie trotzdem schon gefunden: An der Weser. Dass es hier Möwen gibt, weckt in ihr Heimatgefühle.

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