Der Inzidenzwert in Minden-Lübbecke sinkt - und das bei mehr als 18.000 Schnelltests Patrick Schwemling Minden. Seit einigen Tagen sinkt nicht nur bundesweit, sondern auch im Kreis Minden-Lübbecke der Inzidenzwert immer weiter. Als ein Hauptgrund dafür wird immer wieder angeführt, dass gerade über die Ostertage deutlich weniger getestet wurde. Doch wie sieht das im Kreis Minden-Lübbecke aus, wo die Mühlenkreiskliniken (MKK) nicht nur ein Testzentrum am Johannes Wesling Klinikum, sondern auch zwei Drive-In-Testzentren in Minden und Lübbecke betreiben? „Bei uns wurde getestet, was das Zeug hält", sagt MKK-Pressesprecher Christian Busse auf MT-Anfrage. Allein in den beiden Drive-In-Testzentren auf Kanzlers Weide und am Blasheimer Markt wurden von Gründonnerstag bis einschließlich Dienstag mehr als 18.000 Antigen-Tests durchgeführt. Am Ostersamstag wurden die beiden Zentren von mehr als 5.000 Menschen aufgesucht - davon 3.237 auf Kanzlers Weide. Von den ganzen Schnelltests waren letztlich 88 Proben positiv, was einer Quote von 0,48 Prozent entspricht. Einfacher gesagt war jeder 200. Tests positiv. „Davon waren wir sehr überrascht, wir hätten mit mehr positiven Fällen gerechnet", sagt Busse. Wie viele der positiven Fälle im Nachhinein durch einen PCR-Test bestätigt oder korrigiert wurden, konnte Busse nicht mitteilen. Allerdings merkte der MKK-Pressesprecher an, dass über die Ostertage insgesamt deutlich weniger PCR-Tests durchgeführt und im Mindener Labor analysiert wurden. „Wir bekommen viele Proben von Hausärzten, Kliniken oder Reha-Einrichtungen eingesandt. Da beispielsweise die Hausärzte über Ostern geschlossen waren, haben wir diese Proben nicht bekommen. Das steigert sich in den nächsten Tagen erst wieder", erklärt Busse. Dementsprechend gelte auch für den Mühlenkreis, dass mit Sicherheit weniger PCR-Tests durchgeführt seien, aber dafür umso mehr Schnelltests. „Das hat eine Menge an Sicherheit gebracht, und zudem gezeigt, dass hochansteckende Menschen über diese Methode herausgefiltert werden können." Denn Prof. Dr. Franz-Josef Schmitz, Leiter des Mindener Labors, hat einige der 88 positiven Proben analysiert und dabei festgestellt, dass diese niedrige CT-Werte aufwiesen. Das bedeutet, dass die Viruskonzentration in diesen Fällen sehr groß war und die getesteten Menschen hochansteckend. „Das ist keine Komplettbeobachtung, zeigt aber, dass somit einige sehr infektiöse Menschen isoliert werden konnten", so der MKK-Pressesprecher. Überhaupt merkt Busse an, dass auch ein negativer Schnelltest keinen Freifahrtschein darstellt. „Maske auf und Abstand wahren ist weiter das Mittel der Wahl. Ein negativer Schnelltest ist lediglich ein zusätzliches Instrument, um mehr Sicherheit zu haben." Dies sagt Busse auch, weil er weiß, dass ein Antigen-Schnelltest in der Regel nie so genau ist wie ein PCR-Test. „Es ist nicht zu 100 Prozent sicher, wir tun jedoch an unseren Testzentren alles dafür, um es so sicher wie möglich zu machen, beispielsweise durch die richtige Entnahme und durch die Verwendung von hochwertigen Tests", sagt der Pressesprecher. So sei dort ein Antigen-Schnelltest im Einsatz, der zu den teureren gehöre und von der Qualität zu den Besten. „Zuvor hatten wir, auch weil es durch Knappheit am Markt keine andere Möglichkeit gab, in den Krankenhäuseren andere Schnelltests im Einsatz. Mit den waren wir gar nicht zufrieden", gesteht er. Dabei seien durch die parallel durchgeführten PCR-Tests oft andere Ergebnisse herausgekommen. Dies sei nun glücklicherweise nicht mehr der Fall. Kritisch sieht der MKK-Pressesprecher unterdessen die Selbsttests, die beispielsweise in Drogerien oder Supermärkten erworben werden können. „Es gibt große Nachteile, weil sie sehr viel ungenauer sind als ein Schnelltest", so Busse. So würden diese Tests zwar nach der gleichen Technik funktionieren, seien aber schlecht validiert. „Es gibt viele Fehlerquellen. Die Tests, bei dem eine Probe im vorderen Bereich entnommen wird, sind meist ungenau und die, bei dem das Stäbchen sehr weit in die Nase eingeführt werden muss, unterliegen meist Anwendungsfehlern", erklärt er und fügt an: „Deswegen sind diese Tests mit Vorsicht zu genießen." Dies deckt sich mit MT-Informationen von einigen positiven Selbsttest-Ergebnissen, die im Nachgang durch einen PCR-Test widerlegt wurden. Die Schnelltest-Ergebnisse im Überblick 1. April: 2.462 Tests, 6 positive Proben (Kanzlers Weide); 1.267 Tests, 8 positive Proben (Blasheimer Markt) 2. April: 2.325 Tests, 7 positive Proben (Kanzlers Weide); 1.211 Tests, 3 positive Proben (Blasheimer Markt) 3. April: 3.237 Tests, 9 positive Proben (Kanzlers Weide); 1.804 Tests, 12 positive Proben (Blasheimer Markt) 4. April: 1.689 Tests, 7 positive Proben (Kanzlers Weide); 957 Tests, 1 positive Probe (Blasheimer Markt) 5. April: 1.402 Tests, 13 positive Proben (Kanzlers Weide); 745 Tests, 8 positive Proben (Blasheimer Markt) 6. April: 1.906 Tests, 10 positive Proben (Kanzlers Weide); 945 Tests, 4 positive Proben (Blasheimer Markt)

Der Inzidenzwert in Minden-Lübbecke sinkt - und das bei mehr als 18.000 Schnelltests

An dem Drive-In-Testzentrum an Kanzlers Weide wurden von Gründonnerstag bis Dienstag mehr als 11.000 Menschen getestet. 52 von ihnen hatten einen positiven Antigen-Test. MT-Foto: © Alex Lehn

Minden. Seit einigen Tagen sinkt nicht nur bundesweit, sondern auch im Kreis Minden-Lübbecke der Inzidenzwert immer weiter. Als ein Hauptgrund dafür wird immer wieder angeführt, dass gerade über die Ostertage deutlich weniger getestet wurde. Doch wie sieht das im Kreis Minden-Lübbecke aus, wo die Mühlenkreiskliniken (MKK) nicht nur ein Testzentrum am Johannes Wesling Klinikum, sondern auch zwei Drive-In-Testzentren in Minden und Lübbecke betreiben?

„Bei uns wurde getestet, was das Zeug hält", sagt MKK-Pressesprecher Christian Busse auf MT-Anfrage. Allein in den beiden Drive-In-Testzentren auf Kanzlers Weide und am Blasheimer Markt wurden von Gründonnerstag bis einschließlich Dienstag mehr als 18.000 Antigen-Tests durchgeführt. Am Ostersamstag wurden die beiden Zentren von mehr als 5.000 Menschen aufgesucht - davon 3.237 auf Kanzlers Weide. Von den ganzen Schnelltests waren letztlich 88 Proben positiv, was einer Quote von 0,48 Prozent entspricht. Einfacher gesagt war jeder 200. Tests positiv. „Davon waren wir sehr überrascht, wir hätten mit mehr positiven Fällen gerechnet", sagt Busse. Wie viele der positiven Fälle im Nachhinein durch einen PCR-Test bestätigt oder korrigiert wurden, konnte Busse nicht mitteilen.

Allerdings merkte der MKK-Pressesprecher an, dass über die Ostertage insgesamt deutlich weniger PCR-Tests durchgeführt und im Mindener Labor analysiert wurden. „Wir bekommen viele Proben von Hausärzten, Kliniken oder Reha-Einrichtungen eingesandt. Da beispielsweise die Hausärzte über Ostern geschlossen waren, haben wir diese Proben nicht bekommen. Das steigert sich in den nächsten Tagen erst wieder", erklärt Busse. Dementsprechend gelte auch für den Mühlenkreis, dass mit Sicherheit weniger PCR-Tests durchgeführt seien, aber dafür umso mehr Schnelltests. „Das hat eine Menge an Sicherheit gebracht, und zudem gezeigt, dass hochansteckende Menschen über diese Methode herausgefiltert werden können."

Denn Prof. Dr. Franz-Josef Schmitz, Leiter des Mindener Labors, hat einige der 88 positiven Proben analysiert und dabei festgestellt, dass diese niedrige CT-Werte aufwiesen. Das bedeutet, dass die Viruskonzentration in diesen Fällen sehr groß war und die getesteten Menschen hochansteckend. „Das ist keine Komplettbeobachtung, zeigt aber, dass somit einige sehr infektiöse Menschen isoliert werden konnten", so der MKK-Pressesprecher. Überhaupt merkt Busse an, dass auch ein negativer Schnelltest keinen Freifahrtschein darstellt. „Maske auf und Abstand wahren ist weiter das Mittel der Wahl. Ein negativer Schnelltest ist lediglich ein zusätzliches Instrument, um mehr Sicherheit zu haben."

Empfohlener redaktioneller Inhalt


Wir bieten an dieser Stelle weitere externe Informationen zu dem Artikel an. Mit einem Klick können Sie sich diese anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

Externe Inhalte

Wenn Sie sich externe Inhalte anzeigen lassen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass möglicherweise personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden.
Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Dies sagt Busse auch, weil er weiß, dass ein Antigen-Schnelltest in der Regel nie so genau ist wie ein PCR-Test. „Es ist nicht zu 100 Prozent sicher, wir tun jedoch an unseren Testzentren alles dafür, um es so sicher wie möglich zu machen, beispielsweise durch die richtige Entnahme und durch die Verwendung von hochwertigen Tests", sagt der Pressesprecher. So sei dort ein Antigen-Schnelltest im Einsatz, der zu den teureren gehöre und von der Qualität zu den Besten. „Zuvor hatten wir, auch weil es durch Knappheit am Markt keine andere Möglichkeit gab, in den Krankenhäuseren andere Schnelltests im Einsatz. Mit den waren wir gar nicht zufrieden", gesteht er. Dabei seien durch die parallel durchgeführten PCR-Tests oft andere Ergebnisse herausgekommen. Dies sei nun glücklicherweise nicht mehr der Fall.

Kritisch sieht der MKK-Pressesprecher unterdessen die Selbsttests, die beispielsweise in Drogerien oder Supermärkten erworben werden können. „Es gibt große Nachteile, weil sie sehr viel ungenauer sind als ein Schnelltest", so Busse. So würden diese Tests zwar nach der gleichen Technik funktionieren, seien aber schlecht validiert. „Es gibt viele Fehlerquellen. Die Tests, bei dem eine Probe im vorderen Bereich entnommen wird, sind meist ungenau und die, bei dem das Stäbchen sehr weit in die Nase eingeführt werden muss, unterliegen meist Anwendungsfehlern", erklärt er und fügt an: „Deswegen sind diese Tests mit Vorsicht zu genießen." Dies deckt sich mit MT-Informationen von einigen positiven Selbsttest-Ergebnissen, die im Nachgang durch einen PCR-Test widerlegt wurden.

Die Schnelltest-Ergebnisse im Überblick

  • 1. April: 2.462 Tests, 6 positive Proben (Kanzlers Weide); 1.267 Tests, 8 positive Proben (Blasheimer Markt)
  • 2. April: 2.325 Tests, 7 positive Proben (Kanzlers Weide); 1.211 Tests, 3 positive Proben (Blasheimer Markt)
  • 3. April: 3.237 Tests, 9 positive Proben (Kanzlers Weide); 1.804 Tests, 12 positive Proben (Blasheimer Markt)
  • 4. April: 1.689 Tests, 7 positive Proben (Kanzlers Weide); 957 Tests, 1 positive Probe (Blasheimer Markt)
  • 5. April: 1.402 Tests, 13 positive Proben (Kanzlers Weide); 745 Tests, 8 positive Proben (Blasheimer Markt)
  • 6. April: 1.906 Tests, 10 positive Proben (Kanzlers Weide); 945 Tests, 4 positive Proben (Blasheimer Markt)
Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden