Der Diakonissenfriedhof in Minden hat eine besondere Bedeutung Jan Henning Rogge Minden. Wenn Oberin Andrea Brewitt von den Diakonissen alter Ordnung spricht, schwingt in ihrer Stimme vieles mit: Bewunderung, Respekt, Dankbarkeit. „Diese Frauen haben in Minden mit dem Mutterhaus die Keimzelle für das gelegt, was die Diakonie heute ist.“ Wenige Jahre nach dem Krieg beginnt ihre Geschichte in Minden, nachdem sie im Februar 1945 mit vielen schutzbefohlenen Kindern aus Köslin in Pommern vor der heranrückenden Roten Armee nach Westen geflohen waren. Ab 1950 kommen 360 Schwestern in Minden wieder zusammen – hier werden sie unter anderem im Klinikum gebraucht. Viele von ihnen sind heute auf dem eigenen Gräberfeld auf dem Südfriedhof beerdigt. Lange wurde diesem Ort wenig Aufmerksamkeit geschenkt, jetzt wurde er neu hergerichtet. Für Brewitt und ihre Mitschwestern war diese Maßnahme überfällig. Sie ist zugleich ein Zeichen der Verbundenheit. Nur noch acht Diakonissen der sogenannten alten Form leben heute in Minden, die Älteste von ihnen ist 103 Jahre alt. Dazu kommen 43 Schwestern der neuen Form: Sie dürfen zum Beispiel verheiratet sein und Kinder haben. Als sich in der schwierigen Nachkriegszeit die Diakonissen aus Pommern in Minden sammelten, war das noch anders: Die Frauen lebten in einer festen Gemeinschaft, verzichteten auf Partnerschaften und richteten ihr Leben am christlichen Glauben aus. Das noch heute bestehende Mutterhaus entstand, später mit dem Haus Abendfrieden ein erstes Altenheim, zunächst für die älteren Diakonissen, bald aber auch für andere Bewohner. Die Schwestern gehörten mit ihren weißen Hauben und den dunklen Kleidern und Mänteln noch mindestens bis in die 90er-Jahre zum Mindener Straßenbild, arbeiteten in verschiedenen Einrichtungen und im Klinikum. Doch über die Jahre werden sie immer weniger. Ihr Lebensmodell erscheint nur noch wenigen Frauen erstrebenswert. Seit 1971 gibt es die Diakonissen der neuen Form, in den vergangenen Jahren ist ihre Zahl im Kirchenkreis Minden leicht gewachsen. Und auch die Diakonissenanstalt hat sich verändert: Heute gehört sie zur Diakoniestiftung Salem, 2011 aus dem Zusammenschluss der Diakonissenanstalt und dem Diakonischen Werk Minden entstanden. Um 1955 erwarb die Schwesternschaft das Gräberfeld auf dem Südfriedhof. Hier sollten die Diakonissen ihre letzte Ruhe finden, die das wünschten – bis heute. Doch nicht alle sind hier begraben. „Einige Diakonissen hatten ja auch Angehörige, die wollten, dass zum Beispiel ihre Tante bei der Familie bestattet wurde.“ 215 Diakonissen und zwei Angehörige der Diakonissenanstalt haben in Minden ihre letzte Ruhe gefunden. Ein Steinkreuz mit der Inschrift „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, einem Holzkreuz auf dem Friedhof in Köslin nachempfunden, erinnert an die alte Heimat. Für die Schwestern ist dieser Ort etwas Besonderes, denn der Tod spielt in dieser besonderen Gemeinschaft eben auch eine besondere Rolle. „Bei Trauerfeiern feiern wir das Leben der Verstorbenen, wer möchte, darf dann etwas über sie sagen. Das kann etwas Ernstes sein, aber auch etwas Lustiges“, sagt Brewitt. Und nicht zuletzt deshalb ist es für die Diakonissen traurig, dass sie am Ewigkeitssonntag wegen der Coronaauflage nicht, wie es sonst Tradition ist, als Gemeinschaft die Grabstätte besuchen können. Ein kleiner Trost ist vielleicht, dass der Ort nun zumindest wieder ansehnlich ist. Die teilweise im Boden versunkenen und unansehnlichen Grabsteine wurden jetzt gereinigt und leicht schräg aufgestellt. Zwischen den Reihen wurde frisches Gras ausgesät, und im kommenden Jahr sollen einzelne Gräber mit Pflanzen geschmückt werden. „Wir möchten es schlicht und bescheiden halten, so wie es zu den Diakonissen, die hier begraben liegen, passt“, sagt Brewitt. Bei einigen Schwestern, die zum Beispiel eine besondere Vorliebe für bestimmte Pflanzen oder Bäume gehabt hätten, sollen die nun auf den Gräbern gepflanzt werden. Erledigt hat die meisten Arbeiten der Garten- und Landschaftsbau der Diakonie-Stiftung, in dem unter anderem Menschen mit Behinderungen arbeiten. Die Grabplatten wurden von einem Mindener Steinmetz-Betrieb gereinigt und neu gesetzt. Sie liegen nun nicht mehr in der Erde, sondern leicht schräg auf Platten. Die durch die Reinigung derzeit schlecht lesbaren Inschriften werden durch Witterungseinflüsse spätestens nach dem Winter wieder gut lesbar sein. Finanziert wurden die Arbeiten aus den Mitteln der Schwesternschaft, die dafür über einen langen Zeitraum bereitgelegt wurden. Mindestens acht Plätze für die noch lebenden Diakonissen alter Ordnung wurden frei gehalten, aber auch später können Diakonissen hier auf Wunsch begraben werden. „Gerade für die acht Schwestern alter Ordnung ist es sehr wichtig, hier begraben zu werden“, sagt die Oberin. „So wie die meisten Menschen bei ihren Angehörigen begraben werden wollen, möchten die Schwestern eben bei ihren Schwestern liegen – bei ihrer Familie.“

Der Diakonissenfriedhof in Minden hat eine besondere Bedeutung

Yvonne Oldemeier-Steinhauer (links) und Ira Lichte (rechts) vom Schwesternrat haben mit Oberin Andrea Brewitt zum Ewigkeitssonntag einen Kranz auf dem neu gestalteten Gräberfeld niedergelegt. MT-Foto: Jan Henning Rogge © MT-Foto: Jan Henning Rogge

Minden. Wenn Oberin Andrea Brewitt von den Diakonissen alter Ordnung spricht, schwingt in ihrer Stimme vieles mit: Bewunderung, Respekt, Dankbarkeit. „Diese Frauen haben in Minden mit dem Mutterhaus die Keimzelle für das gelegt, was die Diakonie heute ist.“ Wenige Jahre nach dem Krieg beginnt ihre Geschichte in Minden, nachdem sie im Februar 1945 mit vielen schutzbefohlenen Kindern aus Köslin in Pommern vor der heranrückenden Roten Armee nach Westen geflohen waren. Ab 1950 kommen 360 Schwestern in Minden wieder zusammen – hier werden sie unter anderem im Klinikum gebraucht. Viele von ihnen sind heute auf dem eigenen Gräberfeld auf dem Südfriedhof beerdigt. Lange wurde diesem Ort wenig Aufmerksamkeit geschenkt, jetzt wurde er neu hergerichtet. Für Brewitt und ihre Mitschwestern war diese Maßnahme überfällig. Sie ist zugleich ein Zeichen der Verbundenheit.

Nur noch acht Diakonissen der sogenannten alten Form leben heute in Minden, die Älteste von ihnen ist 103 Jahre alt. Dazu kommen 43 Schwestern der neuen Form: Sie dürfen zum Beispiel verheiratet sein und Kinder haben. Als sich in der schwierigen Nachkriegszeit die Diakonissen aus Pommern in Minden sammelten, war das noch anders: Die Frauen lebten in einer festen Gemeinschaft, verzichteten auf Partnerschaften und richteten ihr Leben am christlichen Glauben aus. Das noch heute bestehende Mutterhaus entstand, später mit dem Haus Abendfrieden ein erstes Altenheim, zunächst für die älteren Diakonissen, bald aber auch für andere Bewohner. Die Schwestern gehörten mit ihren weißen Hauben und den dunklen Kleidern und Mänteln noch mindestens bis in die 90er-Jahre zum Mindener Straßenbild, arbeiteten in verschiedenen Einrichtungen und im Klinikum.

Doch über die Jahre werden sie immer weniger. Ihr Lebensmodell erscheint nur noch wenigen Frauen erstrebenswert. Seit 1971 gibt es die Diakonissen der neuen Form, in den vergangenen Jahren ist ihre Zahl im Kirchenkreis Minden leicht gewachsen. Und auch die Diakonissenanstalt hat sich verändert: Heute gehört sie zur Diakoniestiftung Salem, 2011 aus dem Zusammenschluss der Diakonissenanstalt und dem Diakonischen Werk Minden entstanden. Um 1955 erwarb die Schwesternschaft das Gräberfeld auf dem Südfriedhof. Hier sollten die Diakonissen ihre letzte Ruhe finden, die das wünschten – bis heute. Doch nicht alle sind hier begraben. „Einige Diakonissen hatten ja auch Angehörige, die wollten, dass zum Beispiel ihre Tante bei der Familie bestattet wurde.“ 215 Diakonissen und zwei Angehörige der Diakonissenanstalt haben in Minden ihre letzte Ruhe gefunden. Ein Steinkreuz mit der Inschrift „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, einem Holzkreuz auf dem Friedhof in Köslin nachempfunden, erinnert an die alte Heimat.

Für die Schwestern ist dieser Ort etwas Besonderes, denn der Tod spielt in dieser besonderen Gemeinschaft eben auch eine besondere Rolle. „Bei Trauerfeiern feiern wir das Leben der Verstorbenen, wer möchte, darf dann etwas über sie sagen. Das kann etwas Ernstes sein, aber auch etwas Lustiges“, sagt Brewitt. Und nicht zuletzt deshalb ist es für die Diakonissen traurig, dass sie am Ewigkeitssonntag wegen der Coronaauflage nicht, wie es sonst Tradition ist, als Gemeinschaft die Grabstätte besuchen können.

Ein kleiner Trost ist vielleicht, dass der Ort nun zumindest wieder ansehnlich ist. Die teilweise im Boden versunkenen und unansehnlichen Grabsteine wurden jetzt gereinigt und leicht schräg aufgestellt. Zwischen den Reihen wurde frisches Gras ausgesät, und im kommenden Jahr sollen einzelne Gräber mit Pflanzen geschmückt werden. „Wir möchten es schlicht und bescheiden halten, so wie es zu den Diakonissen, die hier begraben liegen, passt“, sagt Brewitt. Bei einigen Schwestern, die zum Beispiel eine besondere Vorliebe für bestimmte Pflanzen oder Bäume gehabt hätten, sollen die nun auf den Gräbern gepflanzt werden.

Erledigt hat die meisten Arbeiten der Garten- und Landschaftsbau der Diakonie-Stiftung, in dem unter anderem Menschen mit Behinderungen arbeiten. Die Grabplatten wurden von einem Mindener Steinmetz-Betrieb gereinigt und neu gesetzt. Sie liegen nun nicht mehr in der Erde, sondern leicht schräg auf Platten. Die durch die Reinigung derzeit schlecht lesbaren Inschriften werden durch Witterungseinflüsse spätestens nach dem Winter wieder gut lesbar sein. Finanziert wurden die Arbeiten aus den Mitteln der Schwesternschaft, die dafür über einen langen Zeitraum bereitgelegt wurden.

Mindestens acht Plätze für die noch lebenden Diakonissen alter Ordnung wurden frei gehalten, aber auch später können Diakonissen hier auf Wunsch begraben werden. „Gerade für die acht Schwestern alter Ordnung ist es sehr wichtig, hier begraben zu werden“, sagt die Oberin. „So wie die meisten Menschen bei ihren Angehörigen begraben werden wollen, möchten die Schwestern eben bei ihren Schwestern liegen – bei ihrer Familie.“

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