Der Alte Fritz neu interpretiert: Senioren und Geflüchtete drehen gemeinsamen Film Ursula Koch Minden. Der Alte Fritz war einerseits ein strenger Heerführer – andererseits aber auch ein Feingeist. „Was haltet ihr davon, wenn er zuerst den Exerzierstab schwingt und im nächsten Moment seine Flöte in der Hand hält?“, fragt Alexandra Saraval. Die Düsseldorferin, die mittlerweile in Hannover lebt, spielt seit vielen Jahren Theater und hat auch schon in einigen kleinen Filmprojekten mitgewirkt. Jetzt berät sie das Team um Peter Küstermann und Mohammed Oumari vom BÜZ, die einen Film mit dem Arbeitstitel „Geschichtsort Johanniskirchhof“ drehen. Als Akteure vor der Kamera von Frank Erdmann agieren Geflüchtete aus Syrien und eine Gruppe Senioren vom Treffpunkt Johanniskirchhof. In dieser Konstellation hatten sie vor gut zwei Jahren bereits das Mail-Art-Projekt „Grandpa and me“ realisiert und weitere Projekte entwickelt – alles Projekte aus dem Bereich kulturelle Bildung, die das soziokulturelle Zentrum BÜZ leistet. „Es ist unser drittes gemeinsames Projekt“, sagt Georg Sander, der seit eineinhalb Jahren den Treffpunkt Johanniskirchhof leitet. Er habe die Männer über die Filmarbeit kennen gelernt. Die sei so wertvoll, weil sie Horizonte öffne, die Senioren sich ausprobieren könnten, neue Dinge lernten. Auch die Geselligkeit sei nicht zu unterschätzen. Der überwiegende Teil der Besucher des Treffpunkts seien Frauen, berichtet Sander. Er habe allerdings festgestellt, dass sich die Männer wohler fühlten, wenn sie unter sich seien. Jetzt ist also wieder Filmarbeit dran. Vier Szenen haben sie dazu bereits gedreht, erzählt Oumari. Der 18-Jährige gebürtige Syrer lebt seit sechs Jahren in Minden und ist inzwischen als Honorarkraft für das BÜZ tätig, betreut Schreib- und Malprojekte für syrische und deutsche Schüler. Neben den Senioren wirken in dem Film „syrische und biodeutsche Jugendliche“ mit, wie Oumari formuliert. Ziel ist es, selber etwas zu entwickeln und darüber auch etwas Geschichte zu lernen, „aber mit Spaßfaktor“. Der Spaßfaktor ist in viele Szenen eingebaut, die von dem Ort handeln, der seit 800 Jahren schriftlich belegt ist. Dorthin haben die Beteiligten die Hochzeit von Heinrich dem Löwen mit Prinzessin Mathilde verlegt. Sie lassen die Maurer auftreten, die die Kirche gebaut haben und einen Mönch, der von Minden bis nach Rom läuft, um beim Papst die Erlaubnis für den Bau der Kirche einzuholen. Beim Auftritt der Fischer wird es turbulent, erzählt Oumari. Die platzen in eine Messe. Die reformierten Bewohner der Fischerstadt fordern die katholische Kirche für sich. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, haut der Anführer dem Pfarrer einen Fisch um die Ohren. Die Gruppe nimmt es nicht allzu genau mit der historischen Überlieferung. Die Kostüme haben die Freilichtbühne Porta, das LWL-Preußenmuseum und die Bürgerschützen zur Verfügung gestellt. Einige Requisiten hat Oumari im Internet gefunden. Der Alte Fritz soll auf dem Container des Preußenmuseums, der im August vor dem BÜZ stehen wird, Flöte spielen. Voltaire bleibt sitzen, wenn die anderen Konzertbesucher den Ort verlassen und geht mit dem Preußenkönig zusammen zur ehemaligen Johanniskirche, die in ein Lazarett umfunktioniert wurde. Am Ende sollen zehn Szenen von jeweils zwei Minuten Länge als Film vorliegen. Frank Erdmann produziert nebenbei noch einen Film über die Entstehung des Films. Die Film-Premiere ist für November im BÜZ eingeplant.

Der Alte Fritz neu interpretiert: Senioren und Geflüchtete drehen gemeinsamen Film

Die Fürstenhochzeit haben Senioren und Geflüchtete aus Syrien für den Film „Geschichtsort Johanniskirchhof“ nachgestellt. Foto: Detlef Müller © Detlef Müller

Minden. Der Alte Fritz war einerseits ein strenger Heerführer – andererseits aber auch ein Feingeist. „Was haltet ihr davon, wenn er zuerst den Exerzierstab schwingt und im nächsten Moment seine Flöte in der Hand hält?“, fragt Alexandra Saraval. Die Düsseldorferin, die mittlerweile in Hannover lebt, spielt seit vielen Jahren Theater und hat auch schon in einigen kleinen Filmprojekten mitgewirkt. Jetzt berät sie das Team um Peter Küstermann und Mohammed Oumari vom BÜZ, die einen Film mit dem Arbeitstitel „Geschichtsort Johanniskirchhof“ drehen.

Als Akteure vor der Kamera von Frank Erdmann agieren Geflüchtete aus Syrien und eine Gruppe Senioren vom Treffpunkt Johanniskirchhof. In dieser Konstellation hatten sie vor gut zwei Jahren bereits das Mail-Art-Projekt „Grandpa and me“ realisiert und weitere Projekte entwickelt – alles Projekte aus dem Bereich kulturelle Bildung, die das soziokulturelle Zentrum BÜZ leistet.

„Es ist unser drittes gemeinsames Projekt“, sagt Georg Sander, der seit eineinhalb Jahren den Treffpunkt Johanniskirchhof leitet. Er habe die Männer über die Filmarbeit kennen gelernt. Die sei so wertvoll, weil sie Horizonte öffne, die Senioren sich ausprobieren könnten, neue Dinge lernten. Auch die Geselligkeit sei nicht zu unterschätzen. Der überwiegende Teil der Besucher des Treffpunkts seien Frauen, berichtet Sander. Er habe allerdings festgestellt, dass sich die Männer wohler fühlten, wenn sie unter sich seien.


Jetzt ist also wieder Filmarbeit dran. Vier Szenen haben sie dazu bereits gedreht, erzählt Oumari. Der 18-Jährige gebürtige Syrer lebt seit sechs Jahren in Minden und ist inzwischen als Honorarkraft für das BÜZ tätig, betreut Schreib- und Malprojekte für syrische und deutsche Schüler. Neben den Senioren wirken in dem Film „syrische und biodeutsche Jugendliche“ mit, wie Oumari formuliert. Ziel ist es, selber etwas zu entwickeln und darüber auch etwas Geschichte zu lernen, „aber mit Spaßfaktor“.

Der Spaßfaktor ist in viele Szenen eingebaut, die von dem Ort handeln, der seit 800 Jahren schriftlich belegt ist. Dorthin haben die Beteiligten die Hochzeit von Heinrich dem Löwen mit Prinzessin Mathilde verlegt. Sie lassen die Maurer auftreten, die die Kirche gebaut haben und einen Mönch, der von Minden bis nach Rom läuft, um beim Papst die Erlaubnis für den Bau der Kirche einzuholen. Beim Auftritt der Fischer wird es turbulent, erzählt Oumari. Die platzen in eine Messe. Die reformierten Bewohner der Fischerstadt fordern die katholische Kirche für sich. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, haut der Anführer dem Pfarrer einen Fisch um die Ohren. Die Gruppe nimmt es nicht allzu genau mit der historischen Überlieferung.

Die Kostüme haben die Freilichtbühne Porta, das LWL-Preußenmuseum und die Bürgerschützen zur Verfügung gestellt. Einige Requisiten hat Oumari im Internet gefunden.

Der Alte Fritz soll auf dem Container des Preußenmuseums, der im August vor dem BÜZ stehen wird, Flöte spielen. Voltaire bleibt sitzen, wenn die anderen Konzertbesucher den Ort verlassen und geht mit dem Preußenkönig zusammen zur ehemaligen Johanniskirche, die in ein Lazarett umfunktioniert wurde.

Am Ende sollen zehn Szenen von jeweils zwei Minuten Länge als Film vorliegen. Frank Erdmann produziert nebenbei noch einen Film über die Entstehung des Films. Die Film-Premiere ist für November im BÜZ eingeplant.

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