Demo für "Recht auf beide Eltern" vor dem Mindener Rathaus Väter-Verein gegründet / Mitglieder protestieren bis Ostern jeden Montagabend vor dem Rathaus Von Nadine Conti Minden (nec). "Allen Kindern beide Eltern" steht auf dem großen Banner. Zum ersten Mal hat der Verein "Väteraufbruch für Kinder" vor dem Mindener Rathaus zur Mahnwache aufgerufen. Bis Ostern wollen sie jeden Montagabend hier stehen. Die Mitglieder sind aus Lemgo, Rinteln, Extertal und Hameln angereist, doch auch in Minden haben sie immer mehr Anhänger. "Aktuell betreuen wir drei bis vier Fälle hier und haben sieben Mitglieder", sagt Pressesprecher Alexander Miller aus Lemgo.Mit von der Partie sind hier auch die Großeltern des kleinen Kevin aus Porta, wo es sogar schon eine Unterschrifteninitiative von Nachbarn gab, die für eine Rückkehr des Jungen in seine Familie plädieren (das MT berichtete).Und sie sind nicht die einzigen, die in diesem Kreis nicht gut auf das Jugendamt Minden zu sprechen sind. "Andere Jugendämter hören uns wenigstens an oder kooperieren sogar mit uns. Hier hatten wir schon Mühe, auch nur als Beistand zugelassen zu werden - obwohl doch jeder Betroffene ein Recht darauf hat", sagt Jürgen Kreth vom Kreisverein "Lippe-Weserbergland".Kreth gehört zu den alten Hasen hier, er hat 2006 die hiesige Kreisgruppe gegründet. Und zusammen mit dem besonnenen Alexander Miller ist er derjenige, der beschwichtigt, relativiert, einordnet, wenn bei den anderen die Emotionen hochkochen. Und das passiert naturgemäß schnell: Fast jeder hier hat eine bittere Geschichte zu erzählen, von hässlichen Scheidungen, heftigen Vorwürfen und dem Gefühl, einer Behörde oder einem Gericht hilflos ausgeliefert zu sein.Es geht um die KinderFür Außenstehende sind die einzelnen Fälle kaum zu durchschauen, geschweige denn zu beurteilen. Nicht zu übersehen ist aber: Diese Menschen leiden. Und trotzdem sagt einer der Männer: "Es geht nicht um mich, sondern um meine Kinder." Kindern, so lautet der Hauptvorwurf des Vereins, denen in Deutschland regelmäßig und systematisch das Recht genommen wird, zu beiden Elternteilen eine enge und liebevolle Beziehung zu unterhalten. "Wenn es ein Elternteil darauf anlegt, den Kontakt zum anderen zu unterbinden, dann schafft es das in Deutschland leider auch oft." Gerichte und Jugendämter würden zu wenig darauf drängen, dass ein gleichberechtigter Umgang organisiert und auch eingehalten würde.Das gemeinsame Sorgerecht sei in dieser Hinsicht zwar ein rechtlicher Fortschritt. Der gelte aber nur für Eltern, die sich einigen könnten. Sobald sich ein Elternteil widersetzt, hätten Gerichte und Jugendämter die Tendenz, sich für eine Seite zu entscheiden.Andere EU-Länder sind da sehr viel weiter, behauptet Alexander Miller, und verweist auf Belgien, wo das so genannte "Doppelresidenz"-Modell sehr viel verbreiteter sei. Dabei würden Kinder optimalerweise einen Teil der Woche beim Vater und einen Teil der Woche bei der Mutter verbringen.Rollenverteilung längst nicht mehr zeitgemäß"Hier ist man darauf fixiert, einen Lebensmittelpunkt zu benennen, einen Elternteil zum Betreuenden zu machen, und der andere ist dann nur noch Besucher", sagt Miller. Das zementiert oft eine traditionelle Rollenverteilung, die längst nicht mehr zeitgemäß ist und - nach der Reform des Unterhaltsrechtes - den betreuenden Elternteil oft auch ziemlich sicher in die Armut manövriert, während der andere langsam aber sicher den Draht zum Kind verliert.Das betrifft oft, aber längst nicht nur die Väter. "Wir unterstützen auch Mütter oder Großeltern", betont Jürgen Kreth. Insofern sei der Name des Vereins ein bisschen überholt. Der Verein steht Betroffenen bei, versucht zu vermitteln, bietet Gespräche in Selbsthilfegruppen und organisiert Aktionen. Als Ansprechpartner für Betroffene und Interessierte, aber auch in der vagen Hoffnung, dass sich in den Köpfen derer etwas tut, die über das Schicksal von Familien zu entscheiden haben.

Demo für "Recht auf beide Eltern" vor dem Mindener Rathaus

Minden (nec). "Allen Kindern beide Eltern" steht auf dem großen Banner. Zum ersten Mal hat der Verein "Väteraufbruch für Kinder" vor dem Mindener Rathaus zur Mahnwache aufgerufen. Bis Ostern wollen sie jeden Montagabend hier stehen.

Auch wenn die Beziehung der Eltern scheitert, sollen Kinder zu beiden Elternteilen eine Beziehung aufbauen können. - © Foto: dpa
Auch wenn die Beziehung der Eltern scheitert, sollen Kinder zu beiden Elternteilen eine Beziehung aufbauen können. - © Foto: dpa

Die Mitglieder sind aus Lemgo, Rinteln, Extertal und Hameln angereist, doch auch in Minden haben sie immer mehr Anhänger. "Aktuell betreuen wir drei bis vier Fälle hier und haben sieben Mitglieder", sagt Pressesprecher Alexander Miller aus Lemgo.

Väter-Verein hält Mahnwache ab - © MINDEN
Väter-Verein hält Mahnwache ab - © MINDEN

Mit von der Partie sind hier auch die Großeltern des kleinen Kevin aus Porta, wo es sogar schon eine Unterschrifteninitiative von Nachbarn gab, die für eine Rückkehr des Jungen in seine Familie plädieren (das MT berichtete).

Und sie sind nicht die einzigen, die in diesem Kreis nicht gut auf das Jugendamt Minden zu sprechen sind. "Andere Jugendämter hören uns wenigstens an oder kooperieren sogar mit uns. Hier hatten wir schon Mühe, auch nur als Beistand zugelassen zu werden - obwohl doch jeder Betroffene ein Recht darauf hat", sagt Jürgen Kreth vom Kreisverein "Lippe-Weserbergland".

Kreth gehört zu den alten Hasen hier, er hat 2006 die hiesige Kreisgruppe gegründet. Und zusammen mit dem besonnenen Alexander Miller ist er derjenige, der beschwichtigt, relativiert, einordnet, wenn bei den anderen die Emotionen hochkochen. Und das passiert naturgemäß schnell: Fast jeder hier hat eine bittere Geschichte zu erzählen, von hässlichen Scheidungen, heftigen Vorwürfen und dem Gefühl, einer Behörde oder einem Gericht hilflos ausgeliefert zu sein.

Es geht um die Kinder

Für Außenstehende sind die einzelnen Fälle kaum zu durchschauen, geschweige denn zu beurteilen. Nicht zu übersehen ist aber: Diese Menschen leiden. Und trotzdem sagt einer der Männer: "Es geht nicht um mich, sondern um meine Kinder." Kindern, so lautet der Hauptvorwurf des Vereins, denen in Deutschland regelmäßig und systematisch das Recht genommen wird, zu beiden Elternteilen eine enge und liebevolle Beziehung zu unterhalten. "Wenn es ein Elternteil darauf anlegt, den Kontakt zum anderen zu unterbinden, dann schafft es das in Deutschland leider auch oft." Gerichte und Jugendämter würden zu wenig darauf drängen, dass ein gleichberechtigter Umgang organisiert und auch eingehalten würde.

Der Verein "Väteraufbruch für Kinder" vertritt längst nicht mehr nur Väter. Auch Mütter und Großeltern gehören zu den Mitgliedern. - © Foto: Nadine Conti
Der Verein "Väteraufbruch für Kinder" vertritt längst nicht mehr nur Väter. Auch Mütter und Großeltern gehören zu den Mitgliedern. - © Foto: Nadine Conti

Das gemeinsame Sorgerecht sei in dieser Hinsicht zwar ein rechtlicher Fortschritt. Der gelte aber nur für Eltern, die sich einigen könnten. Sobald sich ein Elternteil widersetzt, hätten Gerichte und Jugendämter die Tendenz, sich für eine Seite zu entscheiden.

Andere EU-Länder sind da sehr viel weiter, behauptet Alexander Miller, und verweist auf Belgien, wo das so genannte "Doppelresidenz"-Modell sehr viel verbreiteter sei. Dabei würden Kinder optimalerweise einen Teil der Woche beim Vater und einen Teil der Woche bei der Mutter verbringen.

Rollenverteilung längst nicht mehr zeitgemäß

"Hier ist man darauf fixiert, einen Lebensmittelpunkt zu benennen, einen Elternteil zum Betreuenden zu machen, und der andere ist dann nur noch Besucher", sagt Miller. Das zementiert oft eine traditionelle Rollenverteilung, die längst nicht mehr zeitgemäß ist und - nach der Reform des Unterhaltsrechtes - den betreuenden Elternteil oft auch ziemlich sicher in die Armut manövriert, während der andere langsam aber sicher den Draht zum Kind verliert.

Das betrifft oft, aber längst nicht nur die Väter. "Wir unterstützen auch Mütter oder Großeltern", betont Jürgen Kreth. Insofern sei der Name des Vereins ein bisschen überholt. Der Verein steht Betroffenen bei, versucht zu vermitteln, bietet Gespräche in Selbsthilfegruppen und organisiert Aktionen. Als Ansprechpartner für Betroffene und Interessierte, aber auch in der vagen Hoffnung, dass sich in den Köpfen derer etwas tut, die über das Schicksal von Familien zu entscheiden haben.

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