Das sind die Antworten der Landratskandidaten auf die Leserfragen - Teil 1 Minden (mt). Von der persönlichen Eignung über den Klimaschutz bis zur Situation der Polizei: Die MT-Leser noch einige Fragen an die Kandidaten für das Landratsamt. Nicht alle davon konnten während der Podiums-Veranstaltung beantwortet werden, doch Anna Bölling (CDU), Ingo Ellerkamp (SPD), Siegfried Gutsche (Grüne) und Thomas Röckemann (AfD) haben sich schriftlich zu den Leserfragen geäußert. Antworten auf die ersten fünf Fragen gibt es hier auf MT.de, weitere folgen in den nächsten Tagen. Welche Erfahrung bringen die Kandidaten mit, um das „Unternehmen“ Kreisverwaltung mit einer Vielzahl von Aufgaben und Mitarbeitern zu leiten? Anna Bölling (CDU): Ich bin die einzige Bewerberin, die Leitungserfahrung aus einer Kreisverwaltung mitbringt. Beim Landkreis Uelzen leite ich als Dezernentin den Arbeitsbereich Gesundheit, Soziales, Kinder und Jugend sowie Veterinärwesen und Verbraucherschutz mit rund 200 Mitarbeitern. Darüber hinaus habe ich sechs Jahre bei der CDU-Landtagsfraktion in Bremen gearbeitet. Ich kenne sowohl Politik als auch Verwaltung im städtischen Bereich und im ländlichen Raum. Ingo Ellerkamp (SPD): Ich leite seit acht Jahren das Baudezernat der Stadt Lübbecke und bin Stellvertreter des Bürgermeisters. Aus dieser Tätigkeit habe ich auch zahlreiche Kontakte und Einblick in die verschiedensten Bereiche der Kreisverwaltung – die ich im Übrigen nicht als „Unternehmen“ führen möchte, sondern als das, was sie ist: als Verwaltung und Dienstleister für alle Kommunen des Kreises und unsere Bürgerinnen und Bürger. Die notwendigen Kompetenzen und den Mut, diese Herausforderung anzunehmen und zu meistern, habe ich in verschiedenen Funktionen unter Beweis gestellt. Siegfried Gutsche (Grüne): Als aktives Kreistagsmitglied in verschiedenen Ausschüssen und Gremien bin ich bereits seit 2009 sehr eng mit der Kreisverwaltung verbunden. Ferner war ich in einem Betrieb mit 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von 1993 bis zum Jahr 2016 für Personalentwicklung und innerbetriebliche Fortbildung zuständig. Ich habe dort ferner das Qualitätsmanagement aufgebaut und Geschäftsberichte angefertigt. Thomas Röckemann (AfD): Nach dem Abitur absolvierte ich eine Ausbildung bei der Polizei Nordrhein-Westfalen. Neben der sich anschließenden zweijährigen Zeit als Beamter der Bereitschaftspolizei nahm ich das Studium der Rechtswissenschaften auf. Nach Abschluss des 1. Juristischen Staatsexamens war ich in einer Kreisverwaltung tätig. Mit Abschluss des 2. Juristischen Staatsexamens habe ich die Qualifikation für den Verwaltungsdienst erworben. Ich weiß also, wie Verwaltung funktioniert. Auch in meiner Funktion als Landessprecher meiner Partei hatte ich auch die Organisationshoheit über 5.000 Mitglieder. Gerade aufgrund der Verbandsarbeit bin ich es gewohnt, im Team zu arbeiten. Wie stellen Sie sich vor, dass Sie sich auch als zukünftige Verwaltungsspitze der Kreisverwaltung in diese einbringen? Bölling: Das Thema Mitarbeiterführung ist mir wichtig. Ich weiß, dass man gute Arbeitsergebnisse nur als Team und mit motivierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen erzielen kann. Als Arbeitgeberin und Verwaltungschefin werde ich mich deshalb sehr intensiv auch in die internen Arbeitsabläufe und in das Thema Führungskultur einbringen. Ellerkamp: Ich setze auf Kommunikation und Kooperation, aber auch auf klare Kante, wo es notwendig ist. Als Verwaltungschef bin nicht nur Vorgesetzter, Entscheider und Lenker, sondern auch für die Kolleginnen und Kollegen verantwortlich und betrachte das Haus als Team. Ich setze darauf, dass meine Haltung abfärbt und Möglichkeiten, Miteinander und Mut gefördert werden. Gutsche: Ich werde meine Ziele in enger Zusammenarbeit mit der Kreisdirektorin, den Dezernenten und den Amtsleitern umsetzen. Dabei steht für mich eine wertschätzende Kommunikationskultur im Mittelpunkt. Mein Ziel ist eine flache Hierarchie, bei der sich jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter aktiv in die Gestaltung der Arbeitsprozesse einbringen soll. Röckemann: Meine Stärken sind Zuhören, Beraten und Entscheiden. Zum Beispiel liegt mir das Thema Sicherheit sehr am Herzen. Als Chef der Kreispolizeibehörde werde ich für eine starke Präsenz der Polizei vor Ort stehen. Das Wachensterben der Vergangenheit hat zu Verwerfungen geführt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Was tun die Kandidaten als erstes, wenn sie im Amt wären? Bölling: Ich möchte meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und ihre Sorgen und Nöte kennenlernen. Nur mit motivierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen kann eine Verwaltung gut funktionieren. An erster Stelle steht für mich deshalb, mich hausintern über Arbeitsabläufe, Strukturen, Kommunikation ect. zu informieren. Zusätzlich werde ich in einigen Fachbereichen hospitieren. Ganz oben auf meiner Agenda ganz oben stehen auch der Kontakt und die Kommunikation mit den neugewählten politischen Gremien und den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen. Ellerkamp: Ich werde mich mit Führungskräften und den Mitarbeitenden austauschen, zuhören und Ideen sammeln. Umgehend werde ich auch das Gespräch mit der Politik suchen und allen demokratischen Parteien und Organisationen ein Angebot zur Zusammenarbeit machen. Bei den Themen, die schon auf der Agenda stehen, wird keine Zeit zu verlieren sein: Kampa-Halle, Kliniken, Klimaschutz. Gutsche: Ich werde mich als Person Siegfried Gutsche mit meinen Zielen bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisverwaltung vorstellen. Diese Vorstellung geschieht persönlich und in Form von Abteilungs- oder Gruppenbesprechungen. Gleichzeitig werde ich mich bei allen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern des Kreises, den Fraktionen des Kreistages, dem Personalrat, den Vertretern der Wirtschaft, den Wohlfahrtsverbänden und in den Kliniken vorstellen. Röckemann: Als erstes wird eine Konferenz der Verwaltung stattfinden, an der die Bürgermeister der Gemeinden eingeladen werden, um zu gucken, wo in den einzelnen Gemeinden der Schuh drückt. Ein ebenso wichtiges Thema ist der bisweilen kopflose Umgang mit Einwanderern. Auch hier gilt es Rechtssicherheit zu wahren und nach Hause zu schicken, sobald kein Aufenthaltstitel besteht. Leben im ländlichen Raum: Wie kann man die Bürger und die landwirtschaftlichen Betriebe wieder näher zusammenbringen? Viele Bürger ärgern sich über die Landwirte. Stichworte Spritzmittel und Güllegeruch. Andererseits sollen Flächen aber auch nicht brach liegen, da sonst die Unkräuter in die Gärten aussamen. Wie könnte man hier den Dialog finden und bei den Bürgern Verständnis für die Tätigkeiten auf dem Land bekommen? Und wie stehen Sie allgemein zum Thema Landwirtschaft? Bölling: Für mich ist die Entfremdung von dem, was wir auf dem Teller haben, eines der größten gesellschaftlichen Probleme. Es braucht wieder mehr Wertschätzung für landwirtschaftliche Erzeugnisse und für unsere Landwirtinnen und Landwirte. Im Mühlenkreis haben wir etwa 65 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche. Schon das belegt den Stellenwert der heimischen Landwirtschaft auch als Wirtschaftsfaktor. Wir müssen wieder mehr miteinander als übereinander sprechen. Das Thema Landwirtschaft muss auch in die Schulen transportiert werden. Ellerkamp: Gerade bei uns spielt die Landwirtschaft eine besondere Rolle, sie ist wirtschaftlicher Faktor, sorgt für unsere Nahrung und prägt das Erscheinungsbild unserer tollen Landschaft. Hier gilt wie bei vielen anderen Themen: Wir brauchen ein neues Miteinander. Nicht alle Konflikte werden sich auflösen lassen, aber aus Verständnis für die verschiedenen Sichtweisen können auch gute Lösungen wachsen. Im Übrigen bin ich kein Freund der Formel „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“: Wer die Qualitäten unseres ländlichen Raums genießen will, muss auch damit leben können, dass es mal nach Gülle riecht, wobei mein Eindruck ist, dass das von den meisten auch so gelebt wird. Gutsche: Ich stehe mit der Landwirtschaft im Austausch, weil wir ein ländlich geprägter Kreis sind und in einer Zeit leben, in der die Landwirtschaft dringend von der Politik unterstützt werden muss. Ich werde das Gespräch mit der Landwirtschaft vertiefen und dafür sorgen, dass wir im Kreis Minden-Lübbecke einen landwirtschaftlichen Beirat installieren, der die wichtigsten Sachfragen bearbeiten soll und welcher der Politik beratend zur Seite gestellt wird. Das Ziel einer ökologischen und ökonomischen Landwirtschaft muss nicht nur durch die Landwirte verfolgt werden, sondern auch durch ein verändertes Verbraucherverhalten unterstützt werden. Nahrungsmittel aus heimischer Produktion, die über Hofläden, Wochenmärkte und Supermärkte angeboten werden, müssen bei uns im Kreis Minden-Lübbecke zukünftig Vorrang haben. Röckemann: In erster Linie sind das Probleme der Kommunen vor Ort. Denen werde ich gerne bei Bedarf beratend zur Seite stehen. Ergänzend kann ich anmerken, dass die grünen Berufe unser aller Wertschätzung verdienen. Sie bilden einen zentralen Bestandteil unserer Kultur. In ihrer Arbeit liegt Wissen und Leidenschaft für Boden und Heimat. Viele Bürger möchten Lebensmittel aus Ihrer Region konsumieren. Wir wollen die regionale Lebensmittelerzeugung und Direktvermarktung durch bäuerliche Betriebe stärken. Hinderliche Vorschriften sind zu beseitigen.

Das sind die Antworten der Landratskandidaten auf die Leserfragen - Teil 1

Anna Bölling (CDU), Ingo Ellerkamp (SPD), Siegfried Gutsche (Grüne) und Thomas Röckemann (AfD) (v.l.) haben auf die Leserfragen schriftlich geantwortet. © Foto: Kai Senf

Minden (mt). Von der persönlichen Eignung über den Klimaschutz bis zur Situation der Polizei: Die MT-Leser noch einige Fragen an die Kandidaten für das Landratsamt. Nicht alle davon konnten während der Podiums-Veranstaltung beantwortet werden, doch Anna Bölling (CDU), Ingo Ellerkamp (SPD), Siegfried Gutsche (Grüne) und Thomas Röckemann (AfD) haben sich schriftlich zu den Leserfragen geäußert. Antworten auf die ersten fünf Fragen gibt es hier auf MT.de, weitere folgen in den nächsten Tagen.

Welche Erfahrung bringen die Kandidaten mit, um das „Unternehmen“ Kreisverwaltung mit einer Vielzahl von Aufgaben und Mitarbeitern zu leiten?

Anna Bölling (CDU): Ich bin die einzige Bewerberin, die Leitungserfahrung aus einer Kreisverwaltung mitbringt. Beim Landkreis Uelzen leite ich als Dezernentin den Arbeitsbereich Gesundheit, Soziales, Kinder und Jugend sowie Veterinärwesen und Verbraucherschutz mit rund 200 Mitarbeitern. Darüber hinaus habe ich sechs Jahre bei der CDU-Landtagsfraktion in Bremen gearbeitet. Ich kenne sowohl Politik als auch Verwaltung im städtischen Bereich und im ländlichen Raum.

Ingo Ellerkamp (SPD): Ich leite seit acht Jahren das Baudezernat der Stadt Lübbecke und bin Stellvertreter des Bürgermeisters. Aus dieser Tätigkeit habe ich auch zahlreiche Kontakte und Einblick in die verschiedensten Bereiche der Kreisverwaltung – die ich im Übrigen nicht als „Unternehmen“ führen möchte, sondern als das, was sie ist: als Verwaltung und Dienstleister für alle Kommunen des Kreises und unsere Bürgerinnen und Bürger. Die notwendigen Kompetenzen und den Mut, diese Herausforderung anzunehmen und zu meistern, habe ich in verschiedenen Funktionen unter Beweis gestellt.

Siegfried Gutsche (Grüne): Als aktives Kreistagsmitglied in verschiedenen Ausschüssen und Gremien bin ich bereits seit 2009 sehr eng mit der Kreisverwaltung verbunden. Ferner war ich in einem Betrieb mit 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von 1993 bis zum Jahr 2016 für Personalentwicklung und innerbetriebliche Fortbildung zuständig. Ich habe dort ferner das Qualitätsmanagement aufgebaut und Geschäftsberichte angefertigt.

Thomas Röckemann (AfD): Nach dem Abitur absolvierte ich eine Ausbildung bei der Polizei Nordrhein-Westfalen. Neben der sich anschließenden zweijährigen Zeit als Beamter der Bereitschaftspolizei nahm ich das Studium der Rechtswissenschaften auf. Nach Abschluss des 1. Juristischen Staatsexamens war ich in einer Kreisverwaltung tätig. Mit Abschluss des 2. Juristischen Staatsexamens habe ich die Qualifikation für den Verwaltungsdienst erworben. Ich weiß also, wie Verwaltung funktioniert. Auch in meiner Funktion als Landessprecher meiner Partei hatte ich auch die Organisationshoheit über 5.000 Mitglieder. Gerade aufgrund der Verbandsarbeit bin ich es gewohnt, im Team zu arbeiten.

Wie stellen Sie sich vor, dass Sie sich auch als zukünftige Verwaltungsspitze der Kreisverwaltung in diese einbringen?

Bölling: Das Thema Mitarbeiterführung ist mir wichtig. Ich weiß, dass man gute Arbeitsergebnisse nur als Team und mit motivierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen erzielen kann. Als Arbeitgeberin und Verwaltungschefin werde ich mich deshalb sehr intensiv auch in die internen Arbeitsabläufe und in das Thema Führungskultur einbringen.

Ellerkamp: Ich setze auf Kommunikation und Kooperation, aber auch auf klare Kante, wo es notwendig ist. Als Verwaltungschef bin nicht nur Vorgesetzter, Entscheider und Lenker, sondern auch für die Kolleginnen und Kollegen verantwortlich und betrachte das Haus als Team. Ich setze darauf, dass meine Haltung abfärbt und Möglichkeiten, Miteinander und Mut gefördert werden.

Gutsche: Ich werde meine Ziele in enger Zusammenarbeit mit der Kreisdirektorin, den Dezernenten und den Amtsleitern umsetzen. Dabei steht für mich eine wertschätzende Kommunikationskultur im Mittelpunkt. Mein Ziel ist eine flache Hierarchie, bei der sich jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter aktiv in die Gestaltung der Arbeitsprozesse einbringen soll.

Röckemann: Meine Stärken sind Zuhören, Beraten und Entscheiden. Zum Beispiel liegt mir das Thema Sicherheit sehr am Herzen. Als Chef der Kreispolizeibehörde werde ich für eine starke Präsenz der Polizei vor Ort stehen. Das Wachensterben der Vergangenheit hat zu Verwerfungen geführt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Was tun die Kandidaten als erstes, wenn sie im Amt wären?

Bölling: Ich möchte meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und ihre Sorgen und Nöte kennenlernen. Nur mit motivierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen kann eine Verwaltung gut funktionieren. An erster Stelle steht für mich deshalb, mich hausintern über Arbeitsabläufe, Strukturen, Kommunikation ect. zu informieren. Zusätzlich werde ich in einigen Fachbereichen hospitieren. Ganz oben auf meiner Agenda ganz oben stehen auch der Kontakt und die Kommunikation mit den neugewählten politischen Gremien und den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen.

Ellerkamp: Ich werde mich mit Führungskräften und den Mitarbeitenden austauschen, zuhören und Ideen sammeln. Umgehend werde ich auch das Gespräch mit der Politik suchen und allen demokratischen Parteien und Organisationen ein Angebot zur Zusammenarbeit machen. Bei den Themen, die schon auf der Agenda stehen, wird keine Zeit zu verlieren sein: Kampa-Halle, Kliniken, Klimaschutz.

Gutsche: Ich werde mich als Person Siegfried Gutsche mit meinen Zielen bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisverwaltung vorstellen. Diese Vorstellung geschieht persönlich und in Form von Abteilungs- oder Gruppenbesprechungen. Gleichzeitig werde ich mich bei allen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern des Kreises, den Fraktionen des Kreistages, dem Personalrat, den Vertretern der Wirtschaft, den Wohlfahrtsverbänden und in den Kliniken vorstellen.

Röckemann: Als erstes wird eine Konferenz der Verwaltung stattfinden, an der die Bürgermeister der Gemeinden eingeladen werden, um zu gucken, wo in den einzelnen Gemeinden der Schuh drückt. Ein ebenso wichtiges Thema ist der bisweilen kopflose Umgang mit Einwanderern. Auch hier gilt es Rechtssicherheit zu wahren und nach Hause zu schicken, sobald kein Aufenthaltstitel besteht.

Leben im ländlichen Raum: Wie kann man die Bürger und die landwirtschaftlichen Betriebe wieder näher zusammenbringen? Viele Bürger ärgern sich über die Landwirte. Stichworte Spritzmittel und Güllegeruch. Andererseits sollen Flächen aber auch nicht brach liegen, da sonst die Unkräuter in die Gärten aussamen. Wie könnte man hier den Dialog finden und bei den Bürgern Verständnis für die Tätigkeiten auf dem Land bekommen? Und wie stehen Sie allgemein zum Thema Landwirtschaft?

Bölling: Für mich ist die Entfremdung von dem, was wir auf dem Teller haben, eines der größten gesellschaftlichen Probleme. Es braucht wieder mehr Wertschätzung für landwirtschaftliche Erzeugnisse und für unsere Landwirtinnen und Landwirte. Im Mühlenkreis haben wir etwa 65 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche. Schon das belegt den Stellenwert der heimischen Landwirtschaft auch als Wirtschaftsfaktor. Wir müssen wieder mehr miteinander als übereinander sprechen. Das Thema Landwirtschaft muss auch in die Schulen transportiert werden.

Ellerkamp: Gerade bei uns spielt die Landwirtschaft eine besondere Rolle, sie ist wirtschaftlicher Faktor, sorgt für unsere Nahrung und prägt das Erscheinungsbild unserer tollen Landschaft. Hier gilt wie bei vielen anderen Themen: Wir brauchen ein neues Miteinander. Nicht alle Konflikte werden sich auflösen lassen, aber aus Verständnis für die verschiedenen Sichtweisen können auch gute Lösungen wachsen. Im Übrigen bin ich kein Freund der Formel „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“: Wer die Qualitäten unseres ländlichen Raums genießen will, muss auch damit leben können, dass es mal nach Gülle riecht, wobei mein Eindruck ist, dass das von den meisten auch so gelebt wird.

Gutsche: Ich stehe mit der Landwirtschaft im Austausch, weil wir ein ländlich geprägter Kreis sind und in einer Zeit leben, in der die Landwirtschaft dringend von der Politik unterstützt werden muss. Ich werde das Gespräch mit der Landwirtschaft vertiefen und dafür sorgen, dass wir im Kreis Minden-Lübbecke einen landwirtschaftlichen Beirat installieren, der die wichtigsten Sachfragen bearbeiten soll und welcher der Politik beratend zur Seite gestellt wird. Das Ziel einer ökologischen und ökonomischen Landwirtschaft muss nicht nur durch die Landwirte verfolgt werden, sondern auch durch ein verändertes Verbraucherverhalten unterstützt werden. Nahrungsmittel aus heimischer Produktion, die über Hofläden, Wochenmärkte und Supermärkte angeboten werden, müssen bei uns im Kreis Minden-Lübbecke zukünftig Vorrang haben.

Röckemann: In erster Linie sind das Probleme der Kommunen vor Ort. Denen werde ich gerne bei Bedarf beratend zur Seite stehen. Ergänzend kann ich anmerken, dass die grünen Berufe unser aller Wertschätzung verdienen. Sie bilden einen zentralen Bestandteil unserer Kultur. In ihrer Arbeit liegt Wissen und Leidenschaft für Boden und Heimat. Viele Bürger möchten Lebensmittel aus Ihrer Region konsumieren. Wir wollen die regionale Lebensmittelerzeugung und Direktvermarktung durch bäuerliche Betriebe stärken. Hinderliche Vorschriften sind zu beseitigen.

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