Chaos an den Testzentren: Das planen die MKK für die Zukunft Sebastian Radermacher Minden. Irgendwann ging einfach nichts mehr: Ein großer Ansturm auf die Drive-In-Testzentren der Mühlenkreiskliniken (MKK) in Lübbecke und Minden hat am frühen Dienstagabend zu teilweise erheblichen Verkehrsbehinderungen auf den jeweiligen Zufahrtsstraßen geführt und somit einen Polizeieinsatz ausgelöst. Besonders misslich war die Situation auf der B 65 in Blasheim, teilt die Kreispolizei am Mittwoch mit. Gegen 17 Uhr häuften sich auf der Leitstelle die Anrufe zu den Verkehrsbehinderungen am Marktgelände. So sollten einige der wartenden Fahrzeuge sogar auf dem Bahnübergang stehen, zudem käme es zu gewagten Überholmanövern, so die Polizei. Der Verkehr kam in beiden Fahrtrichtungen zum Erliegen. In Absprache mit den Verantwortlichen des Testzentrums sperrte die Polizei zunächst die Zufahrt zum Gelände. „Dadurch entspannte sich die Situation aber nur ungenügend." Deshalb mussten weitere Beamte im Umkreis den Verkehr ableiten – dies half jedoch nur kurzzeitig. „Letztlich wurde in Absprache mit der Leitung des Testzentrums sowie den Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes der Betrieb am Abend gänzlich eingestellt." Erst dadurch habe sich die Verkehrslage auf der Bundesstraße nachhaltig beruhigt. In Minden waren die Beamten gegen 17.50 Uhr über den Rückstau auf der Hausberger Straße informiert worden. Als die Polizei auf Kanzlers Weide eintraf, war das Gelände mit mehr als 150 Fahrzeugen restlos belegt. Von der Kaiserstraße kommend standen etwa 15 Autos auf der Hausberger Straße, in der Gegenrichtung mussten fünf Fahrer warten. Sie alle wollten auf das Testgelände abbiegen, kamen aber nicht voran. Wie in Lübbecke sperrte auch hier die Polizei die Zufahrt in Absprache ab. „Erst kurz vor der offiziellen Schließung des Zentrums ebbte der Verkehr ab." Um kurz vor 19 Uhr war der Polizeieinsatz beendet. Die Mühlenkreiskliniken hatten sich auf eine deutlich erhöhte Nachfrage eingestellt, teilt Sprecher Christian Busse am Mittwoch auf MT-Anfrage mit. Entsprechend seien die Schichten im Vorfeld bereits maximal verstärkt worden. „Trotzdem kam es teils zu chaotischen Zuständen", bedauert Busse. Er führt den Ansturm vor allem auf die tags darauf offiziell eingeführte 3G-Regel am Arbeitsplatz zurück, wonach Mitarbeitende, die nicht geimpft oder genesen sind, täglich einen negativen Schnelltest einer offiziellen Teststelle vorweisen müssen. Dieser dürfe maximal 24 Stunden alt sein, so Busse: „Am Dienstagnachmittag wurde es in den Testzentren deshalb richtig voll." Mit einem solchen Ansturm hätten im Übrigen zahlreiche Teststellen, zum Beispiel in Bielefeld, zu kämpfen gehabt, sagt Busse. Die Drive-In-Anlaufstellen der MKK hätten auch am Mittwoch einen starken Zulauf registriert, die Testwilligen hätten längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Der Sprecher versichert, dass die Mühlenkreiskliniken die Testkapazitäten weiter erhöhen werden, dies sei aber nicht von einem auf den anderen Tag möglich. Die Suche nach neuem Personal laufe auf Hochtouren, betont Busse, und zwar schon seit dem Tag der Ankündigung, dass die Schnelltests wieder kostenfrei werden. Doch das Personal müsse erst einmal gefunden und dann noch eingearbeitet werden. „Das funktioniert nicht auf Knopfdruck." Um dem starken Andrang gerecht zu werden, sollen die Öffnungszeiten bald wieder ausgedehnt werden, bestätigt Busse. „An dem Thema sind wir dran." Ob künftig möglicherweise auch die Anzahl der Teststraßen wieder erhöht wird, dazu wollte er sich noch nicht im Detail äußern. Zumal es aktuell auch schwierig sei, entsprechende Zelte und Container zu bekommen. „Wir müssen schauen. Aktuell brauchen wir erst mal dringend zusätzliches Personal." Die Mitarbeitenden in den Zentren würden ihr Bestes geben, die große Nachfrage zu bedienen. Viele würden mehr arbeiten, um die einzelnen Schichten zu verstärken. „Sie können am wenigsten für diese Situation", macht sich der Sprecher für das Personal stark. Er hat kein Verständnis dafür, dass Autofahrer ihren berechtigten Frust („Niemand steht gerne in einer Warteschlange") an Mitarbeitern der Testzentren auslassen. „Die Stimmung war aggressiv, es gab viele Beleidigungen und zum Teil auch Bedrohungen." Das sei ein Unding. Die Polizei spricht in ihrem Einsatzbericht von einer „gereizten Stimmungslage". Auch in den sozialen Netzwerken wird immer wieder Kritik laut. „Was soll das? Auf Kanzlers Weide ist nur eine Teststraße geöffnet, unmöglich", klagt ein Mann aus Minden. Eine Frau stimmt ihm zu: „Ja, schlimm! Ich habe letztens auch über 90 Minuten da gestanden – und das ganze für fünf Sekunden das Stäbchen im Hirn." Sollte es in den nächsten Tagen zu einem ähnlichen Andrang kommen und die Lage drohe aus dem Ruder zu laufen, werde man die Testzentren wohl erneut kurzfristig absperren müssen, sagt Christian Busse.

Chaos an den Testzentren: Das planen die MKK für die Zukunft

Viele Autos, wenig Personal: Auch am Mittwochnachmittag war der Andrang am Testzentrum auf Kanzlers Weide groß. Foto: Alex Lehn

Minden. Irgendwann ging einfach nichts mehr: Ein großer Ansturm auf die Drive-In-Testzentren der Mühlenkreiskliniken (MKK) in Lübbecke und Minden hat am frühen Dienstagabend zu teilweise erheblichen Verkehrsbehinderungen auf den jeweiligen Zufahrtsstraßen geführt und somit einen Polizeieinsatz ausgelöst.

Besonders misslich war die Situation auf der B 65 in Blasheim, teilt die Kreispolizei am Mittwoch mit. Gegen 17 Uhr häuften sich auf der Leitstelle die Anrufe zu den Verkehrsbehinderungen am Marktgelände. So sollten einige der wartenden Fahrzeuge sogar auf dem Bahnübergang stehen, zudem käme es zu gewagten Überholmanövern, so die Polizei. Der Verkehr kam in beiden Fahrtrichtungen zum Erliegen.

In Absprache mit den Verantwortlichen des Testzentrums sperrte die Polizei zunächst die Zufahrt zum Gelände. „Dadurch entspannte sich die Situation aber nur ungenügend." Deshalb mussten weitere Beamte im Umkreis den Verkehr ableiten – dies half jedoch nur kurzzeitig. „Letztlich wurde in Absprache mit der Leitung des Testzentrums sowie den Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes der Betrieb am Abend gänzlich eingestellt." Erst dadurch habe sich die Verkehrslage auf der Bundesstraße nachhaltig beruhigt.


In Minden waren die Beamten gegen 17.50 Uhr über den Rückstau auf der Hausberger Straße informiert worden. Als die Polizei auf Kanzlers Weide eintraf, war das Gelände mit mehr als 150 Fahrzeugen restlos belegt. Von der Kaiserstraße kommend standen etwa 15 Autos auf der Hausberger Straße, in der Gegenrichtung mussten fünf Fahrer warten. Sie alle wollten auf das Testgelände abbiegen, kamen aber nicht voran. Wie in Lübbecke sperrte auch hier die Polizei die Zufahrt in Absprache ab. „Erst kurz vor der offiziellen Schließung des Zentrums ebbte der Verkehr ab." Um kurz vor 19 Uhr war der Polizeieinsatz beendet.

Die Mühlenkreiskliniken hatten sich auf eine deutlich erhöhte Nachfrage eingestellt, teilt Sprecher Christian Busse am Mittwoch auf MT-Anfrage mit. Entsprechend seien die Schichten im Vorfeld bereits maximal verstärkt worden. „Trotzdem kam es teils zu chaotischen Zuständen", bedauert Busse. Er führt den Ansturm vor allem auf die tags darauf offiziell eingeführte 3G-Regel am Arbeitsplatz zurück, wonach Mitarbeitende, die nicht geimpft oder genesen sind, täglich einen negativen Schnelltest einer offiziellen Teststelle vorweisen müssen. Dieser dürfe maximal 24 Stunden alt sein, so Busse: „Am Dienstagnachmittag wurde es in den Testzentren deshalb richtig voll." Mit einem solchen Ansturm hätten im Übrigen zahlreiche Teststellen, zum Beispiel in Bielefeld, zu kämpfen gehabt, sagt Busse. Die Drive-In-Anlaufstellen der MKK hätten auch am Mittwoch einen starken Zulauf registriert, die Testwilligen hätten längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

Der Sprecher versichert, dass die Mühlenkreiskliniken die Testkapazitäten weiter erhöhen werden, dies sei aber nicht von einem auf den anderen Tag möglich. Die Suche nach neuem Personal laufe auf Hochtouren, betont Busse, und zwar schon seit dem Tag der Ankündigung, dass die Schnelltests wieder kostenfrei werden. Doch das Personal müsse erst einmal gefunden und dann noch eingearbeitet werden. „Das funktioniert nicht auf Knopfdruck."

Um dem starken Andrang gerecht zu werden, sollen die Öffnungszeiten bald wieder ausgedehnt werden, bestätigt Busse. „An dem Thema sind wir dran." Ob künftig möglicherweise auch die Anzahl der Teststraßen wieder erhöht wird, dazu wollte er sich noch nicht im Detail äußern. Zumal es aktuell auch schwierig sei, entsprechende Zelte und Container zu bekommen. „Wir müssen schauen. Aktuell brauchen wir erst mal dringend zusätzliches Personal."

Die Mitarbeitenden in den Zentren würden ihr Bestes geben, die große Nachfrage zu bedienen. Viele würden mehr arbeiten, um die einzelnen Schichten zu verstärken. „Sie können am wenigsten für diese Situation", macht sich der Sprecher für das Personal stark. Er hat kein Verständnis dafür, dass Autofahrer ihren berechtigten Frust („Niemand steht gerne in einer Warteschlange") an Mitarbeitern der Testzentren auslassen. „Die Stimmung war aggressiv, es gab viele Beleidigungen und zum Teil auch Bedrohungen." Das sei ein Unding. Die Polizei spricht in ihrem Einsatzbericht von einer „gereizten Stimmungslage".

Auch in den sozialen Netzwerken wird immer wieder Kritik laut. „Was soll das? Auf Kanzlers Weide ist nur eine Teststraße geöffnet, unmöglich", klagt ein Mann aus Minden. Eine Frau stimmt ihm zu: „Ja, schlimm! Ich habe letztens auch über 90 Minuten da gestanden – und das ganze für fünf Sekunden das Stäbchen im Hirn."

Sollte es in den nächsten Tagen zu einem ähnlichen Andrang kommen und die Lage drohe aus dem Ruder zu laufen, werde man die Testzentren wohl erneut kurzfristig absperren müssen, sagt Christian Busse.

Copyright © Mindener Tageblatt 2021
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Weiterlesen in Minden