"Das grenzt an Rufmord": Mindener distanziert sich nach Ausgangssperren-Protest von der AfD Patrick Schwemling Minden. Der stille Protest des Mindeners Rolf Biere, der am Mittwochabend allein vor der Polizeiwache gegen die Ausgangssperre im Mühlenkreis demonstriert hatte, zieht weite Kreise. Vor allem in den sozialen Netzwerken wurde intensiv darüber diskutiert: Zuspruch, Unverständnis und auch Aufrufe, es ihm nachzumachen. Auch der AfD-Kreisverband Minden-Lübbecke sowie viele AfD-Stadtverbände teilten den Beitrag über Biere mit der Überschrift „Ein Freiheitskämpfer für Minden!" Davon distanziert sich der 80-Jährige gegenüber dem MT ausdrücklich. Er möchte sich nicht vereinnahmen lassen und wird aus diesem Grund von seiner angekündigten Protest-Fortsetzung absehen. „Ich werde am Donnerstagabend nicht dort hingehen", teilt Biere auf MT-Anfrage mit und fügt an: „Das tue ich nicht, weil ich über Nacht zu anderer Meinung gekommen bin, sondern weil ich festgestellt habe, dass sich Leute anhängen, deren Meinung ich in keinster Weise teile." Er selbst sei nie Mitglied einer Partei gewesen und werde auch in keine eintreten. „Das, was die AfD da macht, ist absolut nicht in meinem Sinne. Dass dadurch ein Kontakt von mir dorthin suggeriert wird, grenzt fast schon an Rufmord", sagt der 80-Jährige. Er findet es unverständlich, dass Menschen diese Partei wählen, aber es gebe nun einmal Leute, die sie wählen. „Für mich ist die AfD eine rechtsradikale Partei, die in den Keller gehört. Wenn man sich die Entwicklung anschaut, dann marschiert sie glücklicherweise auch dahin." Die AfD hat die zahlreichen Beiträge, von denen der MT-Redaktion mindestens ein Screenshot vorliegt, wieder gelöscht. Eine Anfrage an den AfD-Kreisvorsitzenden Sebastian Landwehr nach dem Grund der Löschung blieb am Donnerstag zunächst unbeantwortet. Biere selbst steht weiter zu seiner Protestaktion, für die er Kritik einsteckte, aber auch Zuspruch bekam, wie er im MT-Gespräch mitteilt. „Mein Telefon stand kaum still", sagt der Rentner, der stets für eine offene Diskussion zu haben sei. „Viele Menschen kommentieren im Internet allerdings hinter Fantasienamen und sind Heckenschützen. Man kann gerne anderer Meinung sein, aber dann offen mit mir sprechen", sagt er und fügt an: „Meine Rufnummer steht im Telefonbuch." „Ich wollte aus der schweigenden Masse heraustreten", erklärte er seinen Beweggrund für den Protest am Mittwochabend. Ganz wichtig sei ihm dabei, dass er ganz allein seine Meinung sagen möchte. Keinesfalls will er, dass Menschen ihm folgen und ebenfalls vor der Polizeiwache demonstrieren. „Ich will nicht als Leithammel vor einer Horde Menschen herumtanzen." Auch weil er dies befürchtet, werde er den Protest nun aussetzen. Er hoffe jedoch weiter, dass er mit Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU) ins Gespräch kommen werde. „Dann würde ich meinen Protest auch einstellen", sagt der Rentner. Er meint nämlich auch, dass jeder Kranke einer zu viel sei. „Daher verstehe ich nicht, dass so wenig Leute aus der Prioritätsstufe 1 geimpft werden."

"Das grenzt an Rufmord": Mindener distanziert sich nach Ausgangssperren-Protest von der AfD

Rolf Biere distanziert sich von den Beiträgen der AfD, die ihn in sozialen Netzwerken als "Freiheitskämpfer für Minden" deklariert hatten. Inzwischen wurden diese Beiträge gelöscht. Foto: © MT-Archiv

Minden. Der stille Protest des Mindeners Rolf Biere, der am Mittwochabend allein vor der Polizeiwache gegen die Ausgangssperre im Mühlenkreis demonstriert hatte, zieht weite Kreise. Vor allem in den sozialen Netzwerken wurde intensiv darüber diskutiert: Zuspruch, Unverständnis und auch Aufrufe, es ihm nachzumachen.

Auch der AfD-Kreisverband Minden-Lübbecke sowie viele AfD-Stadtverbände teilten den Beitrag über Biere mit der Überschrift „Ein Freiheitskämpfer für Minden!" Davon distanziert sich der 80-Jährige gegenüber dem MT ausdrücklich. Er möchte sich nicht vereinnahmen lassen und wird aus diesem Grund von seiner angekündigten Protest-Fortsetzung absehen.

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„Ich werde am Donnerstagabend nicht dort hingehen", teilt Biere auf MT-Anfrage mit und fügt an: „Das tue ich nicht, weil ich über Nacht zu anderer Meinung gekommen bin, sondern weil ich festgestellt habe, dass sich Leute anhängen, deren Meinung ich in keinster Weise teile." Er selbst sei nie Mitglied einer Partei gewesen und werde auch in keine eintreten. „Das, was die AfD da macht, ist absolut nicht in meinem Sinne. Dass dadurch ein Kontakt von mir dorthin suggeriert wird, grenzt fast schon an Rufmord", sagt der 80-Jährige.


Er findet es unverständlich, dass Menschen diese Partei wählen, aber es gebe nun einmal Leute, die sie wählen. „Für mich ist die AfD eine rechtsradikale Partei, die in den Keller gehört. Wenn man sich die Entwicklung anschaut, dann marschiert sie glücklicherweise auch dahin."

Der AfD Kreisverband Minden-Lübbecke teilte den MT-Artikel über Rolf Biere. Warum dieser Beitrag, wie auch auf zahlreichen weiteren AfD-Seiten, verschwunden ist, blieb zunächst unbeantwortet. MT-Screenshot: - © Patrick Schwemling
Der AfD Kreisverband Minden-Lübbecke teilte den MT-Artikel über Rolf Biere. Warum dieser Beitrag, wie auch auf zahlreichen weiteren AfD-Seiten, verschwunden ist, blieb zunächst unbeantwortet. MT-Screenshot: - © Patrick Schwemling

Die AfD hat die zahlreichen Beiträge, von denen der MT-Redaktion mindestens ein Screenshot vorliegt, wieder gelöscht. Eine Anfrage an den AfD-Kreisvorsitzenden Sebastian Landwehr nach dem Grund der Löschung blieb am Donnerstag zunächst unbeantwortet.

Biere selbst steht weiter zu seiner Protestaktion, für die er Kritik einsteckte, aber auch Zuspruch bekam, wie er im MT-Gespräch mitteilt. „Mein Telefon stand kaum still", sagt der Rentner, der stets für eine offene Diskussion zu haben sei. „Viele Menschen kommentieren im Internet allerdings hinter Fantasienamen und sind Heckenschützen. Man kann gerne anderer Meinung sein, aber dann offen mit mir sprechen", sagt er und fügt an: „Meine Rufnummer steht im Telefonbuch."

„Ich wollte aus der schweigenden Masse heraustreten", erklärte er seinen Beweggrund für den Protest am Mittwochabend. Ganz wichtig sei ihm dabei, dass er ganz allein seine Meinung sagen möchte. Keinesfalls will er, dass Menschen ihm folgen und ebenfalls vor der Polizeiwache demonstrieren. „Ich will nicht als Leithammel vor einer Horde Menschen herumtanzen." Auch weil er dies befürchtet, werde er den Protest nun aussetzen.

Er hoffe jedoch weiter, dass er mit Landrätin Anna Katharina Bölling (CDU) ins Gespräch kommen werde. „Dann würde ich meinen Protest auch einstellen", sagt der Rentner. Er meint nämlich auch, dass jeder Kranke einer zu viel sei. „Daher verstehe ich nicht, dass so wenig Leute aus der Prioritätsstufe 1 geimpft werden."

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