Das Rampenloch wird zum Schmuddelkind der Stadt Monika Jäger Minden (mt). Ab sofort können sich alle bei der Stadt melden, die Pläne für die Zukunft des Rampenlochs haben und diese umsetzen wollen. Die Stadt Minden hat die einstige Bordellstraße vor einiger Zeit erworben. Jetzt sollen die Häuser weiter verkauft werden – aber nur an jemanden, der das Ganze im Sinne der Stadt entwickelt. Die Politik diskutierte über die Kriterien, die sie an die Pläne von Projektentwicklern anlegen will und warf dann mit sehr deutlichen Worten der Stadtverwaltung vor, dass sie das Gelände zu wenig pflegt. Das Verfahren für die weitere Entwicklung dieses Bereichs in der Oberen Altstadt ist kompliziert und hat mehrere Schritte, über die jetzt der Hauptausschuss informiert wurde. Insgesamt 19 Monate wollen sich die Beteiligten von Stadt und Politik Zeit nehmen, um die für Minden beste Entscheidung zu treffen. Zunächst können sich Interessenten mit einem Grundsatzkonzept bewerben. Aus diesem wählt dann der Bauausschuss die Vielversprechendsten aus. Diese müssen dann ihre Entwürfe nach festgelegten Kriterien schärfen. Auch hier entscheidet sich am Ende der Bauausschuss für einen Kandidaten, der daraufhin innerhalb eines Jahres ein planerisch und kalkulatorisch genau ausgearbeitetes Konzept vorlegen muss. Die Stadtverordneten diskutierten auch über die Gewichtung der Bewertungsfaktoren: Wie ist die städtebauliche Einbindung, welcher Kaufpreis wird geboten, sind die Ziele des Mindener Handlungskonzepts „Wohnen“ verwirklicht und ist das Vorgestellte überhaupt plausibel? Denn hier solle ja kein „Schicki-Micki-Wohnen“ (Peter Kock, SPD) entstehen, und alles müsse zum Areal ringsum mit Gefängnis und Greisenbruchstraße passen. Das führte zu der Diskussion um den aktuellen Zustands des Areals. Die Politik warf der Verwaltungsspitze „Verwahrlosung und Vermüllung“ vor (Hartmut Freise, FDP). Bettina Fuhg (Bündnis 90/Die Grünen) betonte: „Das ist kein gutes Bild für Minden: Man schafft durch Vernachlässigung Fakten und muss dann irgendwann das abreißen, was eine Perle für die Obere Altstadt ist.“ Peter Kock (SPD) schlug den Bogen noch weiter. Besonders in der Altstadt gebe es seit langem Grundstücke, die der Verwahrlosung preis gegeben seien. Da das – wie zum Beispiel an der Videbullenstraße – Privatbesitzer seien, gebe es wenig Möglichkeiten, öffentlich einzugreifen. „Aber wie sollen wir einem privaten Eigentümer sagen: 'Tu was', wenn die Stadt selbst auch nichts tut?“ Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) erklärte, die Stadt-Tochter MEW (Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft) habe die Grundstücke gekauft. „Wir werden kurzfristig mit denen sprechen.“ Auf MT-Nachfrage sagte gestern MEW-Geschäftsführer Claus-Dieter Cielobatzki, die Zuständigkeit sei geteilt. Eigentlich seien sich Stadt und MEW ursprünglich einig gewesen, dass die Stadt selbst die Federführung dort behält, weil sie das Areal ja auch entwickeln will: „Es gibt dann mehr Steuerungsmöglichkeiten.“ Die städtische Gebäudewirtschaft habe aber erklärt, dass sie diese Aufgabe zu der Zeit nicht übernehmen könne. Vertraglich vereinbart sei darum, dass sich die MEW um die Sicherung der Gebäude kümmere. So habe sie Zäune aufstellen lassen und auch Häuser gesichert, nachdem anfangs Einbrecher Kupferleitungen und anderes ausgebaut hätten. Jedoch: „Die Straße Rampenloch ist eine öffentliche Verkehrsfläche und obliegt der Unterhaltung durch die Stadt Minden.“ Im Auftrag der MEW sichte ein Hausmeister die Gebäude in unregelmäßigen Abständen. So sei beispielsweise die lang gewachsene Trauerweide am Haus Nummer 4 geschnitten worden. Auch Cielobatzki findet: „Zeitnah muss jetzt eine Klärung her, in welche Richtung die Dinge passieren sollen.“ Allerdings sieht er auch kein Problem darin, wenn an und in den Häusern noch eine Weile keine Entwicklung passiert. „In einem halben Jahr wird sich deren Zustand nicht wesentlich verschlechtern.“ Ein Leerstandsobjekt mitten in der Stadt zu pflegen, sei nicht ganz einfach, sagt er dann noch, „da können wir nicht ständig hinterher arbeiten.“ Wie die Stadt aktuell mit dem Thema Leerstand verfahre, wollte dann noch Bernd Müller (SPD) wissen. Eine Leerstandberatung sei doch politisch beschlossen worden. Antwort der Verwaltung: eine aufsuchende Beratung gebe es hier nicht. Dafür sei gar kein Personal vorhanden. Schwarze Perle Ein Kommentar von Monika Jäger Von Monika Jäger Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die Stadtverwaltung hat das Problem am Rampenloch erkannt. Ein Grundstück zu kaufen und es dann optisch vergammeln zu lassen – das sollte sie tunlichst vermeiden, wenn sie einigermaßen glaubwürdig Druck auf andere Eigentümer ausüben möchte, die sich insgesamt zu wenig um Wildwuchs, Vermüllung und Nachnutzung kümmern. Die schlechte: Die Stadtverwaltung weiß unglücklicherweise nicht, wer zuständig wäre, das Rampenloch zu pflegen. Kein Wunder bei so einer komplizierten Regelung. Einer für Müll, ein anderer für die Sicherung – am Ende ist niemand verantwortlich. Es ist schon traurig, wie lieblos die Stadt gerade mit diesem Areal umgeht, das doch (da sind sich alle irgendwie einig) eine Perle sein könnte. Die allerdings ist gerade recht schmuddelig. Es wird Zeit, dass jemand Verantwortung übernimmt. Und hinschaut.

Das Rampenloch wird zum Schmuddelkind der Stadt

Erst nachdem Diebe die Kabel rausmontiert hatten, seien die Häuser gesichert und die Straße abgesperrt worden, so die MEW. MT- © Foto: Lehn

Minden (mt). Ab sofort können sich alle bei der Stadt melden, die Pläne für die Zukunft des Rampenlochs haben und diese umsetzen wollen. Die Stadt Minden hat die einstige Bordellstraße vor einiger Zeit erworben. Jetzt sollen die Häuser weiter verkauft werden – aber nur an jemanden, der das Ganze im Sinne der Stadt entwickelt.

Die Politik diskutierte über die Kriterien, die sie an die Pläne von Projektentwicklern anlegen will und warf dann mit sehr deutlichen Worten der Stadtverwaltung vor, dass sie das Gelände zu wenig pflegt.

Das Verfahren für die weitere Entwicklung dieses Bereichs in der Oberen Altstadt ist kompliziert und hat mehrere Schritte, über die jetzt der Hauptausschuss informiert wurde. Insgesamt 19 Monate wollen sich die Beteiligten von Stadt und Politik Zeit nehmen, um die für Minden beste Entscheidung zu treffen. Zunächst können sich Interessenten mit einem Grundsatzkonzept bewerben. Aus diesem wählt dann der Bauausschuss die Vielversprechendsten aus. Diese müssen dann ihre Entwürfe nach festgelegten Kriterien schärfen. Auch hier entscheidet sich am Ende der Bauausschuss für einen Kandidaten, der daraufhin innerhalb eines Jahres ein planerisch und kalkulatorisch genau ausgearbeitetes Konzept vorlegen muss.

Die Stadtverordneten diskutierten auch über die Gewichtung der Bewertungsfaktoren: Wie ist die städtebauliche Einbindung, welcher Kaufpreis wird geboten, sind die Ziele des Mindener Handlungskonzepts „Wohnen“ verwirklicht und ist das Vorgestellte überhaupt plausibel? Denn hier solle ja kein „Schicki-Micki-Wohnen“ (Peter Kock, SPD) entstehen, und alles müsse zum Areal ringsum mit Gefängnis und Greisenbruchstraße passen.

Das Rampenloch und seine Umgebung spielt für die Entwicklung der Oberen Altstadt eine große Rolle. MT- - © Foto: Alex Lehn
Das Rampenloch und seine Umgebung spielt für die Entwicklung der Oberen Altstadt eine große Rolle. MT- - © Foto: Alex Lehn

Das führte zu der Diskussion um den aktuellen Zustands des Areals. Die Politik warf der Verwaltungsspitze „Verwahrlosung und Vermüllung“ vor (Hartmut Freise, FDP). Bettina Fuhg (Bündnis 90/Die Grünen) betonte: „Das ist kein gutes Bild für Minden: Man schafft durch Vernachlässigung Fakten und muss dann irgendwann das abreißen, was eine Perle für die Obere Altstadt ist.“ Peter Kock (SPD) schlug den Bogen noch weiter. Besonders in der Altstadt gebe es seit langem Grundstücke, die der Verwahrlosung preis gegeben seien. Da das – wie zum Beispiel an der Videbullenstraße – Privatbesitzer seien, gebe es wenig Möglichkeiten, öffentlich einzugreifen. „Aber wie sollen wir einem privaten Eigentümer sagen: 'Tu was', wenn die Stadt selbst auch nichts tut?“ Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) erklärte, die Stadt-Tochter MEW (Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft) habe die Grundstücke gekauft. „Wir werden kurzfristig mit denen sprechen.“ Auf MT-Nachfrage sagte gestern MEW-Geschäftsführer Claus-Dieter Cielobatzki, die Zuständigkeit sei geteilt. Eigentlich seien sich Stadt und MEW ursprünglich einig gewesen, dass die Stadt selbst die Federführung dort behält, weil sie das Areal ja auch entwickeln will: „Es gibt dann mehr Steuerungsmöglichkeiten.“ Die städtische Gebäudewirtschaft habe aber erklärt, dass sie diese Aufgabe zu der Zeit nicht übernehmen könne. Vertraglich vereinbart sei darum, dass sich die MEW um die Sicherung der Gebäude kümmere. So habe sie Zäune aufstellen lassen und auch Häuser gesichert, nachdem anfangs Einbrecher Kupferleitungen und anderes ausgebaut hätten. Jedoch: „Die Straße Rampenloch ist eine öffentliche Verkehrsfläche und obliegt der Unterhaltung durch die Stadt Minden.“

Im Auftrag der MEW sichte ein Hausmeister die Gebäude in unregelmäßigen Abständen. So sei beispielsweise die lang gewachsene Trauerweide am Haus Nummer 4 geschnitten worden. Auch Cielobatzki findet: „Zeitnah muss jetzt eine Klärung her, in welche Richtung die Dinge passieren sollen.“ Allerdings sieht er auch kein Problem darin, wenn an und in den Häusern noch eine Weile keine Entwicklung passiert. „In einem halben Jahr wird sich deren Zustand nicht wesentlich verschlechtern.“ Ein Leerstandsobjekt mitten in der Stadt zu pflegen, sei nicht ganz einfach, sagt er dann noch, „da können wir nicht ständig hinterher arbeiten.“

Wie die Stadt aktuell mit dem Thema Leerstand verfahre, wollte dann noch Bernd Müller (SPD) wissen. Eine Leerstandberatung sei doch politisch beschlossen worden. Antwort der Verwaltung: eine aufsuchende Beratung gebe es hier nicht. Dafür sei gar kein Personal vorhanden.

Schwarze Perle

Ein Kommentar von Monika Jäger

Von Monika Jäger Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die Stadtverwaltung hat das Problem am Rampenloch erkannt. Ein Grundstück zu kaufen und es dann optisch vergammeln zu lassen – das sollte sie tunlichst vermeiden, wenn sie einigermaßen glaubwürdig Druck auf andere Eigentümer ausüben möchte, die sich insgesamt zu wenig um Wildwuchs, Vermüllung und Nachnutzung kümmern.

Die schlechte: Die Stadtverwaltung weiß unglücklicherweise nicht, wer zuständig wäre, das Rampenloch zu pflegen. Kein Wunder bei so einer komplizierten Regelung. Einer für Müll, ein anderer für die Sicherung – am Ende ist niemand verantwortlich.

Es ist schon traurig, wie lieblos die Stadt gerade mit diesem Areal umgeht, das doch (da sind sich alle irgendwie einig) eine Perle sein könnte. Die allerdings ist gerade recht schmuddelig. Es wird Zeit, dass jemand Verantwortung übernimmt. Und hinschaut.

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