Corona: Viele Mühlenvereine haben die Saison bereits abgeschrieben Kerstin Rickert Minden. „Ich weiß nichts mehr“, sagt Heinz Piontek vom Heimatverein Dützen, der in dem Mindener Stadtteil die Hummelbecker Mühle betreibt. Sie ist eine von 43 restaurierten Mühlen an der Westfälischen Mühlenstraße durch den Kreis Minden-Lübbecke – Wahrzeichen des Mühlenkreises und beliebte Ausflugsziele. Vor allem in der wärmeren Jahreszeit zwischen April und Oktober, wenn die Mühlengruppen an Mahl- und Backtagen mit Festen und Aktionen locken und Einblicke in den Betrieb der historischen Mühlen gewähren. In diesem Jahr ist alles anders. Corona hat die Ehrenamtlichen, die Deutschlands größtes Freilichtmuseum am Laufen halten, ausgebremst. Das MT hat sich bei einigen von ihnen umgehört, was das für ihre Arbeit bedeutet. Die Mühlensaison 2020 Der Deutsche Mühlentag, der regelmäßig am Pfingstmontag tausende Radtouristen an die Mühlen lockt: abgesagt. Mahl- und Backtage: gestrichen. „Die Mühlensaison liegt komplett brach“, sagt Friedrich Rohlfing. Er ist Geschäftsführer des Mühlenvereins im Kreis Minden-Lübbecke und Leiter des Mühlenbauhofs in Frille, einer deutschlandweit einmaligen Einrichtung, deren Aufgabe die denkmalgerechte Unterhaltung und Instandsetzung der Mühlen im Kreisgebiet ist. Rohlfing und seine Mitarbeiter leisten immer dort Unterstützung, wo die ehrenamtliche Arbeit der Mühlengruppen an ihre Grenzen stößt. Verschindelungen, die erneuert werden müssen, Restaurierung historischer Mahlgänge, Bau von Wasserrädern oder Flügeln, um die Funktionstüchtigkeit der Mühlen zu erhalten. Das ist auch in diesem Jahr nicht anders. „Wir sind gar nicht so sehr betroffen“, sagt Rohlfing. „Die handwerklichen Arbeiten sind relativ normal weitergegangen, wie fast überall in der Baubranche.“ Bis auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln habe es für den Mühlenbauhof kaum Einschränkungen gegeben. Die finanzielle Förderung sei von der Bezirksregierung und dem LWL auch genehmigt worden. Wie das allerdings im nächsten Jahr aussieht, steht auf einem anderen Blatt. Fehlende Einnahmen Die Mühlengruppen hat der gemäßigte Shutdown voll erwischt. Sie haben laufende Kosten, aber keine Einnahmen. „Natürlich müssen wir weiter Versicherungsbeiträge zahlen. Strom, Wasser, Heizung, das läuft alles weiter“, sagt Heinz Piontek. Das sei aber zu verkraften. Viel schlimmer sei, dass für nächstes Jahr schon viele Arbeiten an der Dützer Mühle geplant seien, nun aber kein Geld in die Kasse komme. „Unsere Träume sind zerplatzt wie Seifenblasen.“ „Wir haben zum Glück ein paar Rücklagen“, sagt Andreas Schneider von der Mühlengruppe Südhemmern. „Wir können nur hoffen, dass wir als eine der großen Mühlengruppen mit viel Besucherverkehr durchkommen.“ Zum Glück sei der Beginn der Krise nicht in die Saison gefallen, sagt Ulrike Grannemann von der Mühlengruppe Eickhorst. „Die Einnahmen fehlen natürlich, aber der Lockdown kam vor der Saison und so hatten wir zumindest auch noch nicht eingekauft.“ Auf einen deutlichen Spenden-Rückgang richtet sich der Verein Schiffmühle Minden ein. „Normalerweise haben wir 15 bis 18.000 Besucher im Jahr, die fehlen uns natürlich“, sagt Vereins-Geschäftsführer Horst Grüner. Er sei aber optimistisch, das Jahr zu überleben. „Unser Hauptstandbein ist die Gastronomie, und die läuft inzwischen ja wieder.“ Pläne? Bis Ende August hat Heinz Piontek alle Veranstaltungen an der Dützer Mühle gestrichen. „Das ist der Stichtag, den Angela Merkel für größere Veranstaltungen genannt hat. Dann müssen wir weitersehen“, so der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins. Er hoffe noch auf das Herbstfest im September. „Aber ich bin unsicher, ob wir es stattfinden lassen können, selbst wenn es wieder erlaubt sein sollte. Normalerweise verarbeiten wir beim Herbstfest 100 Kilo Kartoffeln zu Reibekuchen, aber auf Erfahrungswerte können wir in diesem Jahr wohl kaum zurückgreifen.“ Wie viele Besucher überhaupt kommen würden, könne er nicht einschätzen. „Bleiben wir auf der Ware sitzen oder werden wir womöglich überrannt?“, sind Fragen, die Piontek sich stellt. „Es sind einfach zu viele Unwägbarkeiten“, findet auch Ulrike Grannemann von der Mühlengruppe Eickhorst. Seit dem 2. Juni könnten die Mühlengruppen zwar selbst entscheiden, ob sie öffnen. Das sei für die Eickhorster aber allein schon wegen der hohen Auflagen keine Option. „Es gelten dieselben Hygiene-Regeln wie in Restaurants. Das fängt schon bei der Herstellung an. Wir müssten die Gäste nachhalten wegen möglicher Infektionsketten, und die Ehrenamtlichen müssten eine Unterweisung bekommen“, macht Grannemann deutlich. Der Aufwand sei einfach zu groß und für Ehrenamtliche nicht zu leisten. Dazu komme, dass sowohl ein Großteil der Helfer als auch die meisten Gäste zur Risikogruppe gehörten. „Im Moment haben wir die Saison abgeschrieben“, so Grannemann. In Porta Westfalica-Holzhausen ist die Lage ähnlich. „Wir werden nicht öffnen, denn wir können die Auflagen nicht erfüllen“, sagt Rainer Traue von der Mühlengruppe, die dort Maschmeyers Mühle betreut. Gästelisten führen, Besucher an die Tische begleiten, ständig desinfizieren - all das sei nicht zu machen und die Gefahr, dass etwas passiere, viel zu groß. „Das Risiko können wir nicht eingehen und müssen es auch nicht. Wir machen das alles ja als Hobby“, sagt Traue. Er könne sich vorstellen, eventuell den Plattdeutschen Gottesdienst im August stattfinden zu lassen, aber das müsse er noch mit der Kirchengemeinde abstimmen. „Und wenn, dann ohne Bewirtung und wir würden draußen Stühle auf Abstand stellen.“ Auch an der Mühle Südhemmern hat bislang kein Mahl- und Backtag stattgefunden, und das wird sich vorerst auch nicht ändern. Ganz abgeschrieben hat Andreas Schneider von der dortigen Mühlengruppe die diesjährige Saison aber noch nicht. „Vielleicht haben wir Glück und können zwei Mal öffnen, das wäre schön. Und wenn es erst im Oktober möglich sein sollte, dann machen wir auch nur für einen Tag auf“, sagt er. Das alles hänge aber davon ab, inwieweit sich die Menschen an die Regeln halten würden und eine Rückkehr zur Normalität überhaupt möglich sei. Die derzeitigen Auflagen und die damit verbundene Verantwortung schätzt auch er als zu groß ein. „An den Backtagen sind alle Aktiven im Einsatz, darunter auch viele Ältere. Das können wir nicht handeln.“ Der Verein Schiffmühle in Minden tastet sich mittlerweile in kleinen Schritten heran. Seit Pfingstsamstag kann die Schiffmühle wieder zu den üblichen Öffnungszeiten besucht werden, wenn auch mit Einschränkungen. „Maximal vier Leute gleichzeitig und keine Gruppenführungen“, erklärt Vereins-Geschäftsführer Horst Grüner. Wer die Schiffmühle besichtigen möchte, muss klingeln und sich an die Hygienevorschriften halten. Dass die Schiffmühle wieder öffnen konnte, ist möglich, weil „wir hauptamtliche Schiffmüller haben, die den Dienst verrichten“. „Trotzdem ist das im Moment ein mühseliges Unterfangen“, sagt Grüner. „Das Desinfektionsmittel, das wir für die Besucher vorhalten, ist uns gleich am ersten Tag geklaut worden.“ Ein neuer Spender sei angeschafft worden und nun besser gesichert. Hofft Horst Grüner zumindest. Den Räucherfischtag an der Schiffmühle hat der Verein abgesagt. Ob es noch ein paar kleinere Veranstaltungen im Freien geben wird, ist laut Grüner noch nicht sicher. Wie sieht die ehrenamtliche Arbeit aus? An der Schiffmühle sind auch die sogenannten Müllertreffs bisher ausgefallen. Horst Grüner hofft, dass es auch damit bald wieder losgehen kann. „Die Ehrenamtlichen vermissen die regelmäßigen Treffen und den Kontakt untereinander“, sagt er. „Vielleicht wird es im Juli wieder ein erstes Treffen geben, draußen und mit gebührendem Abstand.“ Die Eickhorster Mühle liegt laut Ulrike Grannemann „quasi noch im Winterschlaf“. „Wir haben die Zeit genutzt, um Leitungen zu legen. Die Mühle bekommt nämlich schnelles Internet.“ Ansonsten stünden Renovierungsmaßnahmen an. „Wir hoffen, dass wir dann nächstes Jahr mit neuer Kraft und schick in die neue Saison gehen können.“ Davon, dass es rund um Maschmeyers Mühle in Holzhausen nächstes Jahr wieder losgeht, ist Rainer Traue fest überzeugt. „Und dafür lebe ich“, sagt er. „In diesem Jahr müssen wir Ruhe bewahren.“ Untätig sind die Ehrenamtlichen nicht. „Wartungsarbeiten haben wir genug. Wir haben schon das Backhaus restauriert. Der Kranz der Mühle muss gefettet werden. Außerdem steht die übliche Pflege der Außenanlagen an. Es gibt immer etwas zu tun“, sagt Traue. Auch in den anderen Mühlengruppen ruht zumindest die Vereinsarbeit nicht. In Südhemmern wurde zweimal der Ofen des Backhauses angeheizt, um Brot und Kuchen für die Aktiven zu backen. „Darauf sollten die Ehrenamtlichen wenigstens zu Ostern und zum Muttertag nicht verzichten müssen“, sagt Andreas Schneider. Beim Abriss einer alten Hofstätte im Ort hätten ein Torbogen und ein alter Balken gesichert werden können, die nun auf dem Mühlengelände einen Platz finden sollen. Außerdem sei geplant, den elektrischen Mahlgang überholen zu lassen. „Durch die Umstände haben wir da jetzt weniger Druck.“ In Dützen stehen Aufräumarbeiten an. „Und der Zaun wird repariert“, erzählt Heinz Piontek. Die Jahreshauptversammlung müsse noch nachgeholt werden. Und vielleicht bereiten sich die Dützer dann ja doch noch auf das Herbstfest im September vor.

Corona: Viele Mühlenvereine haben die Saison bereits abgeschrieben

Minden. „Ich weiß nichts mehr“, sagt Heinz Piontek vom Heimatverein Dützen, der in dem Mindener Stadtteil die Hummelbecker Mühle betreibt. Sie ist eine von 43 restaurierten Mühlen an der Westfälischen Mühlenstraße durch den Kreis Minden-Lübbecke – Wahrzeichen des Mühlenkreises und beliebte Ausflugsziele. Vor allem in der wärmeren Jahreszeit zwischen April und Oktober, wenn die Mühlengruppen an Mahl- und Backtagen mit Festen und Aktionen locken und Einblicke in den Betrieb der historischen Mühlen gewähren. In diesem Jahr ist alles anders. Corona hat die Ehrenamtlichen, die Deutschlands größtes Freilichtmuseum am Laufen halten, ausgebremst. Das MT hat sich bei einigen von ihnen umgehört, was das für ihre Arbeit bedeutet.

Die Mühlensaison 2020

Beliebtes Ziel: Die Mühle in Südhemmern MT- - © Foto: Archiv
Beliebtes Ziel: Die Mühle in Südhemmern MT- - © Foto: Archiv

Der Deutsche Mühlentag, der regelmäßig am Pfingstmontag tausende Radtouristen an die Mühlen lockt: abgesagt. Mahl- und Backtage: gestrichen. „Die Mühlensaison liegt komplett brach“, sagt Friedrich Rohlfing. Er ist Geschäftsführer des Mühlenvereins im Kreis Minden-Lübbecke und Leiter des Mühlenbauhofs in Frille, einer deutschlandweit einmaligen Einrichtung, deren Aufgabe die denkmalgerechte Unterhaltung und Instandsetzung der Mühlen im Kreisgebiet ist. Rohlfing und seine Mitarbeiter leisten immer dort Unterstützung, wo die ehrenamtliche Arbeit der Mühlengruppen an ihre Grenzen stößt. Verschindelungen, die erneuert werden müssen, Restaurierung historischer Mahlgänge, Bau von Wasserrädern oder Flügeln, um die Funktionstüchtigkeit der Mühlen zu erhalten. Das ist auch in diesem Jahr nicht anders. „Wir sind gar nicht so sehr betroffen“, sagt Rohlfing. „Die handwerklichen Arbeiten sind relativ normal weitergegangen, wie fast überall in der Baubranche.“ Bis auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln habe es für den Mühlenbauhof kaum Einschränkungen gegeben. Die finanzielle Förderung sei von der Bezirksregierung und dem LWL auch genehmigt worden. Wie das allerdings im nächsten Jahr aussieht, steht auf einem anderen Blatt.

Fehlende Einnahmen

Die Holzhauser Mühle ist sehr gefragt. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
Die Holzhauser Mühle ist sehr gefragt. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert

Die Mühlengruppen hat der gemäßigte Shutdown voll erwischt. Sie haben laufende Kosten, aber keine Einnahmen. „Natürlich müssen wir weiter Versicherungsbeiträge zahlen. Strom, Wasser, Heizung, das läuft alles weiter“, sagt Heinz Piontek. Das sei aber zu verkraften. Viel schlimmer sei, dass für nächstes Jahr schon viele Arbeiten an der Dützer Mühle geplant seien, nun aber kein Geld in die Kasse komme. „Unsere Träume sind zerplatzt wie Seifenblasen.“ „Wir haben zum Glück ein paar Rücklagen“, sagt Andreas Schneider von der Mühlengruppe Südhemmern. „Wir können nur hoffen, dass wir als eine der großen Mühlengruppen mit viel Besucherverkehr durchkommen.“ Zum Glück sei der Beginn der Krise nicht in die Saison gefallen, sagt Ulrike Grannemann von der Mühlengruppe Eickhorst. „Die Einnahmen fehlen natürlich, aber der Lockdown kam vor der Saison und so hatten wir zumindest auch noch nicht eingekauft.“ Auf einen deutlichen Spenden-Rückgang richtet sich der Verein Schiffmühle Minden ein. „Normalerweise haben wir 15 bis 18.000 Besucher im Jahr, die fehlen uns natürlich“, sagt Vereins-Geschäftsführer Horst Grüner. Er sei aber optimistisch, das Jahr zu überleben. „Unser Hauptstandbein ist die Gastronomie, und die läuft inzwischen ja wieder.“

Pläne?

Bis Ende August hat Heinz Piontek alle Veranstaltungen an der Dützer Mühle gestrichen. „Das ist der Stichtag, den Angela Merkel für größere Veranstaltungen genannt hat. Dann müssen wir weitersehen“, so der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins. Er hoffe noch auf das Herbstfest im September. „Aber ich bin unsicher, ob wir es stattfinden lassen können, selbst wenn es wieder erlaubt sein sollte. Normalerweise verarbeiten wir beim Herbstfest 100 Kilo Kartoffeln zu Reibekuchen, aber auf Erfahrungswerte können wir in diesem Jahr wohl kaum zurückgreifen.“ Wie viele Besucher überhaupt kommen würden, könne er nicht einschätzen. „Bleiben wir auf der Ware sitzen oder werden wir womöglich überrannt?“, sind Fragen, die Piontek sich stellt.

„Es sind einfach zu viele Unwägbarkeiten“, findet auch Ulrike Grannemann von der Mühlengruppe Eickhorst. Seit dem 2. Juni könnten die Mühlengruppen zwar selbst entscheiden, ob sie öffnen. Das sei für die Eickhorster aber allein schon wegen der hohen Auflagen keine Option. „Es gelten dieselben Hygiene-Regeln wie in Restaurants. Das fängt schon bei der Herstellung an. Wir müssten die Gäste nachhalten wegen möglicher Infektionsketten, und die Ehrenamtlichen müssten eine Unterweisung bekommen“, macht Grannemann deutlich. Der Aufwand sei einfach zu groß und für Ehrenamtliche nicht zu leisten. Dazu komme, dass sowohl ein Großteil der Helfer als auch die meisten Gäste zur Risikogruppe gehörten. „Im Moment haben wir die Saison abgeschrieben“, so Grannemann.

In Porta Westfalica-Holzhausen ist die Lage ähnlich. „Wir werden nicht öffnen, denn wir können die Auflagen nicht erfüllen“, sagt Rainer Traue von der Mühlengruppe, die dort Maschmeyers Mühle betreut. Gästelisten führen, Besucher an die Tische begleiten, ständig desinfizieren - all das sei nicht zu machen und die Gefahr, dass etwas passiere, viel zu groß. „Das Risiko können wir nicht eingehen und müssen es auch nicht. Wir machen das alles ja als Hobby“, sagt Traue. Er könne sich vorstellen, eventuell den Plattdeutschen Gottesdienst im August stattfinden zu lassen, aber das müsse er noch mit der Kirchengemeinde abstimmen. „Und wenn, dann ohne Bewirtung und wir würden draußen Stühle auf Abstand stellen.“

Auch an der Mühle Südhemmern hat bislang kein Mahl- und Backtag stattgefunden, und das wird sich vorerst auch nicht ändern. Ganz abgeschrieben hat Andreas Schneider von der dortigen Mühlengruppe die diesjährige Saison aber noch nicht. „Vielleicht haben wir Glück und können zwei Mal öffnen, das wäre schön. Und wenn es erst im Oktober möglich sein sollte, dann machen wir auch nur für einen Tag auf“, sagt er. Das alles hänge aber davon ab, inwieweit sich die Menschen an die Regeln halten würden und eine Rückkehr zur Normalität überhaupt möglich sei. Die derzeitigen Auflagen und die damit verbundene Verantwortung schätzt auch er als zu groß ein. „An den Backtagen sind alle Aktiven im Einsatz, darunter auch viele Ältere. Das können wir nicht handeln.“

Der Verein Schiffmühle in Minden tastet sich mittlerweile in kleinen Schritten heran. Seit Pfingstsamstag kann die Schiffmühle wieder zu den üblichen Öffnungszeiten besucht werden, wenn auch mit Einschränkungen. „Maximal vier Leute gleichzeitig und keine Gruppenführungen“, erklärt Vereins-Geschäftsführer Horst Grüner. Wer die Schiffmühle besichtigen möchte, muss klingeln und sich an die Hygienevorschriften halten. Dass die Schiffmühle wieder öffnen konnte, ist möglich, weil „wir hauptamtliche Schiffmüller haben, die den Dienst verrichten“. „Trotzdem ist das im Moment ein mühseliges Unterfangen“, sagt Grüner. „Das Desinfektionsmittel, das wir für die Besucher vorhalten, ist uns gleich am ersten Tag geklaut worden.“ Ein neuer Spender sei angeschafft worden und nun besser gesichert. Hofft Horst Grüner zumindest. Den Räucherfischtag an der Schiffmühle hat der Verein abgesagt. Ob es noch ein paar kleinere Veranstaltungen im Freien geben wird, ist laut Grüner noch nicht sicher.

Wie sieht die ehrenamtliche Arbeit aus?

An der Schiffmühle sind auch die sogenannten Müllertreffs bisher ausgefallen. Horst Grüner hofft, dass es auch damit bald wieder losgehen kann. „Die Ehrenamtlichen vermissen die regelmäßigen Treffen und den Kontakt untereinander“, sagt er. „Vielleicht wird es im Juli wieder ein erstes Treffen geben, draußen und mit gebührendem Abstand.“

Die Eickhorster Mühle liegt laut Ulrike Grannemann „quasi noch im Winterschlaf“. „Wir haben die Zeit genutzt, um Leitungen zu legen. Die Mühle bekommt nämlich schnelles Internet.“ Ansonsten stünden Renovierungsmaßnahmen an. „Wir hoffen, dass wir dann nächstes Jahr mit neuer Kraft und schick in die neue Saison gehen können.“

Davon, dass es rund um Maschmeyers Mühle in Holzhausen nächstes Jahr wieder losgeht, ist Rainer Traue fest überzeugt. „Und dafür lebe ich“, sagt er. „In diesem Jahr müssen wir Ruhe bewahren.“ Untätig sind die Ehrenamtlichen nicht. „Wartungsarbeiten haben wir genug. Wir haben schon das Backhaus restauriert. Der Kranz der Mühle muss gefettet werden. Außerdem steht die übliche Pflege der Außenanlagen an. Es gibt immer etwas zu tun“, sagt Traue.

Auch in den anderen Mühlengruppen ruht zumindest die Vereinsarbeit nicht. In Südhemmern wurde zweimal der Ofen des Backhauses angeheizt, um Brot und Kuchen für die Aktiven zu backen. „Darauf sollten die Ehrenamtlichen wenigstens zu Ostern und zum Muttertag nicht verzichten müssen“, sagt Andreas Schneider. Beim Abriss einer alten Hofstätte im Ort hätten ein Torbogen und ein alter Balken gesichert werden können, die nun auf dem Mühlengelände einen Platz finden sollen. Außerdem sei geplant, den elektrischen Mahlgang überholen zu lassen. „Durch die Umstände haben wir da jetzt weniger Druck.“ In Dützen stehen Aufräumarbeiten an. „Und der Zaun wird repariert“, erzählt Heinz Piontek. Die Jahreshauptversammlung müsse noch nachgeholt werden. Und vielleicht bereiten sich die Dützer dann ja doch noch auf das Herbstfest im September vor.

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