Corona-Infektionen: Wie viele Fälle gab es an Mindener Schulen? Benjamin Piel Minden. Von Corona-Zahlen an Schulen war im Dezember weniger zu hören als in den Monaten zuvor. Es gebe an den Minden-Lübbecker Bildungseinrichtungen „einzelne Fälle", hieß es regelmäßig in Mitteilungen des Kreises. Das sollte heißen: Keine großen Ausbrüche an einzelnen Schulen, dagegen viele Einzelfälle an vielen Schulen. Ein Lehrer, der an einer weiterführenden Schule in Minden unterrichtet und das MT kontaktiert hat, empfindet die Informationspolitik von Kreis und Schulen als „Verschleierung statt Transparenz". Er hat den Eindruck, dass Formulierungen gewählt wurden, um bei Schülern und Eltern keine Unruhe zu erzeugen. Seinen Namen will der Lehrer nicht öffentlich genannt wissen, auch weil er Angst vor Konsequenzen hat. Er hat den Eindruck, dass das Anmahnen von Transparenz zwar notwendig, von Vorgesetzten aber nicht erwünscht sei. Diesen Eindruck habe nicht nur er, sondern „zahlreiche Kolleginnen und Kollegen". Ein „genauer Überblick" über die Infektionslage an den Schulen im Kreisgebiet habe offenbar nicht vermittelt werden sollen. Vieles sei im Vagen geblieben, statt einer akkuraten Auflistung der Zahlen haben es nur allgemeine Formulierungen gegeben. „Das hat den Blick darauf verstellt, dass Schulen zum Infektionsgeschehen eindeutig beigetragen haben", bemängelt er. Auch andere Lehrer hätten den Eindruck, dass damit systematisch die Auffassung des Kultusministeriums habe gestützt werden sollen, Schulen seien „sichere Orte", wie es Landesschulministerin Yvonne Gebauer (FDP) mehrfach betont und damit auch Kritik geerntet hatte. Diese aus Sicht des Lehrers gegebene Strategie sei aufgegangen: „Mehrfach haben Eltern gesagt, wie froh sie seien, dass es an unserer Schule keine Corona-Fälle geben würde – da konnte ich nur schal in mich hineinlachen." Eine Lehrerin an einer anderen weiterführenden Schule in Minden sieht es ähnlich. Auch an ihrer Schule werde nicht transparent mit den Zahlen umgegangen. „Die Schulleitung informiert zwar die Eltern der betroffenen Klasse, es ist aber nicht offen ersichtlich, wie das Infektionsgeschehen an der gesamten Schule sich darstellt." Insofern seien die Eltern „ziemlich ahnungslos". Da viele aber gar keinen Schimmer gehabt hätten, dass es überhaupt Fälle gegeben habe, habe sich auch niemand beschwert. Dabei sei das Wissen um die genauen Infektionszahlen aus Sicht der Lehrerin wichtig gewesen, damit die Eltern die Situation als ganze hätten bewerten können. Auch die Lehrer-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW (GEW) wirft der Landesregierung vor, sie habe versäumt, Inzidenzzahlen für die einzelnen Schulen zu ermitteln. Aus Sicht von Sprecher Berthold Paschert hätte das dazu beitragen können, für Schüler, Eltern und Lehrer Vergleichbarkeit beim schulischen Infektionsgeschehen herzustellen. Er betont: „Wir fordern eine offene Kommunikation auf der Basis der rechtlichen Grundlagen." Das sei bisher nicht der Fall. Vorgaben zur Kommunikation seien dagegen „weder seriös noch hilfreich für die Schulleitungen und schaffen kein Vertrauen." Mit einer Formulierungshilfe der Schulleitung bei Infektionsfällen in den eigenen Klassen haben nach eigener Aussage auch die Lehrer gearbeitet, mit denen das MT gesprochen hat. Sie und ihre Kollegen seien aufgefordert worden, gegenüber Eltern zu kommunizieren, dass der jeweilige Corona-Fall „keine weiteren Handlungsnotwendigkeiten in Bezug auf das Infektionsgeschehen" erfordere. Die Lehrer haben diese Formulierung zwar verwendet. Allerdings „mit einem schlechten Gefühl", da sie eigentlich der Meinung gewesen seien, dass Sitznachbarn, anders als zuletzt praktiziert, in Quarantäne gehört hätten. Kreisdirektorin Cornelia Schöder betont, dass es nicht möglich sei, alle Corona-Infektionen an Schulen gegenüber der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Es seien viele Einzelfälle an vielen Schulen. Alle diese Zahlen aufzulisten, schaffe gerade keine Übersichtlichkeit. Insgesamt hat es laut einer Auflistung, die der Kreis auf MT-Anfrage zur Verfügung gestellt hat, im Dezember 224 Corona-Infizierte (Schüler, Lehrer und sonstiges Personal) an Schulen im Kreisgebiet gegeben. „Größere Ausbrüche" melde die Kreisverwaltung dagegen in Richtung Öffentlichkeit. Beispielsweise, wenn es mehrere Fälle in einer Klasse oder in mehreren Klassen an einer Schule gebe. Oder wenn eine ganze Stufe in Quarantäne geschickt werden müsse. Den Vorwurf, der Hintergrund der ausbleibenden Einzelfall-Meldungen sei eine Verschleierungstaktik, weist Schöder deutlich zurück: „Entscheidend für dieses Vorgehen war allein die Übersichtlichkeit, die verloren ginge, würden wir über jeden einzelnen Infektionsfall an jeder einzelnen Schule informieren." Abgesehen von dieser Erwägung bestehe „überhaupt kein Interesse daran, mit Informationen hinter dem Berg zu halten". Auch das NRW-Schulministerium weist den Verdacht, Corona-Fälle an Schulen sollten unter dem Deckel gehalten werden, zurück. Für Corona-Fälle unter Schülern hat das Ministerium einen Ablaufplan erstellt, der auch die Information der betreffenden Klassen einschließt. Ob eine Schule alle Schüler und Eltern über die Gesamtzahl aller nachgewiesenen Corona-Infektionen innerhalb einer Woche oder eines Monats informiert, gibt das Ministerium nicht vor. Im Leitfaden steht allerdings: „Corona-Erkrankungen und -Verdachtsfälle sind transparent zu behandeln." Heike Plöger, Leiterin des Mindener Herder-Gymnasiums, hat sich dagegen entschieden, die Zahl der insgesamt Infizierten an alle Schüler und Eltern zu kommunizieren. Den Wunsch nach Transparenz könne sie zwar gut verstehen, allerdings: „Eine Veröffentlichung von Corona-Infizierungen über die Homepage würde aus meiner Sicht kaum dauerhaft Transparenz schaffen." Namen dürften aus datenschutzrechtlichen Gründen natürlich nicht genannt werden, nackte Zahlen allerdings seien „wenig aussagekräftig und werfen eher Fragen auf, als dass sie Transparenz schaffen würden". Überhaupt sei das Nachhalten der Informationen über Corona-Infizierungen „sehr aufwendig, weil Quarantäne-Zeiten immer individuell unterschiedlich sind". Deshalb werden am Herder-Gymnasium, so wie es auch der Vorgabe des Gesundheitsamts entspricht, die betroffenen Klassen über die Infektion eines Mitschülers informiert. Nicht aber regelmäßig die gesamte Schule über den Stand der Infizierten insgesamt. Aus Plögers Sicht würde das Unruhe schaffen und zu der unguten Frage führen: „Wer ist es?" Das sei unverantwortlich, denn neben der Transparenz gebe es auch einen Anspruch der Erkrankten, vor negativen Konsequenzen wie Schuldzuweisungen geschützt zu werden. Anders handhabt den Umgang mit der Veröffentlichung der Zahlen Heiko Seller, Schulleiter des Mindener Besselgymnasiums. Er informiert Schüler und Eltern über die Zahl aktueller Corona-Infektionen in der Schule. „Ich denke, dass es uns damit bislang ganz gut gelungen ist, Vertraulichkeit mit Transparenz auszubalancieren, um vor allem die Gerüchteküche nicht zu stark brodeln zu lassen und in diesen Zeiten wenigstens ein gewisses Gefühl für Sicherheit zu erzeugen", sagt er. Grenzen der Transparenz Kommentar von Benjamin Piel Es ist mir schon oft so gegangen: Je ausführlicher ich mich mit einem Thema beschäftigt habe, desto mehr konnte ich die Menschen, die damit befasst waren, verstehen. Warum handelt der eine so und die andere anders? Warum hält die eine dieses Vorgehen für richtig und der andere jenes? Wer mit beiden Seiten spricht, hört Argumente grundverschiedener Positionen – und findet manchmal beide überzeugend. So ging es mir nun wieder bei der Frage: Sollen Kreis und Schulen alle Infektionszahlen von allen Schulen nennen? Das Thema kam auf, weil zwei Lehrkräfte sich beim MT meldeten und bitter beklagten, dass ihre Schulen nur betroffene Klassen über Infektionsfälle informieren – nicht aber die ganze Schule über alle Fälle. Ebenso verfährt der Kreis, der nur größere Ausbrüche meldet, aber keine Einzelfälle. Die Kritik der Lehrer ist gut nachvollziehbar. Wenn Eltern unter Umständen gar nicht erfahren, dass es in einer Woche fünf Infektionsfälle an der Schule ihres Kindes gegeben hat, machen sie sich womöglich ein falsches Bild von der Situation. Andersherum kann das allerdings auch passieren: Wer tägliche Einzelfall-Listen vorgelegt bekommt, hat am Ende vielleicht nicht mehr Übersicht, sondern sogar weniger. Und so haben wir uns bei der Recherche zu den Infektionszahlen an Minden-Lübbecker Schulen für einen Mittelweg entschieden, der vielleicht auch für den Kreis gangbar wäre: Alle Zahlen nennen – aber gebündelt für einen Monat und ergänzt durch die Gesamtzahl der Schüler und Lehrer. So ergibt sich ein Bild, das allem gerecht werden kann: der Transparenz, der Übersicht und dem Schutz des Einzelnen.

Corona-Infektionen: Wie viele Fälle gab es an Mindener Schulen?

Informieren Schulen und der Kreis transparent über Corona-Infektionen? Ja, meinen die Schulen und Kreis - nein, meinen einige Lehrer. © Pixabay

Minden. Von Corona-Zahlen an Schulen war im Dezember weniger zu hören als in den Monaten zuvor. Es gebe an den Minden-Lübbecker Bildungseinrichtungen „einzelne Fälle", hieß es regelmäßig in Mitteilungen des Kreises. Das sollte heißen: Keine großen Ausbrüche an einzelnen Schulen, dagegen viele Einzelfälle an vielen Schulen.

Ein Lehrer, der an einer weiterführenden Schule in Minden unterrichtet und das MT kontaktiert hat, empfindet die Informationspolitik von Kreis und Schulen als „Verschleierung statt Transparenz". Er hat den Eindruck, dass Formulierungen gewählt wurden, um bei Schülern und Eltern keine Unruhe zu erzeugen. Seinen Namen will der Lehrer nicht öffentlich genannt wissen, auch weil er Angst vor Konsequenzen hat. Er hat den Eindruck, dass das Anmahnen von Transparenz zwar notwendig, von Vorgesetzten aber nicht erwünscht sei.

Diesen Eindruck habe nicht nur er, sondern „zahlreiche Kolleginnen und Kollegen". Ein „genauer Überblick" über die Infektionslage an den Schulen im Kreisgebiet habe offenbar nicht vermittelt werden sollen. Vieles sei im Vagen geblieben, statt einer akkuraten Auflistung der Zahlen haben es nur allgemeine Formulierungen gegeben. „Das hat den Blick darauf verstellt, dass Schulen zum Infektionsgeschehen eindeutig beigetragen haben", bemängelt er. Auch andere Lehrer hätten den Eindruck, dass damit systematisch die Auffassung des Kultusministeriums habe gestützt werden sollen, Schulen seien „sichere Orte", wie es Landesschulministerin Yvonne Gebauer (FDP) mehrfach betont und damit auch Kritik geerntet hatte. Diese aus Sicht des Lehrers gegebene Strategie sei aufgegangen: „Mehrfach haben Eltern gesagt, wie froh sie seien, dass es an unserer Schule keine Corona-Fälle geben würde – da konnte ich nur schal in mich hineinlachen."

Eine Lehrerin an einer anderen weiterführenden Schule in Minden sieht es ähnlich. Auch an ihrer Schule werde nicht transparent mit den Zahlen umgegangen. „Die Schulleitung informiert zwar die Eltern der betroffenen Klasse, es ist aber nicht offen ersichtlich, wie das Infektionsgeschehen an der gesamten Schule sich darstellt." Insofern seien die Eltern „ziemlich ahnungslos". Da viele aber gar keinen Schimmer gehabt hätten, dass es überhaupt Fälle gegeben habe, habe sich auch niemand beschwert. Dabei sei das Wissen um die genauen Infektionszahlen aus Sicht der Lehrerin wichtig gewesen, damit die Eltern die Situation als ganze hätten bewerten können.

Auch die Lehrer-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW (GEW) wirft der Landesregierung vor, sie habe versäumt, Inzidenzzahlen für die einzelnen Schulen zu ermitteln. Aus Sicht von Sprecher Berthold Paschert hätte das dazu beitragen können, für Schüler, Eltern und Lehrer Vergleichbarkeit beim schulischen Infektionsgeschehen herzustellen. Er betont: „Wir fordern eine offene Kommunikation auf der Basis der rechtlichen Grundlagen." Das sei bisher nicht der Fall. Vorgaben zur Kommunikation seien dagegen „weder seriös noch hilfreich für die Schulleitungen und schaffen kein Vertrauen."

Mit einer Formulierungshilfe der Schulleitung bei Infektionsfällen in den eigenen Klassen haben nach eigener Aussage auch die Lehrer gearbeitet, mit denen das MT gesprochen hat. Sie und ihre Kollegen seien aufgefordert worden, gegenüber Eltern zu kommunizieren, dass der jeweilige Corona-Fall „keine weiteren Handlungsnotwendigkeiten in Bezug auf das Infektionsgeschehen" erfordere. Die Lehrer haben diese Formulierung zwar verwendet. Allerdings „mit einem schlechten Gefühl", da sie eigentlich der Meinung gewesen seien, dass Sitznachbarn, anders als zuletzt praktiziert, in Quarantäne gehört hätten.

Kreisdirektorin Cornelia Schöder betont, dass es nicht möglich sei, alle Corona-Infektionen an Schulen gegenüber der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Es seien viele Einzelfälle an vielen Schulen. Alle diese Zahlen aufzulisten, schaffe gerade keine Übersichtlichkeit. Insgesamt hat es laut einer Auflistung, die der Kreis auf MT-Anfrage zur Verfügung gestellt hat, im Dezember 224 Corona-Infizierte (Schüler, Lehrer und sonstiges Personal) an Schulen im Kreisgebiet gegeben. „Größere Ausbrüche" melde die Kreisverwaltung dagegen in Richtung Öffentlichkeit. Beispielsweise, wenn es mehrere Fälle in einer Klasse oder in mehreren Klassen an einer Schule gebe. Oder wenn eine ganze Stufe in Quarantäne geschickt werden müsse. Den Vorwurf, der Hintergrund der ausbleibenden Einzelfall-Meldungen sei eine Verschleierungstaktik, weist Schöder deutlich zurück: „Entscheidend für dieses Vorgehen war allein die Übersichtlichkeit, die verloren ginge, würden wir über jeden einzelnen Infektionsfall an jeder einzelnen Schule informieren." Abgesehen von dieser Erwägung bestehe „überhaupt kein Interesse daran, mit Informationen hinter dem Berg zu halten".

Auch das NRW-Schulministerium weist den Verdacht, Corona-Fälle an Schulen sollten unter dem Deckel gehalten werden, zurück. Für Corona-Fälle unter Schülern hat das Ministerium einen Ablaufplan erstellt, der auch die Information der betreffenden Klassen einschließt. Ob eine Schule alle Schüler und Eltern über die Gesamtzahl aller nachgewiesenen Corona-Infektionen innerhalb einer Woche oder eines Monats informiert, gibt das Ministerium nicht vor. Im Leitfaden steht allerdings: „Corona-Erkrankungen und -Verdachtsfälle sind transparent zu behandeln."

Heike Plöger, Leiterin des Mindener Herder-Gymnasiums, hat sich dagegen entschieden, die Zahl der insgesamt Infizierten an alle Schüler und Eltern zu kommunizieren. Den Wunsch nach Transparenz könne sie zwar gut verstehen, allerdings: „Eine Veröffentlichung von Corona-Infizierungen über die Homepage würde aus meiner Sicht kaum dauerhaft Transparenz schaffen." Namen dürften aus datenschutzrechtlichen Gründen natürlich nicht genannt werden, nackte Zahlen allerdings seien „wenig aussagekräftig und werfen eher Fragen auf, als dass sie Transparenz schaffen würden". Überhaupt sei das Nachhalten der Informationen über Corona-Infizierungen „sehr aufwendig, weil Quarantäne-Zeiten immer individuell unterschiedlich sind".

Deshalb werden am Herder-Gymnasium, so wie es auch der Vorgabe des Gesundheitsamts entspricht, die betroffenen Klassen über die Infektion eines Mitschülers informiert. Nicht aber regelmäßig die gesamte Schule über den Stand der Infizierten insgesamt. Aus Plögers Sicht würde das Unruhe schaffen und zu der unguten Frage führen: „Wer ist es?" Das sei unverantwortlich, denn neben der Transparenz gebe es auch einen Anspruch der Erkrankten, vor negativen Konsequenzen wie Schuldzuweisungen geschützt zu werden.

Anders handhabt den Umgang mit der Veröffentlichung der Zahlen Heiko Seller, Schulleiter des Mindener Besselgymnasiums. Er informiert Schüler und Eltern über die Zahl aktueller Corona-Infektionen in der Schule. „Ich denke, dass es uns damit bislang ganz gut gelungen ist, Vertraulichkeit mit Transparenz auszubalancieren, um vor allem die Gerüchteküche nicht zu stark brodeln zu lassen und in diesen Zeiten wenigstens ein gewisses Gefühl für Sicherheit zu erzeugen", sagt er.

Grenzen der Transparenz

Kommentar von Benjamin Piel

Es ist mir schon oft so gegangen: Je ausführlicher ich mich mit einem Thema beschäftigt habe, desto mehr konnte ich die Menschen, die damit befasst waren, verstehen. Warum handelt der eine so und die andere anders? Warum hält die eine dieses Vorgehen für richtig und der andere jenes? Wer mit beiden Seiten spricht, hört Argumente grundverschiedener Positionen – und findet manchmal beide überzeugend.

So ging es mir nun wieder bei der Frage: Sollen Kreis und Schulen alle Infektionszahlen von allen Schulen nennen? Das Thema kam auf, weil zwei Lehrkräfte sich beim MT meldeten und bitter beklagten, dass ihre Schulen nur betroffene Klassen über Infektionsfälle informieren – nicht aber die ganze Schule über alle Fälle. Ebenso verfährt der Kreis, der nur größere Ausbrüche meldet, aber keine Einzelfälle.

Die Kritik der Lehrer ist gut nachvollziehbar. Wenn Eltern unter Umständen gar nicht erfahren, dass es in einer Woche fünf Infektionsfälle an der Schule ihres Kindes gegeben hat, machen sie sich womöglich ein falsches Bild von der Situation. Andersherum kann das allerdings auch passieren: Wer tägliche Einzelfall-Listen vorgelegt bekommt, hat am Ende vielleicht nicht mehr Übersicht, sondern sogar weniger.

Und so haben wir uns bei der Recherche zu den Infektionszahlen an Minden-Lübbecker Schulen für einen Mittelweg entschieden, der vielleicht auch für den Kreis gangbar wäre: Alle Zahlen nennen – aber gebündelt für einen Monat und ergänzt durch die Gesamtzahl der Schüler und Lehrer. So ergibt sich ein Bild, das allem gerecht werden kann: der Transparenz, der Übersicht und dem Schutz des Einzelnen.

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