Corona: Das Mindener Laborzentrum Weser verdoppelt noch einmal seine Testkapazitäten Stefan Koch Minden. Das Corona-Testzentrum am Johannes-Wesling-Klinikum (JWK) verdoppelt in den kommenden Tagen seinen Kapazitäten, weil es auf gesteigerte Laborleistungen zurückgreifen kann. Die erbringt das Laborzentrum Weser unter der Leitung von Dr. Franz-Josef Schmitz. Er will mit seinem Team bis Ende kommender Woche 6.000 Tests täglich möglich machen. Die in diesem Bereich tätigen 16 Kräfte werden dazu personell nicht verstärkt. Der Mehraufwand soll durch zusätzliche Technik zu bewältigen sein. Wie Schmitz erklärt, habe die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen das Labor beauftragt, die Testzentren in Aurich, Oldenburg, Nienburg und Braunschweig zu unterstützen. Es gibt eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis Schaumburg. Auch die am Flughafen Hannover entnommenen Proben von Flugreisenden und Personal soll das Team unter der Leitung von Schmitz testen. Minden ist der einzige Standort wo das geschieht. Am Tag lassen sich 1.000 Proben aus Hannover untersuchen. Das Laborzentrum Weser am JWK ist gleichzeitig Schmitz´ Laborpraxis, für die er auch eine kassenärztliche Zulassung hat. Für den Mehraufwand kaufte das Labor unter anderem zwei zweitere PCR-Systeme (polymerase chain reaction), mit denen sich in einer großen Zahl von Abstrichen durch Genanalysen das Virus SARS-CoV-2 finden lässt. Auch nach dem Ende der Pandemie soll die Ausrüstung beim JWK verbleiben, um in Zukunft für weitere Ausbrüche von Infektionskrankheiten gerüstet zu sein. Ob es angesichts des weltweiten Bedarfs an diesen Geräten schwierig war, am Mark solche Produkte zu finden? „Wir hatten Glück, verfügen über Kontakte und bewiesen auch Hartnäckigkeit“, sagt Schmitz, der bereits im März nur unter Mühen ein Corona-Diagnosegerät eines US-amerikanischen Herstellers in Aachen auftreiben konnte. Noch aber ist nur ein geringer Teil der Geräte im Laborzentrum im Johannes-Wesling-Klinikum aufgebaut. Zurzeit sind dort die Handwerker damit beschäftigt, einen ehemaligen Büroraum zu einem Labor der Sicherheitsstufe 2 umzubauen, wo der Zutritt auf wenige Mitarbeiter beschränkt ist, besondere Schutzvorkehrungen gegen Aerosolbildung und Chemikalien gewährleistet sind und die verwendeten Materialien besonders zu entsorgen sind. Wenn in ein paar Tagen alles läuft, will das Laborzentrum mit seiner PCR-Diagnostik auch die Gesundheitsämter der Nachbarkreise bei der Analyse der behördlich angeordneten Corona-Tests entlasten. Unter anderem kommt dabei ein digitales Order-Entry-System zum Einsatz, bei dem von externen Abstrichzentren und Arztpraxen aus die Personendaten mit einem QR-Code unverwechselbar geschützt nach Minden gelangen, dort mit dem Befund verbunden werden, der dann schriftlich als PDF-Datei auf das Smartphone des Getesteten gelangt. Auch die Gesundheitsämter sind an das Laborsystem angeschlossen und haben einen sofortigen übersichtlichen Zugriff. „Damit sind Pannen wie in Bayern ausgeschlossen“, meint Schmitz. Viele Daten seien dabei auf Papierformularen erfasst worden und fehlerhafte Einträge hätten die Zuordnung erschwert. Er fügt an, dass neben dem Laborzentrum am JWK nur noch ein zweiter Standort in der Bundesrepublik dieses Verfahren anwenden kann. Neben der schnellen Diagnostik bietet das Laborzentrum einen weiteren Service, der sich vor allem an Haus- und Kinderärzte richtet: den „Respi-Finder“ für Atemwegserkrankungen. Er kann bis zu 20 unterschiedliche Viren und Bakterien als mögliche Ursachen einer respiratorischen Infektion detektieren. „Gerade mit der kalten Jahreszeit werden sich wieder derartige Infektionen häufen“, sagt Schmitz. Dann sei in den Praxen oft unklar, ob eine Infektion mit SARS-CoV-2 vorliege oder ein anderer Erreger hinter den Beschwerden der Patienten stecke. Mit einer umfassenderen Analyse lasse sich hier Sicherheit erlangen. Als die Pandemie in Deutschland an Boden gewann, waren dem Mindener Labor nur 200 Tests am Tag möglich. Durch die kontinuierliche Erweiterung der Kapazitäten sind in der letzten Zeit 12.000 Testungen in der Woche üblich. Dabei ist das das Personal montags bis freitags 24 Stunden und am Wochenende tagsüber im Einsatz. „Wenn die Anforderungen ansteigen sollten, können wir aber auch an Samstagen und Sonntagen nachts arbeiten“, sagt Schmitz. Er stellt fest, dass es bislang immer gelungen war, bei Tests um 8 Uhr des Folgetages das Ergebnis vorzulegen.

Corona: Das Mindener Laborzentrum Weser verdoppelt noch einmal seine Testkapazitäten

Mit dem Respi-Finder nach dem dem System Seegene Nimbus lassen sich bis zu 20 Atemwegsinfektionen erkennen. Franz-Josef Schmitz, Leiter des Laborzentrums Weser, hat es gerade ausgepackt. © MT-Foto: Stefan Koch

Minden. Das Corona-Testzentrum am Johannes-Wesling-Klinikum (JWK) verdoppelt in den kommenden Tagen seinen Kapazitäten, weil es auf gesteigerte Laborleistungen zurückgreifen kann. Die erbringt das Laborzentrum Weser unter der Leitung von Dr. Franz-Josef Schmitz. Er will mit seinem Team bis Ende kommender Woche 6.000 Tests täglich möglich machen. Die in diesem Bereich tätigen 16 Kräfte werden dazu personell nicht verstärkt. Der Mehraufwand soll durch zusätzliche Technik zu bewältigen sein.

Wie Schmitz erklärt, habe die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen das Labor beauftragt, die Testzentren in Aurich, Oldenburg, Nienburg und Braunschweig zu unterstützen. Es gibt eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis Schaumburg. Auch die am Flughafen Hannover entnommenen Proben von Flugreisenden und Personal soll das Team unter der Leitung von Schmitz testen. Minden ist der einzige Standort wo das geschieht. Am Tag lassen sich 1.000 Proben aus Hannover untersuchen. Das Laborzentrum Weser am JWK ist gleichzeitig Schmitz´ Laborpraxis, für die er auch eine kassenärztliche Zulassung hat.

Für den Mehraufwand kaufte das Labor unter anderem zwei zweitere PCR-Systeme (polymerase chain reaction), mit denen sich in einer großen Zahl von Abstrichen durch Genanalysen das Virus SARS-CoV-2 finden lässt. Auch nach dem Ende der Pandemie soll die Ausrüstung beim JWK verbleiben, um in Zukunft für weitere Ausbrüche von Infektionskrankheiten gerüstet zu sein. Ob es angesichts des weltweiten Bedarfs an diesen Geräten schwierig war, am Mark solche Produkte zu finden? „Wir hatten Glück, verfügen über Kontakte und bewiesen auch Hartnäckigkeit“, sagt Schmitz, der bereits im März nur unter Mühen ein Corona-Diagnosegerät eines US-amerikanischen Herstellers in Aachen auftreiben konnte.

Noch aber ist nur ein geringer Teil der Geräte im Laborzentrum im Johannes-Wesling-Klinikum aufgebaut. Zurzeit sind dort die Handwerker damit beschäftigt, einen ehemaligen Büroraum zu einem Labor der Sicherheitsstufe 2 umzubauen, wo der Zutritt auf wenige Mitarbeiter beschränkt ist, besondere Schutzvorkehrungen gegen Aerosolbildung und Chemikalien gewährleistet sind und die verwendeten Materialien besonders zu entsorgen sind.

Wenn in ein paar Tagen alles läuft, will das Laborzentrum mit seiner PCR-Diagnostik auch die Gesundheitsämter der Nachbarkreise bei der Analyse der behördlich angeordneten Corona-Tests entlasten. Unter anderem kommt dabei ein digitales Order-Entry-System zum Einsatz, bei dem von externen Abstrichzentren und Arztpraxen aus die Personendaten mit einem QR-Code unverwechselbar geschützt nach Minden gelangen, dort mit dem Befund verbunden werden, der dann schriftlich als PDF-Datei auf das Smartphone des Getesteten gelangt. Auch die Gesundheitsämter sind an das Laborsystem angeschlossen und haben einen sofortigen übersichtlichen Zugriff. „Damit sind Pannen wie in Bayern ausgeschlossen“, meint Schmitz. Viele Daten seien dabei auf Papierformularen erfasst worden und fehlerhafte Einträge hätten die Zuordnung erschwert. Er fügt an, dass neben dem Laborzentrum am JWK nur noch ein zweiter Standort in der Bundesrepublik dieses Verfahren anwenden kann.

Neben der schnellen Diagnostik bietet das Laborzentrum einen weiteren Service, der sich vor allem an Haus- und Kinderärzte richtet: den „Respi-Finder“ für Atemwegserkrankungen. Er kann bis zu 20 unterschiedliche Viren und Bakterien als mögliche Ursachen einer respiratorischen Infektion detektieren. „Gerade mit der kalten Jahreszeit werden sich wieder derartige Infektionen häufen“, sagt Schmitz. Dann sei in den Praxen oft unklar, ob eine Infektion mit SARS-CoV-2 vorliege oder ein anderer Erreger hinter den Beschwerden der Patienten stecke. Mit einer umfassenderen Analyse lasse sich hier Sicherheit erlangen.

Als die Pandemie in Deutschland an Boden gewann, waren dem Mindener Labor nur 200 Tests am Tag möglich. Durch die kontinuierliche Erweiterung der Kapazitäten sind in der letzten Zeit 12.000 Testungen in der Woche üblich. Dabei ist das das Personal montags bis freitags 24 Stunden und am Wochenende tagsüber im Einsatz. „Wenn die Anforderungen ansteigen sollten, können wir aber auch an Samstagen und Sonntagen nachts arbeiten“, sagt Schmitz. Er stellt fest, dass es bislang immer gelungen war, bei Tests um 8 Uhr des Folgetages das Ergebnis vorzulegen.

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