Concerto Ludovico will den Raum der Martinikirche ausloten Udo Stephan Köhne Minden. Schwere Zeiten für Musik in Kirchen. Mit den Einschränkungen sind Martinikantor Ulf Wellner und Posaunist Andreas Neuhaus direkt konfrontiert. Für diesen November hatten sie eigentlich Claudio Monteverdis „Marienvesper“ geplant. Doch dann kam mit Corona das Verbot, mit Chor zu proben – und der Zusammenbruch des Musiklebens. Jetzt aber ist ein alternatives musikalisches Projekt entworfen, das nicht nur den staatlichen Verordnungen Rechnung trägt, sondern künstlerisch anspruchsvoll ist. „Etwas anbieten“ (Wellner) und damit jenen Teil des Publikums zurückholen, der sich nach künstlerisch und zugleich emotional bewegenden Momenten sehnt, das möchten Wellner und Neuhaus am Sonntag, 8. November, in St. Martini versuchen. „Jubilate Deo“ der Titel dieses Konzerts, das mehrchörige Festmusiken präsentieren wird, die für San Marco in Venedig komponiert wurde; für einen Raum also, in dem Musizieren auf Distanz zum Konzept gehörte. Balkone, auf denen Musiker aus vier Richtungen über erhebliche Entfernungen hinweg miteinander spielten – das ist das Erkennungszeichen jener Werke, die für diese weltberühmte Basilika komponiert wurden. Auch die Interpreten hat die Herausforderung, die San Marco schon im 17. Jahrhundert für die Ausführenden stellte, seit jeher fasziniert. Jetzt (2020) ist das Musizieren auf Distanz die gesetzliche Vorgabe für jedwede musikalische Äußerung. Übertragen wird dieses in Venedig zur Perfektion entwickelte Konzept nun auf die Martinikirche. „Spielen mit den verschiedenen räumlichen Möglichkeiten von St. Martini“, das möchte Andreas Neuhaus, der mit seinem Ensemble „Concerto Ludovico“ das Konzert bestreitet. Den „Raum der Martinikirche in allen Dimensionen ausloten“ will Neuhaus, der seit vielen Jahren als ausgewiesener Spezialist für Alte Musik bekannt ist und dies auch in Minden immer wieder unter Beweis gestellt hat. Chorraum, Vierung, Seitenschiff und Empore werden zu Aufführungsstätten: Es wird an vielen Orten und in überraschenden Aufstellungen musiziert werden. Die akustischen Ergebnisse werden verblüffend sein, vielleicht sogar besser als jemals zuvor. Denn Andreas Neuhaus hat akribisch ausgetüftelt, welche Möglichkeiten in St. Martini vorhanden sind. Hausherr Ulf Wellner wird sich mit zwei Orgelsolostücken an dieser Raumerkundung beteiligen, dazu die Evangelische Kantorei mit drei Beiträgen ins Spiel bringen. 15 Choristen werden singen: Wellner lässt durchblicken, wie schwierig die Situation für den Chorgesang geworden ist. Aber jetzt soll ein positives Zeichen gesetzt werden. Musik von Claudio Monteverdi wird erklingen, zum Auftakt die Einleitung jener (auf einen späteren Zeitpunkt verschobenen) Marienvesper. Dann Werke von Andrea und Giovanni Gabrieli, ebenso Stücke von Heinrich Schütz, der als Gabrielis Schüler in San Marco tätig war. Dazu eine Toccata für Laute von Johann Kapsberger und ein Canzon von Giovanni Picchi: Das von Neuhaus zusammengestellte Programm ist klug erdacht und hat in Gabrielis „Timor et Tremor“ (zu deutsch: Furcht und Schrecken) sein dramaturgisches Motto.

Concerto Ludovico will den Raum der Martinikirche ausloten

Martinikantor Ulf Wellner (links) und Posaunist Andreas Neuhaus möchten den Raum der Kirche in allen Dimensionen ausloten. © Foto: Udo Stephan Köhne

Minden. Schwere Zeiten für Musik in Kirchen. Mit den Einschränkungen sind Martinikantor Ulf Wellner und Posaunist Andreas Neuhaus direkt konfrontiert. Für diesen November hatten sie eigentlich Claudio Monteverdis „Marienvesper“ geplant. Doch dann kam mit Corona das Verbot, mit Chor zu proben – und der Zusammenbruch des Musiklebens. Jetzt aber ist ein alternatives musikalisches Projekt entworfen, das nicht nur den staatlichen Verordnungen Rechnung trägt, sondern künstlerisch anspruchsvoll ist.

„Etwas anbieten“ (Wellner) und damit jenen Teil des Publikums zurückholen, der sich nach künstlerisch und zugleich emotional bewegenden Momenten sehnt, das möchten Wellner und Neuhaus am Sonntag, 8. November, in St. Martini versuchen. „Jubilate Deo“ der Titel dieses Konzerts, das mehrchörige Festmusiken präsentieren wird, die für San Marco in Venedig komponiert wurde; für einen Raum also, in dem Musizieren auf Distanz zum Konzept gehörte. Balkone, auf denen Musiker aus vier Richtungen über erhebliche Entfernungen hinweg miteinander spielten – das ist das Erkennungszeichen jener Werke, die für diese weltberühmte Basilika komponiert wurden. Auch die Interpreten hat die Herausforderung, die San Marco schon im 17. Jahrhundert für die Ausführenden stellte, seit jeher fasziniert. Jetzt (2020) ist das Musizieren auf Distanz die gesetzliche Vorgabe für jedwede musikalische Äußerung.

Übertragen wird dieses in Venedig zur Perfektion entwickelte Konzept nun auf die Martinikirche. „Spielen mit den verschiedenen räumlichen Möglichkeiten von St. Martini“, das möchte Andreas Neuhaus, der mit seinem Ensemble „Concerto Ludovico“ das Konzert bestreitet. Den „Raum der Martinikirche in allen Dimensionen ausloten“ will Neuhaus, der seit vielen Jahren als ausgewiesener Spezialist für Alte Musik bekannt ist und dies auch in Minden immer wieder unter Beweis gestellt hat. Chorraum, Vierung, Seitenschiff und Empore werden zu Aufführungsstätten: Es wird an vielen Orten und in überraschenden Aufstellungen musiziert werden. Die akustischen Ergebnisse werden verblüffend sein, vielleicht sogar besser als jemals zuvor. Denn Andreas Neuhaus hat akribisch ausgetüftelt, welche Möglichkeiten in St. Martini vorhanden sind.

Hausherr Ulf Wellner wird sich mit zwei Orgelsolostücken an dieser Raumerkundung beteiligen, dazu die Evangelische Kantorei mit drei Beiträgen ins Spiel bringen. 15 Choristen werden singen: Wellner lässt durchblicken, wie schwierig die Situation für den Chorgesang geworden ist. Aber jetzt soll ein positives Zeichen gesetzt werden.

Musik von Claudio Monteverdi wird erklingen, zum Auftakt die Einleitung jener (auf einen späteren Zeitpunkt verschobenen) Marienvesper. Dann Werke von Andrea und Giovanni Gabrieli, ebenso Stücke von Heinrich Schütz, der als Gabrielis Schüler in San Marco tätig war. Dazu eine Toccata für Laute von Johann Kapsberger und ein Canzon von Giovanni Picchi: Das von Neuhaus zusammengestellte Programm ist klug erdacht und hat in Gabrielis „Timor et Tremor“ (zu deutsch: Furcht und Schrecken) sein dramaturgisches Motto.

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