CO2-Ampeln, mobile Geräte oder stationäre Anlagen: Mindens Politik diskutiert über Luftfilter in Klassenräumen Stefan Koch,Lea Oetjen,Sebastian Radermacher Minden. Die Corona-Fallzahlen steigen stetig, vor allem an den Schulen registriert das Kreis-Gesundheitsamt seit Schuljahresbeginn viele Neuinfektionen. „Präsenzunterricht ist das Wichtigste. Es geht darum, die jungen Menschen zu schützen – und zwar mit allem, was man hat“, fordert ein MT-Leser aus Minden, der anonym bleiben möchte. Er fragt sich, weshalb an den Schulen noch immer keine Luftfilter flächendeckend angeschafft worden sind. „Die Filter sind ein wichtiger Beitrag. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sie eine Ergänzung im Kampf gegen das Virus sind“, sagt der Familienvater. Er könne nicht verstehen, weshalb die Stadt Minden sich nicht dafür einsetze, alle Schulen mit Filtern auszustatten, um vor allem einen besseren Schutz für die Kinder von sechs bis zwölf Jahren zu erreichen, für die es ja noch keinen Impfschutz gebe. Dass es nur an einigen Schulen Luftfilter für einzelne Räume gebe, die nicht gut gelüftet werden können, kann er nicht nachvollziehen. Natürlich koste die Anschaffung von Luftfiltern eine Menge Geld. Aber: „Es geht einfach darum, Prioritäten zu setzen.“ Kinder seien seit Beginn der Pandemie in den vergangenen eineinhalb Jahren zu sehr vernachlässigt worden. Es gehe nun darum, alles daran zu setzen, die Schulen offen zu halten. Der Mindener verweist auf eine Aktion aus Lübbecke. Dort hatten Elternvertreter Unterschriften gesammelt, um vor allem die Grundschulen mit Luftfilteranlagen auszustatten, damit Kinder nicht mehr mit Masken und bei offenem Fenster im Unterricht sitzen müssen. Mit Erfolg: Der dortige Bauausschuss sprach sich letztendlich einstimmig dafür aus, die Planungen für solche Filtersysteme auf den Weg zu bringen. Investitionskosten: rund vier Millionen Euro, wobei womöglich bis zu 80 Prozent durch Fördermittel abgedeckt werden können. Wegen langer Vorlaufzeit – Planung, Ausschreibung, Lieferung, Verfügbarkeit – sei eine Umsetzung in diesem Jahr aber voraussichtlich nicht mehr möglich. Der MT-Leser freut sich über die Entwicklung in Lübbecke. Gleichzeitig fragt er sich: „Warum ist so etwas nicht in Minden möglich?“ Eine entsprechende MT-Anfrage lässt die Stadt Minden bislang unbeantwortet. Pressesprecherin Katharina Heß verweist vielmehr auf den anstehenden Bildungsausschuss am 14. September, bei dem das Thema Luftfilter auf der Tagesordnung stehe. Auch wenn die öffentlich einsehbare Sitzungsvorlage für den Ausschuss keine konkreten Detailfragen beantworten kann, verrät sie dennoch die Richtung, die die Stadt Minden an ihren Schulen einschlagen möchte. So macht die Verwaltung der Politik den Beschlussvorschlag, dass die Position des Deutschen Städtetages zu Lüftung, Luftreinigungs- und Lüftungsanlagen an Schulen mitgetragen werde. Zudem sei den Empfehlungen des Umweltbundesamtes zu folgen und Schulräume der Kategorie 2 (siehe Info-Kasten) mit mobilen Luftreinigungsgeräten nachzurüsten, sofern dies noch nicht erfolgt sei. „Darüber hinaus ist der Einbau von Raumlufttechnischen Anlagen bei der Planung zukünftiger Schulneubauprojekte im Einzelfall zu prüfen“, heißt es. Als konkrete Lösung für Minden schlägt Kämmerer Norbert Kresse unter anderem Kohlenstoffdioxid-Messgeräte vor, die die Konzentration in der Innenraumluft bestimmen können. „Eine erhöhte Kohlenstoffdioxid-Konzentration deutet darauf hin, dass zu lange nicht gelüftet wurde und daher auch ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehen kann“, heißt es als Begründung in der Sitzungsvorlage. Bislang werden laut Verwaltung 104 solcher Geräte den Schulen zur Verfügung gestellt. Ein anderer Lösungsansatz wären sogenannte raumlufttechnische (RLT) Anlagen. Diese Option ist bereits durch das Gebäudemanagement auf grundsätzliche Machbarkeit geprüft worden. Insgesamt gibt es im Stadtgebiet 642 Schulräume. Sollten zunächst alle 191 Klassenräume der Jahrgänge eins bis sechs mit stationären RLT-Anlagen ausgestattet werden, ergibt sich laut Berechnung der Gebäudewirtschaft ein Investitionsvolumen von fast fünf Millionen Euro. Pro Raum müsste mit 22.000 Euro gerechnet werden. Viel Geld für eine Lösung, die nicht allen zusagt. Cordula Küppers, Leiterin des Ratsgymnasiums, etwa hält Raumlüfter im Unterricht für kein zweckmäßiges Mittel zum Schutz vor SARS-CoV-2. Ein Gerät ist zwar im Sekretariat im Einsatz und weitere sollen beschafft werden. In den Klassenzimmern seien sie aber wegen ihrer Betriebsgeräusche ungeeignet, weil dies die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern behindere. Außerdem sei unklar, in welchem Umfang die Geräte einen Schutz böten, wenn die Masken abgesetzt seien. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass man alle Fenster öffnen kann.“ Im Besselgymnasium sind nach Auskunft der Schulleitung einzelne Raumlüfter in Klassenräumen im Einsatz, die sich schlecht belüften lassen. Und laut Beschlussvorlage für den Ausschuss ist auch die Stadt nicht überzeugt von der RLT-Lösung. „Die Gebäudewirtschaft kommt zu dem Ergebnis, dass die Nachrüstung von stationären RLT-Anlagen einen signifikanten Eingriff in die Bausubstanz und Energiebilanz der Schulgebäude darstellt. So verschlechtert sich (...) der Energieverbrauchskennwert der Schulgebäude“, heißt es. Bei Schulneubauten können jedoch stationäre RLT-Anlagen vorgesehen werden. Es wird also vermutlich auf mobile Lüftungsgeräte hinauslaufen. Für 37 Räume gebe es bereits eine Förderung des Landes NRW in Höhe von 166.500 Euro. Es bestehe jedoch ein zusätzlicher Bedarf in weiteren 19 Räumen. Die politische Entscheidung über die Zukunft des Lüftens in Mindener Schulen soll am 14. September fallen.

CO2-Ampeln, mobile Geräte oder stationäre Anlagen: Mindens Politik diskutiert über Luftfilter in Klassenräumen

Sollten erst einmal nur die 191 Klassenräume der Jahrgänge eins bis sechs mit stationären RLT-Anlagen ausgestattet werden, ergibt sich laut Berechnung der Gebäudewirtschaft ein Investitionsvolumen von fast fünf Millionen Euro. Pro Raum müsste mit 22.000 Euro gerechnet werden. Symbolfoto: Pixabay © Pixabay

Minden. Die Corona-Fallzahlen steigen stetig, vor allem an den Schulen registriert das Kreis-Gesundheitsamt seit Schuljahresbeginn viele Neuinfektionen. „Präsenzunterricht ist das Wichtigste. Es geht darum, die jungen Menschen zu schützen – und zwar mit allem, was man hat“, fordert ein MT-Leser aus Minden, der anonym bleiben möchte. Er fragt sich, weshalb an den Schulen noch immer keine Luftfilter flächendeckend angeschafft worden sind. „Die Filter sind ein wichtiger Beitrag. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sie eine Ergänzung im Kampf gegen das Virus sind“, sagt der Familienvater.

Er könne nicht verstehen, weshalb die Stadt Minden sich nicht dafür einsetze, alle Schulen mit Filtern auszustatten, um vor allem einen besseren Schutz für die Kinder von sechs bis zwölf Jahren zu erreichen, für die es ja noch keinen Impfschutz gebe. Dass es nur an einigen Schulen Luftfilter für einzelne Räume gebe, die nicht gut gelüftet werden können, kann er nicht nachvollziehen. Natürlich koste die Anschaffung von Luftfiltern eine Menge Geld. Aber: „Es geht einfach darum, Prioritäten zu setzen.“ Kinder seien seit Beginn der Pandemie in den vergangenen eineinhalb Jahren zu sehr vernachlässigt worden. Es gehe nun darum, alles daran zu setzen, die Schulen offen zu halten.

Der Mindener verweist auf eine Aktion aus Lübbecke. Dort hatten Elternvertreter Unterschriften gesammelt, um vor allem die Grundschulen mit Luftfilteranlagen auszustatten, damit Kinder nicht mehr mit Masken und bei offenem Fenster im Unterricht sitzen müssen.


Mit Erfolg: Der dortige Bauausschuss sprach sich letztendlich einstimmig dafür aus, die Planungen für solche Filtersysteme auf den Weg zu bringen. Investitionskosten: rund vier Millionen Euro, wobei womöglich bis zu 80 Prozent durch Fördermittel abgedeckt werden können. Wegen langer Vorlaufzeit – Planung, Ausschreibung, Lieferung, Verfügbarkeit – sei eine Umsetzung in diesem Jahr aber voraussichtlich nicht mehr möglich. Der MT-Leser freut sich über die Entwicklung in Lübbecke. Gleichzeitig fragt er sich: „Warum ist so etwas nicht in Minden möglich?“

Eine entsprechende MT-Anfrage lässt die Stadt Minden bislang unbeantwortet. Pressesprecherin Katharina Heß verweist vielmehr auf den anstehenden Bildungsausschuss am 14. September, bei dem das Thema Luftfilter auf der Tagesordnung stehe. Auch wenn die öffentlich einsehbare Sitzungsvorlage für den Ausschuss keine konkreten Detailfragen beantworten kann, verrät sie dennoch die Richtung, die die Stadt Minden an ihren Schulen einschlagen möchte.

So macht die Verwaltung der Politik den Beschlussvorschlag, dass die Position des Deutschen Städtetages zu Lüftung, Luftreinigungs- und Lüftungsanlagen an Schulen mitgetragen werde. Zudem sei den Empfehlungen des Umweltbundesamtes zu folgen und Schulräume der Kategorie 2 (siehe Info-Kasten) mit mobilen Luftreinigungsgeräten nachzurüsten, sofern dies noch nicht erfolgt sei. „Darüber hinaus ist der Einbau von Raumlufttechnischen Anlagen bei der Planung zukünftiger Schulneubauprojekte im Einzelfall zu prüfen“, heißt es.

Als konkrete Lösung für Minden schlägt Kämmerer Norbert Kresse unter anderem Kohlenstoffdioxid-Messgeräte vor, die die Konzentration in der Innenraumluft bestimmen können. „Eine erhöhte Kohlenstoffdioxid-Konzentration deutet darauf hin, dass zu lange nicht gelüftet wurde und daher auch ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehen kann“, heißt es als Begründung in der Sitzungsvorlage. Bislang werden laut Verwaltung 104 solcher Geräte den Schulen zur Verfügung gestellt.

Ein anderer Lösungsansatz wären sogenannte raumlufttechnische (RLT) Anlagen. Diese Option ist bereits durch das Gebäudemanagement auf grundsätzliche Machbarkeit geprüft worden. Insgesamt gibt es im Stadtgebiet 642 Schulräume. Sollten zunächst alle 191 Klassenräume der Jahrgänge eins bis sechs mit stationären RLT-Anlagen ausgestattet werden, ergibt sich laut Berechnung der Gebäudewirtschaft ein Investitionsvolumen von fast fünf Millionen Euro. Pro Raum müsste mit 22.000 Euro gerechnet werden.

Viel Geld für eine Lösung, die nicht allen zusagt. Cordula Küppers, Leiterin des Ratsgymnasiums, etwa hält Raumlüfter im Unterricht für kein zweckmäßiges Mittel zum Schutz vor SARS-CoV-2. Ein Gerät ist zwar im Sekretariat im Einsatz und weitere sollen beschafft werden. In den Klassenzimmern seien sie aber wegen ihrer Betriebsgeräusche ungeeignet, weil dies die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern behindere. Außerdem sei unklar, in welchem Umfang die Geräte einen Schutz böten, wenn die Masken abgesetzt seien. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass man alle Fenster öffnen kann.“ Im Besselgymnasium sind nach Auskunft der Schulleitung einzelne Raumlüfter in Klassenräumen im Einsatz, die sich schlecht belüften lassen.

Und laut Beschlussvorlage für den Ausschuss ist auch die Stadt nicht überzeugt von der RLT-Lösung. „Die Gebäudewirtschaft kommt zu dem Ergebnis, dass die Nachrüstung von stationären RLT-Anlagen einen signifikanten Eingriff in die Bausubstanz und Energiebilanz der Schulgebäude darstellt. So verschlechtert sich (...) der Energieverbrauchskennwert der Schulgebäude“, heißt es. Bei Schulneubauten können jedoch stationäre RLT-Anlagen vorgesehen werden.

Es wird also vermutlich auf mobile Lüftungsgeräte hinauslaufen. Für 37 Räume gebe es bereits eine Förderung des Landes NRW in Höhe von 166.500 Euro. Es bestehe jedoch ein zusätzlicher Bedarf in weiteren 19 Räumen. Die politische Entscheidung über die Zukunft des Lüftens in Mindener Schulen soll am 14. September fallen.

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