„Booster-Impfungen" starten im Kreis - ein Überblick mit allen wichtigen Infos Lea Oetjen Minden. Wörtlich übersetzt ist von einem Schub die Rede, wenn von einem „Boost" gesprochen wird. Der Anglizismus lässt an eine rasche Verbesserung, eine Verstärkung denken. Wie passend, dass die Corona-Drittimpfung in Deutschland inzwischen als sogenannte „Booster-Impfung" gilt - quasi als Kraft-Schub für das Immunsystem zum Schutz vor Covid-19. Der dritte Piks frischt seit einigen Tagen bei bestimmten Gruppen den Impfschutz auf. In Hausarzt-Praxen haben diesen bereits 1.423 Menschen bekommen, im Impfzentrum immerhin 41. Ursächlich sind Studien aus Israel und Großbritannien, die darauf hingewiesen hatten, dass eine Immunisierung mit den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Astrazeneca zwar gut vor schweren Verläufen schütze, der Schutz vor Infektionen aber mit der Zeit zurückgehe, seit die Delta-Variante dominiert. Was das genau bedeutet? Ein Überblick. Welche Menschen kommen für eine „Booster-Impfung" überhaupt infrage? Eine dritte Corona-Impfung sollen nach dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz zunächst klar definierte Personengruppen erhalten. Voraussetzung ist jedoch jeweils, dass bei ihnen der Abschluss der ersten Impfserie mindestens sechs Monate zurückliegt. Darüber informiert die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) auf ihrer Internetseite und Mitarbeiter Andreas Daniel im MT-Gespräch. Der „Boost" ist für Menschen gedacht, die in Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen leben. Die Impfung der Beschäftigten in diesen Einrichtungen kann dabei nach ärztlichem Ermessen ebenfalls erfolgen. Auch Personen mit Immunschwäche oder Immunsuppression, Pflegebedürftige in ihrer eigenen Häuslichkeit und Höchstbetagte (ab 80 Jahren) fallen in die von den Gesundheitsministern aufgeführte Gruppe. Zudem dürfen sich Personen, die bei den ersten beiden Impfungen einen Vektorimpfstoff (Astrazeneca oder Johnson&Johnson) erhalten haben, den dritten Piks abholen - das gilt übrigens auch für Genesene mit einmaliger Vektorimpfung. Wo und mit welchen Impfstoffen wird aufgefrischt? Der „Booster" erfolgt mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe - „nach Vorgaben des Landes", wie Andreas Daniel von der KVWL auf MT-Anfrage betont. Dies sind die Vakzine der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna – wobei letzterer Stoff nur selten angeboten wird. Die mRNA-Vakzine werden bei der Drittimpfung unabhängig davon verabreicht, welcher Corona-Impfstoff bisher gespritzt wurde. Die Mehrheit der Booster-Spritzen wird von Haus- und Fachärzten vorgenommen. Wer den dritten Corona-Piks plant, vereinbart einen Termin. Manche Hausärzte kommen auch direkt auf ihre älteren und gefährdeten Patienten zu. Pflegebedürftige können von mobilen Impfteams versorgt werden. Zudem sollen Betriebsärzte verstärkt eingebunden werden. Warum ist die Gefahr für ältere Personen nach wie vor höher? Inzwischen gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass gerade die über 80-Jährigen sowie Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem eine schlechtere Immunantwort im Vergleich zu jüngeren Menschen haben. Das bedeutet, dass ihr Immunschutz, den sie durch die Corona-Impfung gegen das Virus aufgebaut haben, oft weniger stark ist. Zudem nimmt er mit der Zeit ab – und zwar offenbar schneller als bei Jüngeren. Experten gehen davon aus, dass gerade für Ältere und Risikogruppen nach weiteren sechs Monaten der Impfschutz erneut nachlässt und eine vierte Dosis erforderlich werden könnte. Aber das ist zum heutigen Stand noch Zukunftsmusik. Was ist mit „Booster-Impfungen" für Jüngere? Da die Corona-Impfung bei den meisten Jüngeren weniger als sechs Monate zurückliegt, kommen für sie die „Booster-Impfungen" bisher nicht in Betracht. Dennoch befürchten Mediziner, dass in den Praxen bald auch vermehrt Jüngere nach einer Auffrischung verlangen. Die Gesundheitsminister haben aber deutlich gemacht, welche Gruppen Vorrang haben und welche noch warten müssen. Sonst würden diejenigen nach hinten gedrängt, die die Auffrischung am dringendsten benötigten, heißt es. Warum hat die Stiko die „Booster-Impfung" bislang noch nicht empfohlen? Wie Andreas Daniel mitteilt, begründet sich die Vorgabe der Landes-Gesundheitsminister zur Auffrischimpfung bislang lediglich auf Erfahrungen in anderen westlichen Ländern. „Der Stiko liegt dahingehend schlicht noch nicht genügend Datenmaterial zur Begründung für eine eindeutige Empfehlung vor", erläutert er. !function(){"use strict";window.addEventListener("message",(function(e){if(void 0!==e.data["datawrapper-height"]){var t=document.querySelectorAll("iframe");for(var a in e.data["datawrapper-height"])for(var r=0;r

„Booster-Impfungen" starten im Kreis - ein Überblick mit allen wichtigen Infos

In Deutschland starten die sogenannten „Booster-Impfungen". Was das bedeute? Ein Überblick. © Alex Lehn

Minden. Wörtlich übersetzt ist von einem Schub die Rede, wenn von einem „Boost" gesprochen wird. Der Anglizismus lässt an eine rasche Verbesserung, eine Verstärkung denken. Wie passend, dass die Corona-Drittimpfung in Deutschland inzwischen als sogenannte „Booster-Impfung" gilt - quasi als Kraft-Schub für das Immunsystem zum Schutz vor Covid-19. Der dritte Piks frischt seit einigen Tagen bei bestimmten Gruppen den Impfschutz auf. In Hausarzt-Praxen haben diesen bereits 1.423 Menschen bekommen, im Impfzentrum immerhin 41.

Ursächlich sind Studien aus Israel und Großbritannien, die darauf hingewiesen hatten, dass eine Immunisierung mit den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Astrazeneca zwar gut vor schweren Verläufen schütze, der Schutz vor Infektionen aber mit der Zeit zurückgehe, seit die Delta-Variante dominiert. Was das genau bedeutet? Ein Überblick.

Welche Menschen kommen für eine „Booster-Impfung" überhaupt infrage?


Eine dritte Corona-Impfung sollen nach dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz zunächst klar definierte Personengruppen erhalten. Voraussetzung ist jedoch jeweils, dass bei ihnen der Abschluss der ersten Impfserie mindestens sechs Monate zurückliegt. Darüber informiert die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) auf ihrer Internetseite und Mitarbeiter Andreas Daniel im MT-Gespräch. Der „Boost" ist für Menschen gedacht, die in Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen leben. Die Impfung der Beschäftigten in diesen Einrichtungen kann dabei nach ärztlichem Ermessen ebenfalls erfolgen. Auch Personen mit Immunschwäche oder Immunsuppression, Pflegebedürftige in ihrer eigenen Häuslichkeit und Höchstbetagte (ab 80 Jahren) fallen in die von den Gesundheitsministern aufgeführte Gruppe. Zudem dürfen sich Personen, die bei den ersten beiden Impfungen einen Vektorimpfstoff (Astrazeneca oder Johnson&Johnson) erhalten haben, den dritten Piks abholen - das gilt übrigens auch für Genesene mit einmaliger Vektorimpfung.

Wo und mit welchen Impfstoffen wird aufgefrischt?

Der „Booster" erfolgt mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe - „nach Vorgaben des Landes", wie Andreas Daniel von der KVWL auf MT-Anfrage betont. Dies sind die Vakzine der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna – wobei letzterer Stoff nur selten angeboten wird. Die mRNA-Vakzine werden bei der Drittimpfung unabhängig davon verabreicht, welcher Corona-Impfstoff bisher gespritzt wurde.

Die Mehrheit der Booster-Spritzen wird von Haus- und Fachärzten vorgenommen. Wer den dritten Corona-Piks plant, vereinbart einen Termin. Manche Hausärzte kommen auch direkt auf ihre älteren und gefährdeten Patienten zu. Pflegebedürftige können von mobilen Impfteams versorgt werden. Zudem sollen Betriebsärzte verstärkt eingebunden werden.

Warum ist die Gefahr für ältere Personen nach wie vor höher?

Inzwischen gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass gerade die über 80-Jährigen sowie Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem eine schlechtere Immunantwort im Vergleich zu jüngeren Menschen haben. Das bedeutet, dass ihr Immunschutz, den sie durch die Corona-Impfung gegen das Virus aufgebaut haben, oft weniger stark ist. Zudem nimmt er mit der Zeit ab – und zwar offenbar schneller als bei Jüngeren. Experten gehen davon aus, dass gerade für Ältere und Risikogruppen nach weiteren sechs Monaten der Impfschutz erneut nachlässt und eine vierte Dosis erforderlich werden könnte. Aber das ist zum heutigen Stand noch Zukunftsmusik.

Was ist mit „Booster-Impfungen" für Jüngere?

Da die Corona-Impfung bei den meisten Jüngeren weniger als sechs Monate zurückliegt, kommen für sie die „Booster-Impfungen" bisher nicht in Betracht. Dennoch befürchten Mediziner, dass in den Praxen bald auch vermehrt Jüngere nach einer Auffrischung verlangen. Die Gesundheitsminister haben aber deutlich gemacht, welche Gruppen Vorrang haben und welche noch warten müssen. Sonst würden diejenigen nach hinten gedrängt, die die Auffrischung am dringendsten benötigten, heißt es.

Warum hat die Stiko die „Booster-Impfung" bislang noch nicht empfohlen?

Wie Andreas Daniel mitteilt, begründet sich die Vorgabe der Landes-Gesundheitsminister zur Auffrischimpfung bislang lediglich auf Erfahrungen in anderen westlichen Ländern. „Der Stiko liegt dahingehend schlicht noch nicht genügend Datenmaterial zur Begründung für eine eindeutige Empfehlung vor", erläutert er.

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Übrigens: Inzwischen sind im Kreis Minden-Lübbecke 205.506 Menschen mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft – 200 mehr als am Vortag. Das entspricht einer Impfquote von 66,20 Prozent, die hinter Bielefeld (71,52 Prozent) und Höxter (71,51 Prozent) die drittbeste in OWL ist. Immerhin 193.350 Personen im Kreis sind sogar schon doppelt immunisiert – 212 mehr als am Vortag. Die Impfquote von 62,29 Prozent bringt dem Kreis Rang drei – ebenfalls hinter Höxter (67,99 Prozent) und Bielefeld (66,89 Prozent).

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Diese Werte dürften allerdings noch höher liegen, da die KVWL nur die Impfungen aus Arztpraxen, Impfzentren und über mobile Teams erfasst. Die Impfungen über Betriebsärzte und Krankenhäuser werden an das RKI gemeldet und nicht kreisweit aufgeschlüsselt. Diese Zahlen fließen in die bundesweite Berechnung ein, die kleinste Aufschlüsselung seitens ist nur auf Landesebene zu sehen.

Hier beträgt laut RKI der Anteil der einmal geimpften Menschen 70,9 Prozent, der der vollständig Geimpften liegt bei 65,3 Prozent. Deutschlandweit sind mit dem aktuellen Datenstand 66,5 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft und 62,2 Prozent weisen den vollständigen Impfschutz auf.


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