Bölling, Gerlach, Schweiß: Das sind die Sieger der Stichwahl Benjamin Piel Minden. An der Spitze des Kreises Minden-Lübbecke wird ab November zum ersten Mal eine Frau stehen. CDU-Kandidatin Anna Bölling setzte sich in der Stichwahl klar gegen ihren Kontrahenten Ingo Ellerkamp (SPD) durch. Die Christdemokratin erreichte knapp 64 Prozent, der Sozialdemokrat wenig mehr als 36 Prozent. Die Wahlbeteiligung bewegte sich bei niedrigen 35 Prozent. Bölling zeigte sich nach Auszählung der Stimmen „unendlich glücklich und dankbar". Sie freue sich über das „riesengroße Vertrauen", als das sie das deutliche Wahlergebnis interpretierte – „das fühlt sich ganz toll an". Sie stehe für einen Neuanfang und für einen Aufbruch und das habe der Wähler belohnt. Bereits in der ersten Wahl am 13. September hatte sich angedeutet, dass es für Ellerkamp eng werden dürfte. Ihn und seine Gegenkandidatin hatten damals annähern 15 Prozentpunkte getrennt. Diese Ausgangslage bezeichnete Ellerkamp gestern als „Ballast". Das Ergebnis müsse er „zur Kenntnis nehmen – Demokratie kann hart sein". Das gilt für ihn in besonderem Maß, da seine Chancen auf ein politisches Spitzenamt sich so gut wie erledigt haben dürften. Ellerkamp hatte sich vor elf Jahren bereits erfolglos um das Bürgermeisteramt in Petershagen beworben. Der Unterlegene zeigte sich trotzdem als guter Verlierer, dankte Bölling für den fairen Wahlkampf und wünschte ihr eine gute Hand als Landrätin. Die Frage nach den Gründen für das schlechte Wahlergebnis überfordere ihn am Wahlabend, gestand Ellerkamp gegenüber dem MT. Letztlich sei das beim Blick auf die nüchternen Zahlen am Ende auch „völlig egal". Der SPD-Kandidat gab allerdings zu, dass die Gründe auch bei ihm persönlich zu suchen seien, schließlich sei eine Landratswahl auch eine Entscheidung für eine Persönlichkeit. Auch in Porta Westfalica erlitt der SPD-Kandidat eine krachende Niederlage: Jörg Achilles kam über 31 Prozent kaum hinaus.Seine Kontrahentin Dr. Sonja Gerlach reüssierte mit beinahe 69 Prozent. Sie bezeichnete die Bestätigung des Wahlergebnisses von vor zwei Wochen als „riesigen Vertrauensvorschuss". Auch in Porta lag die Wahlbeteiligung mit etwas mehr als 37 Prozent niedrig. Deutlich am knappesten fiel das Wahlergebnis bei der Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Hille aus. Amtsinhaber Michael Schweiß (SPD), der nach Querelen nicht für seine Partei, sondern aus dem Amt heraus angetreten war, setzte sich mit knapp 54 Prozent durch. 488 Stimmen lagen letztlich zwischen ihm und seinem Herausforderer Henning Grinke (CDU). Schweiß setzte sich durch, obwohl sein in der ersten Wahl unterlegener Kontrahent und Parteifreund Burkhard Günther kurioserweise zur Wahl des CDU-Kandidaten aufgerufen hatte. Entsprechend erleichtert zeigte sich Schweiß gegenüber dem MT. Er gratulierte Grinke zu seinem „tollen Ergebnis" und freue sich auf eine Zusammenarbeit mit ihm im Rat. Auf Kooperation wird Schweiß auch besonders angewiesen sein, denn ihn erwarten in den kommenden Jahren schwierige Mehrheitsverhältnisse. Die CDU hatte mit 38 Prozent die Mehrheit der Sitze errungen. Kommentar: Veränderungswahl Die Kommunalwahl 2020 war eine historische. Nicht nur, weil sie im Corona-Jahr stattgefunden hat. Auch, weil sie entscheidende Veränderungen bringt, die Minden-Lübbecke tief prägen dürften. Und zwar nicht nur mittelfristig, sondern auf längere Sicht. Eine besonders augenfällige: Für die SPD in Minden-Lübbecke bedeutet das Ergebnis eine Zeitenwende. Hatte die Partei in der Vergangenheit im Kreisgebiet selbst dann noch die Nase vorn, wenn es auf Bundesebene gar nicht gut lief, ist das nun vorbei. Das Landratsamt geht an eine Christdemokratin. In der ehemals roten Hochburg Porta Westfalica ging SPD-Kandidat Jörg Achilles gegen seine CDU-Kontrahentin regelrecht unter. Im Portaner Rat haben SPD und CDU nun gleich viele Sitze. Der parteiinterne Sturzversuch in Hille scheiterte gegen Amtsinhaber Michael Schweiß. Im Rat dort hat die SPD jetzt einen Sitz weniger als die CDU. Und in Petershagen ist die CDU inzwischen die klar dominierende Kraft. Mal abgesehen vom fulminanten Wahlsieg des Mindener Bürgermeisters Michael Jäcke bleibt nicht mehr viel für die SPD. Die Sozialdemokraten werden sich nach dieser Wahl überlegen müssen, wie und ob sie das überhaupt noch ändern können. Einfach weitermachen, das kann ganz offensichtlich keine Option sein – zu deutlich war die Absage der Wähler. Und es ist mehr Modernität in Minden-Lübbecke eingezogen. Zum ersten Mal kommt eine Frau ins höchste Amt des Kreises. Und auch in Porta ist es das erste Mal, dass eine Bürgermeisterin im Rathaus sitzt. Das dürfte Frauen in der Politik der Region Auftrieb geben. Es wurde aber auch Zeit!

Bölling, Gerlach, Schweiß: Das sind die Sieger der Stichwahl

„Ich freu mich unendlich": Anna Bölling (CDU) gewinnt mit großem Vorsprung die Stichwahl um das Landratsamt im Kreis Minden-Lübbecke. © MT-Foto: Alex Lehn

Minden. An der Spitze des Kreises Minden-Lübbecke wird ab November zum ersten Mal eine Frau stehen. CDU-Kandidatin Anna Bölling setzte sich in der Stichwahl klar gegen ihren Kontrahenten Ingo Ellerkamp (SPD) durch. Die Christdemokratin erreichte knapp 64 Prozent, der Sozialdemokrat wenig mehr als 36 Prozent. Die Wahlbeteiligung bewegte sich bei niedrigen 35 Prozent.

Bölling zeigte sich nach Auszählung der Stimmen „unendlich glücklich und dankbar". Sie freue sich über das „riesengroße Vertrauen", als das sie das deutliche Wahlergebnis interpretierte – „das fühlt sich ganz toll an". Sie stehe für einen Neuanfang und für einen Aufbruch und das habe der Wähler belohnt.

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Bereits in der ersten Wahl am 13. September hatte sich angedeutet, dass es für Ellerkamp eng werden dürfte. Ihn und seine Gegenkandidatin hatten damals annähern 15 Prozentpunkte getrennt.

Diese Ausgangslage bezeichnete Ellerkamp gestern als „Ballast". Das Ergebnis müsse er „zur Kenntnis nehmen – Demokratie kann hart sein". Das gilt für ihn in besonderem Maß, da seine Chancen auf ein politisches Spitzenamt sich so gut wie erledigt haben dürften. Ellerkamp hatte sich vor elf Jahren bereits erfolglos um das Bürgermeisteramt in Petershagen beworben. Der Unterlegene zeigte sich trotzdem als guter Verlierer, dankte Bölling für den fairen Wahlkampf und wünschte ihr eine gute Hand als Landrätin. Die Frage nach den Gründen für das schlechte Wahlergebnis überfordere ihn am Wahlabend, gestand Ellerkamp gegenüber dem MT. Letztlich sei das beim Blick auf die nüchternen Zahlen am Ende auch „völlig egal". Der SPD-Kandidat gab allerdings zu, dass die Gründe auch bei ihm persönlich zu suchen seien, schließlich sei eine Landratswahl auch eine Entscheidung für eine Persönlichkeit.

Auch in Porta Westfalica erlitt der SPD-Kandidat eine krachende Niederlage: Jörg Achilles kam über 31 Prozent kaum hinaus.Seine Kontrahentin Dr. Sonja Gerlach reüssierte mit beinahe 69 Prozent. Sie bezeichnete die Bestätigung des Wahlergebnisses von vor zwei Wochen als „riesigen Vertrauensvorschuss". Auch in Porta lag die Wahlbeteiligung mit etwas mehr als 37 Prozent niedrig.

Deutlich am knappesten fiel das Wahlergebnis bei der Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Hille aus. Amtsinhaber Michael Schweiß (SPD), der nach Querelen nicht für seine Partei, sondern aus dem Amt heraus angetreten war, setzte sich mit knapp 54 Prozent durch. 488 Stimmen lagen letztlich zwischen ihm und seinem Herausforderer Henning Grinke (CDU).

Schweiß setzte sich durch, obwohl sein in der ersten Wahl unterlegener Kontrahent und Parteifreund Burkhard Günther kurioserweise zur Wahl des CDU-Kandidaten aufgerufen hatte. Entsprechend erleichtert zeigte sich Schweiß gegenüber dem MT. Er gratulierte Grinke zu seinem „tollen Ergebnis" und freue sich auf eine Zusammenarbeit mit ihm im Rat. Auf Kooperation wird Schweiß auch besonders angewiesen sein, denn ihn erwarten in den kommenden Jahren schwierige Mehrheitsverhältnisse. Die CDU hatte mit 38 Prozent die Mehrheit der Sitze errungen.

Kommentar: Veränderungswahl

Die Kommunalwahl 2020 war eine historische. Nicht nur, weil sie im Corona-Jahr stattgefunden hat. Auch, weil sie entscheidende Veränderungen bringt, die Minden-Lübbecke tief prägen dürften. Und zwar nicht nur mittelfristig, sondern auf längere Sicht.

Eine besonders augenfällige: Für die SPD in Minden-Lübbecke bedeutet das Ergebnis eine Zeitenwende. Hatte die Partei in der Vergangenheit im Kreisgebiet selbst dann noch die Nase vorn, wenn es auf Bundesebene gar nicht gut lief, ist das nun vorbei.

Das Landratsamt geht an eine Christdemokratin. In der ehemals roten Hochburg Porta Westfalica ging SPD-Kandidat Jörg Achilles gegen seine CDU-Kontrahentin regelrecht unter. Im Portaner Rat haben SPD und CDU nun gleich viele Sitze. Der parteiinterne Sturzversuch in Hille scheiterte gegen Amtsinhaber Michael Schweiß. Im Rat dort hat die SPD jetzt einen Sitz weniger als die CDU. Und in Petershagen ist die CDU inzwischen die klar dominierende Kraft. Mal abgesehen vom fulminanten Wahlsieg des Mindener Bürgermeisters Michael Jäcke bleibt nicht mehr viel für die SPD. Die Sozialdemokraten werden sich nach dieser Wahl überlegen müssen, wie und ob sie das überhaupt noch ändern können. Einfach weitermachen, das kann ganz offensichtlich keine Option sein – zu deutlich war die Absage der Wähler.

Und es ist mehr Modernität in Minden-Lübbecke eingezogen. Zum ersten Mal kommt eine Frau ins höchste Amt des Kreises. Und auch in Porta ist es das erste Mal, dass eine Bürgermeisterin im Rathaus sitzt. Das dürfte Frauen in der Politik der Region Auftrieb geben. Es wurde aber auch Zeit!

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