„Bloß keine Schulden“ Henning Wandel Minden (mt). Der Schritt in die Selbstständigkeit erfordert Mut - vor allem aber auch eine gute Vorbereitung. Damit der Start möglichst reibungslos läuft, bietet die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen (IHK) gemeinsam mit der Handwerkskammer seit acht Jahren Existenzgründungstage an. Im Preußenmuseum kamen jetzt 80 Interessenten, um sich über Konzepte, Finanzpläne soziale Absicherung, Steuern, Marketing, Förderprogramme und Rechtsformen zu informieren.Doch weil Theorie immer auch ein bisschen trocken ist, gab es auch Beispiele aus dem Alltag. So haben mit dem Baubiologen Dr. Andreas Lück, dem Gerüstbauermeister Mario Hildebrandt sowie der Fitness- und Tanztrainerin Stefana Belunek drei Mindener über eigene Erfahrungen mit der Existenzgründung berichtet. Aber auch der Blick über die Gründungsphase hinaus lohnt ein Blick auf die Praxis, denn ein Unternehmen will nicht nur gegründet, sondern auch erfolgreich geführt werden - und möglicherweise irgendwann auch einmal verkauft oder geschlossen.Der Mindener IHK-Zweigstellenleiter Karl-Ernst Hunting beleuchtete diese Themen in einer Gesprächsrunde. Da war zum einen Julia Fuhrmann, die sich mit ihrem Start-up Stadthunde Minden inzwischen am Markt etabliert hat. Sie bereut ihren Schritt nicht - im Gegenteil: „Ich würde alles genauso machen“, sagte sie, „aber ich würde mich früher trauen.“Monika Brackmann-Tiedau hat ihre Bücherecke in Bad Oeynhausen mit Erreichen des Rentenalters geschlossen. Besonders der Buchhandel leide unter der Konkurrenz der großen Ketten und vor allem des Internets. Dr. Friedrich-Wilhelm Hillbrand schließlich hat Teile seines Unternehmen Hillkom verkauft, um sich mit seiner Firma Hill-Energy verstärkt dem Thema Regenerative Energie zuzuwenden.Besonders aus den letzten beiden Unternehmens-Lebensläufen konnten die künftigen Gründer viel mitnehmen. So rät Brackmann-Tiedau, in einem Nischenmarkt möglichst früh ein Nebensortiment aufzubauen. Hillbrand empfiehlt, statt einer Gründung auch eine Unternehmensnachfolge zu prüfen und mit nicht zu breitem Angebot zu starten.Bei einem Verkauf sei der richtige Moment entscheidend. In seinem Fall waren die Jahre vor dem Verkauf besonders gut, Hillkom war kontinuierlich gewachsen. Einig war sich die Runde bei den Finanzen: „Keine Schulden.“Die Angebote der Kammern scheinen zu fruchten: Die Qualität der Gründungen steige, weil die Jungunternehmer besser vorbereitet seien, sagte Hunting. Nach fünf Jahren ist noch etwa jeder zweite Gründer im Geschäft. Die kritische Phase komme häufig nach zwei Jahren: „Das verflixte dritte Jahr“, sagt Hunting. Grund sei die erste Steuererklärung für das erste Geschäftsjahr. Bei einer falsch kalkulierten Steuerlast drohe eine Nachzahlung, die für ein Unternehmen das Aus bedeuten könne.Seit dem Krisenjahr 2009 hat sich die Zahl der Interessenten verringert. Beim Existenzgründertag Anfang 2010 zählte die IHK noch 350 Teilnehmer. Seither steige auch der Anteil von Gründungen aus einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis. Im vergangenen Jahr wurden in Minden 598 Unternehmen angemeldet, 543 davon waren neu. Dem gegenüber stehen 565 Abmeldungen mit 513 Unternehmensaufgaben.

„Bloß keine Schulden“

Dr. Friedrich-Wilhelm Hillbrand, Julia Fuhrmann und Monika Brackmann-Tiedau (von links) sprachen mit Karl-Ernst Hunting. Foto: Nadine Obersundermeyer/pr

Minden (mt). Der Schritt in die Selbstständigkeit erfordert Mut - vor allem aber auch eine gute Vorbereitung. Damit der Start möglichst reibungslos läuft, bietet die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen (IHK) gemeinsam mit der Handwerkskammer seit acht Jahren Existenzgründungstage an. Im Preußenmuseum kamen jetzt 80 Interessenten, um sich über Konzepte, Finanzpläne soziale Absicherung, Steuern, Marketing, Förderprogramme und Rechtsformen zu informieren.

Doch weil Theorie immer auch ein bisschen trocken ist, gab es auch Beispiele aus dem Alltag. So haben mit dem Baubiologen Dr. Andreas Lück, dem Gerüstbauermeister Mario Hildebrandt sowie der Fitness- und Tanztrainerin Stefana Belunek drei Mindener über eigene Erfahrungen mit der Existenzgründung berichtet. Aber auch der Blick über die Gründungsphase hinaus lohnt ein Blick auf die Praxis, denn ein Unternehmen will nicht nur gegründet, sondern auch erfolgreich geführt werden - und möglicherweise irgendwann auch einmal verkauft oder geschlossen.

Der Mindener IHK-Zweigstellenleiter Karl-Ernst Hunting beleuchtete diese Themen in einer Gesprächsrunde. Da war zum einen Julia Fuhrmann, die sich mit ihrem Start-up Stadthunde Minden inzwischen am Markt etabliert hat. Sie bereut ihren Schritt nicht - im Gegenteil: „Ich würde alles genauso machen“, sagte sie, „aber ich würde mich früher trauen.“

Monika Brackmann-Tiedau hat ihre Bücherecke in Bad Oeynhausen mit Erreichen des Rentenalters geschlossen. Besonders der Buchhandel leide unter der Konkurrenz der großen Ketten und vor allem des Internets. Dr. Friedrich-Wilhelm Hillbrand schließlich hat Teile seines Unternehmen Hillkom verkauft, um sich mit seiner Firma Hill-Energy verstärkt dem Thema Regenerative Energie zuzuwenden.

Besonders aus den letzten beiden Unternehmens-Lebensläufen konnten die künftigen Gründer viel mitnehmen. So rät Brackmann-Tiedau, in einem Nischenmarkt möglichst früh ein Nebensortiment aufzubauen. Hillbrand empfiehlt, statt einer Gründung auch eine Unternehmensnachfolge zu prüfen und mit nicht zu breitem Angebot zu starten.

Bei einem Verkauf sei der richtige Moment entscheidend. In seinem Fall waren die Jahre vor dem Verkauf besonders gut, Hillkom war kontinuierlich gewachsen. Einig war sich die Runde bei den Finanzen: „Keine Schulden.“

Die Angebote der Kammern scheinen zu fruchten: Die Qualität der Gründungen steige, weil die Jungunternehmer besser vorbereitet seien, sagte Hunting. Nach fünf Jahren ist noch etwa jeder zweite Gründer im Geschäft. Die kritische Phase komme häufig nach zwei Jahren: „Das verflixte dritte Jahr“, sagt Hunting. Grund sei die erste Steuererklärung für das erste Geschäftsjahr. Bei einer falsch kalkulierten Steuerlast drohe eine Nachzahlung, die für ein Unternehmen das Aus bedeuten könne.

Seit dem Krisenjahr 2009 hat sich die Zahl der Interessenten verringert. Beim Existenzgründertag Anfang 2010 zählte die IHK noch 350 Teilnehmer. Seither steige auch der Anteil von Gründungen aus einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis. Im vergangenen Jahr wurden in Minden 598 Unternehmen angemeldet, 543 davon waren neu. Dem gegenüber stehen 565 Abmeldungen mit 513 Unternehmensaufgaben.

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