Blank geputzt und alt: Oldtimer-Ausstellung für 24 Stunden Kerstin Rickert Minden (kr). Wer sie sehen wollte, musste schon großes Glück haben. Lediglich für gut 24 Stunden standen die Schmuckstücke in der Ausstellung des Autohauses Sieg: elf auf Hochglanz polierte Oldtimer ganz verschiedener Fabrikate, vom 67 Jahre alten Mercedes-Benz, Modell 170 S, in auffälligem Grün bis zum nur wenige Jahre jüngeren Messerschmitt-Kabinenroller in leuchtendem Rot. Präsentiert wurden die Liebhaberstücke von Mitgliedern des Classic-Car Club Minden, der sein fünfjähriges Bestehen feierte. Im Jahr 2014 hatten Thorsten Pawelczyk und Klaus Rohlfing die Idee, ihre Liebe zu alten Autos mit anderen zu teilen. „Wir wollten Oldtimer-Fans aus Minden zusammenbringen, und zwar markenunabhängig“, erklärt Club-Präsident Thorsten Pawelczyk. Schnell fanden sich weitere Mitstreiter, etwas länger dauerte die Suche nach einem passenden Namen für die Gruppe. In „Classic-Car Club Minden“ fanden sie schließlich einen, der das Anliegen der Oldtimer-Fans perfekt zum Ausdruck bringt. Kein Verein, sondern ein Club, also ein lockeres Miteinander, sollte es sein, und das ist es, was die Mitglieder besonders schätzen. 60 sind es mittlerweile und ebenso viele Autos. Die Mitglieder treffen sich regelmäßig zu Stammtischen, tauschen sich aus, geben einander Hilfestellung und Tipps und unternehmen gemeinsam Ausfahrten mit ihren Oldtimern in die nähere Umgebung. „Wir sind alle ganz unterschiedlich, auch das macht den Reiz aus“, sagt Pawelzcyk. Was sie verbinde, sei „die Liebe zu alten Autos mit dem Bewusstsein für Wertigkeit“. Viele Freundschaften seien in den letzten fünf Jahren entstanden. Einige sind mittlerweile so eng, dass sich auch mal zwei oder mehr Mitglieder ein Auto teilen. So bleiben die Kosten für Anschaffung und Unterhalt in überschaubarem Rahmen. Mit einem sogenannten H-Kennzeichen lassen sich außerdem Steuern sparen. Ein solches Kennzeichen, das Fahrzeuge bekommen können, wenn sie mindestens 30 Jahre alt und weitgehend im Originalzustand sind, ziert fast alle ausgestellten Oldtimer. Zum TÜV müssen die Klassiker genauso oft wie andere Autos auch: alle zwei Jahre. Abgasuntersuchungen sind nicht fällig. Trotzdem dürfen Oldtimer mit H-Kennzeichen Umweltzonen grundsätzlich befahren. Ein paar echte Klassiker konnten von Samstagvormittag bis Sonntagmittag bewundert werden, darunter auch fünf historische Modelle der Marke Mercedes-Benz. Nicht nur ein echter Hingucker, sondern auch von besonderem nostalgischem Wert: ein Mercedes 220 SE Coupé, 1960 bei Sieg gekauft, damals das einzige Exemplar in ganz Minden und bis heute in Familienbesitz. Die einen restaurieren ihre Errungenschaften selbst, andere fahren sie nur, das aber dann so oft, wie sich die Gelegenheit bietet. Bei manchen – wie dem unter dem Spitznamen „Pagode“ bekannten Mercedes 280 SL Cabrio, Baujahr 1970, oder dem schmucken MGA-Roadster – ist das Wetter ein entscheidender Faktor, ob das gute Stück aus der Garage geholt wird oder nicht. „Ist das Wetter schön, dann holt man das Auto raus und fährt bei fünf Grad – offen natürlich. Ein bisschen bekloppt muss man da schon sein“, sagt der Eigentümer des MGA, der vor drei Jahren seine Leidenschaft für den englischen Sportwagen entdeckte und nach längerer Suche in den Niederlanden fündig wurde. In 1.600 Arbeitsstunden wurde der ursprünglich weiße Roadster komplett zerlegt und in seinen heutigen Zustand versetzt: ein wahres Schmuckstück aus Chrom und glänzendem Schwarz. Wie viel ihn das alles gekostet hat, lässt der Besitzer offen, aber ein solches Auto sei deutlich erschwinglicher als ein historischer Porsche, der durchaus im sechsstelligen Bereich liegen könne, sagt er. Ein 911er, Baujahr 1986, steht mit seinem MGA in einer Reihe. Ebenso mit dem XJ 10 ein Jaguar-Modell, das 1972 vorgestellt, aber erst ab 1976 gebaut wurde – mit mäßigem Erfolg, wie der Eigentümer des ausgestellten Autos weiß. „1978 wurde das Modell wieder eingestellt, insgesamt wurden nur 8.000 Stück gebaut.“ Lange hat er nach seinem Traumwagen gesucht, weil er ihn unbedingt auch noch in dunkelblau haben wollte. Die klassische Jaguar-Farbe ist grün. Knallrot und mit seinen drei Rädern und zwei hintereinander angeordneten Sitzen ein Exot unter den Oldtimern ist der Messerschmitt-Kabinenroller, Baujahr 1956. Bereits seit 42 Jahren ist der zum Roadster umgebaute KR 200 mit 10 PS und 82 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit im Besitz eines Mindeners. „Noch immer macht mir das Fahren damit riesigen Spaß“, sagt er. Ob das für seine Beifahrer auch gilt, bezweifelt er allerdings. Die bekämen nämlich den ganzen Staub und Dreck von der Straße ins Gesicht. Mercedes-Fan ist der Eigentümer des 170 S, mit Baujahr 1952 das älteste Fahrzeug der Ausstellung, eigentlich nicht. Besonders haben es ihm britische Autos angetan, doch bei der Mercedes-Limousine mit ihren gefälligen runden Formen machte er eine Ausnahme. Interessant ist für ihn auch die Geschichte des Autos: „Eine deutsche Firma mit Sitz in Thailand hat es 1952 in Stuttgart als Firmenwagen bestellt, von Thailand kam es nach Kalifornien und landete dann wieder in Deutschland.“ Ursprünglich war das Auto schwarz und hatte rotes Leder. Zurück in Deutschland, sei es komplett restauriert und eine Heizung eingebaut worden. „Die konnte man damals dazu bestellen, wurde in diesem Fall aber nicht gemacht, weil das Auto ja nach Thailand ging“, vermutet der Mindener, der den Wagen selbst von Lenkradschaltung auf Knüppelschaltung umgerüstet hat und das entschleunigte Fahren in dem Oldtimer so oft es geht genießt. „Man kann damit ganz normal im Verkehr mitschwimmen“, sagt er. Gegen einen Neuwagen tauschen würde er ihn niemals, auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. „Ein 600-PS-SUV“, meint er mit Blick auf heutige Spitzenmodelle, „passt einfach nicht mehr in die Zeit.“

Blank geputzt und alt: Oldtimer-Ausstellung für 24 Stunden

© Kerstin Rickert

Minden (kr). Wer sie sehen wollte, musste schon großes Glück haben. Lediglich für gut 24 Stunden standen die Schmuckstücke in der Ausstellung des Autohauses Sieg: elf auf Hochglanz polierte Oldtimer ganz verschiedener Fabrikate, vom 67 Jahre alten Mercedes-Benz, Modell 170 S, in auffälligem Grün bis zum nur wenige Jahre jüngeren Messerschmitt-Kabinenroller in leuchtendem Rot. Präsentiert wurden die Liebhaberstücke von Mitgliedern des Classic-Car Club Minden, der sein fünfjähriges Bestehen feierte.

Im Jahr 2014 hatten Thorsten Pawelczyk und Klaus Rohlfing die Idee, ihre Liebe zu alten Autos mit anderen zu teilen. „Wir wollten Oldtimer-Fans aus Minden zusammenbringen, und zwar markenunabhängig“, erklärt Club-Präsident Thorsten Pawelczyk. Schnell fanden sich weitere Mitstreiter, etwas länger dauerte die Suche nach einem passenden Namen für die Gruppe.

- © Kerstin Rickert
© Kerstin Rickert

In „Classic-Car Club Minden“ fanden sie schließlich einen, der das Anliegen der Oldtimer-Fans perfekt zum Ausdruck bringt. Kein Verein, sondern ein Club, also ein lockeres Miteinander, sollte es sein, und das ist es, was die Mitglieder besonders schätzen. 60 sind es mittlerweile und ebenso viele Autos.

Die Mitglieder treffen sich regelmäßig zu Stammtischen, tauschen sich aus, geben einander Hilfestellung und Tipps und unternehmen gemeinsam Ausfahrten mit ihren Oldtimern in die nähere Umgebung. „Wir sind alle ganz unterschiedlich, auch das macht den Reiz aus“, sagt Pawelzcyk. Was sie verbinde, sei „die Liebe zu alten Autos mit dem Bewusstsein für Wertigkeit“. Viele Freundschaften seien in den letzten fünf Jahren entstanden. Einige sind mittlerweile so eng, dass sich auch mal zwei oder mehr Mitglieder ein Auto teilen. So bleiben die Kosten für Anschaffung und Unterhalt in überschaubarem Rahmen.

Mit einem sogenannten H-Kennzeichen lassen sich außerdem Steuern sparen. Ein solches Kennzeichen, das Fahrzeuge bekommen können, wenn sie mindestens 30 Jahre alt und weitgehend im Originalzustand sind, ziert fast alle ausgestellten Oldtimer. Zum TÜV müssen die Klassiker genauso oft wie andere Autos auch: alle zwei Jahre. Abgasuntersuchungen sind nicht fällig. Trotzdem dürfen Oldtimer mit H-Kennzeichen Umweltzonen grundsätzlich befahren.

Ein paar echte Klassiker konnten von Samstagvormittag bis Sonntagmittag bewundert werden, darunter auch fünf historische Modelle der Marke Mercedes-Benz. Nicht nur ein echter Hingucker, sondern auch von besonderem nostalgischem Wert: ein Mercedes 220 SE Coupé, 1960 bei Sieg gekauft, damals das einzige Exemplar in ganz Minden und bis heute in Familienbesitz.

Die einen restaurieren ihre Errungenschaften selbst, andere fahren sie nur, das aber dann so oft, wie sich die Gelegenheit bietet. Bei manchen – wie dem unter dem Spitznamen „Pagode“ bekannten Mercedes 280 SL Cabrio, Baujahr 1970, oder dem schmucken MGA-Roadster – ist das Wetter ein entscheidender Faktor, ob das gute Stück aus der Garage geholt wird oder nicht.

„Ist das Wetter schön, dann holt man das Auto raus und fährt bei fünf Grad – offen natürlich. Ein bisschen bekloppt muss man da schon sein“, sagt der Eigentümer des MGA, der vor drei Jahren seine Leidenschaft für den englischen Sportwagen entdeckte und nach längerer Suche in den Niederlanden fündig wurde. In 1.600 Arbeitsstunden wurde der ursprünglich weiße Roadster komplett zerlegt und in seinen heutigen Zustand versetzt: ein wahres Schmuckstück aus Chrom und glänzendem Schwarz. Wie viel ihn das alles gekostet hat, lässt der Besitzer offen, aber ein solches Auto sei deutlich erschwinglicher als ein historischer Porsche, der durchaus im sechsstelligen Bereich liegen könne, sagt er.

Ein 911er, Baujahr 1986, steht mit seinem MGA in einer Reihe. Ebenso mit dem XJ 10 ein Jaguar-Modell, das 1972 vorgestellt, aber erst ab 1976 gebaut wurde – mit mäßigem Erfolg, wie der Eigentümer des ausgestellten Autos weiß. „1978 wurde das Modell wieder eingestellt, insgesamt wurden nur 8.000 Stück gebaut.“ Lange hat er nach seinem Traumwagen gesucht, weil er ihn unbedingt auch noch in dunkelblau haben wollte. Die klassische Jaguar-Farbe ist grün.

Knallrot und mit seinen drei Rädern und zwei hintereinander angeordneten Sitzen ein Exot unter den Oldtimern ist der Messerschmitt-Kabinenroller, Baujahr 1956. Bereits seit 42 Jahren ist der zum Roadster umgebaute KR 200 mit 10 PS und 82 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit im Besitz eines Mindeners. „Noch immer macht mir das Fahren damit riesigen Spaß“, sagt er. Ob das für seine Beifahrer auch gilt, bezweifelt er allerdings. Die bekämen nämlich den ganzen Staub und Dreck von der Straße ins Gesicht.

Mercedes-Fan ist der Eigentümer des 170 S, mit Baujahr 1952 das älteste Fahrzeug der Ausstellung, eigentlich nicht. Besonders haben es ihm britische Autos angetan, doch bei der Mercedes-Limousine mit ihren gefälligen runden Formen machte er eine Ausnahme.

Interessant ist für ihn auch die Geschichte des Autos: „Eine deutsche Firma mit Sitz in Thailand hat es 1952 in Stuttgart als Firmenwagen bestellt, von Thailand kam es nach Kalifornien und landete dann wieder in Deutschland.“ Ursprünglich war das Auto schwarz und hatte rotes Leder.

Zurück in Deutschland, sei es komplett restauriert und eine Heizung eingebaut worden. „Die konnte man damals dazu bestellen, wurde in diesem Fall aber nicht gemacht, weil das Auto ja nach Thailand ging“, vermutet der Mindener, der den Wagen selbst von Lenkradschaltung auf Knüppelschaltung umgerüstet hat und das entschleunigte Fahren in dem Oldtimer so oft es geht genießt.

„Man kann damit ganz normal im Verkehr mitschwimmen“, sagt er. Gegen einen Neuwagen tauschen würde er ihn niemals, auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. „Ein 600-PS-SUV“, meint er mit Blick auf heutige Spitzenmodelle, „passt einfach nicht mehr in die Zeit.“

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