Bewegung, die verbindet: Siebenjährige und 88-Jähriger machen das Sportabzeichen Anja Peper Minden. Auf den ersten Blick haben Viktoria Neumann (7) und Gerhard Michel (88) nicht viel gemeinsam. Aber: Beide haben Spaß an Bewegung, lieben die Herausforderung und wollten wissen, was in ihnen steckt. Beide haben – vor Corona – das Deutsche Sportabzeichen gemacht. Für Viktoria war es ein gelungener „Kaltstart" und zugleich eine Premiere. Wie das Leben so spielt: Eigentlich wollte die Siebenjährige „nur mal gucken", was da so passiert im Weserstadion. „Wir hatten keine große Erwartungshaltung", erinnert sich ihre Mutter Eugenie Neumann. Was von Vorteil war: Ihre Tochter ist ohnehin sehr sportlich, Schwimmen, Turnen und Handball zählen zu ihren Hobbys. Folglich brachte Viktoria gute Voraussetzungen mit. Und bei einem ersten Probetraining erreichte sie auch prompt fast die Punktzahl, die für den Goldstandard nötig gewesen wären. „Beim Laufen fehlten nur zwei Sekunden." Klar, dass so ein Erfolg zum Weitermachen motiviert. So konnte Viktoria Ende Oktober ihre Urkunde entgegennehmen. Den 800-Meter-Lauf hatte sie in stolzen 4,57 Minuten geschafft. Das war ein Glücksmoment, gerade weil der Amateursport in der Corona-Zeit weitgehend heruntergefahren wurde. Es bleibt derzeit nur der Individualsport im Freien, also Joggen, Walken, Radeln oder Kanu-Fahren. Die Regeln der Corona-Schutzverordnung sind im Schaukasten vor dem Weserstadion ausgehängt. Neben den Regeln hängt hängt aber auch noch ein anderer Hinweis, in viel größerer Schrift gedruckt als der Rest: „Die Zeiten kommen wieder!" hat der Sportverein 1860 Minden neben die Fotos aus besseren Zeiten geschrieben. Der Erfolg von Viktoria hat übrigens auch einige Mitglieder ihre Familie motiviert, sich mal auszuprobieren. Für das Sportabzeichen werden nach Alter gestaffelt die motorischen Grundfähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination geprüft und bewertet. Der Nachweis, dass man schwimmen kann, ist Pflicht. Alle, die mindestens sechs Jahre alt sind, können das Deutsche Sportabzeichen in Bronze, Silber oder Gold ablegen. Nach oben gibt es keine Grenze. Auch Gerhard Michel hat mit 88 Jahren erneut das Sportabzeichen geschafft. Er geht bei Wind und Wetter walken und ist den berühmten Jakobsweg gleich zweimal gewandert. Aber eigentlich hat er sich schon viel bewegt, seit er denken kann: „Im Krieg habe ich viele Botengänge erledigt." Später ging er unter die Pfadfinder, wo er auch seine spätere Frau kennenlernte. 2019 konnte das Paar die Diamantene Hochzeit feiern. Seine Blutwerte, sagt der Arzt, seien top. Gesund alt werden können, das ist für Gerhard Michel ein Stück Glück. „Mit einem Lottogewinn hat das nichts zu tun", sagt er. Der 88-Jährige fühlt sich glücklich, wenn er sportlich und spirituell in der Mitte sein kann. Sein erster Sportabzeichen hat er vor vielen Jahren abgelegt, um sich der Herausforderung zu stellen und zu sehen: Wo stehe ich? Dabei ist es geblieben. „Einer motiviert den Anderen." Manchmal muss man sich einfach nur dafür entscheiden, es zu tun. Eine Devise von ihm heißt: „Vor dem Können steht das Wollen."

Bewegung, die verbindet: Siebenjährige und 88-Jähriger machen das Sportabzeichen

Zwei vom gleichen Schlag: Zweitklässlerin Viktoria Neumann (7) und Rentner Gerhard Michel (88) wollten wissen, was in ihnen steckt – und haben das Deutsche Sportabzeichen gemacht. MT-Foto: Alex Lehn © Alex Lehn

Minden. Auf den ersten Blick haben Viktoria Neumann (7) und Gerhard Michel (88) nicht viel gemeinsam. Aber: Beide haben Spaß an Bewegung, lieben die Herausforderung und wollten wissen, was in ihnen steckt. Beide haben – vor Corona – das Deutsche Sportabzeichen gemacht. Für Viktoria war es ein gelungener „Kaltstart" und zugleich eine Premiere.

Wie das Leben so spielt: Eigentlich wollte die Siebenjährige „nur mal gucken", was da so passiert im Weserstadion. „Wir hatten keine große Erwartungshaltung", erinnert sich ihre Mutter Eugenie Neumann. Was von Vorteil war: Ihre Tochter ist ohnehin sehr sportlich, Schwimmen, Turnen und Handball zählen zu ihren Hobbys. Folglich brachte Viktoria gute Voraussetzungen mit. Und bei einem ersten Probetraining erreichte sie auch prompt fast die Punktzahl, die für den Goldstandard nötig gewesen wären. „Beim Laufen fehlten nur zwei Sekunden." Klar, dass so ein Erfolg zum Weitermachen motiviert. So konnte Viktoria Ende Oktober ihre Urkunde entgegennehmen. Den 800-Meter-Lauf hatte sie in stolzen 4,57 Minuten geschafft.

Das war ein Glücksmoment, gerade weil der Amateursport in der Corona-Zeit weitgehend heruntergefahren wurde. Es bleibt derzeit nur der Individualsport im Freien, also Joggen, Walken, Radeln oder Kanu-Fahren. Die Regeln der Corona-Schutzverordnung sind im Schaukasten vor dem Weserstadion ausgehängt. Neben den Regeln hängt hängt aber auch noch ein anderer Hinweis, in viel größerer Schrift gedruckt als der Rest: „Die Zeiten kommen wieder!" hat der Sportverein 1860 Minden neben die Fotos aus besseren Zeiten geschrieben.

Der Erfolg von Viktoria hat übrigens auch einige Mitglieder ihre Familie motiviert, sich mal auszuprobieren. Für das Sportabzeichen werden nach Alter gestaffelt die motorischen Grundfähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination geprüft und bewertet. Der Nachweis, dass man schwimmen kann, ist Pflicht. Alle, die mindestens sechs Jahre alt sind, können das Deutsche Sportabzeichen in Bronze, Silber oder Gold ablegen.

Nach oben gibt es keine Grenze. Auch Gerhard Michel hat mit 88 Jahren erneut das Sportabzeichen geschafft. Er geht bei Wind und Wetter walken und ist den berühmten Jakobsweg gleich zweimal gewandert. Aber eigentlich hat er sich schon viel bewegt, seit er denken kann: „Im Krieg habe ich viele Botengänge erledigt." Später ging er unter die Pfadfinder, wo er auch seine spätere Frau kennenlernte. 2019 konnte das Paar die Diamantene Hochzeit feiern. Seine Blutwerte, sagt der Arzt, seien top.

Gesund alt werden können, das ist für Gerhard Michel ein Stück Glück. „Mit einem Lottogewinn hat das nichts zu tun", sagt er. Der 88-Jährige fühlt sich glücklich, wenn er sportlich und spirituell in der Mitte sein kann. Sein erster Sportabzeichen hat er vor vielen Jahren abgelegt, um sich der Herausforderung zu stellen und zu sehen: Wo stehe ich? Dabei ist es geblieben. „Einer motiviert den Anderen." Manchmal muss man sich einfach nur dafür entscheiden, es zu tun. Eine Devise von ihm heißt: „Vor dem Können steht das Wollen."

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