Betrunkener Angeklagter musste vor Gericht pusten - Prozess verschoben Hartmut Nolte Lübbecke/Minden (hn). 1,5 Promille Alkohol im Blut ergab der Test, den zwei Polizeibeamte an einem 31-Jährigen am Freitag vornahmen. Die Besonderheit: Der Lübbecker musste nicht als Autofahrer auf der Straße pusten, sondern als Angeklagter im Gerichtszentrum in Minden. Darum hatte sein Verteidiger, Paulo Dias, gebeten, der die Fahne gerochen hatte und seinen Mandanten schützen wollte. In der Tat war der Mann aus Mali nicht verhandlungsfähig, stellte das Schöffengericht fest. Nun wird sein Prozess am 8. Februar erneut aufgerollt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 31-Jährigen eine ganze Palette an Straftaten vor. Von räuberischer Erpressung über Körperverletzung und sexueller Belästigung bis zu Hausfriedensbruch und Schwarzfahrten. Der Tatzeitraum wurde auf Ende Juli 2017 bis Anfang April 2018 beschränkt, Tatorte waren Lübbecke und Minden. Einem Minderjährigen soll er angeboten haben, aus einer Lübbecker Tankstelle Alkohol zu holen, obwohl er dort Hausverbot hatte, das er ständig verletzt haben soll. Später soll er bei dem Jugendlichen unter Drohungen zehn Euro erpresst haben. Beim Bierbrunnenfest 2017 fasste er eine Frau unsittlich an und ließ trotz eindeutiger Abwehr nicht ab, so eine weitere Anklage. Von Hausverboten ließ er sich offensichtlich nicht abschrecken, in Lübbecker Tankstellen und Supermärkte zu gehen. Auch aus der Merkur-Arena wurde er hinausgeworfen. In der Flüchtlingsunterkunft an der Hausstätte soll er einen Mitbewohner mit einer Holzlatte bedroht und die solange gegen dessen Fahrrad geschlagen haben bis sie zerbrach. Verkehrsmittel benutzte er laut Anklage gern kostenfrei. Mal ein Taxi von Espelkamp nach Lübbecke, mal den Regionalexpress von Dortmund nach Minden. Dort soll er am 7. April 2018 im Rats-café die Zeche geprellt haben. Das war der jüngste der Anklagepunkte gegen den 31-jährigen, der bis vor Kurzem eine Arbeitsstelle hatte. Nun lebe er von Erspartem, Sozialleistungen bekomme er nicht, ließ er durch den Dolmetscher sagen. Er konnte das Gerichtsgebäude wie er gekommen war verlassen: als freier Mann. Um sicherzustellen, dass er am 8. Februar zu seinem Prozess erscheint, wurde die polizeiliche Vorführung angeordnet. Und damit gewährleistet ist, dass er dann nüchtern ist, wird er „rechtzeitig“ von der Polizei abgeholt.

Betrunkener Angeklagter musste vor Gericht pusten - Prozess verschoben

Lübbecke/Minden (hn). 1,5 Promille Alkohol im Blut ergab der Test, den zwei Polizeibeamte an einem 31-Jährigen am Freitag vornahmen. Die Besonderheit: Der Lübbecker musste nicht als Autofahrer auf der Straße pusten, sondern als Angeklagter im Gerichtszentrum in Minden. Darum hatte sein Verteidiger, Paulo Dias, gebeten, der die Fahne gerochen hatte und seinen Mandanten schützen wollte. In der Tat war der Mann aus Mali nicht verhandlungsfähig, stellte das Schöffengericht fest. Nun wird sein Prozess am 8. Februar erneut aufgerollt.

Ein Mann aus Mali erschien betrunken zur Gerichtsverhandlung. Die wurde vertagt. Foto: Uli Deck/dpa - © Uli Deck
Ein Mann aus Mali erschien betrunken zur Gerichtsverhandlung. Die wurde vertagt. Foto: Uli Deck/dpa - © Uli Deck

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 31-Jährigen eine ganze Palette an Straftaten vor. Von räuberischer Erpressung über Körperverletzung und sexueller Belästigung bis zu Hausfriedensbruch und Schwarzfahrten. Der Tatzeitraum wurde auf Ende Juli 2017 bis Anfang April 2018 beschränkt, Tatorte waren Lübbecke und Minden.

Einem Minderjährigen soll er angeboten haben, aus einer Lübbecker Tankstelle Alkohol zu holen, obwohl er dort Hausverbot hatte, das er ständig verletzt haben soll. Später soll er bei dem Jugendlichen unter Drohungen zehn Euro erpresst haben.

Beim Bierbrunnenfest 2017 fasste er eine Frau unsittlich an und ließ trotz eindeutiger Abwehr nicht ab, so eine weitere Anklage. Von Hausverboten ließ er sich offensichtlich nicht abschrecken, in Lübbecker Tankstellen und Supermärkte zu gehen. Auch aus der Merkur-Arena wurde er hinausgeworfen.

In der Flüchtlingsunterkunft an der Hausstätte soll er einen Mitbewohner mit einer Holzlatte bedroht und die solange gegen dessen Fahrrad geschlagen haben bis sie zerbrach. Verkehrsmittel benutzte er laut Anklage gern kostenfrei. Mal ein Taxi von Espelkamp nach Lübbecke, mal den Regionalexpress von Dortmund nach Minden. Dort soll er am 7. April 2018 im Rats-café die Zeche geprellt haben.

Das war der jüngste der Anklagepunkte gegen den 31-jährigen, der bis vor Kurzem eine Arbeitsstelle hatte. Nun lebe er von Erspartem, Sozialleistungen bekomme er nicht, ließ er durch den Dolmetscher sagen. Er konnte das Gerichtsgebäude wie er gekommen war verlassen: als freier Mann.

Um sicherzustellen, dass er am 8. Februar zu seinem Prozess erscheint, wurde die polizeiliche Vorführung angeordnet. Und damit gewährleistet ist, dass er dann nüchtern ist, wird er „rechtzeitig“ von der Polizei abgeholt.

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