Betrug mit Lego und Star Wars: Frau aus Hüllhorst muss zwei Jahre ins Gefängnis Hartmut Nolte Minden/Hüllhorst. Zwillinge spielten in einer Schöffengerichtsverhandlung in Minden jetzt eine Doppelrolle. Einmal im tatsächlichen, einmal im übertragenen Sinne. Die letztere skizzierten Staatsanwältin und Verteidiger in ihren Plädoyers. Das Gericht entschied sich für die Version der Anklägerin und verurteilte die des 13-fachen Betruges angeklagte Hüllhorsterin zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung. Die Version der Anklage: Über den Internetzugang der Hüllhorsterin wurden von März bis Ende Mai 2018 Lego- und Starwars-Spielzeug zu Preisen zwischen 40 und 190 Euro angeboten. Mindestens 13-mal griffen Käufer zu und bezahlten wie im Internet üblich vor Erhalt der Ware auf das Konto der Angeklagten. Doch die Ware blieb aus. Auf Nachfragen hielt die Frau die Kunden hin. Bis es manchem zu bunt wurde und es zu Anzeigen kam. Ihre schriftlichen Aussagen bei der Polizei bekamen die anderen Prozessbeteiligten vom Vorsitzenden Richter als Lesestoff für eine einstündige Pause ausgehändigt. Die Version der Angeklagten: Nicht sie, sondern ihre zu der Zeit im Gefängnis sitzende Zwillingsschwester habe alles eingefädelt und durchgezogen. Sie räumte lediglich ein, von den Einzahlungen und die Weitergabe des Geldes zu wissen. Die Schwester habe ihre Kontodaten und den Plattform-Account gekannt. Die Käufer haben nie persönlichen Kontakt zu ihrer Vertragspartnerin gehabt. Wer also da aktiv war, blieb unklar. Die Schwester habe unter Druck von Mitgefangenen gestanden, so die Hüllhorsterin weiter. Sie selber sei alle paar Tage, wenn wieder Geld eingezahlt worden war, nach Bielefeld gefahren und habe das Geld an Freigängerinnen übergeben – insgesamt 1.341 Euro in drei Monaten. So weit die Positionen an diesem zweiten Verhandlungsversuch. Der erste war unvollendet geblieben, weil ein Amtsarzt erst die Verhandlungsfähigkeit der psychisch angeschlagenen Frau feststellen musste. Die Wahrheit wird kaum zu ergründen sein. Wahrscheinlichkeit zählt vor Gericht nicht. Über Glaubhaftigkeit und Ausräumen oder Nichtausräumen von Zweifeln führt der Weg zum Urteil. Die Staatsanwältin hielt die Version mit der Schwester für unglaubwürdig. Zum einen habe die Serie schon im März begonnen, die Schwester sei aber erst im Mai in Haft gegangen. Für wenige Euro mehrfach in der Woche von Hüllhorst nach Bielefeld zu fahren, sei auch zweifelhaft. Und wenn Drogen ins Gefängnis geschmuggelt würden, warum nicht auch Geld? Reger Chatverkehr aus der Haft heraus sei unwahrscheinlich. So pauschal könne man die Version nicht abschmettern, befand Strafverteidiger Hans-Karsten Schult. Warum solle die Schwester nicht schon vor Haftantritt komplett Zugang zu Kontodaten und Passwörtern gehabt haben? Ist das Geld überhaupt in die JVA gekommen, es wurde doch außerhalb des Gefängnisses übergeben? Im Zweifel für die Angeklagte, das müsse auch hier gelten. Seine Mandantin habe doch die Beihilfe, Datenübergabe und Geldübergabe, eingeräumt. Sie habe seitdem keine neuen Straftaten begangen, sah er weniger als ein Jahr Haft auf Bewährung als gerechtfertigt an. Das Gericht brauchte doppelt so lange wie an gekündigt, um sich für eine Version zu entscheiden. Für die Version der Anklage, denn da komme noch der plötzliche Abbruch der Serie, Differenzen zwischen Einzahlungen und Abhebungen dazu. Das mache die Version der Angeklagten abstrus und wunderlich. „Das passt alles nicht”, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Homeier. Schuldig: ja. Aber wie bestrafen? Da fielen drei einschlägige Vorstrafen ins Gewicht, besonders die letzte vom selben Gericht. Zwei Jahre Haft hatte es im Augst 2017 für die Hüllhorsterin gegeben – auf Bewährung. Die hat sie nicht genutzt.

Betrug mit Lego und Star Wars: Frau aus Hüllhorst muss zwei Jahre ins Gefängnis

Original Lego-Bausteine sind heiß begehrte Ware im Internet. Damit machte eine Hüllhorsterin gute Geschäfte – ohne die Ware an die Kunden zu verschicken. Symbolfoto: Petra Schneider-Schmelzer/imago images © imago images/Petra Schneider

Minden/Hüllhorst. Zwillinge spielten in einer Schöffengerichtsverhandlung in Minden jetzt eine Doppelrolle. Einmal im tatsächlichen, einmal im übertragenen Sinne. Die letztere skizzierten Staatsanwältin und Verteidiger in ihren Plädoyers. Das Gericht entschied sich für die Version der Anklägerin und verurteilte die des 13-fachen Betruges angeklagte Hüllhorsterin zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung.

Die Version der Anklage: Über den Internetzugang der Hüllhorsterin wurden von März bis Ende Mai 2018 Lego- und Starwars-Spielzeug zu Preisen zwischen 40 und 190 Euro angeboten. Mindestens 13-mal griffen Käufer zu und bezahlten wie im Internet üblich vor Erhalt der Ware auf das Konto der Angeklagten. Doch die Ware blieb aus. Auf Nachfragen hielt die Frau die Kunden hin. Bis es manchem zu bunt wurde und es zu Anzeigen kam. Ihre schriftlichen Aussagen bei der Polizei bekamen die anderen Prozessbeteiligten vom Vorsitzenden Richter als Lesestoff für eine einstündige Pause ausgehändigt.

Die Version der Angeklagten: Nicht sie, sondern ihre zu der Zeit im Gefängnis sitzende Zwillingsschwester habe alles eingefädelt und durchgezogen. Sie räumte lediglich ein, von den Einzahlungen und die Weitergabe des Geldes zu wissen. Die Schwester habe ihre Kontodaten und den Plattform-Account gekannt. Die Käufer haben nie persönlichen Kontakt zu ihrer Vertragspartnerin gehabt. Wer also da aktiv war, blieb unklar. Die Schwester habe unter Druck von Mitgefangenen gestanden, so die Hüllhorsterin weiter. Sie selber sei alle paar Tage, wenn wieder Geld eingezahlt worden war, nach Bielefeld gefahren und habe das Geld an Freigängerinnen übergeben – insgesamt 1.341 Euro in drei Monaten.

So weit die Positionen an diesem zweiten Verhandlungsversuch. Der erste war unvollendet geblieben, weil ein Amtsarzt erst die Verhandlungsfähigkeit der psychisch angeschlagenen Frau feststellen musste.

Die Wahrheit wird kaum zu ergründen sein. Wahrscheinlichkeit zählt vor Gericht nicht. Über Glaubhaftigkeit und Ausräumen oder Nichtausräumen von Zweifeln führt der Weg zum Urteil. Die Staatsanwältin hielt die Version mit der Schwester für unglaubwürdig. Zum einen habe die Serie schon im März begonnen, die Schwester sei aber erst im Mai in Haft gegangen. Für wenige Euro mehrfach in der Woche von Hüllhorst nach Bielefeld zu fahren, sei auch zweifelhaft. Und wenn Drogen ins Gefängnis geschmuggelt würden, warum nicht auch Geld? Reger Chatverkehr aus der Haft heraus sei unwahrscheinlich.

So pauschal könne man die Version nicht abschmettern, befand Strafverteidiger Hans-Karsten Schult. Warum solle die Schwester nicht schon vor Haftantritt komplett Zugang zu Kontodaten und Passwörtern gehabt haben? Ist das Geld überhaupt in die JVA gekommen, es wurde doch außerhalb des Gefängnisses übergeben? Im Zweifel für die Angeklagte, das müsse auch hier gelten. Seine Mandantin habe doch die Beihilfe, Datenübergabe und Geldübergabe, eingeräumt. Sie habe seitdem keine neuen Straftaten begangen, sah er weniger als ein Jahr Haft auf Bewährung als gerechtfertigt an.

Das Gericht brauchte doppelt so lange wie an gekündigt, um sich für eine Version zu entscheiden. Für die Version der Anklage, denn da komme noch der plötzliche Abbruch der Serie, Differenzen zwischen Einzahlungen und Abhebungen dazu. Das mache die Version der Angeklagten abstrus und wunderlich. „Das passt alles nicht”, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Homeier.

Schuldig: ja. Aber wie bestrafen? Da fielen drei einschlägige Vorstrafen ins Gewicht, besonders die letzte vom selben Gericht. Zwei Jahre Haft hatte es im Augst 2017 für die Hüllhorsterin gegeben – auf Bewährung. Die hat sie nicht genutzt.

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