Betrüger kapert Adresse eines Mindeners Stefan Koch Minden (mt). Viele warten jetzt auf ihre Weihnachtsbestellungen. Horst Y. (Name von der Redaktion verändert) dagegen packt das Grauen, wenn er die Sprinter der Zustelldienste vor seinem Fenster sieht. Ein Unbekannter hat unter der Identität des Mindeners vermutlich Waren bestellt. Immer wieder kommen nun Sendungen an die Adresse in Hahlen. Und der Verdacht liegt nahe, dass das nur der Beginn einer langen Leidenszeit für Horst Y. ist. „Ich bin vollkommen am Ende", sagt der 58-Jährige. Auf Anraten der Polizei hat er sich eine neue Kontonummer, ein neues Handy sowie eine neue Nummer für das Festnetztelefon besorgt. Er muss ausschließen, dass mit seinen Daten weiterer Missbrauch getrieben wird. Angefangen hatte für Horst Y. alles am 28. November. An diesem Montag gab der Postbote ein Paket bei seiner Nachbarin in dem Mehrfamilienhaus in Hahlen ab. Der Inhalt waren Herrenschuhe. Y. rief bei dem Versender an und erfuhr, dass ein Herr, der seinen Namen zu einem Doppelnamen erweiterte, die Lieferung an seine Adresse dirigiert hatte. So schickte der Mindener die von ihm nicht bestellte Lieferung zurück. Am 8. Dezember kam dann die nächste Überraschung: eine Nachnahmesendung über 58 Euro. „Es war ein kleines Päckchen und ich weiß nicht, was drin war", erinnert sich Y.. Als einen Tag später ein Brief aus dem Sankt Elisabeth Hospital Gütersloh im Briefkasten lag, geriet für Horst Y. das Leben aus den Fugen. Die Klinik stellte ihm Telefongebühren über 90,45 Euro für mehr als 160 Telefongespräche im Zeitraum vom 23. November bis 6. Dezember in Rechnung. Auf dem Verbindungsnachweis waren Nummern nach München, Köln, Wiesbaden, Bielefeld, Berlin, Gütersloh, Wuppertal und anderen deutschen Städten angegeben. Viele Kontakte führen zu Versandhäusern, Online-Händlern, Postdiensten und Service-Unternehmen. Horst Y. rief beim Sankt Elisabeth Hospital an und erfuhr, dass er noch eine weitere Rechnung für Behandlungskosten als Privatpatient bekommen sollte. Am vergangenen Mittwoch kam der Brief an: 3600 Euro. Das Krankenhaus will das Geld aber nicht bei dem Mindener eintreiben. „Ich bin in einer normalen Krankenversicherung und war nie in diesem Krankenhaus", sagt Horst Y.. Da er als Rheumatiker vom 30. November bis 2. Dezember im St. Josef-Stift in Senderhorst gelegen hatte, konnte er rasch nachweisen, dass er nicht der Verursacher der hohen Kosten war und einen anderen Aufenthaltsort hatte. Zudem schickte er ein Foto von seinem Personalausweis an die Rechnungsstelle des Gütersloher Krankenhauses. Dort erkannte das Personal rasch, dass sich eine andere Person des Namens und der Adresse des Mindeners bedient haben musste. Wie konnte das geschehen? „Der Unbekannte kam als akuter Notfall ins Sankt Elisabeth Hospital und hat vermeintlich glaubhafte Angaben zu seiner Identität gemacht", erklärt Nadine Mense, Referentin für Marketing und Kommunikation. Da er als Selbstzahler aufgetreten sei, sei keine weitere Überprüfung seiner Personalien durchgeführt worden. Eine Krankenkassenkarte habe er nicht vorgelegt. Wie hoch der von ihm in dem Gütersloher Krankenhaus verursachte Gesamtschaden ist, wird dort zurzeit ermittelt. Am 10. Dezember gingen die Postlieferungen weiter. Horst Y. bekam am Vormittag ein Nachnahmepaket eines großen deutschen Versandhauses für 46,25 Euro. Am Nachmittag steckte der Postbote eine Rechnung eines anderen Händlers über 55,86 Euro in den Briefkasten. Angeblich sollte der Adressat eine Reisetasche bestellt haben. Diesmal hatte der Unbekannte bei der Adressangabe nicht nur einen Doppelnamen verwendet, sondern sich auch gleich noch einen Doktortitel gegönnt. Seit einigen Tagen laufen die Ermittlungen bei der Polizei in Gütersloh. Bislang konnte die Pressestelle nichts zu den Hintergründen der vielen Päckchen mitteilen. Der Täter sei 1,80 Meter groß, habe schwarze Haare und eine Brille getragen, hieß es. Am Mittwoch erstattete Horst Y. auch eine schriftliche Anzeige bei der Mindener Polizei. Wegen des Tipps der Beamten, vorsorglich seine Bank- und Kommunikationsverbindungen auszutauschen, musste er Behörden, Verwandte und Bekannte über die Änderungen informieren. „Ich möchte wissen, wie der Unbekannte an meine Adresse gelangt ist und warum gerade ich ausgewählt wurde", sagt der Geschädigte.

Betrüger kapert Adresse eines Mindeners

Ulrich W. ist verzweifelt. Mehr als 160 Anrufe des Unbekannten dokumentiert der Verbindungsnachweis des Krankenhauses. Oft wurden am Telefon Waren bestellt. MT- © Foto: Stefan Koch

Minden (mt). Viele warten jetzt auf ihre Weihnachtsbestellungen. Horst Y. (Name von der Redaktion verändert) dagegen packt das Grauen, wenn er die Sprinter der Zustelldienste vor seinem Fenster sieht. Ein Unbekannter hat unter der Identität des Mindeners vermutlich Waren bestellt. Immer wieder kommen nun Sendungen an die Adresse in Hahlen. Und der Verdacht liegt nahe, dass das nur der Beginn einer langen Leidenszeit für Horst Y. ist.

„Ich bin vollkommen am Ende", sagt der 58-Jährige. Auf Anraten der Polizei hat er sich eine neue Kontonummer, ein neues Handy sowie eine neue Nummer für das Festnetztelefon besorgt. Er muss ausschließen, dass mit seinen Daten weiterer Missbrauch getrieben wird.

Angefangen hatte für Horst Y. alles am 28. November. An diesem Montag gab der Postbote ein Paket bei seiner Nachbarin in dem Mehrfamilienhaus in Hahlen ab. Der Inhalt waren Herrenschuhe. Y. rief bei dem Versender an und erfuhr, dass ein Herr, der seinen Namen zu einem Doppelnamen erweiterte, die Lieferung an seine Adresse dirigiert hatte. So schickte der Mindener die von ihm nicht bestellte Lieferung zurück.

Am 8. Dezember kam dann die nächste Überraschung: eine Nachnahmesendung über 58 Euro. „Es war ein kleines Päckchen und ich weiß nicht, was drin war", erinnert sich Y..

Als einen Tag später ein Brief aus dem Sankt Elisabeth Hospital Gütersloh im Briefkasten lag, geriet für Horst Y. das Leben aus den Fugen. Die Klinik stellte ihm Telefongebühren über 90,45 Euro für mehr als 160 Telefongespräche im Zeitraum vom 23. November bis 6. Dezember in Rechnung. Auf dem Verbindungsnachweis waren Nummern nach München, Köln, Wiesbaden, Bielefeld, Berlin, Gütersloh, Wuppertal und anderen deutschen Städten angegeben. Viele Kontakte führen zu Versandhäusern, Online-Händlern, Postdiensten und Service-Unternehmen. Horst Y. rief beim Sankt Elisabeth Hospital an und erfuhr, dass er noch eine weitere Rechnung für Behandlungskosten als Privatpatient bekommen sollte. Am vergangenen Mittwoch kam der Brief an: 3600 Euro. Das Krankenhaus will das Geld aber nicht bei dem Mindener eintreiben.

„Ich bin in einer normalen Krankenversicherung und war nie in diesem Krankenhaus", sagt Horst Y.. Da er als Rheumatiker vom 30. November bis 2. Dezember im St. Josef-Stift in Senderhorst gelegen hatte, konnte er rasch nachweisen, dass er nicht der Verursacher der hohen Kosten war und einen anderen Aufenthaltsort hatte. Zudem schickte er ein Foto von seinem Personalausweis an die Rechnungsstelle des Gütersloher Krankenhauses. Dort erkannte das Personal rasch, dass sich eine andere Person des Namens und der Adresse des Mindeners bedient haben musste.

Wie konnte das geschehen? „Der Unbekannte kam als akuter Notfall ins Sankt Elisabeth Hospital und hat vermeintlich glaubhafte Angaben zu seiner Identität gemacht", erklärt Nadine Mense, Referentin für Marketing und Kommunikation. Da er als Selbstzahler aufgetreten sei, sei keine weitere Überprüfung seiner Personalien durchgeführt worden. Eine Krankenkassenkarte habe er nicht vorgelegt. Wie hoch der von ihm in dem Gütersloher Krankenhaus verursachte Gesamtschaden ist, wird dort zurzeit ermittelt.

Am 10. Dezember gingen die Postlieferungen weiter. Horst Y. bekam am Vormittag ein Nachnahmepaket eines großen deutschen Versandhauses für 46,25 Euro. Am Nachmittag steckte der Postbote eine Rechnung eines anderen Händlers über 55,86 Euro in den Briefkasten. Angeblich sollte der Adressat eine Reisetasche bestellt haben. Diesmal hatte der Unbekannte bei der Adressangabe nicht nur einen Doppelnamen verwendet, sondern sich auch gleich noch einen Doktortitel gegönnt.

Seit einigen Tagen laufen die Ermittlungen bei der Polizei in Gütersloh. Bislang konnte die Pressestelle nichts zu den Hintergründen der vielen Päckchen mitteilen. Der Täter sei 1,80 Meter groß, habe schwarze Haare und eine Brille getragen, hieß es.

Am Mittwoch erstattete Horst Y. auch eine schriftliche Anzeige bei der Mindener Polizei. Wegen des Tipps der Beamten, vorsorglich seine Bank- und Kommunikationsverbindungen auszutauschen, musste er Behörden, Verwandte und Bekannte über die Änderungen informieren. „Ich möchte wissen, wie der Unbekannte an meine Adresse gelangt ist und warum gerade ich ausgewählt wurde", sagt der Geschädigte.

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