Bestatter stellen nachlassende Zahlungsmoral fest Angehörige drücken sich vor der Rechnung / Bestattung mitunter verzögert / Bedürftigkeit nachzuweisen Von Stefan Koch Minden (mt). Umsonst ist auch nicht der Tod: So stellen Bestatter fest, dass bei Angehörigen Verstorbener zunehmend die Bereitschaft schwindet, für die Beisetzung aufzukommen. Mitunter passiert es dann im Vorfeld der mehrere tausend Euro drohenden Rechnung, dass die Leiche über die gesetzlich vorgesehene Frist hinaus im Kühlhaus liegt. Sind bei einem Todesfall die Angehörigen nicht gleich zur Stelle, muss das Ordnungsamt die Bestattung veranlassen. Ein umfangreiches Verwaltungsverfahren läuft zugleich an, um Ehegatten, Kinder, Eltern, Geschwister, Großeltern oder Enkel des Verstorbenen ausfindig zu machen, die zuletzt auch die Kosten der Beisetzung übernehmen sollen. Aus gutem Grund macht die Behörde darauf aufmerksam, dass das Argument einer klammen finanziellen Situation oder eines familiären Streits grundsätzlich nicht von der Zahlungspflicht entbindet.Nur acht Tage Liegezeit einer Leiche erlaubt der Gesetzgeber von der Feststellung des Todes bis zur Bestattung. Haben die Ordnungsämter in dieser Zeit keine bestattungspflichtigen Angehörigen gefunden oder kommen diese ihrer Pflicht nicht nach, dann müssen sie die Bestattung selbst veranlassen - gegebenenfalls als Ersatzvornahme, bei der später das Geld eingezogen wird. In der Stadt Minden gab es in den vergangen fünf Jahren 15 bis 56 Fälle einer ordnungsamtlichen Bestattung jährlich.Doch auch wenn die Angehörigen selbst beim Bestatter vorstellig werden, kann es Streit um die Kostenfrage geben. "Das ist das unternehmerische Risiko, das wir leider zu tragen haben", sagt Reiner Wehrmann, Inhaber eines Unternehmens in Minden. Diese Entwicklung verschärfe sich auch zunehmend.Hans Krögermeier, Mitinhaber eines anderen Bestattungsunternehmens in Minden, sieht vor allem bei Sozialbeisetzungen Probleme. Im Fall von Bedürftigkeit übernimmt das Sozialamt des Kreises Minden-Lübbecke die Kosten, wozu im Jahresetat eine feste Summe von 310000 Euro vorgesehen ist. 260 bis 280 Sterbefälle werden jährlich aus diesem Topf finanziert.Laut Krögermeier kommt es vor, dass Angehörige eine Bestattung in Auftrag geben und sich zahlungsunfähig erklären. Der Auftrag werde dennoch angenommen, wenn der Betreffende eine Erklärung unterschreibe, dass er beim Sozialamt einen Antrag auf Beihilfe stelle. Hinterher aber hielten sich die Kunden nicht an ihre Vereinbarung und der Fall verschleppe sich. "Es ist schon vorgekommen, dass ein Verstorbener dann mehre Wochen im Kühlraum gelegen hat." Und Reiner Wehrmann, der letzteres Phänomen allerdings nicht erlebte, beobachtete schon Angehörige die ihm als Bestatter erklärten, er soll die ganze Angelegenheit doch selbst über das Sozialamt abwickeln.Offenbar scheuen viele den bürokratischen Aufwand, der vor einem Sozialbegräbnis steht. Denn der Angehörige muss zahlreiche Nachweise beibringen, unter anderem dabei sein Konto offenlegen, sein Einkommen und das seiner Haushaltsangehörigen nachweisen, bis hin zur Beantwortung der Frage, ob der Verstorbene als Grundeigentümer Wasser- und Müllgebühren gezahlt hat.Krögermeier kann viele Beispiele nennen, in denen eine fristgerechte Kostenregelung einer Beerdigung geplatzt war. So hatte in einem Fall ein Verstorbener acht Kinder hinterlassen, die in keinem Kontakt zueinander standen. Nachdem es gelungen war, die soziale Bedürftigkeit von sieben Kindern nachzuweisen, scheiterte dies im achten Fall, weil der Betreffende unter Vormundschaft stand und keine Erklärung abgeben konnte. In einem anderen Fall hatte sich ein Angehöriger als zahlungsunfähig erklärt. Da er dann aber ohne vorheriges Wissen zum Erben wurde, trat das Sozialamt nicht mehr ein. Krögermeier: "Als ich dann dem jungen Mann die Rechnung schickte, erklärte mir seine Mutter, dass er erst einmal seine Handyrechnungen bezahlen müsse."

Bestatter stellen nachlassende Zahlungsmoral fest

Minden (mt). Umsonst ist auch nicht der Tod: So stellen Bestatter fest, dass bei Angehörigen Verstorbener zunehmend die Bereitschaft schwindet, für die Beisetzung aufzukommen. Mitunter passiert es dann im Vorfeld der mehrere tausend Euro drohenden Rechnung, dass die Leiche über die gesetzlich vorgesehene Frist hinaus im Kühlhaus liegt.

Angehörige drücken sich vor Rechnung - © MINDEN
Angehörige drücken sich vor Rechnung - © MINDEN

Sind bei einem Todesfall die Angehörigen nicht gleich zur Stelle, muss das Ordnungsamt die Bestattung veranlassen. Ein umfangreiches Verwaltungsverfahren läuft zugleich an, um Ehegatten, Kinder, Eltern, Geschwister, Großeltern oder Enkel des Verstorbenen ausfindig zu machen, die zuletzt auch die Kosten der Beisetzung übernehmen sollen. Aus gutem Grund macht die Behörde darauf aufmerksam, dass das Argument einer klammen finanziellen Situation oder eines familiären Streits grundsätzlich nicht von der Zahlungspflicht entbindet.

Nur acht Tage Liegezeit einer Leiche erlaubt der Gesetzgeber von der Feststellung des Todes bis zur Bestattung. Haben die Ordnungsämter in dieser Zeit keine bestattungspflichtigen Angehörigen gefunden oder kommen diese ihrer Pflicht nicht nach, dann müssen sie die Bestattung selbst veranlassen - gegebenenfalls als Ersatzvornahme, bei der später das Geld eingezogen wird. In der Stadt Minden gab es in den vergangen fünf Jahren 15 bis 56 Fälle einer ordnungsamtlichen Bestattung jährlich.

Für Särge und andere Kosten im Zusammenhang mit einer Bestattung wollen Angehörige mit zunehmender Tendenz nichts zahlen. - © Foto: Alex Lehn
Für Särge und andere Kosten im Zusammenhang mit einer Bestattung wollen Angehörige mit zunehmender Tendenz nichts zahlen. - © Foto: Alex Lehn

Doch auch wenn die Angehörigen selbst beim Bestatter vorstellig werden, kann es Streit um die Kostenfrage geben. "Das ist das unternehmerische Risiko, das wir leider zu tragen haben", sagt Reiner Wehrmann, Inhaber eines Unternehmens in Minden. Diese Entwicklung verschärfe sich auch zunehmend.

Hans Krögermeier, Mitinhaber eines anderen Bestattungsunternehmens in Minden, sieht vor allem bei Sozialbeisetzungen Probleme. Im Fall von Bedürftigkeit übernimmt das Sozialamt des Kreises Minden-Lübbecke die Kosten, wozu im Jahresetat eine feste Summe von 310000 Euro vorgesehen ist. 260 bis 280 Sterbefälle werden jährlich aus diesem Topf finanziert.

Laut Krögermeier kommt es vor, dass Angehörige eine Bestattung in Auftrag geben und sich zahlungsunfähig erklären. Der Auftrag werde dennoch angenommen, wenn der Betreffende eine Erklärung unterschreibe, dass er beim Sozialamt einen Antrag auf Beihilfe stelle. Hinterher aber hielten sich die Kunden nicht an ihre Vereinbarung und der Fall verschleppe sich. "Es ist schon vorgekommen, dass ein Verstorbener dann mehre Wochen im Kühlraum gelegen hat." Und Reiner Wehrmann, der letzteres Phänomen allerdings nicht erlebte, beobachtete schon Angehörige die ihm als Bestatter erklärten, er soll die ganze Angelegenheit doch selbst über das Sozialamt abwickeln.

Offenbar scheuen viele den bürokratischen Aufwand, der vor einem Sozialbegräbnis steht. Denn der Angehörige muss zahlreiche Nachweise beibringen, unter anderem dabei sein Konto offenlegen, sein Einkommen und das seiner Haushaltsangehörigen nachweisen, bis hin zur Beantwortung der Frage, ob der Verstorbene als Grundeigentümer Wasser- und Müllgebühren gezahlt hat.

Krögermeier kann viele Beispiele nennen, in denen eine fristgerechte Kostenregelung einer Beerdigung geplatzt war. So hatte in einem Fall ein Verstorbener acht Kinder hinterlassen, die in keinem Kontakt zueinander standen. Nachdem es gelungen war, die soziale Bedürftigkeit von sieben Kindern nachzuweisen, scheiterte dies im achten Fall, weil der Betreffende unter Vormundschaft stand und keine Erklärung abgeben konnte. In einem anderen Fall hatte sich ein Angehöriger als zahlungsunfähig erklärt. Da er dann aber ohne vorheriges Wissen zum Erben wurde, trat das Sozialamt nicht mehr ein. Krögermeier: "Als ich dann dem jungen Mann die Rechnung schickte, erklärte mir seine Mutter, dass er erst einmal seine Handyrechnungen bezahlen müsse."

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