Bequemes Einchecken: Darum kritisiert der Mindener Treffpunkt "Maker Space" die Luca-App Leonie Meyer Minden. Bequem während der Pandemie einkaufen und einchecken – auch ohne Smartphone: Der Luca-Schlüsselanhänger hat sich bereits in mehreren Kommunen im Mühlenkreis bewährt. Doch es gibt auch Kritik an der App und dem dazugehörigen Schlüsselband, die das Einchecken in einem Geschäft für eine Kontaktverfolgung vereinfachen sollen. „Für uns als technischer Verein ist es nicht nachvollziehbar, weshalb weiterhin auf die Luca-App gesetzt wird“, sagt Pascal Dustmann, Mitglied im Maker Space Minden. Der Maker Space ist ein Treffpunkt für technisch und handwerklich interessierte Menschen, die sich von Arbeiten mit Holz über Computer bis Software beschäftigen. Seine Begründung: „Personenbezogene Daten werden zentral auf einem Server gespeichert. Im Gegensatz zu dem dezentralen Konzept der Corona-Warn-App können die Betreiber der Luca-App einzelne Benutzer tracken.“ Somit lasse sich beispielsweise einsehen, wer sich wann und wie lange mit wem und wo getroffen habe. Auch die Häufigkeit eines bestimmten Aufenthaltsortes lasse sich von dem jeweiligen Nutzer einsehen. „Solche Daten würden auch nach der Corona-Krise in der Hand der Betreiber liegen“, bemängelt Dustmann. Für Kunden, die in einem Geschäft einkaufen, sei der Datenschutz nicht nachvollziehbar – sie würden die App nutzen, seien aber nicht in die technische Materie involviert, so Dustmann weiter. Es sei nicht klar, wer bei welchen Verstößen haftet oder inwieweit es sich dabei um eine Auftragsdatenverarbeitung der Betreiber des Geschäfts, das die Kunden besuchen, handelt. „Die Corona-Warn-App achtet den Datenschutz. Hier wurden große Summen in die Entwicklung gesteckt. Das Ergebnis ist eine zuverlässige Software, die oben drauf noch komplett Open-Source ist. Der Programmcode kann also gesichtet werden. Es sind keine weiteren Lizenz oder Investitionskosten für die Städte erforderlich“, plädiert Dustmann für die Nutzung der Corona-Warn-App. Jedoch müsse auch bedacht werden, dass die Corona-App mit ihren Updates ein Nachzügler sei und die Luca-App wesentlich schneller eingesetzt werden konnte. Das sagt der Kreis „Der Kreis Minden-Lübbecke sieht in den Möglichkeiten der digitalen Kontaktnachverfolgung einen weiteren Baustein zur Pandemiebekämpfung“, sagt deren Pressesprecher Florian Hemann. Er betont auch, dass die Luca-App – sowie die Corona-Warn-App – den Unternehmen, Veranstaltern und Bürgern frei zur Verfügung stehe. Der Kreis verfolge die Diskussion zum Thema Datenschutz sehr aufmerksam und es sei „naturgemäß so, dass Lösungen, die medial im Fokus stehen, besonders begutachtet werden“. Hemann erklärt: „Ein Zugriff auf Inhaltsdaten aus dem System ist für den Kreis nur situationsbezogen im Zusammenhang mit der Kontaktverfolgung durch das Gesundheitsamt zulässig und nur im Zusammenspiel mit den Betroffenen möglich.“ Erfahre das Gesundheitsamt im Zuge der Kontaktverfolgung, dass der Infizierte Luca nutzt, werde derjenige aufgefordert, mit der App eine TAN zu generieren und sie dem Gesundheitsamt mitzuteilen. Mit dieser TAN könne das Gesundheitsamt auf die registrierten Aufenthaltsorte der letzten Tage zugreifen. Die Aufenthaltsorte im Einzugsbereich des Gesundheitsamtes erhielten dann über das Luca-System eine Anfrage, die zeitlich relevanten Daten freizugeben. „Nach dieser Freigabe kann das Gesundheitsamt die Personen, die ebenfalls Luca nutzen und sich in der Zeit am selben Ort aufgehalten haben, abrufen und diese Daten für die weitere Kontaktverfolgung übernehmen.“ Was sich für Laien vielleicht aufwendig anhöre, entspreche dem Datenschutz und ähnele der bisherigen Vorgehensweise, bei der allerdings Papierlisten verarbeitet werden mussten. Das sagen die Kommunen „Zu der Kritik können wir als Stadt nicht viel sagen. Wir sind bislang lediglich dem Wunsch des Kreises nachgekommen, die Luca-Schlüsselanhänger an Bürgerinnen und Bürger über unsere Quartiere und den Treffpunkt Johanniskirchhof in Minden zu verteilen“, schildert Susann Lewerenz, Sprecherin der Stadt Minden. Zur Kontaktnachverfolgung gebe es auch andere Apps, die Empfehlung der Stadt liege jedoch bei der Luca-App. Für den Datenschutz trage die Stadt keine Verantwortung. „Das Gesundheitsamt setzt auf das System, weil es sich mit der Computer-Software verbinden lässt.“ Für die Stadtverwaltung lohne sich die App aus mehreren Gründen nicht: Das Rathaus sei für alle Bürger geöffnet, jedoch erhalte jede Person nur Zutritt mit einem Termin und es muss ein Kontakterfassungsbogen ausgefüllt werden, „der über die erfassten Daten der Luca-App hinausgeht. Deshalb können wir auf den Bogen auch nicht verzichten“. Die Nutzung der App sei im Sitzungsdienst angedacht. „Wir sind eine Servicestelle, die die Schlüsselanhänger aushändigt und verschickt“, sagt Bernd Küchold, Sachbereichsleiter der Gemeinde Hille. Vor Ort habe die Gemeinde keinen Experten mit tiefergehenden Kenntnissen, der sich hinsichtlich des Datenschutzes äußern könnte. „Der Kreis hat sich stark für den Einsatz der App und die Schlüsselanhänger eingesetzt und die Nachfrage ist da“, teilt Küchold mit, der auch in der Datenverarbeitung tätig ist. „Die Stadt Petershagen wird die Luca-App für die anstehenden Gremiensitzungen verwenden. Da dabei keine eigene Datenspeicherung erfolgt, sind, wie auch von der Datenschutzbeauftragten der Stadt Petershagen bestätigt, keine datenschutzrechtlichen Belange für die Stadt Petershagen selbst zu beachten“, sagt Tatjana Brast, Sprecherin der Stadt Petershagen. Die grundsätzliche Entscheidung zum Einsatz der Luca-App liege bei dem jeweiligen Nutzer. Selbstverständlich könnten auch andere Apps zur Kontaktverfolgung verwendet werden. Babette Lissner, Sprecherin der Stadt Porta Westfalica, verweist auf den Kreis.

Bequemes Einchecken: Darum kritisiert der Mindener Treffpunkt "Maker Space" die Luca-App

Der QR-Code zum Einchecken mit dem Smartphone gibt es mittlerweile in mehreren Geschäften in Minden. MT-Foto: © Leonie Meyer

Minden. Bequem während der Pandemie einkaufen und einchecken – auch ohne Smartphone: Der Luca-Schlüsselanhänger hat sich bereits in mehreren Kommunen im Mühlenkreis bewährt. Doch es gibt auch Kritik an der App und dem dazugehörigen Schlüsselband, die das Einchecken in einem Geschäft für eine Kontaktverfolgung vereinfachen sollen.

„Für uns als technischer Verein ist es nicht nachvollziehbar, weshalb weiterhin auf die Luca-App gesetzt wird“, sagt Pascal Dustmann, Mitglied im Maker Space Minden. Der Maker Space ist ein Treffpunkt für technisch und handwerklich interessierte Menschen, die sich von Arbeiten mit Holz über Computer bis Software beschäftigen. Seine Begründung: „Personenbezogene Daten werden zentral auf einem Server gespeichert. Im Gegensatz zu dem dezentralen Konzept der Corona-Warn-App können die Betreiber der Luca-App einzelne Benutzer tracken.“ Somit lasse sich beispielsweise einsehen, wer sich wann und wie lange mit wem und wo getroffen habe. Auch die Häufigkeit eines bestimmten Aufenthaltsortes lasse sich von dem jeweiligen Nutzer einsehen. „Solche Daten würden auch nach der Corona-Krise in der Hand der Betreiber liegen“, bemängelt Dustmann.

Für Kunden, die in einem Geschäft einkaufen, sei der Datenschutz nicht nachvollziehbar – sie würden die App nutzen, seien aber nicht in die technische Materie involviert, so Dustmann weiter. Es sei nicht klar, wer bei welchen Verstößen haftet oder inwieweit es sich dabei um eine Auftragsdatenverarbeitung der Betreiber des Geschäfts, das die Kunden besuchen, handelt. „Die Corona-Warn-App achtet den Datenschutz. Hier wurden große Summen in die Entwicklung gesteckt. Das Ergebnis ist eine zuverlässige Software, die oben drauf noch komplett Open-Source ist. Der Programmcode kann also gesichtet werden. Es sind keine weiteren Lizenz oder Investitionskosten für die Städte erforderlich“, plädiert Dustmann für die Nutzung der Corona-Warn-App. Jedoch müsse auch bedacht werden, dass die Corona-App mit ihren Updates ein Nachzügler sei und die Luca-App wesentlich schneller eingesetzt werden konnte.


Das sagt der Kreis

„Der Kreis Minden-Lübbecke sieht in den Möglichkeiten der digitalen Kontaktnachverfolgung einen weiteren Baustein zur Pandemiebekämpfung“, sagt deren Pressesprecher Florian Hemann. Er betont auch, dass die Luca-App – sowie die Corona-Warn-App – den Unternehmen, Veranstaltern und Bürgern frei zur Verfügung stehe. Der Kreis verfolge die Diskussion zum Thema Datenschutz sehr aufmerksam und es sei „naturgemäß so, dass Lösungen, die medial im Fokus stehen, besonders begutachtet werden“.

Hemann erklärt: „Ein Zugriff auf Inhaltsdaten aus dem System ist für den Kreis nur situationsbezogen im Zusammenhang mit der Kontaktverfolgung durch das Gesundheitsamt zulässig und nur im Zusammenspiel mit den Betroffenen möglich.“ Erfahre das Gesundheitsamt im Zuge der Kontaktverfolgung, dass der Infizierte Luca nutzt, werde derjenige aufgefordert, mit der App eine TAN zu generieren und sie dem Gesundheitsamt mitzuteilen. Mit dieser TAN könne das Gesundheitsamt auf die registrierten Aufenthaltsorte der letzten Tage zugreifen. Die Aufenthaltsorte im Einzugsbereich des Gesundheitsamtes erhielten dann über das Luca-System eine Anfrage, die zeitlich relevanten Daten freizugeben. „Nach dieser Freigabe kann das Gesundheitsamt die Personen, die ebenfalls Luca nutzen und sich in der Zeit am selben Ort aufgehalten haben, abrufen und diese Daten für die weitere Kontaktverfolgung übernehmen.“

Was sich für Laien vielleicht aufwendig anhöre, entspreche dem Datenschutz und ähnele der bisherigen Vorgehensweise, bei der allerdings Papierlisten verarbeitet werden mussten.

Das sagen die Kommunen

„Zu der Kritik können wir als Stadt nicht viel sagen. Wir sind bislang lediglich dem Wunsch des Kreises nachgekommen, die Luca-Schlüsselanhänger an Bürgerinnen und Bürger über unsere Quartiere und den Treffpunkt Johanniskirchhof in Minden zu verteilen“, schildert Susann Lewerenz, Sprecherin der Stadt Minden. Zur Kontaktnachverfolgung gebe es auch andere Apps, die Empfehlung der Stadt liege jedoch bei der Luca-App. Für den Datenschutz trage die Stadt keine Verantwortung. „Das Gesundheitsamt setzt auf das System, weil es sich mit der Computer-Software verbinden lässt.“

Für die Stadtverwaltung lohne sich die App aus mehreren Gründen nicht: Das Rathaus sei für alle Bürger geöffnet, jedoch erhalte jede Person nur Zutritt mit einem Termin und es muss ein Kontakterfassungsbogen ausgefüllt werden, „der über die erfassten Daten der Luca-App hinausgeht. Deshalb können wir auf den Bogen auch nicht verzichten“. Die Nutzung der App sei im Sitzungsdienst angedacht.

„Wir sind eine Servicestelle, die die Schlüsselanhänger aushändigt und verschickt“, sagt Bernd Küchold, Sachbereichsleiter der Gemeinde Hille. Vor Ort habe die Gemeinde keinen Experten mit tiefergehenden Kenntnissen, der sich hinsichtlich des Datenschutzes äußern könnte. „Der Kreis hat sich stark für den Einsatz der App und die Schlüsselanhänger eingesetzt und die Nachfrage ist da“, teilt Küchold mit, der auch in der Datenverarbeitung tätig ist.

„Die Stadt Petershagen wird die Luca-App für die anstehenden Gremiensitzungen verwenden. Da dabei keine eigene Datenspeicherung erfolgt, sind, wie auch von der Datenschutzbeauftragten der Stadt Petershagen bestätigt, keine datenschutzrechtlichen Belange für die Stadt Petershagen selbst zu beachten“, sagt Tatjana Brast, Sprecherin der Stadt Petershagen. Die grundsätzliche Entscheidung zum Einsatz der Luca-App liege bei dem jeweiligen Nutzer. Selbstverständlich könnten auch andere Apps zur Kontaktverfolgung verwendet werden.

Babette Lissner, Sprecherin der Stadt Porta Westfalica, verweist auf den Kreis.

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