Beliebte Leihautos: 130 Nutzer beim Carsharing "Minden Go" Sebastian Radermacher Minden. Der Start im Januar war für Olaf Funk wie eine Wundertüte: Er wusste nicht, ob das neue Carsharing-Angebot in Minden tatsächlich angenommen wird. Knapp zehn Monate später zieht der Betreiber von „Minden Go“ ein positives Fazit. „Wir sind sehr zufrieden. Minden ist keine klassische Carsharing-Stadt, dennoch haben wir Kunden gewinnen können, die die Fahrzeuge regelmäßig nutzen – sowohl für private als auch für dienstliche Zwecke“, sagt der Prokurist der MK Autovermietung aus Minden, die das Carsharing anbietet. Carsharing funktioniere in der Regel besonders gut in Städten ab etwa 150.000 Einwohnern – insbesondere dort, wo Universitäten vertreten seien. Den Parkdruck reduzieren, die Mobilität nachhaltig fördern und das Klima schonen – darauf setzt das Carsharing-Angebot. Das Ziel ist einfach: Möglichst viele Menschen teilen sich Autos, die an verschiedenen Stellen in der Stadt bereitstehen. Die Fahrer zahlen immer nur dann, wenn sie ein Fahrzeug tatsächlich benötigen. „Teilen statt zu besitzen, ist auf viele Arten nachhaltig – so auch beim Auto“, sagt Mindens Klimaschutzmanagerin Inna Sawazki. Die Nutzer Mittlerweile haben sich rund 130 Nutzer registriert, berichtet Olaf Funk. Natürlich seien nicht alle aktiv, „aber erfreulich viele fahren sehr regelmäßig“. Die Altersklasse reiche von 20 bis 75 Jahre, das Durchschnittsalter liege bei 40 Jahre. Etwa 65 Prozent der Nutzer seien Männer. Im Schnitt würden die Autos für rund drei Stunden gebucht, es gebe aber auch Nutzer, die nur 60 Minuten unterwegs seien – etwa zum Wocheneinkauf. Fast alle Autos seien täglich in Bewegung. „Es gibt kaum einen Tag ohne Buchung“, sagt Funk. Am Ende der Fahrt müssen die Nutzer die Autos wieder dort abstellen, wo sie losgefahren sind. Was der Betreiber in den vergangenen Monaten beobachtet hat: Die Nutzer der Leihautos seien überaus pünktlich und halten ihre gebuchten Zeitfenster fast immer ein. Das sei wichtig für den Fall, dass ein Auto direkt im Anschluss wieder gebuchtwerde. Das Laden der E-Fahrzeuge übernimmt der Betreiber. „Wir kontrollieren das regelmäßig und laden bei Bedarf auf“, sagt Funk. Die Standorte Das Carsharing-Angebot ist in Minden im Januar mit fünf Stationen gestartet: Marienwall, Paulinenstraße, Königswall, Weserglacis und Friedrich-Wilhelm-Straße. Neuerdings steht auch ein Fahrzeug an der Ecke Grimpenwall/Goebenstraße bereit. Die Autos können über eine Handy-App gebucht werden. So funktioniert die Registrierung bei "Minden Go" Um die Carsharing-Autos nutzen zu können, ist eine einmalige Registrierung für 29 Euro in der App „Minden Go“ erforderlich. Dafür muss der Nutzer dort Name, Geburtsdatum sowie Zahlungsweise eingeben und anschließend seinen Führerschein und Personalausweis prüfen lassen. Die Legitimation erfolgt in einer Videokonferenz. Die Carsharing-Autos sind mit einer Art „Black Box“ ausgestattet, die per Bluetooth vom Handy aus angesteuert werden kann. In der App wählt der Nutzer den Parkplatz und das dort verfügbare Auto aus, das sich nach einer PIN-Eingabe öffnet. Im Inneren liegt der Schlüssel zum Start des Motors bereit. Die Kosten pro Buchung setzen sich aus einem Stunden- und Kilometerpreis zusammen, je nach Größe des Fahrzeugs variieren die Summen. Der Smart zum Beispiel kostet 2,20 Euro pro Stunde und 18 Cent je gefahrenem Kilometer. Die Fahrer sind versichert – im Schadensfall beträgt die Selbstbeteiligung 1.000 Euro. Die Autos Die Fahrzeugflotte hat der Betreiber mittlerweile auf umweltfreundliche Elektromodelle umgestellt. Aktuell stehen folgende E-Auto-Modelle bereit: ein Mercedes-Vito, den das Autohaus Sieg als neuer Kooperationspartner zur Verfügung stellt, zwei BMW-i3 und ein E-Smart. Im Schnitt legen die Nutzer pro Buchung 30 Kilometer zurück – die maximale Reichweite der Fahrzeuge liegt bei 150 bis knapp über 200 Kilometer. Wer weitere Touren plant, kann sich beim Betreiber melden und erhält für die Fahrt ein Benzin- oder Diesel-Fahrzeug zu einem separaten Tarif, erklärt Funk. Der Betreiber kann in solchen Fällen auf den Fahrzeug-Pool aus der Autovermietung zurückgreifen. Diese Quernutzung der Autos sei sinnvoll und erforderlich, denn sonst wäre das Carsharing-Angebot nicht wirtschaftlich, sagt er. Fahrer werden aber auch in Zukunft weiterhin die Möglichkeit haben, beim Carsharing auf Diesel- oder Benzin-Autos zurückzugreifen, sagt Funk. Aktuell werde zum Beispiel ein weiteres Fahrzeug mit der entsprechenden Technik wie einem bestimmten Schließsystem ausgestattet. Der neu in den Fuhrpark aufgenommene E-Vito ist ein Achtsitzer, der eine Strecke von rund 150 Kilometern mit einer Ladung schafft. Damit eigne sich das Auto zum Beispiel für Vereinsausflüge oder Kindergeburtstage, erklärt Ulrich Tiebach vom Autohaus Sieg. „Auch für uns ist das Carsharing ein neuer Versuch, mit dem wir den Verbrauchern die Elektroautos näherbringen wollen.“ Standort des neuen Fahrzeugs ist der Parkplatz der Firma CX9 am Grimpenwall 26, die auch die App für „Minden Go“ entwickelt hat. Da CX9 auch für andere Carsharing-Angebote die Anwendungssoftware zur Verfügung stellt, werde das Mindener Projekt auch über die Stadtgrenzen hinaus beworben. In Zukunft wären dann Kooperationen denkbar, so dass Mindener auch Leihautos in anderen Städten mitnutzen können, sagt Funk. Corona-Auswirkungen Als im März die Corona-Pandemie das gesellschaftliche Leben ausgebremst hatte, brach auch die Nutzung der Cahrsharing-Autos ein. Die Nutzer seien in dieser Zeit spürbar verunsichert gewesen. Aber: Anders als das normale Geschäft der Autovermietung hätten die Carsharing-Buchungen nach dem Ende des Shutdowns wieder deutlich früher zugenommen, erklärt Funk. Blick in die Zukunft Was die Macher von „Minden Go“ besonders freut, ist die zunehmende Nutzung der Fahrzeuge für dienstliche Zwecke. So habe ganz aktuell die Stiftsapotheke entschieden, für ihre Lieferfahrten künftig die Carsharing-Autos zu nutzen, berichtet Funk. Das sei genau die Richtung, die man mit diesem Angebot einschlagen wolle. Und sollte der Bedarf weiter zunehmen, „können wir natürlich weitere Autos für ,Minden Go' bereitstellen“. Auch die Erweiterung um etwas weiter außerhalb der Innenstadt liegende Carsharing-Stationen steht noch aus. „Dazu werden wir noch auf die Bürger zukommen und die Bedarfe abfragen, damit wir wissen, welches Minden-Go-Fahrzeug wo gewünscht ist“, erläutert Klimaschutzmanagerin Inna Sawazki. Ein nächster Schritt könnte ein elektrisch betriebener Kastenwagen sein. Damit könnten zum Beispiel Umzüge erledigt werden, sagt Funk. Lesen Sie auch: Ein Auto für Zwischendurch: Auch Minden kann jetzt Carsharing

Beliebte Leihautos: 130 Nutzer beim Carsharing "Minden Go"

Ein Auto, viele Fahrer: Seit Anfang dieses Jahres gibt es in Minden das Carsharing-Angebot „Minden Go“. Der Betreiber ist mit der Entwicklung der Nutzerzahlen zufrieden. MT-Archivfoto: Sebastian Radermacher

Minden. Der Start im Januar war für Olaf Funk wie eine Wundertüte: Er wusste nicht, ob das neue Carsharing-Angebot in Minden tatsächlich angenommen wird. Knapp zehn Monate später zieht der Betreiber von „Minden Go“ ein positives Fazit. „Wir sind sehr zufrieden. Minden ist keine klassische Carsharing-Stadt, dennoch haben wir Kunden gewinnen können, die die Fahrzeuge regelmäßig nutzen – sowohl für private als auch für dienstliche Zwecke“, sagt der Prokurist der MK Autovermietung aus Minden, die das Carsharing anbietet. Carsharing funktioniere in der Regel besonders gut in Städten ab etwa 150.000 Einwohnern – insbesondere dort, wo Universitäten vertreten seien.

Den Parkdruck reduzieren, die Mobilität nachhaltig fördern und das Klima schonen – darauf setzt das Carsharing-Angebot. Das Ziel ist einfach: Möglichst viele Menschen teilen sich Autos, die an verschiedenen Stellen in der Stadt bereitstehen. Die Fahrer zahlen immer nur dann, wenn sie ein Fahrzeug tatsächlich benötigen. „Teilen statt zu besitzen, ist auf viele Arten nachhaltig – so auch beim Auto“, sagt Mindens Klimaschutzmanagerin Inna Sawazki.

Die Nutzer

An diesen Standorten sind "Minden Go"- Fahrzeuge verfügbar. Karte: MT
An diesen Standorten sind "Minden Go"- Fahrzeuge verfügbar. Karte: MT

Mittlerweile haben sich rund 130 Nutzer registriert, berichtet Olaf Funk. Natürlich seien nicht alle aktiv, „aber erfreulich viele fahren sehr regelmäßig“. Die Altersklasse reiche von 20 bis 75 Jahre, das Durchschnittsalter liege bei 40 Jahre. Etwa 65 Prozent der Nutzer seien Männer. Im Schnitt würden die Autos für rund drei Stunden gebucht, es gebe aber auch Nutzer, die nur 60 Minuten unterwegs seien – etwa zum Wocheneinkauf. Fast alle Autos seien täglich in Bewegung. „Es gibt kaum einen Tag ohne Buchung“, sagt Funk.

Am Ende der Fahrt müssen die Nutzer die Autos wieder dort abstellen, wo sie losgefahren sind. Was der Betreiber in den vergangenen Monaten beobachtet hat: Die Nutzer der Leihautos seien überaus pünktlich und halten ihre gebuchten Zeitfenster fast immer ein. Das sei wichtig für den Fall, dass ein Auto direkt im Anschluss wieder gebuchtwerde. Das Laden der E-Fahrzeuge übernimmt der Betreiber. „Wir kontrollieren das regelmäßig und laden bei Bedarf auf“, sagt Funk.

Die Standorte

Das Carsharing-Angebot ist in Minden im Januar mit fünf Stationen gestartet: Marienwall, Paulinenstraße, Königswall, Weserglacis und Friedrich-Wilhelm-Straße. Neuerdings steht auch ein Fahrzeug an der Ecke Grimpenwall/Goebenstraße bereit. Die Autos können über eine Handy-App gebucht werden.

So funktioniert die Registrierung bei "Minden Go"

Um die Carsharing-Autos nutzen zu können, ist eine einmalige Registrierung für 29 Euro in der App „Minden Go“ erforderlich. Dafür muss der Nutzer dort Name, Geburtsdatum sowie Zahlungsweise eingeben und anschließend seinen Führerschein und Personalausweis prüfen lassen. Die Legitimation erfolgt in einer Videokonferenz.

Die Carsharing-Autos sind mit einer Art „Black Box“ ausgestattet, die per Bluetooth vom Handy aus angesteuert werden kann. In der App wählt der Nutzer den Parkplatz und das dort verfügbare Auto aus, das sich nach einer PIN-Eingabe öffnet. Im Inneren liegt der Schlüssel zum Start des Motors bereit.

Die Kosten pro Buchung setzen sich aus einem Stunden- und Kilometerpreis zusammen, je nach Größe des Fahrzeugs variieren die Summen. Der Smart zum Beispiel kostet 2,20 Euro pro Stunde und 18 Cent je gefahrenem Kilometer. Die Fahrer sind versichert – im Schadensfall beträgt die Selbstbeteiligung 1.000 Euro.

Die Autos

Die Fahrzeugflotte hat der Betreiber mittlerweile auf umweltfreundliche Elektromodelle umgestellt. Aktuell stehen folgende E-Auto-Modelle bereit: ein Mercedes-Vito, den das Autohaus Sieg als neuer Kooperationspartner zur Verfügung stellt, zwei BMW-i3 und ein E-Smart. Im Schnitt legen die Nutzer pro Buchung 30 Kilometer zurück – die maximale Reichweite der Fahrzeuge liegt bei 150 bis knapp über 200 Kilometer. Wer weitere Touren plant, kann sich beim Betreiber melden und erhält für die Fahrt ein Benzin- oder Diesel-Fahrzeug zu einem separaten Tarif, erklärt Funk. Der Betreiber kann in solchen Fällen auf den Fahrzeug-Pool aus der Autovermietung zurückgreifen. Diese Quernutzung der Autos sei sinnvoll und erforderlich, denn sonst wäre das Carsharing-Angebot nicht wirtschaftlich, sagt er. Fahrer werden aber auch in Zukunft weiterhin die Möglichkeit haben, beim Carsharing auf Diesel- oder Benzin-Autos zurückzugreifen, sagt Funk. Aktuell werde zum Beispiel ein weiteres Fahrzeug mit der entsprechenden Technik wie einem bestimmten Schließsystem ausgestattet.

Der neu in den Fuhrpark aufgenommene E-Vito ist ein Achtsitzer, der eine Strecke von rund 150 Kilometern mit einer Ladung schafft. Damit eigne sich das Auto zum Beispiel für Vereinsausflüge oder Kindergeburtstage, erklärt Ulrich Tiebach vom Autohaus Sieg. „Auch für uns ist das Carsharing ein neuer Versuch, mit dem wir den Verbrauchern die Elektroautos näherbringen wollen.“

Standort des neuen Fahrzeugs ist der Parkplatz der Firma CX9 am Grimpenwall 26, die auch die App für „Minden Go“ entwickelt hat. Da CX9 auch für andere Carsharing-Angebote die Anwendungssoftware zur Verfügung stellt, werde das Mindener Projekt auch über die Stadtgrenzen hinaus beworben. In Zukunft wären dann Kooperationen denkbar, so dass Mindener auch Leihautos in anderen Städten mitnutzen können, sagt Funk.

Corona-Auswirkungen

Als im März die Corona-Pandemie das gesellschaftliche Leben ausgebremst hatte, brach auch die Nutzung der Cahrsharing-Autos ein. Die Nutzer seien in dieser Zeit spürbar verunsichert gewesen. Aber: Anders als das normale Geschäft der Autovermietung hätten die Carsharing-Buchungen nach dem Ende des Shutdowns wieder deutlich früher zugenommen, erklärt Funk.

Blick in die Zukunft

Was die Macher von „Minden Go“ besonders freut, ist die zunehmende Nutzung der Fahrzeuge für dienstliche Zwecke. So habe ganz aktuell die Stiftsapotheke entschieden, für ihre Lieferfahrten künftig die Carsharing-Autos zu nutzen, berichtet Funk. Das sei genau die Richtung, die man mit diesem Angebot einschlagen wolle. Und sollte der Bedarf weiter zunehmen, „können wir natürlich weitere Autos für ,Minden Go' bereitstellen“.

Auch die Erweiterung um etwas weiter außerhalb der Innenstadt liegende Carsharing-Stationen steht noch aus. „Dazu werden wir noch auf die Bürger zukommen und die Bedarfe abfragen, damit wir wissen, welches Minden-Go-Fahrzeug wo gewünscht ist“, erläutert Klimaschutzmanagerin Inna Sawazki. Ein nächster Schritt könnte ein elektrisch betriebener Kastenwagen sein. Damit könnten zum Beispiel Umzüge erledigt werden, sagt Funk.

Lesen Sie auch: Ein Auto für Zwischendurch: Auch Minden kann jetzt Carsharing

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